Nochmal zieht es mich zum Sumburgh Head Lighthouse. Ich will dabei sein, wenn das riesige Nebelhorn das Eröffnen der Saison verkündet.
Nach wie vor ist das Wetter komplett wechselhaft, nur der Wind bleibt konstant stürmisch.
Am Leuchtturm startet Jane vom Shetland Amenity Trust die erste Tour des Jahres. Der interessante Rundgang erzählt vom Leben und Wirken der Leuchtturmwärter. Die sind rar geworden, denn - so sagt einer der wenigen Leuchtturmwärter, die noch am Leben sind - man hat ihnen ihr Habitat genommen, ihren Lebensraum. Daher stehen sie auf der Roten Liste.

Doch am heutigen Tag sind zwei dieser Exemplare vor Ort. In Uniform sogar. Brian ist es zu verdanken, dass hier überhaupt heute etwas zu hören ist. Denn die meisten Nebelhörner an Leuchttürmen sind längst verrottet.
Brian und sein 60-jähriger Lehrling (sic!) halten drei Dieselgeneratoren instand, die Drucklufttanks, die Leitungen und vieles mehr. Ich habe bisher in keinem Leuchtturm die Maschinen so gut erhalten gesehen.

Kurz vor zwölf schmeißt Brian dann vor vielen Zuschauern die Motoren an. Ein Getöse. Sie erzeugen Druckluft, die ab einem bestimmten Druck zum Horn hinübergeschickt wird. Das Publikum geht nach oben, um den ersten Hornstoß zu erleben.
Zunächst bleibt alles still, dann hört man, wie die Luft vom Maschinenraum übertragen wird, und kurz darauf ertönt das mächtige Horn. Was für ein satter Klang! Es wird gut eine Stunde immer wieder den markigen, tiefen Ton von sich geben.
Derweil fahre ich ein Stück des Weges zurück und hole den Jarlshof nach, der wegen des Winds am Tag 1 geschlossen war. Der Jarlshof zeigt eine ungewöhnliche Dichte an Wohnanlagen durch die letzten Jahrtausende. Hier gibt es Reste von neolithischen, piktischen, nordischen und mittelalterlichen Gebäuden. Gekrönt wird alles vom Jarlshof, einem kleinen Palast. Eine tolle Reise durch die Zeit.

Den Rest des Tages erkunde ich die Westküste. Zwischen steiniger Steilküste schmiegen sich immer wieder Sandstrände in Buchten. Der Wind sorgt für hohe Wellen, die wiederum gewaltig an die Klippen schlagen. Dazu ein stimmungsvoller Himmel … Herz, was willst Du mehr?

Der Tag war gigantisch, aber der Wind ist wirklich stark. Und ich frage mich, ob ich morgen die Wanderungen machen soll, die ich vorhabe. Oder ob der Wind das nicht zu gefährlich macht.