Herzlich willkommen, liebe Koapiererin und Koapierer!
Bist du schon mal kopiert worden?
In der heutigen Folge geht es um die Frage, wie du damit umgehst, wenn dich jemand so interessant findet, dass sie oder er dich imitiert.
Melanie Gollin (Öffnet in neuem Fenster) vom Musik-Newsletter “Zwischen zwei und vier” (Öffnet in neuem Fenster) hat zum Thema “passive Kopierkompetenz” ein wunderbares musikalisches Beispiel, das sie weiter unten vorstellt.
Mir persönlich fällt dazu lediglich eine musikalisch sehr viel bodenständigere Variante ein, die aber nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert: In seinem Song “Was wird aus Hannover (Öffnet in neuem Fenster)” singt Thees Uhlmann: “Du hattest einen Plan vom Leben, ich hatte Fury in the Slaughterhouse”. Diese Zeile sorgte dafür, dass die genannte Band aus Hannover ihn 2021 in die historische Stadthalle nach Wuppertal einlud (Öffnet in neuem Fenster) (Corona!) - um gemeinsam eine Cover-Version des Songs einzuspielen. Allerdings singen die Musiker aus Hannover die Strophe über sich nicht selbst, weshalb der von Melanie vorgeschlagene Song ohnehin viel besser (und eine sehr gute Einstimmung zum Thema “Kopieren als Hommage”) ist.
In diesem Sinne: ein Sunny-Woche (bis zum Ende lesen, dort gibt es Sunny-Laune)
Dirk
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Vorgeschlagen und beschrieben von Melanie Gollin (Öffnet in neuem Fenster), die gemeinsam mit Rosalie Ernst, den Newsletter “Zwischen zwei und vier (Öffnet in neuem Fenster)” schreibt. Am 20. März treten sie im Coloseum in Berlin (Öffnet in neuem Fenster) auf:
Der heutige Coversong ist ein Meisterstück der Metaebene. “Cape Cod Kwassa Kwassa (Öffnet in neuem Fenster)” befindet sich im Original auf dem ersten Vampire Weekend-Album von 2008. Gott weiß, was dieser Songtitel bedeuten soll. Naja, Gott und Wikipedia (Öffnet in neuem Fenster), es geht um Kolonialisierung, aber für uns hier ist das jetzt nicht wichtig.
Hot Chip sind 2008 schon zwei Alben deep in ihrer Karriere, auch das: gar nicht so wichtig. Die untersetzen Engländer kopieren im gleichen Jahr preppy New Yorker, beide Bands sind zu ihren Hochzeiten zwei der wichtigsten Bands der Indie- und Nu Rave-Szene. So weit, so schon sehr aufregend, ABER.
Wichtig ist eigentlich nur dieser Fakt: Im Song “Cape Cod Kwassa Kwassa” gibt es folgende Textzeile:
But this feels so unnatural, Peter Gabriel, too
This feels so unnatural, Peter Gabriel, too
Auch hier: Was soll es bedeuten? Egal. Denn jetzt kommt’s doch. Die Coverversion wird nicht etwa von den Hot Chip-Sängern Alexis Taylor oder Joe Goddard gesungen, sondern…
Sagen wir so: die oben genannte Textzeile lautet in der Coverversion (ca 1,20 min) (Öffnet in neuem Fenster):
It feels so unnatural / Peter Gabriel too
and it feels so unnatural / to sing your own name.
Und alles andere hört ihr selbst. WER etwas kopiert, ist manchmal genauso wichtig wie WIE etwas kopiert wird. Nur dadurch entsteht hier ein Mindfuckmoment.
(Na, der Song ist auch catchy, so is’ ja nich.)
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(D2) Mit der Frage, woher das folgende Zitat stammt, kannst du recht viel Zeit im Internet (Öffnet in neuem Fenster) verbringen: “Nachahmung ist die aufrichtigste aller Schmeicheleien.” Ob es tatsächlich von Oscar Wilde stammt, ist unklar. Wilde hat der Welt allerdings recht sicher den Satz geschenkt: “Talent borrows, genius steals.”
Wie aber fühlt es sich an, wenn du nicht selbst kopierst, sondern kopiert wirst? Fühlst du dich tatsächlich geschmeichelt?
Wenn wir hier über Kopierkompetenz sprechen, muss genau diesem Aspekt des passiven Kopierens ein eigenes Kapitel gewidmet werden. Denn obwohl “genius steals”, sollte das Kopiertwerden sich nicht wie ein Raub anfühlen. Denn: “Man muss feststellen, dass derjenige, der kopiert wird, häufig profitiert, weil der Grad seiner Bekanntheit enorm steigt,” sagte mir Michael Welsch im Jahr 2008 als ich ihn interviewte (Öffnet in neuem Fenster), weil er damals Bekanntheit als YouTube-Professor erlangte. Die Plattform war unschuldige drei Jahre alt und Welsch hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die eigene Dynamik in diesem noch jungen Ökosysteme zu erforschen.
Viel hat sich seitdem geändert, sein Urteil trifft aber weiterhin zu (nicht nur auf Youtube): Kopierer (die nach den Kriterien der lobenswerten Kopie arbeiten (Öffnet in neuem Fenster)) rauben nicht, sie verschenken etwas - und es sei es nur Aufmerksamkeit. Sie werfen einen neuen Blick auf das Original, stellen es in ein anderes Licht und machen es vielleicht auch erst bekannt (genau das ist mir vergangene Woche passiert (Öffnet in neuem Fenster)).
Im Lob der Kopie (Öffnet in neuem Fenster) komme ich deshalb in Bezug auf die passive Kopierkompetenz zu dem Urteil: “Das Original profitiert von der Kopie.”

Hast du schon ein Muster in den bisherigen Folgen erkannt? Ich habe sie (etwas geheim) nummeriert - und das bezieht sich nicht auf Schiffe-Versenken-Muster.
01/50 - B1 (Öffnet in neuem Fenster)
02/50 - E2 (Öffnet in neuem Fenster)
03/50 - B3 (Öffnet in neuem Fenster)
04/50 (diese hier) D2
Mehr dazu dann in den nächsten Wochen ;-)
Außerdem: Unser Newsletter wird von Theresa Bäuerlein und ihrem Newsletter “Wie du nicht den Verstand verlierst” (Öffnet in neuem Fenster) empfohlen. Vielen Dank!
Nach dem aktuellen Einschub zum Release einer Notwist-Coverversion (Öffnet in neuem Fenster) bin ich offenbar besonders aufmerksam, was aktuelle Cover-Themen angeht: Xiu Xiu haben ein sehr tolles Cover-Album in der vergangenen Woche veröffentlicht (Öffnet in neuem Fenster), Cat Power hat eine EP mit drei Cover-Versionen rausgebracht (Öffnet in neuem Fenster), Green Day Frontman Billie Joe Armstrong hat gemeinsam mit seinem Sohn Jakob ein David Bowie Cover (Öffnet in neuem Fenster) gemacht - und wer meine Begeisterung für Referenzen und Anspielungen teilt, wird sicher große Freude am Video zur aktuellen Harry Styles Single haben: “Aperture” weist erstaunliche Parallelen zu David Bowies “I’m afraid of the Americans”-Video aus dem Jahr 1997 auf (Öffnet in neuem Fenster).
(Öffnet in neuem Fenster)Weil es mir richtig viel Freude macht: bitte nicht aufhören, mir Cover-Versionen vorzuschlagen! Am Sonntag (danke, Manni! (Öffnet in neuem Fenster)) wurde ich beispielsweise auf diese Spotify-Playlist hingewiesen (Öffnet in neuem Fenster), die 31 Versionen von Sunny bündelt.
Viel Spaß damit: möge deine Woche ebenso sein: Sunny!