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Dänemark erreicht Meilenstein im Kampf gegen HIV und Syphilis

Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!

Leider gehen gute Nachrichten oft unter, sie spielen schon länger kaum eine Rolle. Mir ist aber eine untergekommen, die ich teilen muss. Dänemark hat als erstes EU-Land die Übertragung von HIV und Syphilis von der Mutter auf ihr Kind praktisch beendet. Zwischen 2021 und 2024 wurden mindestens 95 Prozent der Schwangeren getestet und bei Bedarf behandelt – ein Meilenstein im Kampf gegen die Infektionen.  Mehr dazu bei der WHO (Öffnet in neuem Fenster).

Ansonsten geht es heute um den Iran, deutsche Buchhandlungen und Neonazis.

Iran-Update: Rückholaktion angelaufen, Machtkampf, Strategien und EU-Beistand

Israel und der Iran haben ihre gegenseitigen Angriffe am Donnerstag fortgesetzt. Aus Teheran und Jerusalem wurden Explosionen gemeldet. In Israel schlugen erneut Raketen ein oder wurden von der Luftabwehr abgefangen, während in der iranischen Hauptstadt Explosionen zu hören waren und Rauch aufgestiegen ist. 

Die Rückholaktion des Außenministeriums für gestrandete Österreicher im Nahen Osten hat begonnen. Am Mittwochabend landete ein erstes Flugzeug aus Maskat am Flughafen Wien-Schwechat – mit 151 Passagier*innen an Bord, darunter auch Staatsbürger aus Italien und Spanien. Die Reisenden waren zuvor per Bus aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Oman gebracht worden. Viele der Ankommenden zeigten sich erleichtert: Einige berichteten von Explosionen in Dubai, andere sprachen von einer Odyssee von mehr als 30 Stunden.

Weitere Evakuierungsflüge sind geplant. Insgesamt sind rund 18.000 Österreicherinnen und Österreicher in der Krisenregion registriert. 

Nach dem Tod des iranischen Führers Ali Chamenei soll laut iranischen Exilmedien sein Sohn Modschtaba Chamenei zum neuen Obersten Führer gewählt worden sein – offiziell bestätigt ist das bisher allerdings nicht. Berichte sprechen von einer Online-Abstimmung des Expertenrats, einem Gremium aus Klerikern, nachdem Israel zuletzt Gebäude des Rats bombardiert haben soll. Modschtaba Khamenei galt im Machtapparat schon lange als einflussreich – vor allem wegen seiner engen Beziehungen zu den Revolutionsgarden, die militärisch und wirtschaftlich eine zentrale Rolle im System spielen. Sollte er tatsächlich die Nachfolge antreten, würde das nach Einschätzung von Beobachtern nicht Reform, sondern weiteres Machtwachstum des Sicherheitsapparats bedeuten, nachzulesen bei der Süddeutschen Zeitung (Öffnet in neuem Fenster) und taz (Öffnet in neuem Fenster).

Militärisch eskaliert der Konflikt weiter: Vor der Küste Sri Lankas versenkten die USA mit einem U-Boot ein iranisches Kriegsschiff; mindestens 80 Menschen wurden getötet (Öffnet in neuem Fenster). Es ist der erste bekannte Torpedoangriff dieser Art auf ein Kriegsschiff seit Jahrzehnten. Berichte über einen mutmaßlichen Angriff auf eine Mädchenschule im Süden des Iran, bei dem mehr als 160 Kinder getötet worden sein sollen (Öffnet in neuem Fenster), sorgen international für Entsetzen. Das US-Verteidigungsministerium kündigte eine Untersuchung an, betonte aber, dass die USA grundsätzlich keine zivilen Ziele angreifen würden. Die Hilfsorganisation Rote Halbmond spricht heute von über 100 beschädigten zivilen Zielen im Iran.

Insgesamt sollen inzwischen rund 2.000 Ziele im Iran aus der Distanz bombardiert worden sein. Die USA wollen ihre Strategie im Krieg nun ändern (Öffnet in neuem Fenster): Weil man nach eigener Darstellung fast die Kontrolle über den Luftraum erreicht habe, sollen künftig präzisere Schläge tiefer im iranischen Territorium folgen. Innenpolitisch bleibt der Krieg aber hoch umstritten: Im Senat scheiterte ein Versuch der Demokraten, Trump stärker an die Zustimmung des Kongresses zu binden, an der republikanischen Mehrheit (Öffnet in neuem Fenster).

Nach einem Drohnenangriff auf den britischen Luftwaffenstützpunkt Akrotiri auf Zypern wird in Brüssel darüber diskutiert, ob erstmals die EU-Beistandsklausel aktiviert werden könnte (Öffnet in neuem Fenster). Der Angriff gilt als Signal Irans und seiner Verbündeten, dass der Konflikt auch Europa erreichen kann. Ansonsten steigen die Spritpreise weiter stark (Öffnet in neuem Fenster). Diesel überschritt zeitweise die Zwei-Euro-Marke pro Liter. Die deutsche Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche kündigte deshalb eine kartellrechtliche Prüfung der Preissteigerungen an – es müsse sichergestellt werden, „dass nicht eine Situation ausgenutzt wird“ (Öffnet in neuem Fenster).


Deutscher Verfassungsschutz gegen Buchhandlungen

Eigentlich klingt es harmlos: das „Haber-Verfahren“. Doch der Begriff sorgt derzeit im deutschen Literaturbetrieb für Unruhe. Das Büro von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer nutzte es, um drei linke Buchhandlungen von der Liste des Deutsches Buchhandlungspreises zu streichen.

Die Jury hatte bis zu 118 unabhängige Läden nominiert. In diesem Jahr kehrte die Liste jedoch verändert zurück: Die Buchhandlungen „Schwankende Weltkugel“ (Berlin), „The Golden Shop“ (Bremen) und „Rote Straße“ (Göttingen) fehlten. Begründung des Ministeriums: „verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse“. Alle drei Buchhandlungen sind linksorientiert, aber alle drei haben die Auszeichnung in vergangenen Jahren bereits erhalten, die „Schwankende Weltkugel“ beispielsweise mindestens fünfmal. Die Betreiberinnen „würden gerne wissen, welche Erkenntnisse der Verfassungsschutz angeblich hat“, schreibt der Tagesspiegel (Öffnet in neuem Fenster)

Das sogenannte Haber-Verfahren erlaubt Behörden beim Bundesamt für Verfassungsschutz anzufragen, ob zu Antragsteller*innen Informationen vorliegen – ohne offenzulegen, welche. Kritiker*innen sprechen von Intransparenz und warnen vor einem Eingriff in die Kunstfreiheit. In der Buchbranche wächst nun die Sorge, Kulturförderung könne zur Gesinnungsprüfung werden.

Rechter Angriff in Wiener U-Bahn: Neonazis verurteilt

Am Wiener Landesgericht ist eine rassistisch motivierte Gewalttat verhandelt worden. Zwei junge Musiker wurden im Juli 2025 in einer Garnitur der U1 von einer Gruppe Rechtsextremer attackiert und zusammengeschlagen. Zwei 18-jährige Neonazis konnten mithilfe von Überwachungsvideos ausgeforscht und wegen gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung verurteilt werden.

Die Täter waren zuvor bei einer Demonstration der Identitären in der Innenstadt gewesen. Mit Dutzenden Gleichgesinnten stiegen sie am Schwedenplatz in die U-Bahn und skandierten Parolen wie „Deutschland den Deutschen“ und „Ausländer raus“. Kurz darauf gerieten ein 24-Jähriger aus Tirol mit Migrationshintergrund und sein 22-jähriger Freund ins Visier der Gruppe.

Einer der Angegriffenen berichtete vor Gericht, nach einer kurzen verbalen Auseinandersetzung sei plötzlich „die Faust“ gekommen, weitere Männer hätten auf ihn eingeschlagen und getreten. Auch der zweite Musiker wurde attackiert. Als der Zug hielt, flüchteten beide aus der Station Nestroyplatz, verfolgt von mehreren Vermummten. „Es war eine Hetzjagd“, sagte eines der Opfer.

Der 24-Jährige erlitt unter anderem eine Fissur am Jochbein, der zweite kam mit Prellungen davon. Die Angeklagten räumten Schläge ein, gaben den Opfern jedoch wegen einer angeblichen „Provokation“ die Schuld. Das Gericht verurteilte einen von ihnen zu 20 Monaten bedingt und einer Geldstrafe, den anderen zu zwölf Monaten bedingt. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Wie es im Iran weitergeht

Nach dem Tod mehrerer zentraler Entscheidungsträger im Iran stellen sich viele Beobachter dieselbe Frage: Wie geht es jetzt weiter mit dem Regime in Teheran? Besonders der Tod des langjährigen Revolutionsführers Ajatollah Ali Chamenei markiert eine historische Zäsur für die Islamische Republik. Jahrzehntelang hatte er als oberster Führer das letzte Wort in allen wichtigen politischen und militärischen Fragen des Landes.

Welche Folgen dieser Machtverlust für den Iran und die Region haben könnte, analysiert WZ-Autorin Solmaz Khorsand in diesem Video. Sie erklärt, welche Kräfte jetzt um Einfluss ringen – und warum der Ausgang offen ist.

https://www.youtube.com/shorts/lZMqitx_UKU (Öffnet in neuem Fenster)

Du bist schöner, als du denkst (sagt die Wissenschaft)

Die Forschung hat Schönheit lange falsch verstanden. Und meine Mutter lag von Anfang an richtig.

https://krautreporter.de/psyche-und-gesundheit/6271-du-bist-schoner-als-du-denkst-sagt-die-wissenschaft#lesen (Öffnet in neuem Fenster)

Die „Achse des Widerstands“

Der Krieg mit dem Iran hat auch eine zweite und weniger beachtete Front: den Libanon. Von dort aus greift die vom Iran unterstützte Hisbollah Israel immer wieder mit Raketen an – und Israel reagiert mit Luftangriffen im Süden des Landes. Für viele Libanes*innen bedeutet das vor allem eines: wieder Flucht, wieder zerstörte Häuser. Hunderttausende Menschen mussten zuletzt den Süden des Landes verlassen, nachdem Israel Evakuierungen südlich des Litani-Flusses angeordnet hatte. Dabei war die Hisbollah lange das „Kronjuwel“ von Irans sogenannter Achse des Widerstands – einem Netzwerk von Milizen und Verbündeten in der Region. Heute fragen sich viele Libanes*innen allerdings, warum ihre Organisation das Land immer wieder in Kriege hineinzieht, deren Preis vor allem die Zivilbevölkerung zahlt.

Wer verstehen will, wie diese Allianz entstanden ist und warum sie für Irans Regionalstrategie so wichtig bleibt, dem empfehle ich diese ausführliche Hintergrundanalyse.

https://www.deutschlandfunk.de/hisbollah-libanon-beirut-israel-iran-100.html? (Öffnet in neuem Fenster)

Und falls Du – so wie ich – zu Doomscrolling neigst: lieber bewusst ein oder zwei seriöse Quellen auswählen, statt endlos durch Feeds zu scrollen. Ein kurzer Überblick am Tag genügt meist, um informiert zu bleiben:

Markus

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