Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
Ich habe das Drama um den vor Deutschlands Küste gestrandeten Wal nur am Rande registriert. Umso größer die Überraschung: Das Tier hat sich aus eigener Kraft befreit. Selten war eine gute Nachricht so schlicht.
Beunruhigend ist ein aktueller Erpressungsversuch gegen SPAR Österreich: In einem HiPP-Glas der Sorte „Karotten mit Kartoffeln“ (190 g) wurde Rattengift nachgewiesen. Laut Polizei geht es um Erpressung; auch in Tschechien und der Slowakei tauchten kontaminierte Produkte auf.
Kundinnen und Kunden können betroffene Gläschen von HiPP ohne Kassenbon bei SPAR zurückgeben. Die Ware ist am mit einem weißen Aufkleber und rotem Kreis markiert. Ermittlungen laufen. Mehr dazu hat der ORF (Öffnet in neuem Fenster).

Außerdem geht es heute um Förderstopp für Zara, Iran: Waffenruhe in Gefahr und die Wahlen in Bulgarien

Zara-Beratung vor dem Aus
Die Beratungsstellen von Zara (Öffnet in neuem Fenster) gegen Hass im Netz und Rassismus schränken ihre Arbeit drastisch ein. Neue Fälle werden nicht mehr angenommen. Ohne rasche Zwischenfinanzierung droht Ende Juni die Schließung, berichtet der Standard (Öffnet in neuem Fenster).
Grund ist der Stopp der Bundesförderung. Seit 2018 war der Verein vom Bund mitfinanziert worden, zuletzt über das Familienministerium. Nun heißt es aus dem Ressort unter Ministerin Claudia Bauer (ÖVP), die Entscheidung sei aus „budgetären Gründen“ gefallen. Gewaltschutz sei eine „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, für die mehrere Ministerien zuständig seien.
Zuletzt kamen rund 330.000 Euro jährlich vom Bund – etwa die Hälfte des Budgets für die Arbeit gegen Hass im Netz. Damit finanzierte Zara kostenlose rechtliche und psychosoziale Beratung für Betroffene digitaler Gewalt. Weitere Mittel stammen von der Stadt Wien, Spenden und Eigenmitteln.
Besonders problematisch: Der Förderstopp wurde dem Verein erst im April mitgeteilt, obwohl der Förderzeitraum bereits im Jänner begonnen hatte. Zara musste in Vorleistung gehen und reagierte mit der Kündigung aller Dienstverhältnisse. Man habe keinen Anlass gehabt, mit einem Ende der Förderung zu rechnen, heißt es vom Verein.
Das Aus trifft einen zentralen Baustein der österreichischen Unterstützungsstruktur. Zara betreibt die einzige bundesweite Anlaufstelle, die allen Betroffenen von Hass im Netz und Rassismus offensteht. Viele Klienten gelten als besonders schwer erreichbar und mehrfach belastet.
Neben psychosozialer Begleitung bietet der Verein spezialisierte Rechtsberatung. Mehr als 70 Prozent der Meldungen zu Hass im Netz kamen im Vorjahr von Frauen. Zara ist zudem als „Trusted Flagger“ nach dem EU-Digital-Services-Act zertifiziert und kann priorisierte Löschungen von Hasspostings bei Plattformen beantragen.
Der Förderstopp steht im Kontrast zu jüngsten politischen Ankündigungen, digitale Gewalt entschiedener zu bekämpfen. Ohne neue Mittel stehen 18 Arbeitsplätze und acht Jahre Expertise vor dem Verlust.

Iran: Waffenruhe in Gefahr
Wenige Tage vor Ablauf der Feuerpause zwischen den USA und dem Iran verschärft sich die Lage. Teheran sagte eine neue Gesprächsrunde mit Washington ab. Kurz darauf meldete Donald Trump, die US-Marine habe den iranischen Frachter „Touska“ im Golf von Oman beschossen und unter Kontrolle gebracht. Der Iran kündigte Vergeltung an.
Der iranische Staatssender sprach von „derzeit keinen Plänen“ für Verhandlungen. Dabei hatte US-Präsident Donald Trump noch eine Delegation unter Vizepräsident JD Vance nach Pakistan angekündigt. Die Waffenruhe endet am Mittwoch.
Irans Präsident Massud Peseschkian warb für Diplomatie, mahnte aber Misstrauen gegenüber Washington an. De facto dominiert die Revolutionsgarde.
Zusätzlich eskaliert die Lage in der Straße von Hormus. Teheran öffnete die Meerenge kurz und schloss sie wieder – wegen der US-Blockade iranischer Häfen.
Trump wirft dem Iran vor, selbst gegen die Feuerpause verstoßen zu haben. Teheran spricht von „bewaffneter Piraterie“. Die Ölpreise zogen deutlich an. Streitpunkte bleiben Hormus und Irans angereichertes Uran.

Bulgarien vor politischen Kurswechsel
Der frühere Präsident Rumen Radew gewinnt die Parlamentswahl klar. Seine Liste „Progressives Bulgarien“ kommt laut Hochrechnungen auf bis zu 45 Prozent – rechnerisch nahe an der absoluten Mehrheit im 240-Sitze-Parlament. Ein Ergebnis, wie es eine einzelne Partei dort seit Jahrzehnten nicht mehr erzielte.
Weit dahinter folgt die lange dominierende Bojko Borissow-Partei GERB mit rund 13 Prozent. Radew sprach von einem „Sieg der Hoffnung“ und zeigte sich offen für Gespräche mit dem proeuropäischen Bündnis PP-DB. Für eine Justizreform wären 160 Stimmen nötig.
Die prorussische Nationalistenpartei Wasraschdane stürzt auf etwa vier Prozent ab und bangt um den Einzug ins Parlament. Sollte Radew die absolute Mehrheit verfehlen, schließt er auch eine Minderheitsregierung nicht aus.
Außenpolitisch könnte sich der Ton ändern. Radew lehnt Militärhilfe für die Ukraine ab, wirbt für bessere Beziehungen zu Moskau und die Wiederaufnahme russischer Energieimporte. Zugleich betont er, EU-Beschlüsse nicht blockieren zu wollen. Beobachter sehen Parallelen zu Ungarns Kurs.
Innenpolitisch dominierten Lebenshaltungskosten, Korruption und Dauerkrise: Es war die achte Wahl in fünf Jahren. Die höhere Beteiligung deutet auf den Wunsch nach Stabilität. Dringendste Aufgabe der neuen Regierung: ein Budget für 2026.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Der Kampf gegen Windräder: Wie rechte Netzwerke neue Projekte in Gemeinden zu Fall bringen
Ich habe vergangene Woche an dieser Recherche mitgearbeitet: Es geht um eine Gruppe von Windkraftgegnern, die als Wanderstammtisch in Gemeinden ziehen wollen, um Stimmung gegen Windräder zu machen. Das Vorgehen gegen neue Projekte gleicht einem Drehbuch.

So bewahren wir bei Krautreporter unsere Zuversicht
Klimareporter Rico sucht nach Dingen, die er beeinflussen kann, Zeitgeist-Reporterin Theresa praktiziert eine Meditationstechnik und Außenpolitikreporterin Isolde hilft ein Perspektivwechsel.
https://krautreporter.de/gute-nachrichten/6349-so-bewahren-wir-bei-krautreporter-unsere-zuversicht#lesen (Öffnet in neuem Fenster)
Wer sprengte die Nord Stream-Pipelines?
Während andernorts die Rekonstruktion einer der spektakulärsten Sabotageaktionen der jüngeren europäischen Geschichte diskutiert wird, bleibt es hierzulande auffallend still. Zumindest bis jetzt. Dabei betrifft die Sprengung der Nord Stream-Pipelines nicht nur Berlin, Moskau oder Kiew – sondern auch Wien.
Genau diese Leerstelle füllt das Buch „Die Nord-Stream-Sprengung. Die wahre Geschichte der Sabotage, die Europa erschütterte“ von Bojan Pancevski.
Pancevski, Journalist beim The Wall Street Journal, zeichnet darin minutiös nach, was lange als geopolitisches Rätsel gehandelt wurde: Wer hat die Nord Stream-Pipelines gesprengt?
Seine Antwort ist brisant, präzise und – folgt man seiner Recherche – kaum noch zu relativieren: Es waren Akteure aus der Ukraine. Und der Fall, das ist vielleicht der irritierendste Teil der Geschichte, wurde nicht durch Geheimdienstthriller oder investigative Spekulationen aufgeklärt, sondern durch klassische Ermittlungsarbeit der deutschen Polizei.
Was wie ein Plot aus einem Politthriller klingt, liest sich hier wie ein nüchterner Ermittlungsbericht. Keine James-Bond-Ästhetik, keine Mythenbildung. Stattdessen: Bootsverleihe, Radarfotos, Hotelrechnungen, Sprengstoffspuren, akribische Spurensicherung. Europa war erschüttert von einer Operation, die erstaunlich bodenständig organisiert war.
Und während in Deutschland darüber berichtet wird, herrscht in Österreich bemerkenswerte Stille. Bisher.
Dabei ist das Land keineswegs unbeteiligt. Die teilstaatliche OMV war wirtschaftlich eng mit dem Projekt verflochten. Nord Stream war nicht irgendeine Pipeline, sondern Teil einer energiepolitischen Architektur, die auch in Wien mitgeplant, mitgetragen und mitfinanziert wurde.
Ergänzend zum Buch lohnt ein Blick – oder besser ein Ohr – in ein ausführliches Gespräch, das Pancevski mit dem Springer-Journalisten Paul Ronzheimer geführt hat. Veröffentlicht wurde es in Ronzheimers Podcast. Dort ordnet Pancevski seine Recherche ein, erklärt Hintergründe, benennt Details, die im Buch nur angerissen werden können.
Es ist ein Gespräch, das die Lektüre vertieft.
https://www.youtube.com/watch?v=vSGF4q6xW9c&list=PLWCwbDRIGWfySzHiRhxrQ_bJmJusNRw2p&index=3&t=9s (Öffnet in neuem Fenster)Liest jetzt jede Woch ein Buch:
Markus

PS: Wenn dir dieser Newsletter gefällt und du uns unterstützen möchtest, kannst du das in nur zehn Sekunden tun. Empfiehl tag eins (Öffnet in neuem Fenster) deinen Freund*innen und Bekannten weiter, das hilft uns sehr. Danke!