
Liebe Uschis,
natürlich geht es nicht darum. Das soll auch keine Andeutung sein. Ich halte gar nichts von diesen Einkategorisierungen – auch wenn sie uns helfen können, Beziehungsdynamiken besser zu verstehen.
In einer Beziehung ist nicht nur eine Person dafür verantwortlich, wie gut es zwischen beiden Menschen läuft.
Ich würde niemals die Gründe öffentlich aufzählen, die dazu geführt haben, dass ich nach einem gemeinsamen Jahrzehnt als Familie die räumliche Trennung von meinem Mann bekanntgebe.
Nicht, weil es privat ist. Ich wünschte, wir würden in dieser Individualgesellschaft alle darüber reden, was los ist, um voneinander lernen zu können. Ich mache es nicht, weil es sich immer nur um meine Meinung handeln würde, niemals um ein komplexes Bild. Es ist doch klar, dass es Konflikte gab. Wie bei allen, die nicht vor einer Kamera miteinander knutschen. Das ist ein Spaß, Heidi und Seals jährliche Ehezeremonien mit nachfolgender Scheidung in einer Zeit ohne Insta waren mein klarer Vorbote dafür, das kein Couple Reel jemals ernst zu nehmen ist.
Im Uschiletter heute geht es nicht darum, wer was von uns gemacht hat, um den anderen zu vergraulen – sondern darum, wie wir uns darüber einig wurden, dass die räumliche Trennung friedlich und einvernehmlich erfolgt.
Weil – this my friends – und die von euch, die immer mitlesen und auf Insta mit dabei sind – wissen: war ein langer Weg.
Hier kommt der Rückblick dazu:
Nun. Das Auftreten und Verhalten und Handeln und die Worte, die wir in den letzten Jahren füreinander gewählt haben, hat uns also nicht in die glückliche Position gebracht, uns als Team aufeinander verlassen zu können, sondern dazu, dass wir in der Situation sind, in der wir sind: seit dieser Woche getrennt lebend.
Ich spreche bereits seit mehreren Jahren darüber, diesen Wunsch zu haben – keine Scheidung, aber räumliche Trennung – und dann kam immer etwas dazwischen: ein Baby, eine Kündigung, eine Diagnose, eine Hauptstadt, in der es nichts Bezahlbares zu mieten gab, eine Auswanderung.
Ich habe auch nie einen genauen Plan gehabt, wie es gehen kann. Nur die Vorstellung, dass wir weiterhin füreinander da sein, für die Kinder, nur ohne die große Hoffnung, dass jemand anders wird, als er ist und sich und seine Unzulänglichkeiten nicht mehr ständig so vor Augen haben müssen.
Das war vor allem mein Problem – ich bin so aufgewachsen, dass Partner useless sind, Du Männer generell vergessen kannst, dass das, was sie zeigen, sagen, machen, unzureichend ist. Und da war ich auch schnell angekommen, nachdem meine Traumblase vom Prinz und ich endlich Prinzessin zerplatzt war. Die Realität, die sich mir zeigte, hatte wenig gemein mit, wie ich es mir gewünscht habe. Nur merken wir das oft erst dabei. Und dann sag mal jemanden, “Du, so wie Du bist, kann ich nicht mehr”, wenn die Person so ist, wie Du sie kennen- und angeblich lieben gelernt hast.
“Sie kann doch ausziehen, wenn sie gehen will”
Mein Umfeld hatte zu meinem Wunsch verschiedene Meinungen. Von “das verstehe ich, aber wovon willst Du das bezahlen”, bis “schlaf doch einfach mit ihm, das wird schon wieder”, zu “mein Mann würde auch nicht ausziehen”.
So verging viel Zeit, in der ich mich gefragt habe, warum ich als großartige Mutter unserer Kinder nicht so geschätzt werde, dass mir der Wunsch erfüllt wird, in der ich an all die Frauen gedacht habe, die ein Leben lang in einer unglücklichen Beziehung bleiben, weil sie einfach nicht wissen, wie und wo sie hinsollen, in der ich mir jeden Abend vorgenommen habe, ab dem nächsten Tag all meine Erwartungen einfach in Luft aufzulösen und den Partner so zu schätzen, wie er ist und das Gute zu sehen, statt den Fokus so sehr auf das, was nicht da ist, zu legen. Diese Versuche verliefen wie Diätgedanken vor einem Urlaub – beim ersten stressigen Moment im Sand.
Ingesamt dreimal zog mein Mann für wenige Tage in eine andere Unterkunft, ich war direkt befreit und glücklich, aber genauso daran interessiert, mich mit ihm zu treffen und wir kamen und waren uns durch wenige Tage Abstand direkt näher. Aber solche Versuche als Lösung hielten immer nur wenige Tage an.
Einmal mietete ich ein Apartment, in dem wir uns jede Nacht abwechselten – eine Nacht er bei den Kids, eine ich – auch hier trafen wir uns wieder tagsüber plötzlich, um zu reden, uns nah zu sein. Auch das funktionierte wunderbar für mich. Aber nicht für uns beide. Und das ist die Tragik jedes Paares “mit Potenzial” – dass es an Grundlegendem scheitert. Ohne, dass irgendwer was dafür kann.
Bei uns geht es um keine Aufteilung eines Vermögens, sondern um eine Lösung für uns und die Kinder
Im Laufe der letzten Monate habe ich auf Instagram immer wieder Nachrichten bekommen, von Frauen, die in einer ähnlichen Situation stecken. Ich kann keinen allgemeingültigen Trick verraten, was passieren musste, dass mein Mann akzeptiert hat, dass es für uns alle als Familie aktuell besser so ist. Aber ich mutmaße, dass es allen so geht, die diese Änderung nicht wollen. Die Angst davor haben. Die Zeit brauchen. Und auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass er es direkt umsetzt, habe ich immer Verständnis dafür gehabt, dass wir beide diese Familie so sehr wollen und wollten und keiner gehen will und wir seit einem Jahrzehnt eben doch alles füreinander sind.
Eine Freundin schrieb mir in dieser Zeit:
“Ein Ehepartner sollte immer Individuum bleiben und dem anderen nicht zu viel zumuten. Es ist toll einen Partner an der Seite zu haben, der unterstützt und inspiriert, aber das ist nicht zwingend notwendig. Meine Oma hat immer gesagt, man muss als Frau selbständig bleiben und sich nicht blind auf die Männer verlassen 😆 Und trotz glücklicher Ehe vergesse ich diesen Satz nicht. Sie hat so Recht! Das gilt auch andersherum. Auch jeder Mann bleibt ein Individuum und sollte selbständig bleiben und – auch mit Partnerin – sich nicht immer darauf verlassen, dass die Frau sich schon drum kümmert.”
Ihre Worte sind nicht meine und doch erinnern sie viel in mir. Mit dieser Einstellung sind die Frauen in meiner Familie auch aufgewachsen. “Kinder bekommt man, weil man Kinder will, nicht wegen des Mannes”, habe ich nicht nur einmal gehört. Ich habe mich immer davon distanziert, fand das ernüchternd, karg, lustlos und so wollte ich niemals leben. Leidenschaft, echte pure Liebe, Romantik, Träume füllten meinen Kopf. Bei mir würde es anders sein. Ich würde mich und die Verbindung zum Mann meiner Träume niemals verlieren, während unsere wundervollen Kindern in den Hängematten schlafen und im Hintergrund die Sonne ins lila-orange-rosa Meer versinkt.
Es ist keine Überraschung, dass ich mit dieser Einstellung zu dem Mann auf die Insel gezogen bin, den ich nur wenige Stunden am anderen Ende der Welt kennengelernt und auf dem Rückflug meinen Vornamen mit seinem Nachnamen geübt habe.
Und dann passierten sie – die folgenden elf Jahre – und da waren sie – die wundervollen Kinder. Und da kamen sie – die Hürden in all ihrer Vielfalt – wie oft ich gern einfach weggelaufen wäre.
Einen gemeinsamen Wohnort finden
Was ich hervorheben möchte: wie unheimlich erlöst ich bin, dass wir diesen neuen Schritt gegangen sind. Und dass es mir gleichzeitig Angst macht. Mein Mann glaubt fest daran, dass Abstand Abstand schafft. Ich spüre, wenn ich mehr Raum für mich habe, mehr Nähe zu den Menschen, die ich liebe. Ein Rezept für zwei so unterschiedlich gepolte Elternteile konnte ich sowohl im echten Leben, als auch auf Insta noch nicht finden.
Aber hier haben wir sie – die Chance, hinzuschauen: wer wir sind, ohne den anderen nonstop vor der Nase zu haben. Ob es besser ist – wenn ja, für wen – für wen nicht und wie es weitergeht?
Bei uns geht es um keine Aufteilung eines Vermögens, sondern um eine Lösung für uns und die Kinder.
Eine berufliche Perspektive schaffen – einen gemeinsamen Wohnort dafür finden – im besten Fall keine große Veränderung. Leicht zu lösen also :)
Diese Woche hatte ich in meiner Story damit begonnen, dass ich für alle von uns beim Spinning war und daraus entwickelte sich die süßeste Kette, die ich seit langem gelesen haben und eine Uschi nach der nächsten bot ihre Hilfe für uns alle an.
Meine Schultern sind allein vom Lesen dieses Gemeinschaftsgefühls so gesunken, Wärme hat sich ausgebreitet – die reinste und schönste, in der sich alles richtig anfühlt und wir nichts in Frage stellen.
So habe ich mir immer vorgestellt, würde sich Familie mit einem Partner anfühlen. Und dann habe ich gefühlt irgendwie viel zu viel allein gerockt, du kannst es, du schaffst es, aber du gehst kaputt dabei.
Eins der besten Momente im ersten Jahr als Mama war, als meine Schwägerin die Kids gebadet hat, während ich gekocht habe, meine Freundin die Babys zum Lachen gebracht hat, während ich den Müll sehr lang rausgebracht habe. Es war nicht die Paarzeit. Ich kann sie an zwei Händen abzählen – die Momente, in denen wir, das, was anstand, meiner Empfindung nach wirklich zusammen gemacht haben.
Es sind so viele von uns, die krass wichtige Entscheidungen inkl. Konsequenz und nötigen Schritte realisieren, während sie sooooo viel wuppen, erwerbsarbeiten und Kinder versorgen.
Eines Tages wirst Du da sein, wo du sein willst
Ich habe währenddessen begonnen, wenn keiner hinschaut, wieder Zigaretten zu brauchen. Ich konnte nur zuschauen in den letzten Jahren, wie emotionales Essen so viel Macht einnimmt, was nicht bedeutet, dass ich schwach bin, sondern zu viel Stress habe.
Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Aber solang wir uns selbst niemals aus dem Blick verlieren und einen Schritt vor den anderen setzen, egal was und wer uns wann und wo zurückwirft, ist er nicht zuende.
Lasst uns in den Spiegel blicken und all das sehen, was sich bereits verändert hat. Lasst uns an die denken, die sich in Geduld üben müssen. Die täglich kleine und große Kämpfe führen müssen, was niemals solche Ausmaße hätte entwickeln dürfen und sie sich stattdessen getragen und unterstützt fühlen sollten. Lasst uns niemals aufhören, die Steine aufzuheben, die uns in den Weg gelegt wurden und immer nach vorn blicken!
Danke , dass eine von euch aus der Story die Kinderschreibtische für mich aufgeräumt hat und ich mich nach zwei Waschmaschinenladungen auf die Bank setzen konnte, wo eine andere von euch bereits Kaffee hingestellt hat.
Es ist wundervoll zu sehenn, was wir als Frau mitbringen und wie wir unser Leben gestalten! Lasst uns das niemals vergessen – ob er auszieht oder nicht – eines Tages wirst Du da sein, wo du sein willst, auch wenn es nie dein Ziel war, du wirst dein Zuhause zurückerobern und frei und glücklich sein und bis dahin gibst Du nicht auf.