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7 Schritte zur Mitstreiter:in gegen Sexismus


Ein How-To-Zivilcourage Kompass für alle, die sich mehr gegen sexistische Kommentare, übergriffige Witze und die Diskriminierung von Frauen einbringen möchten. Ob im Office, bei der Familienzusammenkunft oder einfach überall dort, wo Menschen meinen dass Misogynie kein Problem unserer Gesellschaft sei. 7 Tipps, die dich dabei unterstützen die Seite zu wechseln.

Zivilcourage sollte längst auch dort selbstverständlich sein, wo Frauen herabgewürdigt oder sexistisch behandelt werden. So viel steht fest. Doch ausgerechnet in diesen Momenten schweigen noch immer zu viele.

Ich glaube nicht, dass ihnen Sexismus dabei grundsätzlich egal ist. Ich glaube, dass der Moment des Widerspruchs oft schwerer ist, als er von außen aussieht – und dass manchmal schon das Erkennen dessen, was gerade passiert, Zeit braucht.

Zivilcourage gegen Sexismus ist deshalb kein spontaner Charaktertest, sondern ein Prozess. Einer, den wir lernen können. Er beginnt mit Wahrnehmung, führt durch die eigene Angst und endet schließlich in der Entscheidung, nicht länger zu schweigen.

Die folgenden sieben Schritte sollen dir dabei helfen. Nicht als starre Regeln, sondern als Übung und als kleiner psychologischer Kompass für genau diesen einen Moment – den Moment, in dem von einem Rudel ins andere wechselst.

 

Diese sieben Schritte können dir helfen, genau diesen Weg zu gehen. Für Männer und Frauen gleichermaßen.

 

1. Sexismus: Erkenne den Moment.

Zivilcourage beginnt nicht mit einem Satz. Sie beginnt mit Achtsamkeit und dem Erkennen.

Viele sexistische Bemerkungen kommen freundlich daher.
Als Witz. Als Kompliment. Als Galanterie.
Genau deshalb rutschen sie so leicht durch.

Einige Fragen hier können helfen:

Würde ich denselben Satz auch zu einem Mann sagen?
Wird über den Körper einer Frau gesprochen, obwohl es gar nicht darum geht?
Macht dieser Satz die Frau kleiner oder den Mann größer?

Wenn die Antwort Nein lautet, lohnt es sich hinzuschauen.

2. Gib deinem Körper zwei Sekunden.


Wenn dein Herz plötzlich schneller schlägt, deine Atmung flacher wird oder sich dein Magen zusammenzieht, ist das kein Zeichen dafür, dass du schweigen solltest.

Es ist ein Zeichen dafür, dass dein Körper gerade ein soziales Risiko wahrnimmt. Unser Gehirn reagiert auf mögliche Ablehnung oder Ausgrenzung erstaunlich ähnlich wie auf körperliche Gefahr. Genau das zeigen sozialpsychologische und neurowissenschaftliche Studien seit Jahrzehnten:
Wer einer Gruppe widerspricht, aktiviert das körpereigene Alarmsystem.

Das ist kein Mangel an Mut – sondern Biologie. Mut bedeutet deshalb nicht, keine Angst zu haben. Mut bedeutet, trotz dieser Angst zu handeln.

Sag dir in solchen Momenten innerlich: „Mein Körper möchte mich gerade schützen. Aber die Entscheidung treffe ich.“

3. Wechsle in deine Gruppe.


Hier passiert etwas, das wir häufig übersehen.

In dem Moment, in dem du widersprichst, fühlt es sich vielleicht so an, als würdest du die Gruppe verlassen. Als wärst plötzlich du die Person, die aneckt, die den Moment unangenehm macht oder die Stimmung verändert.

Aber genau genommen verlässt du die Gemeinschaft gar nicht.
Du wechselst lediglich die Seite.

Von der Gruppe derjenigen, die schweigen. Zu der Gruppe derjenigen, die Sexismus nicht normalisieren.

Vielleicht ist diese Gruppe in genau diesem Raum kleiner. Vielleicht stehst du für einen Moment sogar allein da. Doch gesellschaftlich wächst sie jeden Tag.
Sie besteht aus Menschen, die entschieden haben, dass Zugehörigkeit niemals wichtiger sein darf als Menschenwürde.

Und vielleicht hilft genau dieser Gedanke im entscheidenden Moment: Du verlierst nicht die Gemeinschaft. Du entscheidest nur, zu welcher Gemeinschaft du gehören möchtest. 

4. Du musst keine feministische Rede halten.


Viele Menschen schweigen, weil sie glauben, sie müssten im entscheidenden Moment die perfekten Worte finden. Den anderen überzeugen. Eine Diskussion gewinnen oder den gesamten Raum auf ihre Seite ziehen.

Doch genau das ist meistens gar nicht nötig.

Bei Einspruch gegen Sexismus geht es nicht darum, feministische Theorie studiert zu haben. Es geht darum, das Schweigen zu durchbrechen und zu zeigen, dass diskriminierende Aussagen nicht unwidersprochen bleiben.

Oft reicht dafür ein einziger Satz.

Zum Beispiel:

  • „Ich finde den Spruch nicht okay.“

  • „Kannst du mir erklären, was genau daran witzig ist?“

  • „Warum hast du jetzt Sexismus gewählt?“

  • „Lass uns doch bitte respektvoll gegenüber Frauen bleiben.“  

  • „Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass das sexistisch war.“

Manchmal reicht sogar ein irritierter Blick, Kopfschütteln, ein langes ein- und genervtes Ausatmen oder ein ruhiges „Nö“.

Du musst niemanden bekehren. Du kannst lediglich den Moment unterbrechen. Denn genau in diesem Augenblick verändert sich die soziale Norm im Raum.

Plötzlich ist nicht mehr nur der sexistische Spruch hörbar – sondern auch der Widerspruch dagegen.
Und oft ist genau das schon Zivilcourage.

5. Nutze deine Position, Mann!

Dieser Schritt richtet sich an Männer. (Und für die Frauen: Gerne auch an Männer weiterreichen)

Wenn du in einer Männergruppe bist, hat deine Stimme mehr Gewicht, als dir vielleicht bewusst ist. Nicht, weil sie wichtiger wäre als die einer Frau.
Sondern weil soziale Normen vor allem dort entstehen, wo Gleichgestellte einander Grenzen setzen.

Der australische Soziologe Michael Flood zeigt in seinen Untersuchungen, dass viele Männer sexistische Bemerkungen anderer Männer durchaus problematisch finden. Sie widersprechen trotzdem nicht. Nicht, weil sie zustimmen. Sondern weil sie fürchten, selbst als schlechter Kumpel, humorlos oder „nicht mehr einer von uns“ zu gelten.

Genau deshalb ist dein Widerspruch so wichtig.

Weil Männer andere Männer oft auf eine Weise erreichen, die Frauen verwehrt bleibt. Der US-amerikanische Gewaltpräventionsforscher Jackson Katz beschreibt genau diesen Mechanismus: Gesellschaftliche Veränderungen entstehen häufig innerhalb einer Gruppe – dann, wenn ihre Mitglieder beginnen, sich gegenseitig neue Grenzen zu setzen.

6. Stell dich neben die betroffene Person.

Zivilcourage bedeutet nicht immer, den Täter oder die Täterin zu überzeugen. Oft wird er oder sie sich ohnehin künftig nicht anders verhalten. Mindestens genauso wichtig ist daher dies: der betroffenen Person zu zeigen, dass sie mit ihrer Wahrnehmung nicht allein ist. Denn gerade nach sexistischen Bemerkungen beginnen viele Frauen an sich selbst zu zweifeln.

War das wirklich sexistisch? Habe ich überreagiert? Hätte ich etwas sagen sollen? Genau hier kann deine Solidarität einen enormen Unterschied machen.

Manchmal reichen dafür wenige Sätze:

  • „Du, ich fand das gerade voll daneben was er/sie gesagt hat.“

  • „Danke, dass du dem widersprochen hast.“

  • „Ich habe das genauso wahrgenommen.“

  • „Du hast nicht übertrieben.“

  • „Geht es dir gut?“

Du musst den Moment nicht immer retten. Aber du kannst verhindern, dass eine Frau ihn allein tragen muss.

Solidarität passiert nicht nur während des eigentlichen Vorfalls – sondern auch in den Minuten danach.

7. Übe Zivilcourage.

Zivilcourage ist kein Charakterzug und Alltagsmut ist keine Eigenschaft, mit dem manche Menschen geboren werden und andere nicht.

Es ist eine Fähigkeit. Und Fähigkeiten kann man trainieren.

Der erste Widerspruch gegen einen sexistischen Spruch fühlt sich wahrscheinlich schrecklich an. Deine Stimme zittert vielleicht, dein Gegenspruch ist nocht perfekt und noch Stunden später überlegst du, ob du alles richtig gemacht hast.

Der zweite wird sich wahrscheinlich genauso anfühlen.
Doch mit jedem Mal lernt dein Nervensystem etwas Neues:

Ich kann widersprechen – und die Welt geht davon nicht unter.

Irgendwann kennst du dieses Gefühl. Nicht, weil die Angst verschwindet. Sondern weil du gelernt hast, trotz ihr zu handeln.

Und irgendwann merkst du etwas Überraschendes:

Nicht das Widersprechen kostet am meisten Kraft. Sondern eigentlich das Schweigen und das Ärgern darüber danach.

Denn jedes Mal, wenn wir nichts sagen, bleibt nicht nur die Diskriminierung unwidersprochen. Oft bleibt auch das unangenehme Gefühl zurück, den eigenen Werten nicht gerecht geworden zu sein.

Das kenne ich auch. Und ich kann dir versprechen:
Wenn man etwas sagt – und sei es nur „Nö!“ und alle sind dann irgendwie irritiert – dann ist es danach schneller weg.

Zivilcourage beginnt deshalb nicht mit Perfektion.

Sie beginnt mit dem ersten Mal.

Abschluss

Mit jedem Widerspruch wirst du Teil einer Verbündetenschaft. Einer Gemeinschaft, die nicht wegschaut, sondern Haltung zeigt. Sie wächst mit jedem Menschen, der sich entscheidet, Sexismus nicht länger unkommentiert stehen zu lassen.

Und je größer sie wird, desto weniger Frauen müssen alltägliche Herabwürdigungen schweigend ertragen. Und damit geschieht dann eben auch ein gesellschaftlicher Wandel.

 Also, komm ins Rudel!

Das tolle Aufmacherfoto ist von Anna Saveleva (Öffnet in neuem Fenster) 


Weiterführender Beitrag: Der blinde Fleck der Zivilcourage (Öffnet in neuem Fenster)

*Hinweis der Autorin: Wenn dir meine Texte etwas geben – Klarheit, Einordnung oder das Gefühl, nicht allein zu sein – freue ich mich über deine Unterstützung: Abonniere gern meinen Newsletter oder werde Mitglied. Als Member erhälst du ab August exklusive wöchentlich Inhalte mit feministischem Blick, Tipps und meinen eigenen Erfahrungen.

Kategorie Mikrofeminimus To Go

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