Es ist Montagmorgen. Du liest die Blaupause, den Newsletter, mit dem du Communitys besser verstehst und erfolgreich Mitgliedschaften anbietest. Heute: Wie ein aufregendes neues Startup Creator-Bündel schnürt.
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Hallo!
Kurze Frage vorweg: sehen wir uns nächste Woche auf der Republica in Berlin? Der Einfachheit halber habe ich einen kleinen Verabredungs-Kalender aufgesetzt, falls du dich auf eine Hof-Limo verabreden möchtest.
Aber jetzt: ich freue mich besonders über unseren heutigen Gast-Autoren, Gründer eines spannenden Creator-Startups namens Trustfnd (Öffnet in neuem Fenster): Michaël Jarjour.
Die Zielgruppe seines frisch gestarteten Projektes ist quasi identisch mit den Blaupause-Leser:innen. Ich bin mir also sicher, dass du die Idee überzeugend finden wirst. Ich fasse sie mal so zusammen: Creators alle Plattformen, verbündelt euch!

Neben seinem Job als Mitgründer und CEO von Trustfnd ist Michaël Verwaltungsratsmitglied des Schweizer Politikmagazins Republik, dem dortigen Äquivalent zu Krautreporter. Im vergangenen Jahr hatte er die Financial Times in London verlassen; davor war er unter anderem bei Twitter in der Produktentwicklung und dem Schweizer Radio und Fernsehen als Reporter beschäftigt.
Grenzenlos: Wie Bundling Institutionen schafft
von Michaël Jarjour (Öffnet in neuem Fenster)

I: Über Journalismus-Creator:innen Gründer:innen
Die nächste Journalismus-Institution wird als Kollaboration starten.
Nach Hunderten von Gesprächen mit Journalist:innen in Deutschland, Schweiz, UK und USA, die den Schritt in die Unabhängigkeit gemacht haben, bin ich davon überzeugt.
Die meisten haben wegen der Symptome einer Branche in der Krise gegründet: Weil ein Milliardär die Newsroom-Arbeit unerträglich gemacht hat, wie es bei Dave Jorgenson (Öffnet in neuem Fenster) von der Washington Post der Fall war. Weil sie sich in ihrem Wachstum eingeschränkt fühlten, wie etwa Joanna Stern (Öffnet in neuem Fenster) vom Wall Street Journal. Weil sie Opfer einer Entlassungswelle wurden, wie Kat Tenbarge (Öffnet in neuem Fenster) von NBC News.
Und dann die vielen, die in Newsrooms nie willkommen waren.
Kollektiv informieren diese neuen Medienmacher:innen Hunderte von Millionen von Menschen. Auf den Plattformen, auf denen mittlerweile die Mehrheit der Menschen auf Journalismus stoßen, finden sie ihr Publikum.
Sie haben die Dinge, die den Etablierten fehlen: Vertrauen, Nähe, Agilität. Es fehlt ihnen aber etwas, was die Etablierten (noch) haben: Geld.
II: Geld schafft Unabhängigkeit
Mir ging’s ums Geld, als ich letzten Sommer die Firma Trustfnd gegründet habe. Genauer: Wie können Medienmacher:innen Geld zusammen verdienen, poolen, und ausgeben, ohne ihre Unabhängigkeit zu verlieren?
Angefangen haben wir mit Akquise neuer Kund:innen. Denn Wachstum gehört zu den schwierigsten Herausforderungen sowohl für Medienmacher:innen, die gerade starten, als auch für solche, die bereits ein paar Jahre hinter sich haben.
Akquise ist entweder teuer – wenn man dazu bereit ist, die Google- oder Meta-Steuer zu bezahlen – oder langsam und mühsam. Hier helfen Bundles. Newsletter-Bundles und Probeabo-Bundles.

Drei Journalist:innen in den USA haben das im April mit uns ausprobiert: Marisa Kabas (Öffnet in neuem Fenster), Kat Tenbarge (Öffnet in neuem Fenster) und Katelyn Burns (Öffnet in neuem Fenster). Sie haben alle Institutionen verlassen, um den Journalismus selbständig für sich neu zu erfinden. Zusammen erreichen sie auf Bluesky 380.000 Menschen, also 63 % mehr Leute als sogar der größte der drei Accounts. Das hat unsere Analyse (Öffnet in neuem Fenster) gezeigt.
Mit einem Probeabo-Bundle – bei uns heißen die „Bundle Pass“ – haben sie einen simplen Link erstellt, über den ihr Publikum für eine begrenzte Zeit Zugang zu allen drei Publikationen kaufen konnte.
Drei Zahlen, die zeigen, wie das gelaufen ist:

Das Angebot: Ein 30-Tage-Pass für alle drei Publikationen mit 50 % Rabatt gegenüber den einzelnen Monatspreisen. Ein Preis ($8.50), ein Kaufvorgang, Zugang zu drei Publikationen, kein Risiko.
In weniger als einem Monat haben die einzelnen Journalist:innen zwischen 550 und 680 neue zahlende Kund:innen gewonnen, kollektiv waren das über 1.900 Proben.
Für Kat Tenbarge „kamen in einem Monat dreimal so viele zahlende Kund:innen zusammen als in meinem gesamten ersten Jahr“.

Wenn jemand bei einem der dreien schon ein Abo hatte, haben wir das Bundle für sie automatisch angepasst, sodass sie die verbliebenen Publikationen trotzdem zum Bundle-Preis bekommen konnten. Aber 80% der Käufer:innen waren für alle drei Publikationen Neukund:innen.
Sie haben also nicht ihr zahlendes Publikum geteilt. Die drei haben einander dabei unterstützt, in einem dramatisch vergrößerten Follower-Pool sehr qualifizierte Leads für ihre Abos zu finden. Und sind dafür bezahlt worden.

Bundle-Pässe laufen automatisch aus nach 30, 60, 90 Tagen oder einem Jahr. Weil Trustfnd sich tief genug in die Systeme der Journalist:innen integriert (hier waren es Beehiiv und Ghost), dass die Nutzer:innen erkannt werden können, haben die Journalist:innen selbständig Folge-Angebote machen können.
Katelyn Burns hat mir erzählt, dass 30 % ihr Folgeangebot eines vergünstigten Jahresabos angenommen haben. Ein enormer Boost.
Und so sagte mir Kat: „Meine Bundle-Kund:innen zeigen das stärkste Engagement, mehrere Prozent-Punkte über dem Durchschnitt.“ Viele, die also nicht sofort in ein Jahresabo konvertiert sind, dürften das in der Zukunft tun.
III: Die vernetzte Zukunft des Journalismus
Im Hintergrund passiert Folgendes:
Alle drei Journalist:innen hatten ihr Trustfnd-Konto mit ihrer Publikation auf Ghost oder Beehiiv und ihrem Stripe-Konto verknüpft. Wir mussten dann also nur das Geld ins richtige Stripe-Konto überweisen und den neuen Kund:innen in Beehiiv oder Ghost den Zugang zur richtigen Publikation erteilen.
Diese Mechanik erlaubt zweckgebundene Kollaboration, ohne dass man seine Unabhängigkeit aufgibt.
In der Zwischenzeit sind einige neue Test-Bundles entstanden, bevor Bundle Passes ab nächster Woche für alle verfügbar sind. Das Business Underdog Bundle (Öffnet in neuem Fenster) von Lex Roman (Öffnet in neuem Fenster) und Lucy Werner (Öffnet in neuem Fenster) möchte ich dir besonders ans Herz legen, denn der richtet sich an Medienmacher:innen.
Es gibt noch viel zu tun, damit Medienmacher:innen zu Netzwerken und dann zu Institutionen werden. Aber der Moment ist der richtige und bei Trustfnd finden wir uns in bester Gesellschaft.
Bei Start.coop (Öffnet in neuem Fenster) bauen Kollektive eine gemeinsame Service-Struktur auf. Bei Collective Media (Öffnet in neuem Fenster) teilen sie sich Produktion und Marketing. Gleichzeitig entstehen mit Bluesky, Blacksky, und Eurosky neue soziale Netzwerke, die weniger Kontrolle ausüben als die alten, das macht Kollaboration nochmal einfacher.
Für Medienmacher:innen in einer fragmentierten Welt fühlt es sich wie eine zweite Chance an. Aus einem Internet der walled gardens können wir eine neues, grenzenloses bauen, wenn wir unsere Macht (und unsere Angebote) bündeln – genau jetzt, da sich mit KI nochmals alles verändert. ◼️
Bist du interessiert? Zum Start werden Bundles zwischen Medienmacher:innen auf Steady, Beehiiv und Ghost möglich sein. Melde dich bei Michaël Jarjour zum Beispiel via Linkedin. (Öffnet in neuem Fenster)
Bis nächsten Montag!
👋 Sebastian
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