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Wer schützt die Demokratie? NGOs zwischen Angriff, Verantwortung und politischer Instrumentalisierung.

Folge 6: Die Union und ihr Rechtsruck. Wer opfert die Brandmauer?

von Stefan Hünl

Über die Serie

Demokratie verteidigt sich nicht von selbst. Sie braucht Menschen, Institutionen und zivilgesellschaftliche Strukturen, die sich gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus, Rassismus, Menschenfeindlichkeit und autoritäre Ideologien stellen.

Genau diese Arbeit leisten in Deutschland zahlreiche Vereine, Initiativen und Bildungsprojekte. Sie tun dies oft unter schwierigen Bedingungen, werden häufig angegriffen von rechts und leiden zunehmend unter politischem Druck.
Während die AfD demokratische Institutionen delegitimiert, Teile der Union nach rechts rücken und wirtschaftliche Eliten sozialen Zusammenhalt systematisch untergraben, geraten ausgerechnet jene Organisationen ins Visier, die sich für Demokratie, Aufklärung und gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen.

Diese Serie fragt: Wer sind diese NGOs wirklich? Was leisten sie konkret? Wie werden sie finanziert? Welche Kritik ist berechtigt – und welche ist Teil einer rechten Strategie zur Schwächung der Zivilgesellschaft?

Rechtsextremismus ist keine Meinung, sondern eine Gefahr. Wer Demokratie schwächt, stärkt ihre Feinde.

Folge 6

Die Union und ihr Rechtsruck. Wer opfert die Brandmauer?

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Die gefährlichste Verschiebung passiert leise.

Demokratien sterben selten mit einem Knall. Häufig sterben sie durch Gewöhnung.

Man gewöhnt sich an neue Begriffe.

An härtere Töne.

An Grenzüberschreitungen, die gestern noch unvorstellbar waren und heute nur noch “kontrovers” wirken.

Genau das erleben wir derzeit in Deutschland.

Nicht die AfD allein verändert den politischen Diskurs. Das wäre zu einfach. Entscheidender ist etwas anderes. Teile der CDU / CSU übernehmen zunehmend Narrative, Begriffe und Feindbilder, die ursprünglich aus den rechten Echokammern stammen.

NGO-Komplex.

Woke-Ideologie.

Linksgrüne Meinungsmacht.

Staatsfinanzierter Aktivismus.

Diese Begriffe entstehen nicht zufällig. Sie sind politische Waffen. Und wenn demokratische Parteien beginnen, sie selbst zu verwenden, verschiebt sich nicht nur Sprache.

Sondern die Grenze des Sagbaren.

#Senfkuchen
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Demokratie braucht keine Zuschauer, sondern eine Immunabwehr!

Hast Du auch das Gefühl, dass wir in einer Ära der ständigen politischen Diskursverschiebung leben?
In der Kulturkämpfe uns spalten und ein Mangel an legislativer Konsequenz das demokratische Immunsystem zunehmend schwächt?
Lobbyismus, Rechtsextremismus, der Aufstieg der "Erb-Aristokratie" und die omnipräsenten Interessen des Kapital
— Diese Strukturen haben nur einen Zweck: Die gerechte und notwendige Umverteilung von "oben nach unten" zu verhindern!

Macht Euch nichts vor: Die Kaste der asozialen Oligarchen entfesselt eher das "vierte Reich" bevor sie einen Cent Vermögenssteuer zahlt oder ihre Deutungshoheit aufgibt.

Beides ist notwendig!
Beides wird geschehen!
Ihre Angst davor treibt sie an!

Ob AfD, MAGA, Kreml oder (zunehmend auch) die Union — Der #Senfkuchen schaut genau da hin, wo andere wegschauen. Fakten und Analysen gegen Hetze und politische Skrupellosigkeit. Denn Demokratie lebt davon, dass Fehlverhalten sanktioniert wird. Nicht nur durch Institutionen, sondern vor allem durch informierte Bürger:innen wie Dich.

Bleib kritisch. Bleib informiert. Setz ein Zeichen.

Die Brandmauer war nie nur ein Koalitionsverbot.

Oft wird über die “Brandmauer” gesprochen, als ginge es nur um Koalitionen mit der AfD. Doch die eigentliche Brandmauer ist kulturell und demokratisch.

Sie besteht aus drei Grundprinzipien:

  • Rechtsextremismus wird klar benannt.

  • Demokratische Institutionen werden nicht delegitimiert.

  • Menschenrechte werden nicht relativiert, um kurzfristige Wahlerfolge zu erzielen.

Eine Brandmauer schützt nicht nur vor Zusammenarbeit. Sie schützt vor ideologischer Anpassung.

Und genau diese Anpassung beobachten wir zunehmend.

Nicht überall. Nicht bei allen. Aber deutlich genug, um alarmierend zu sein.

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Der Diskurs kippt seit 2015

Die sogenannte “Flüchtlingskrise” markierte einen Wendepunkt. Seitdem hat sich der politische Diskurs massiv verschoben. Was früher als offen rechts galt, wird heute oft fälschlicherweise als “bürgerliche Sorge” umetikettiert.

Themen werden nicht mehr primär danach bewertet, ob sie sachlich richtig sind, sondern danach, ob sie Reichweite erzeugen.

Die AfD setzte den Ton.

Teile der Union begannen, ihm hinterherzulaufen.

Das Muster ist international bekannt: Wenn konservative Parteien glauben, rechte Kräfte durch Übernahme ihrer Themen “kleinhalten” zu können, passiert meist das Gegenteil.

Die Rechte gewinnt doppelt:

  1. Ihre Narrative werden normalisiert.

  2. Das Original wirkt glaubwürdiger als die Kopie.

Das zeigte sich in den USA unter Trump ebenso wie in Österreich unter Kurz oder in Großbritannien während der Brexit-Kampagne.

Die Sprache verändert das Denken.

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Sprache ist nie neutral.

Wenn demokratische Parteien beginnen, von “Asyltourismus”, “Remigration”, “Migrationsindustrie”, “Stadtbild” oder “NGO-Lobbyismus” zu sprechen, dann übernehmen sie nicht bloß Worte.

Sie übernehmen Deutungsrahmen.

Menschen erscheinen dann nicht mehr als Individuen mit Rechten, sondern als Bedrohung.

NGOs nicht mehr als demokratische Akteure, sondern als verdächtige Netzwerke.

Journalismus nicht mehr als Kontrolle der Macht, sondern als politische Einflussnahme.

Der Effekt ist schleichend, aber enorm.

Denn autoritäre Bewegungen gewinnen selten zuerst die Macht. Sie gewinnen zuerst die Sprache.

Warum Teile der Union diesen Weg gehen.

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Die Gründe sind unterschiedlich.

Ein Teil glaubt tatsächlich, man könne verlorene Wähler “zurückholen”, indem man härter über Migration, Klima oder “Wokeness” spricht.

Andere reagieren opportunistisch auf mediale Dynamiken. Empörung erzeugt Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit erzeugt Reichweite, Reichweite erzeugt Macht.

Und wieder andere unterschätzen die Gefahr schlicht.

Doch die historische Erfahrung ist eindeutig. Wer autoritäre Narrative übernimmt, stärkt am Ende die Autoritären selbst.

Die konservativen Eliten der Weimarer Republik glaubten ebenfalls, sie könnten die extreme Rechte kontrollieren oder instrumentalisieren. Das Ergebnis ist bekannt.

Geschichte wiederholt sich nie exakt. Aber politische Mechanismen kehren erstaunlich zuverlässig zurück.

NGOs als neues Feindbild der Mitte.

Besonders auffällig ist die zunehmende Übernahme rechter Narrative gegen NGOs.

Plötzlich gelten:

  • Seenotrettung als “Schlepperhilfe

  • Demokratieförderung als “linke Ideologiearbeit

  • Antirassismus als “Meinungsdiktatur

  • Klimaprotest als “Extremismus

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Das Entscheidende dabei:

Die Union muss diese Positionen oft gar nicht vollständig übernehmen. Es reicht, die zugrunde liegende Verdächtigung salonfähig zu machen (Dogwhistling (Öffnet in neuem Fenster)).

Denn sobald demokratische Akteure beginnen, zivilgesellschaftliche Organisationen primär als Problem statt als demokratische Ressource zu behandeln, verschiebt sich der gesellschaftliche Grundkonsens.

Dann verteidigt Demokratie sich nicht mehr selbst.

Dann beginnt sie, an ihrer eigenen Immunabwehr zu sägen.

Der Kulturkampf als Nebelmaschine.

Während über Gendersternchen, Heizungen oder “Wokeness” gestritten wird, geraten andere Themen in den Hintergrund:

  • Vermögensungleichheit

  • Wohnungsnot

  • prekäre Arbeit

  • Steuervermeidung großer Konzerne

  • Überlastung öffentlicher Infrastruktur

Kulturkämpfe funktionieren politisch deshalb so gut, weil sie emotionalisieren und spalten.

Wer permanent gegen Minderheiten, Aktivist:innen oder NGOs mobilisiert, verhindert gemeinsame soziale Interessen.

Die eigentliche Machtfrage verschwindet hinter moralischer Dauererregung. Das nützt nicht zufällig oft jenen wirtschaftlichen Eliten, die von einer fragmentierten Öffentlichkeit profitieren.

Die Gefahr liegt nicht nur bei der AfD.

Es wäre beruhigend, das Problem allein auf die AfD begrenzen zu können. Aber Demokratien kippen selten nur durch extreme Parteien.

Gefährlich wird es, wenn demokratische Parteien beginnen:

  • autoritäre Sprache zu normalisieren.

  • demokratische Institutionen taktisch zu schwächen.

  • rechte Narrative als Wahlkampfwerkzeug zu benutzen.

Denn dadurch verschiebt sich die sogenannte “politische Mitte” selbst. Und wenn sich diese verschiebt, verändert sich das gesamte demokratische System.

Kritik an NGOs ist legitim, rechte Frames sind es nicht.

Natürlich dürfen NGOs kritisiert werden. Fragen nach Transparenz, Finanzierung, Wirksamkeit und politischer Nähe sind legitim und notwendig.

Aber es gibt einen Unterschied zwischen demokratischer Kontrolle und strategischer Delegitimierung.

Wer pauschal jede antifaschistische Arbeit als “linksextrem” diffamiert, wer Demokratieförderung als “Umerziehung” bezeichnet oder investigative Medien grundsätzlich als “Propaganda” darstellt, führt schon längst keine demokratische Debatte mehr.

Er arbeitet an der Zerstörung demokratischen Vertrauens.

Und Vertrauen ist das Fundament jeder offenen Gesellschaft.

Die Brandmauer fällt nicht an einem Tag.

Die größte Gefahr für Demokratien ist selten der offene Feind. Sondern die langsame Gewöhnung an dessen Sprache.

Eine Demokratie verliert sich nicht erst dann, wenn Rechtsextreme regieren. Sie verliert sich bereits dann, wenn demokratische Parteien beginnen, deren Weltbilder zu normalisieren.

Die Brandmauer besteht nicht aus Pressekonferenzen oder Koalitionsausschlüssen.

Sie besteht aus Haltung.

Aus der Bereitschaft, demokratische Prinzipien auch dann zu verteidigen, wenn es kurzfristig unbequem ist.

Wer glaubt, man könne autoritäre Kräfte besiegen, indem man ihre Narrative übernimmt, hat aus der Geschichte nichts gelernt.

Denn am Ende gewinnt fast immer das Original.

Quellenangaben

Bundeszentrale für politische Bildung (Öffnet in neuem Fenster) (bpb): Rechtspopulismus und Diskursverschiebung

Friedrich-Ebert-Stiftung (Öffnet in neuem Fenster): Mitte-Studien und Autoritarismusforschung

Universität Leipzig (Öffnet in neuem Fenster): Leipziger Autoritarismus-Studie

Steven Levitsky / Daniel Ziblatt: “How Democracies Die (Öffnet in neuem Fenster)

Timothy Snyder: “On Tyranny (Öffnet in neuem Fenster)

Forschungsgruppe Wahlen (Öffnet in neuem Fenster)

Bisherige Folgen
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Ende