Künstliche Intelligenz verändert die Erinnerungsarbeit. Sie unterstützt historische Recherchen, visualisiert vergessene Schicksale und hilft, Wissen zu bewahren. Gleichzeitig erzeugt sie gefährliche Fälschungen. Diese drei Einsatzfelder sind für uns als faktenbasierte Plattform von Bedeutung:

KI als Recherche-Tool: Täter identifizieren
ChatGPT analysiert historische Fotos mit künstlicher Intelligenz und lokalisiert Aufnahmeorte präzise. Ein Historiker nutzte diese Technologie, um einen NS-Mörder auf einem bekannten Holocaust-Foto zu identifizieren. Das Ergebnis: Jakobus Onnen aus Weener erschoss 1941 einen Mann am Rand eines Massengrabs in der Ukraine. Der Name des Täters steht noch heute auf einem Ehrenmal für Kriegsopfer in seiner Heimatstadt. KI ermöglicht hier historische Rekonstruktion und Verifikation.
KI als Visualisierungs-Tool: Opfer sichtbar machen
Radebeuler Schüler gestalten eine App, die an NS-Opfer in ihrem Heimatort erinnert. Künstliche Intelligenz hilft ihnen, vergessene Familienschicksale zu visualisieren und zugänglich zu machen. Solche Projekte zeigen: KI kann Erinnerungsarbeit demokratisieren und emotionalen Zugang schaffen. Doch diese Ansätze erfordern kritische Begleitung. Die Einfachheit, Geschichten über Textbefehle zu visualisieren, wirft Fragen auf.

KI und ihre Abgründe: Gefälschte Holocaust-Opfer
Ein Facebook-Video zeigt ein Mädchen auf einem Fahrrad. Der Text behauptet: Hannelore Kaufmann, geboren 1931 in Berlin, starb 1944 in Auschwitz. Das Problem: Video und Geschichte sind komplett erfunden. KI-generierte Inhalte täuschen authentische Zeitzeugnisse vor. Diese Fälschungen erzeugen emotionale Schocks und generieren Aufmerksamkeit. Sie dienen nicht nur kommerziellen Interessen, sondern auch gezielten Grenzüberschreitungen. Hohe Medienkompetenz ist notwendig, um Fakten und Fiktion zu unterscheiden.

Unsere Fragen für NaziCrimesAtlas
Wie erzählen wir Geschichte an Orten ohne Bildmaterial? KI-Visualisierungen senken die Hemmschwelle kontinuierlich. Texteingaben werden immer einfacher, Ergebnisse immer wirkungsvoller. NaziCrimesAtlas arbeitet faktenbasiert mit verifizierten Quellen. Sie finden in unserer App keine KI-Visualisierungen. So bleibt unsere faktenbasierte Maxime gewahrt. Welche Möglichkeiten der KI können Sie für Erinnerungsarbeit verantwortungsvoll nutzen? Welche Risiken müssen Sie dabei minimieren? Welche Chancen entstehen für die Vermittlung von Geschichte?
Wir haben keine abschließenden Antworten. Die Technologie entwickelt sich schneller als ethische Diskurse. Nächste Woche konfrontieren uns bereits neue Optionen. Dieser Newsletter ist mit seinem Versand bereits veraltet. Deshalb brauchen wir einen fundierten, fokussierten Austausch über Strategien und Vermittlungskonzepte. Wir müssen uns vorbereiten und Sachkenntnis aufbauen.
Quellen zum Vertiefen:
Recherche-Tool:
DOCMA: ChatGPT o3 als Geo-Detektiv (Öffnet in neuem Fenster)
n-tv: Name von NS-Verbrecher steht auf Ehrenmal für Kriegsopfer (Öffnet in neuem Fenster)
Visualisierung:
Abgründe:
Tagesspiegel: KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen geht gegen Fakenews vor (Öffnet in neuem Fenster)
GADMO: KI-Video gaukelt Geschichte eines Holocaust-Opfers vor (Öffnet in neuem Fenster)
FAZ: Wie erinnert man in sozialen Medien an den Holocaust (Öffnet in neuem Fenster)
Nächste Schulung zum NaziCrimesAtlas am 24. November

Sie möchten beim NaziCrimesAtlas oder der NS-Erinnerungsorte in Bayern mitwirken? Die nächste Online-Schulung mit dem Schwerpunkt Partizipation findet am Montag, den 24. November um 16. Uhr statt. Senden Sie uns vorab Ihre Fragen und Wünsche. Wir laden Sie ein, sich die Videos vorher anzusehen. Mit diesem Grundlagenwissen können wir die Schulung optimal gestalten und Ihre Ideen zur Umsetzung bearbeiten.
Links
Förderung
Das Projekt NaziCrimesAtlas wird in der Bildungsagenda NS-Unrecht von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) gefördert.
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