Zum Hauptinhalt springen

Worauf 150 Menschen zuletzt neidisch waren

Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!

Nun ist es also vorbei, das ESC-Theater. Mehr als 1,5 Millionen Menschen haben den Eurovision Song Contest aus der Wiener Stadthalle im ORF live verfolgt und mitgefiebert. Im Vorfeld gab es auch laute Boykott-Aufrufe und Proteste wegen der Teilnahme Israels. Gewonnen hat erstmals Bulgarien mit einem lauten „Bangaranga“. Die Künstlerin Dara bringt damit den ESC nächstes Jahr seit fast 20 Jahren wieder zurück an den Balkan. 

Für den ORF ist die teure Riesenveranstaltung so weit erfolgreich verlaufen – von (berechtigter) Kritik am etwas faden Moderator*innenduo und der Israel-Sache mal abgesehen. Das Spektakel war für den skandalgebeutelten Medienkonzern eine wohltuende Ablenkung. So eine gute Ablenkung, dass beinahe untergegangen wäre, dass sich die Politik offenbar schon wieder nicht aus der Postenbesetzung im ORF raushält. 

Der aktuelle CEO der APA Clemens Pig soll laut verschiedenen Medienberichten im Juni vom Stiftungsrat zum neuen ORF-Generaldirektor gewählt werden. Obwohl die Bewerbungsfrist noch bis Ende Mai läuft und sogar ein öffentliches Hearing stattfinden könnte. Aktuell sollen die anderen wichtigen ORF-Führungspositionen zwischen ÖVP und SPÖ ausgeschnapst werden. Der ÖVP-Generalsekretär und Mediensprecher Nico Marchetti spricht gestern im Interview in der Presse am Sonntag sogar offen davon, dass es einen Generaldirektor „von außen“ brauche, und er hoffe, dass sich Pig bewerbe. Zuvor hatte Marchetti auch ein Einsparungspaket für den ORF im Ausmaß von 100 Millionen Euro (rund 10 Prozent des gesamten ORF-Budgets) in den Raum gestellt. Der Aufschrei in der Branche ist groß. Dass sich die Politik nach den ganzen Skandalen unverblümt weiter einmischt, ist für viele kaum zu glauben. Journalist Johannes Huber ordnet ein (Öffnet in neuem Fenster).

Ansonsten geht es heute um Trump, OMV startet neue Erdgasförderung in Niederösterreich und Grazer FPÖ schließt Spitzenfunktionäre aus.

Trump schickt neue Drohung gegen Iran, Brand bei AKW in Abu Dhabi nach Drohnenangriff

Eine neue Woche, ein neues Ultimatum aus Washington. „Für Iran tickt die Uhr, und sie sollten sich besser SCHNELL bewegen, sonst wird von ihnen nichts mehr übrigbleiben“, schrieb Donald Trump gestern bei Truth Social. Anfang April hatte der US-Präsident dem Land schon einmal mit ähnlich martialischen Worten gedroht, erinnert der Spiegel (Öffnet in neuem Fenster). Kurz darauf trat eine Waffenruhe in Kraft, die zuletzt allerdings immer wieder ins Wanken geriet. Die zwei größten Streitpunkte sind weiterhin die Blockade der für den Ölhandel wichtigen Straße von Hormus und das iranische Atomprogramm.

Trump telefonierte gestern auch mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu, berichtet ZDFheute (Öffnet in neuem Fenster). Mit der Situation vertrauten Personen zufolge stimmt sich Israel mit den USA über eine mögliche Wiederaufnahme der Angriffe gegen Iran ab. Netanjahu sagte laut RND (Öffnet in neuem Fenster) in einer Kabinettssitzung: „Wir sind auf jedes Szenario vorbereitet.“ Ab heute beraten außerdem die Finanzminister der führenden westlichen Industriestaaten (G7) (Öffnet in neuem Fenster) in Paris über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Irankriegs. 

Gleichzeitig ist es gestern zu einem Drohnenangriff in den Vereinigten Arabischen Emiraten gekommen, bei dem beim Atomkraftwerk Baraka in Abu Dhabi ein Feuer ausgebrochen ist. Es wurden laut der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) keine erhöhten Strahlenwerte gemessen, bei dem Angriff sei ein Stromgenerator in Brand geraten. Die IAEA verurteilt den Angriff scharf: „Militärische Handlungen, die die Atomsicherheit gefährden, seien nicht hinnehmbar.“ Laut ORF (Öffnet in neuem Fenster) stehe der Iran im Verdacht, für den Angriff verantwortlich zu sein. Seit Ende Februar gab es nahezu 3.000 iranische Angriffe mit Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern auf die Vereinigten Arabischen Emirate. (Mit Material von Luzia Geier)

OMV startet neue Erdgasförderung in Niederösterreich

Es sei das größte Erdgasfeld, das in Österreich seit 40 Jahren gefunden wurde und nun zur Förderung bereitstehe. Sensationsmeldungen wie diese beherrschen heute, Montag, die Schlagzeilen. Die teilstaatliche OMV startet im niederösterreichischen Wittau unter großem Trubel eine neue Erdgasförderung. In der ersten Phase investiert der Öl- und Gaskonzern 150 Millionen Euro in das Projekt. Insgesamt sind 500 Millionen Euro eingeplant, mit denen die Gasförderung der OMV in Österreich laut Eigenangaben verdoppelt werden könne. 

Mit der Förderung in Wittau soll der Anteil an österreichischem Gas an der nationalen Versorgung von aktuell sechs auf in Zukunft neun bis zehn Prozent ansteigen. Wirtschafts- und Energieminister Wolfgang Hattmansdorfer (ÖVP) sagt dazu: „Wir können internationale Energiemärkte nicht steuern, aber wir können unsere Abhängigkeit von ihnen reduzieren.“ Der ORF hat die PK zur Eröffnung live übertragen (Öffnet in neuem Fenster). Aus der Politik mit dabei waren neben Hattmansdorfer auch Bundeskanzler Christian Stocker und Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (alle ÖVP).

Der Energieexperte und Ex-Chef der E-Control Walter Boltz sieht in dem Projekt eher den Versuch der OMV, ihre Gewinne zu steigern. Im ZIB2-Interview (Öffnet in neuem Fenster) erklärt, dass der „Grad der Unabhängigkeit“ durch das Gasfeld Wittau nur in „sehr geringem Ausmaß steige“. Auch werde das Gas für die Endkund*innen durch die neue innerstaatliche Gasförderung nicht „automatisch günstiger“, da sich die Preise der OMV an den internationalen Gaspreisen orientieren. Ein Ausstieg aus fossilen Energien und damit auch aus Gas soll in Österreich bis 2040 passieren, die OMV will bis 2050 klimaneutral sein. 

Vor Wahl: FPÖ in Graz schließt Spitzenfunktionäre aus

Der Wahlkampf in Graz spitzt sich zu. Am 28. Juni wird in der steirischen Hauptstadt der neue Gemeinderat gewählt. Im Vorfeld scheint sich die FPÖ Graz aber selbst keinen Gefallen zu tun. Oder vielleicht doch. Auf Basis des sogenannten Notverordnungsrechts wurden zwei stellvertretende Stadtparteiobleute überraschend aus der Partei ausgeschlossen, wie am Wochenende öffentlich wurde. Bernhard Dohr wurde Ende Februar noch als Listendritter präsentiert, nun muss er gemeinsam mit Fabian Gutschreiter das Feld räumen. Bei Dohr handelt es sich um den ehemaligen Pressesprecher des in den FPÖ-Finanzskandal verwickelten Ex-Vizebürgermeisters Mario Eustacchio, der inzwischen als wilder Abgeordneter im Landtag sitzt.  

Als Grund wird von der FPÖ Graz „systematische Illoyalität gegenüber der Partei“ genannt. Der Ausschluss fand am vergangenen Mittwoch im Landesparteivorstand statt und wurde laut APA einstimmig beschlossen. Es gäbe auch Beweismittel in schriftlicher Form.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Nadja Hahn startet neuen Podcast zu Kreislaufwirtschaft

Die langjährige ehemalige ORF-Wissenschaftsjournalistin Nadja Hahn startet heute mit einem neuen Podcast-Projekt zum Thema Kreislaufwirtschaft. In „Full Circle“ stellen Unternehmen ihre Ideen für Kreislaufwirtschaft vor, Expert*innen haken nach und stellen das Geschäftsmodell auf die Probe. Für Hahn ist der Podcast ein Versuch, „mehr über gute Ideen und Versuche zu reden“ und zwar „mit Fakten und Wissenschaft“. Man kann Full Circle auch bei Steady unterstützen. 

https://podcastfullcircle.substack.com/p/full-circle-geht-an-den-start (Öffnet in neuem Fenster)

150 Menschen haben uns erzählt, worauf sie zuletzt neidisch waren

Zum Beispiel auf Menschen, die es schaffen, eine harmonische Beziehung zu führen. Und auf die fitten Typen, die an Outdoorgeräten Klimmzüge machen.

https://krautreporter.de/psyche-und-gesundheit/6358-150-menschen-haben-uns-erzahlt-worauf-sie-zuletzt-neidisch-waren (Öffnet in neuem Fenster)

Was der Besuch einer Webseite alles über dich preisgibt

Dass Webseiten beim Besuch Daten sammeln, weiß inzwischen jedes Kind. Doch ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten nicht wissen, wie viele Infos die Webseiten-Betreiber tatsächlich binnen Sekunden über die eigene Identität erhalten können. Unser heutiges Fundstück zeigt das eindrücklich. Ich empfehle dringend, draufzuklicken! 

https://sinceyouarrived.world/taken (Öffnet in neuem Fenster)

Wird in Zukunft mehr auf datenschützende Browser setzen:

Emil

PS: Wenn dir dieser Newsletter gefällt und du uns unterstützen möchtest, kannst du das in nur zehn Sekunden tun. Empfiehl tag eins (Öffnet in neuem Fenster) deinen Freund*innen und Bekannten weiter, das hilft uns sehr. Danke!

0 Kommentare

Möchtest du den ersten Kommentar schreiben?
Werde Mitglied von tag eins und starte die Unterhaltung.
Mitglied werden