Georgien mit zweimal Gold – Platz zwei und vier für deutsche Paare
Vor 14 Jahren fanden schon einmal Europameisterschaften in Sheffield mit heute etwa 580.000 Einwohnern statt. Die Stadt ist damit etwa so groß wie Essen oder Dresden, hat aber keinen Airport. Die drei mittelenglischen Industriestädte Liverpool, Manchester und Sheffield haben einen gemeinsamen Flughafen in Manchester, von dem Läufer, Trainer und Offizielle abgeholt und in das etwa 70 km entfernte Sheffield gebracht wurden. Die Meisterschaften fanden in derselben Mehrzweckhalle statt wie damals, einige Kilometer vom Zentrum mit den Hotels entfernt. Damals hieß sie Motorpoint Arena und jetzt Utilita Arena, benannt nach einem britischen Energieversorger. Inzwischen wurde die Halle gründlich renoviert und erweitert und hat jetzt beim Eiskunstlaufen 12.500 Zuschauerplätze. Drei Fußminuten entfernt liegt die kleinere Sheffield Arena, die diesmal Trainingshalle war und sonst für Training und kleinere Wettbewerbe dient und in der jedes Jahr die britischen Meisterschaften abgehalten werden, 2022 auch einmal ein Grand Prix. Diesmal herrschte ziemlich trockenes und mit +5 - +10 Grad mildes Wetter. Beim KP der Männer war für eine oder zwei Stunden mit Prinz Edward, dem jüngsten Bruder von König Charles III, ein Mitglied des Königshauses als Ehrengast in der Halle.
Zuschauer konnten entweder ihr Auto auf einem riesigen Parkplatz vor der Halle abstellen oder mit der bis nach Mitternacht etwa alle zehn Minuten verkehrenden langen Straßenbahn vom Stadtzentrum zur Haltestelle Arena und fahren. Man bezahlt übrigens bargeldlos bei Schaffnern in der Bahn, die es in Deutschland schon lange nicht mehr gibt. An den ersten beiden Tagen war die Halle etwa zur Hälfte besetzt, aber am Freitag, Samstag und dem Schaulaufen am Sonntag mit mehr als 11.000 Zuschauern nahezu oder komplett ausverkauft. Außerdem waren die Zuschauer sehr beifallsfreudig und jubelten bei vielen guten Leistungen, nicht nur bei den Briten. Das Medienzentrum lag nicht mehr in einem sturmumtosten Zelt außerhalb der Halle wie 2012, sondern im Erweiterungstrakt in der Haupthalle. Der Bustransport vom ISU- und vom Läuferhotel zu den Hallen klappte überwiegend. Aber nach einem Antidopingtest nach dem Wettbewerb kam der letzte fahrplanmäßige Läuferbus nicht und die Organisatoren mussten nachts für die Läuferin mit ihrem Arzt und zwei andere Personen Taxi zur Rückfahrt ins Hotel bestellen.
Kein Highlight waren die Neuigkeiten, mit denen die ISU mehr junge Zuschauer anlocken will. Die Elemente-Listen auf dem Videowürfel oben in der Mitte der Halle, die neu programmiert worden waren, sind nur zu Hause im TV oder im Internet gut zu erkennen. Aber auf dem Videowürfel in der Halle waren sie so klein, dass die Hallenzuschauer ein starkes Fernglas gebraucht hätten, um zu erkennen, wie viele Pluspunkte welches Element erhalten hat. Während der beiden besten Kürgruppen gibt es jetzt neben dem Tränensofa ein Sofa, auf dem der oder die bis dahin insgesamt Führende sich die Kür der folgenden Läufer/innen ansehen kann. Das wirkt nicht faszinierend, insbesondere bei den Einzelläufern, die alleine herumsitzen. Allerdings gibt es hierzu auch positive Stimmen: Annika Hocke meinte: „Ich finde, das ist eine tolle Idee und würde das gerne wieder einmal machen.“ Kunkel ergänzte: „Es ist auch eine bessere Idee als der bisherige Green Room mit den drei Besten, in dem diese drei Küren lang herumsitzen und keine Medieninterviews geben können.“ DEU-Präsident Andreas Wagner kritisierte in einer DEU-Mitteilung offiziell, dass das ZDF, das diesmal die Senderechte hatte, sich außerstande sah, das KP des Spitzenpaares von Hase/Volodin irgendwo zu zeigen. Da war vieles im Weg, denn dafür hätten mehrere Mitarbeiter (vor allem Techniker) extra arbeiten müssen.
Wie bei der WM in Boston gab es Mini-Interviews mit fast jedem Läufer nach KP oder Kür auf dem Kiss-and-Cry-Sofa, noch bevor die Punkte bekanntgegeben werden. Diese können nur die Zuschauer in der Halle sehen und hören, aber nicht die Fernsehzuschauer, die in dieser Zeit mit Zeitlupen versorgt werden. Fast alle Läufer/innen lobten das engagierte Publikum, das geholfen habe, gut durchzuhalten. Die Läufer sind oft noch so außer Atem, dass sie keinen ganzen Satz herausbringen. Außerdem ist das nur in einem Land sinnvoll, in dem alle gut Englisch verstehen, wie in Großbritannien. Denn die Fragen und Antworten sind auf Englisch und das konnten die meisten. Sinnvoll sind dagegen die schon lange etablierten Siegerinterviews, die die Zeit des Aufbaus des Medaillenpodests auf dem Eis überbrücken.
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