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Mein schlimmster Fall…

…ist Alltag für die meisten Menschen. Warum ich mir diesen Satz als Mantra jeden Tag vor Augen halte und über den Zustand von purer Dankbarkeit.

„Im schlimmsten Fall gehe ich wieder in eine Festanstellung. Und die ist Alltag für die meisten Menschen. Ihr Alltag ist mein schlimmster Fall. Alles wird gut.“ Diese Aneinanderreihung von Sätzen sage ich mir selbst in letzter Zeit fast täglich, sobald ich den kleinsten Hauch eines Zweifels an meinen Plänen verspüre. Obwohl ich mir meiner Sache sicher bin und wirklich daran glaube, dass mein Vorhaben Hand und Fuß hat, ist meine Überzeugung doch dann und wann etwas instabil. Immer dann, wenn eine Absage oder gar keine Antwort auf eine meiner vielen Mails kommt, in denen ich meine Workshops vorstelle. Oder sich „nur“ drei Leute für einen Schreibabend angemeldet haben. Die gute Nachricht ist: Die Absagen sind in der Unterzahl. Dennoch prägen sie sich stärker ein als jede positive Rückmeldung. Daran arbeite ich noch. Eigentlich weiß ich: Das läuft alles ganz wunderbar, ich muss einfach dranbleiben und aufmerksam sein, nachjustieren, flexibel sein, mich nicht verunsichern lassen und immer weitergehen. Das bedarf einer Menge Energie und fühlt sich nach einer Mischung aus Seelenfrieden, Glück, innerer Ruhe und absolutem Wahnsinn an. So richtig viel Raum hat das Schreiben daher im Moment nicht. Aber das ist okay. Es ist da. In kleineren Dosen als vorher, aber immer noch da und es fühlt sich immer gut an. Manchmal schreibe ich auch nur einen Satz in mein kleines Notizbuch, das in meiner Nachttischschublade liegt. Irgendwann wird einer von diesen einzelnen Sätzen der Beginn eines Kapitels, einer Kurzgeschichte oder des großen Romans sein. Vielleicht werde ich sie auch völlig vergessen. Und beides ist in Ordnung. Wichtig ist nur, dass ich sie aufgeschrieben habe. Was bin ich dankbar für diese Einstellung!

Nach meinem Post-Urlaubs-Energie-Schub fühlte ich mich für einen Moment ein wenig verloren in meinem Tun. Irgendwie hat es sich nicht so ganz richtig angefühlt, was ich da tat. Und so machte ich am vergangenen Donnerstag das einzig Richtige: Ich sagte ein zweitägiges Seminar ab, dem ich ohnehin etwas skeptisch gegenüber stand und hätte eigentlich nur aus Pflichtgefühl daran teilgenommen. Es war Teil des Angebots über das Inklusionsamt, das mir in Sachen Existenzgründung kostenlose Kurse zur Verfügung stellt. Allerdings nicht unbedingt in Belangen, die für mich wirklich von Bedeutung sind. Also sagte ich ab und stieg aus dem Ring: Eine Bestandsaufnahme, ein ausgiebiger Blick auf mein Tun, meine Pläne und das Bauchgefühl. Ich studierte meine To-do-Listen, strich Sachen weg, fügte andere hinzu und priorisierte neu. Dann druckte ich mir neue Wochenpläne aus (ja, ich brauche meinen Kalender analog) und füllte sie mit einem Gefühl, wie man es hat, nachdem man endlich seinen Kleiderschrank ausgemistet hat. Derartige Aufräumaktionen häufen sich und ich denke daran, sie fest in meine Routinen aufzunehmen. Einmal im Monat für einen Moment innehalten und prüfen, ob sich das alles noch gut anfühlt. Das erscheint mir sinnvoll, in Zeiten, in denen so viel, so schnell geschieht.

Falls die heutigen Zeilen ein wenig durcheinander wirken: Irgendwie bin ich das auch. Im positiven Sinne. Mit jedem Schritt, den ich gehe, ergeben sich neue Chancen – reale Chancen, nicht nur in meinem Kopf. Manchmal neige ich dazu, gerade dann lieber stehenzubleiben und mich in meiner Komfortzone einzurichten. Ich habe schon so viel geschafft, reicht das nicht? In genau dieser Zeit fand ich durch Zufall auf Spotify das Hörbuch „The Big Leap (Öffnet in neuem Fenster)“ von Gay Hendricks. Das möchte ich dir an der Stelle wärmstens ans Herz legen, denn bei mir hat es den ein oder anderen Gedanken zurechtgerückt. Wie immer bei solchen Büchern und Podcasts gilt, dass man dabei gut darauf achten sollte, dass man die Punkte mitnimmt, die für einen selbst sinnvoll sind und sich gut anfühlen. Ratschläge eines Fremden 1:1 kopieren zu wollen, geht in der Regel schief. Aber ich mag diese Bücher, weil sie bei mir immer an irgendeiner Stelle einen kleinen Stein ins Rollen oder zumindest ins Stolpern bringen.

In diesen aufregenden Zeiten wird mir eine Sache immer deutlicher klar: Wie dankbar ich eigentlich für meine Situation, die Möglichkeiten, die sich mir bieten und vor allem für die Menschen in meinem Leben bin. Ein kleines, stabiles und bedingungslos liebevolles Umfeld sorgt dafür, dass ich mich bei allem, was ich tue, sicher fühle. Erstaunlich, was passieren kann, wenn man seinem eigenen Weg folgt, nicht wahr? Das zu schreiben fühlt sich fast ein wenig kitschig an, aber darüber haben wir ja schon ausgiebig gesprochen: Lasst uns mehr Mut zum Kitsch haben! Beim Schreiben, aber auch in allen anderen Lebensbereichen. Feiere dich für jeden einzelnen Satz, den du schreibst, lies den Liebesroman, für den du eigentlich immer zu cool warst. Das wird schön. Und sei immer dankbar für die kleinen Dinge. Schreib sie auf, erzähl deinen Freund:innen davon. Ich kann es nicht oft genug sagen, mir selbst und dir: Es geht nicht um die großen Meilensteine, sondern immer nur um den nächsten Schritt – oder das nächste Wort. ✍️

Bis nächste Woche!

Alles Liebe

deine Sarah

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