Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
In Deutschland sorgt seit einigen Tagen eine groß angelegte Phishing-Welle gegen Nutzer*innen der Messenger-App Signal für Aufregung und Schlagzeilen - nachdem hochrangige Politiker*innen darauf reingefallen sind. Ich war auch ein Ziel, habe aber nicht darauf reagiert :-)
Die Masche zielt nicht auf Technik, sondern auf Menschen. Angreifer geben sich als „Support“ aus, erschleichen Registrierungscode und PIN – und übernehmen so fremde Konten. Die Signal Foundation, die Organisation hinter dem Messenger, stellt klar (Öffnet in neuem Fenster): Signal sei nicht gehackt worden, Verschlüsselung und Code seien intakt. Das Problem sei Social Engineering. Opfer werden zur „Neu-Registrierung“ verleitet, während Täter das alte Konto kapern und Kontakte ausspähen.
Abhilfe soll eine Registrierungssperre bringen. Hinter den Angriffen werden russische Spione vermutet.

Ansonsten geht es heute um das Budget, Ungarn und Terror.

Regierung stellt Budget-Eckpunkte vor
Gedeckelte Pensionen, höhere Körperschaftsteuer, niedrigere Lohnnebenkosten, Einsparungen bei Kuren, Geld für Kindergärten und Pflege, ein Bonus für Bauern, verlängerte Bankenabgabe: Die Koalition sortiert für 2027/28 Lasten und Wohltaten neu – und nennt das „Konsolidierung“.
Vor der Präsentation beruhigten die Parteichefs erst die Pensionisten. Für ÖVP und SPÖ ist diese Klientel heikel. Im Doppelbudget sollen Pensionen erneut unter der Inflation angepasst werden, sozial gestaffelt, aber real mit Kaufkraftverlust.
Danach folgte der Auftritt mit dem Finanzminister: Fünf Milliarden Euro will man „konsolidieren“, tatsächlich saniert werden rund 2,5 Milliarden. Der Rest sind Umschichtungen. Geplant sind: verlängerte Bankenabgabe, Wartefrist bei der Sozialhilfe, Kürzungen bei Kuren, höhere Höchstbemessungsgrundlage, Arbeitsmarktreform, Körperschaftsteuer von 24 Prozent ab einer Million Gewinn, weniger Förderungen, schlankere Verwaltung.
600 Millionen fließen in „aktive Maßnahmen“: Kindergärten, Pflege, Qualifizierung, Investitionsanreize – und die Agrardiesel-Begünstigung.
Der Paukenschlag kommt 2028: zwei Milliarden weniger Lohnnebenkosten. Bezahlt werden soll das „strukturell“. Ziel: 2028 wieder drei Prozent Defizit. Ob das gelingt, entscheidet auch die Welt- und Wirtschaftslage.
Politikanalytiker Thomas Hofer hat im ZiB2-Interview Eckpunkte des Doppelbudgets für die Jahre 2027 und 2028 analysiert. Aus Sicht der SPÖ würden "die großen Signalthemen" fehlen, so der Kurier (Öffnet in neuem Fenster).

Ungarn: Oligarchen bringen Vermögen mit Privatjets via Wien außer Landes
Machtwechsel in Budapest – und Nervosität im alten Zirkel. Nach seinem Wahlsieg kündigte Peter Magyar an, die Vermögen aus Orbáns Umfeld 20 Jahre rückwirkend zu prüfen. Seither kursieren Berichte, wonach Oligarchen Milliarden Forint ins Ausland verschieben und reiche Familien Ungarn verlassen, schreibt der ORF (Öffnet in neuem Fenster).
Im Fokus steht vor allem Lőrinc Mészáros, Jugendfreund von Viktor Orbán und reichster Mann des Landes. Sein Konglomerat Opus Global wuchs mit öffentlichen Aufträgen rasant. Magyar spottet, Mészáros sei in zehn Jahren reicher geworden als das englische Königshaus in Jahrhunderten. Der Unternehmer verweist auf „Gott, Glück und Orbán“.
Auch István Tiborcz, Orbáns Schwiegersohn, gerät in den Blick. Seine BDPST Group investiert in Immobilien, Banken, Logistik; er lebt selbst inzwischen in den USA. Frühere EU-Ermittlungen wegen Unregelmäßigkeiten weist sein Umfeld als politisch motiviert zurück.
Medien berichten von Privatjets, die Vermögen via Wien außer Landes bringen. Magyar fordert Ermittler auf, „Fluchten“ zu stoppen und Vermögenswerte zu sichern. Ab Mai soll eine eigene Behörde Staatsgeld zurückholen. Orbáns Lager dementiert – doch in Budapest wächst die Unruhe.

Anschlagspläne auf Swift-Konzert vor Gericht
Am Landesgericht Wiener Neustadt begann der Prozess gegen zwei junge Männer aus Niederösterreich, die 2024 Anschläge geplant haben sollen – darunter auf ein Konzert von Taylor Swift im Wiener Ernst-Happel-Stadion. Beran A. und Arda K. drohen bis zu 20 Jahre Haft.
Laut Anklage formierte sich um Beran A. eine kleine Terrorzelle mit IS-Bezug. Gemeinsam mit einem dritten Mann sollen sie gleichzeitig Attentate in Istanbul, Dubai und Mekka erwogen haben. Nur letzteres wurde ausgeführt: Der Komplize verletzte dort mehrere Menschen mit einem Messer und sitzt seither in Haft.
Beran A. und Arda K. wird vorgeworfen, diesen Angriff psychisch unterstützt zu haben – ein Beitrag zum versuchten Mord. Beide bestreiten das. Beran A. will jedoch ein Geständnis zu den Plänen rund um das Swift-Konzert ablegen, die Verteidigung spricht von „unkonkreten“ Ideen.
Die Staatsanwaltschaft sieht das anders: Chats, Bombenbauanleitungen, Versuche, Waffen zu kaufen, und ein Treueschwur auf den IS sollen die Tatnähe belegen. Festgenommen wurde Beran A. nach einem FBI-Hinweis in Ternitz. Die Konzerte wurden damals abgesagt. Nun soll das Gericht klären, wie konkret die Gefahr war.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Frei sein mit Rollstuhl
Sarah ist Rollstuhlfahrerin und hat ihre Tipps für Barrierefreiheit aufgeschrieben.
https://newsletter.andererseits.org/emails/webview/345641/185961835980129293 (Öffnet in neuem Fenster)
Manifestieren – ist das Esoterik oder Neurowissenschaft?
Mein Krautreporter-Kollege hält Manifestieren für einen gefährlichen Trend. Ein Hirnforscher erklärte uns hingegen in einem Interview, dahinter stecke echte Wissenschaft. Na was denn nun?
https://krautreporter.de/psyche-und-gesundheit/6354-manifestieren-ist-das-esoterik-oder-neurowissenschaft#lesen (Öffnet in neuem Fenster)
White Tiger
Der Spiegel hat eine neue Staffel des Podcasts Firewall veröffentlicht. Der Titel: „Menschenjagd – im Netz von White Tiger“. In fünf Folgen decken Report*innen neue Details über den Fall auf.
Im Zentrum steht die Gruppe „764“, ein loses, radikalisiertes Online-Milieu, dem auch „White Tiger“ zugerechnet wird. Im Podcast berichten Ermittler, Betroffene – und eine junge Frau, die selbst Teil der Szene war. Sie beschreibt die Dynamik wie ein grausames Spiel: Wer geht am weitesten?
Die Recherche zeigt: „764“ bleibt nicht digital. Aus Chats werden Tatpläne, aus Ideologie Messerangriffe. Sicherheitsbehörden sprechen von einer neuen, schwer greifbaren Terrorform: sehr junge Täter, rasante Radikalisierung, reale Gewalt. „White Tiger“ steht derzeit in Hamburg vor Gericht. Hinter dem Alias soll Shahriar J. stecken. Ihm werden ein Mord und Hunderte weitere Taten vorgeworfen. Seine Verteidigung bestreitet die Vorwürfe.
https://www.spiegel.de/netzwelt/web/white-tiger-eine-mitschuelerin-ueber-verstoerende-chats-podcastserie-menschenjagd-a-94bd55a9-5aaa-4c33-b09b-0150a91418fb (Öffnet in neuem Fenster)Hört sich heute den Podcast an:
Markus

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