Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
Rund um den Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann kreist die Diskussion hauptsächlich um Nebenschauplätze: Beziehungen seines Vorgängers, den Zustand des Qualitätsjournalismus, mögliche Intrigen – und die Krise anderer Medienhäuser.
Worüber kaum gesprochen wird: ein Arbeitsumfeld ohne Sexismus und Machtmissbrauch. Genau darum aber geht es.
Themenwechsel: Gestern verstarb Alfred Noll, einer der wichtigsten Vertreter der österreichischen Zivilgesellschaft. Falter-Gründer Armin Thurnher schreibt (Öffnet in neuem Fenster) von einem “unermesslichen Verlust”.

Ansonsten geht es heute um Fake-Bombendrohungen, einen Spionageprozess und Kuba.

Wie Fake-Bombendrohungen Hunderte Polizeieinsätze ausgelöst haben
Was in einem Discord-Chat beginnt, endet in Hunderten realen Einsätzen. Ende 2024 verschickten Mitglieder einer Gruppe massenhaft Bombendrohungen – an Schulen, Bahnhöfe, quer durch Österreich und Deutschland. In Linz führte eine Drohung im Oktober 2024 zur Räumung des Hauptbahnhofs und eines benachbarten Gebäudes mit rund 1.800 Mitarbeitenden. Im Zentrum steht die lose vernetzte Gruppe „NWO“ (Englisch für "New World Order", auf Deutsch: "Neue Weltordnung), überwiegend junge Männer zwischen 16 und 35 Jahren, oft mit instabilen Biografien, Schulabbrüchen oder Drogenkonsum, schreibt der STANDARD (Öffnet in neuem Fenster)in seiner Recherche.
Die Mitglieder betrieben die Aktionen nicht nur als Prahlerei, sondern auch als Cybermobbing. Eine österreichische Streamerin wurde über Monate verfolgt und Opfer eines „Swatting“-Angriffs, bei dem die Polizei wegen einer fingierten Geiselnahme ausrückte. Für die Täter war das „Spiel“, für die Betroffene endete es in Angststörungen und Panikattacken.
2025 durchsuchten deutsche und österreichische Behörden Wohnungen der Verdächtigen und stellten mehrere Beschuldigte. Viele Verfahren blieben jedoch wegen schwieriger Beweisführung und internationaler Zuständigkeiten ohne Ergebnis. Die Aktionen zeigen, wie digitale Clans reale Gefahr und hohe Kosten verursachen, ohne dass die Täter unmittelbar zur Rechenschaft gezogen werden.

Geheimpapiere, Netzwerke, Spionagevorwürfe
In Wien beginnt ein Prozess, der tief in ein mutmaßliches russisches Spionagenetz hineinführt, schreibt der Standard (Öffnet in neuem Fenster). Im Zentrum: der frühere Generalsekretär im Außenministerium, Johannes Peterlik – einst enger Vertrauter der damaligen Außenministerin Karin Kneissl.
Die Anklage wiegt schwer. Peterlik soll 2018 geheime Dokumente zum Nowitschok-Anschlag im britischen Salisbury weitergegeben haben – Unterlagen der Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons, die eigentlich streng geschützt sind. Die Ermittler zeichnen den mutmaßlichen Weg nach: vom Ministerium über den Ex-Verfassungsschützer Egisto Ott bis in das Umfeld des flüchtigen Wirecard-Managers Jan Marsalek.
Der hatte schon damals auffallend gute Kontakte nach Moskau – und sprach laut Berichten sogar mit Zugang zu geheimen Papieren über russische Operationen. Für die Ermittler ist das mehr als Zufall: Sie vermuten ein Netzwerk, in dem Informationen gezielt weitergereicht wurden. Lückenlos beweisen lässt sich die Kette bislang nicht.
Der Hintergrund ist brisant. 2018 erschütterte der Giftanschlag auf den Ex-Spion Sergej Skripal Großbritannien. Das Nervengift Nowitschok wurde später auch mit dem Tod einer unbeteiligten Britin in Verbindung gebracht. Internationale Organisationen wie die OPCW untersuchten den Fall – ihre Berichte landeten auch in Wien.
Laut Anklage soll Peterlik einen besonders sensiblen Bericht angefordert haben, obwohl er ihn für seine Arbeit nicht benötigt habe. Kurz darauf soll er die Unterlagen weitergegeben haben. Der Vorwurf: Amtsmissbrauch und Verletzung des Amtsgeheimnisses.
Die Anwälte von Johannes Peterlik zeichnen ein völlig anderes Bild. Von einer „äußerst lückenhaften Anklageschrift“ spricht Verteidiger Michael Mössler, er sieht zudem gravierende Ermittlungsfehler.
Im Kern bestreitet die Verteidigung die Grundlage der Vorwürfe: Streng genommen habe es sich gar nicht um ein klassifiziertes Dokument gehandelt, da eine entsprechende Einstufung erst in Österreich hätte erfolgen müssen. Zudem habe sein Mandant lediglich ein einziges Dokument besessen. „Das Dokument von Otts Handy hat mein Mandant nie gesehen“, sagt Mössler.
Die Staatsanwaltschaft hält dagegen: Kriminaltechnische Analysen deuteten darauf hin, dass es sich um Kopien aus dem Außenministerium handle.
Für Peterlik und alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung. Andere zentrale Figuren – darunter Marsalek – sind untergetaucht. Der Prozess dürfte dennoch zeigen, wie nah österreichische Behörden einem internationalen Spionagenetz tatsächlich gekommen sind.

Trump nimmt Kuba verstärkt ins Visier
US-Präsident Donald Trump wirft Verbündeten mangelnden Einsatz im Persischen Golf vor. Staaten wie Großbritannien hätten auf seine Forderung nach einer Nato-Mission zur Sicherung der Straße von Hormus „nicht besonders begeistert“ reagiert, sagte Trump in Washington.
Zuvor war er bereits bei EU-Staaten mit seinem Vorstoß auf Ablehnung gestoßen.
Trump hat auch schon neue Fantasien. Diesmal geht es um Kuba. Im Oval Office erklärte am Montag US-Präsident Donald Trump, er rechne mit der „Ehre“, die Insel „in irgendeiner Form zu übernehmen“. Ob Befreiung oder Kontrolle – der Unterschied scheint in seiner Logik zweitrangig, schreibt der Spiegel (Öffnet in neuem Fenster).
Der Zeitpunkt ist brisant. Während Washington und Havanna offiziell verhandeln, verschärft sich die Krise auf Kuba dramatisch. Nach dem Wegfall venezolanischer Öllieferungen steckt das Land in einer Energiekrise, das Stromnetz kollabierte zeitweise. Zehn Millionen Menschen saßen im Dunkeln – ein Sinnbild für den Zustand des Systems.
Hinter den Kulissen geht es offenbar um mehr als Dialog. Laut Berichten aus den Verhandlungen drängen die USA auf die Ablösung von Präsident Miguel Díaz-Canel. Die kommunistische Führung soll bleiben dürfen – nur ohne ihren aktuellen Kopf. Regimeumbau statt Systemsturz.
Trump liefert dazu die passende Rhetorik. Kuba sei „ein gescheiterter Staat“, ohne Geld, ohne Öl, ohne Zukunft. Dann schwärmt er wieder von der „wunderschönen Insel“. Geringschätzung und Begehrlichkeit liegen bei ihm oft nah beieinander.
Neu ist der Konflikt nicht. Seit der Revolution von 1959 trotzt Kuba dem Druck aus Washington. Embargo, Isolation, Drohungen – all das gehört zur politischen Routine zwischen beiden Ländern. Doch die aktuelle Schwächephase macht die Insel verwundbarer als lange zuvor.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Sexuelle Übergriffe im Taxi: „Ich habe für Belästigung bezahlt.“
Das Taxi gilt als sichere Option für den Heimweg. Doch hinter verschlossenen Autotüren bleiben Fälle von sexueller Belästigung und Gewalt häufig unsichtbar.
https://www.profil.at/oesterreich/sexuelle-uebergriffe-im-taxi-uber-bolt-belaestigung/403139458 (Öffnet in neuem Fenster)
Schulstart um 8 Uhr? Das sagen die Studien
Schulen dürfen eigentlich selbst entscheiden, wann der Unterricht beginnt. Die meisten starten trotzdem um 8 Uhr. Das hat Auswirkungen.
https://krautreporter.de/kinder-und-bildung/6242-schulstart-um-8-uhr-das-sagen-die-studien#lesen (Öffnet in neuem Fenster)
Peter Thiel hält in Rom Seminare über den Antichristen
Was machen eigentlich Tech-Milliardäre so? Peter Thiel - der erste Kunde von Sebastian Kurz nach seinem Abgang als Bundeskanzler - hält in Rom Seminare über den Antichristen
Die Veranstaltungen kann man nur mit Einladung besuchen. Über den genauen Inhalt der Vorträge ist wenig bekannt, Aufzeichnungen und Notizen sind untersagt
https://www.derstandard.at/story/3000000312548/milliardaer-peter-thiel-haelt-in-rom-seminare-ueber-den-antichristen (Öffnet in neuem Fenster)Ist ein großer Fan der Podcastserie “Die Peter Thiel Story (Öffnet in neuem Fenster)”
Markus

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