Sino Kolumne: Japan ~ Westbahn ~ Kleidungsetiketten

Im Beitrag 145 in meinem Taibang-Blog (Abre numa nova janela) vom 5. Oktober habe ich in Bezug auf die neue Premierministerin in Japan Sanae Takaichi geschrieben: "Dazu kommt, dass Takaichi eine nationalistische Hardlinerin ist, was nichts Gutes für die Außenpolitik von Japan erwarten lässt. Mit Tönen gegen Ausländer will sie Wählerstimmen bei nationalistischen Japanern gewinnen. Das wird für Spannungen mit China sorgen..." Und nur einen guten Monat später bewahrheitet sich leider diese pessimistische Prognose. Während ein deutscher Blogger, der in Japan wohnt, der neuen Regierungschefin insgesamt beim ASEAN-Gipfel einen guten Auftritt bescheinigt, so stolpert sie nur wenige Tage danach in die diplomatische Auseinandersetzung mit China wegen einer drohenden militärischen Aussage und der Ignoranz der international (und auch in einem bilateralen Abkommen von 1972 zwischen China und Japan verankerten) anerkannten Ein-China-Politik in Bezug auf Taiwan. Ein scharfer Beobachter erkennt allerdings den irrsinnigen außenpolitischen Inhalt, da Japan bei militärischen Entscheidungen am Rockzipfel seiner Schutzmacht USA hängt. Und so teile ich die Bewertung dieser aggressiven und undiplomatischen Aussage von Takaichi mit dem scharfsinnigen, einflussreichen und von mir sehr geschätzten Kommentator mit dem Pseudonym "tuzhuxi" auf seinem WeChat-Kanal, dass dieses verbale Säbelrasseln vor allem der Innenpolitik in Japan gilt. Hier muss sich Frau Takaichi als starke Frau gegenüber der traditionellen machthungrigen Männerriege in den Führungsetagen von Politik und Wirtschaft behaupten und positionieren und auch die eigenen nationalistischen Anhänger politisch befriedigen. Die scharfe Reaktion aus China ist trotzdem berechtigt, weil China sich seit Jahren für gute Beziehungen zu Japan einsetzt und das sogar gegen chinesische nationalistische Töne im eigenen Land. Auch wenn der japanische Botschafter Japans Kenji Kanasugi in seiner Rede auf dem 16. Caixin-Gipfel in Beijing dazu aufrief, dass die Beziehungen zu China "widerstandsfähiger denn je" sein müssten, wird es die Wogen nicht so leicht glätten. Ich denke, dass sich die bilateralen Beziehung zwischen Japan und China wegen der japanischen Premierministerin weiterhin merklich abkühlen werden, nicht unbedingt zum Vorteil von Japan und seiner Wirtschaft.
Das private Bahnunternehmen Westbahn in Österreich hat in diesen Tagen seine neuen Züge des chinesischen Herstellers China Railway Rolling Stock Corporation (CRRC) in Betrieb genommen. Das Unternehmen ist der größte Schienenfahrzeughersteller der Welt. In Deutschland ist das Unternehmen Eigentümer der Vossloh Rolling Stock GmbH und baut in einem Werk in Kiel Lokomotiven sogar für den skandinavischen Markt. Trotzdem kommt es in den Medien bei Inbetriebnahme der Züge zu einer kollektiven china-feindlichen Hetze, die mit den Zügen und der Technik nichts zu tun haben. So titelten die Medien "Westbahn düst mit Zügen aus China und sorgt damit für Empörung", "Westbahn erntet für Züge aus China massive Kritik", "Seit heute fährt die Westbahn mit einem Zug aus China - und die Kritik ist groß" und gehen auf die "harsche Kritik" ein. Skurril wird es dann auf Bahn-Kanälen auf YouTube wo bubihafte Moderatoren beim Gang um und in den Zügen in jeder Ecke Gefahr lauern sehen und nicht müde werden, ihre substanzlose Feindschaft zum chinesischen Produkt zum Ausdruck zu bringen. Liebe Europäer, betrachtet eure ideologische Feindseligkeit einmal im eigenen Spiegel und versucht den Wahnsinn in euren Augen zu erkennen. Gerade wer die technischen Probleme bei einheimischen Herstellern wie Bombardier (eigentlich kanadischer Konzern; gehört heute zu Alstom), den Ausfall der Motoren bei der Baureihe 440 von Alstom, die Zugausfälle wegen technischer Probleme bei den Metronom-Zügen des gleichen Herstellers und die Softwareausfälle und damit Zugausfälle der FLIRT-Züge von Stadler kennt, ist für eine Bereicherung am Angebotsmarkt für Züge sehr dankbar. Passend dazu hat die Deutsche Bahn im Jahr 2023 den Verzicht der Skoda-Lokomotiven und Doppelstockwagen der Baureihe 102 wegen anhaltender und gravierender technischer Probleme bekannt gegeben. Ich selbst erlebe in meinem Job regelmäßig technische Ausfälle und Probleme mit den Dieseltriebzügen der Baureihe 642 von Siemens, wo mysteriöse Türstörungs- und Traktionsstörungsmeldungen zu Verzögerungen und Zugausfällen führen und die Fahrgäste wegen Fehlfunktionen der Klimaanlage abwechselnd zwischen Sauna und Kühlkammer wählen können. Darüber beschweren sich die meisten Politiker, Wirtschaftsbosse, Gewerkschafter, Journalisten und bübchenhaften YouTuber allerdings selten bis gar nicht. Ob die Züge aus China besser sind? Ich weiß es nicht. Aber wegen all dieser vielen selbstverschuldeten Mängel bei den europäischen Bahnherstellern tut dem Markt eine Belebung mit Konkurrenz aus Fernost sehr gut.
In China gibt es ein Phänomen, was auch hierzulande gang und gäbe ist: Kunden kaufen im Internet Kleidung, tragen diese eine Weile und schicken die Sachen dann als Retoure an den Versandhändler zurück. Die Rückgabequoten bei Damenbekleidung liegen dabei in China in einer Spanne von 60 % bis 80 %. Die hohe Rückgabequote wird teilweise durch Rückgaberichtlinien chinesischer E-Commerce-Plattformen wie Taobao und JD.com verursacht, die es Käufern erlauben, Artikel innerhalb von sieben Tagen und ohne Kosten zurückzuschicken. Solche Richtlinien wurden 2014 eingeführt, um Kunden dazu zu ermutigen, mehrere Größen oder Modelle zu bestellen und nur das zu behalten, was passt. Doch dieses System wird ausgenutzt. Im letzten Jahr sorgten Schüler in der nordöstlichen Provinz Heilongjiang für Schlagzeilen, nachdem sie nach einer Schulaufführung über 400 Röcke zurückgeschickt hatten. Ein ähnlicher Fall mit Universitätsstudenten, die 80 Kostüme zurückgeschickt haben, ging in der nordwestlichen Region Ningxia viral. Allerdings berichten Händler, dass zurückgegebene Kleidungsstücke oft mit Schweißflecken, Make-up, Parfümgerüchen oder Tierhaaren ankommen, was es unmöglich macht, die Kleidung wieder als neu zu verkaufen. Online-Versandhäuser haben jetzt dagegen eine Maßnahme entwickelt. Sie führen riesige, steife und bunt gefärbte Kleidungsmarken ein, um die hohe Rückgabequote einzudämmen und vor allem das Tragen der Kleidung vor der Rücksendung zu verhindern. Die neuen Kleidungsetiketten sind so groß wie eine A4-Seite und mit Hinweisen versehen, wie "keine Rückerstattung nach Entfernung des Etiketts". Sie sind so gestaltet, dass sie auffällig sind und das Tragen der Kleidungsstücke verhindern. In China versuchen also Händler und Kunden sich in der Kategorie Cleverness gegenseitig zu übertreffen.