Liebe Wein-Freund:in,
Du liest den WeinLetter #109. Heute gibt’s: Portugal. Wie, Portugal? Ja, Douro! Wie, Douro? Der Douro ist derselbe Fluss wie der Duero. „ou“ ist portugiesisch, „ue“ ist spanisch. Der Duero, also der spanische Teil, ist für uns Weinfreund:innen der weitaus bekanntere Flussteil. Ribero del Duero ist ein Synonym für den Aufstieg spanischen Weins in Europa. Ganz ehrlich: Müssen wir vom WeinLetter nicht auch noch machen. Deshalb schreibt Walter Steinmann, der Schweiz-Korrespondent des WeinLetter, über den Douro. Also Portugal. Zwei Dinge sind hier wichtig. Erstens: Es war eine „Bike & Wine“-Reise, die auch fürs hießige Weingeschäft interessant ist, verbindet sie doch Tourismus/Freizeit mit Genuss/Wein. Zweitens: Die Wein-Entwicklung ist hier interessant. Am Douro entlang kann man zuschauen, wie sich ein Weingebiet entwickelt mit Betrieben, die früher an große Portwein-Produzenten ablieferten. Die jetzt aber ihr eigenes Ding finden müssen, weil die großen Portwein-Produzenten ihnen nix mehr abnehmen. So hat sich eine junge, spannende Weinszene entwickelt – wie man an den Tipps sehen kann, die Walter Steinmann mitgebracht hat. +++ Viel Spaß beim Lesen! Und jetzt empfehlt (und shared) diesen WeinLetter bitte. Unterstützt den WeinLetter gerne auch finanziell und werdet aktives Mitglied!
Aber vor allem:
Trinkt friedlich!
Euer Thilo
Fluss und Weinberg: Der Rundblick auf den Duoro Museo do Côa, wo die Geschichte der Felszeichnungen dargestellt ist FOTO: BEAT STEINMANN
Das Douro-Gebiet: Portugal kann mehr als Portwein
von Walter Steinmann
Spanische Weine am Oberlauf des Flusses Duero sind in unseren Ländern bereits seit längerer Zeit eingeführt. Sie finden als Ribera del Duero viel Aufmerksamkeit und Freunde. Von den portugiesischen Weinen am meeresnäheren Teil dieses Flusses Douro kennen wir meist nur eine Spezialität: den Portwein.
Ursprünglich als Rotwein nach England exportiert, kam dieser dort oft als nicht geniessbarer Essig an. Deshalb begann man, am dritten Tage der Gärung diesen Prozess zu stoppen, indem man hochprozentigen Grappa oder einen anderen Weinbrand beimischte und so einen Wein mit einem Alkoholgehalt von 19 bis 20 Prozent erhielt. Der Begriff Portwein taucht erstmals in Jahre 1678 in Zolldokumenten auf. Bereits im Jahre 1756 wurden vom Marquis de Pombal die ersten Qualitätskriterien eingeführt, Kataster angelegt und Klassifizierungen wie auch Kategorisierungen vorgenommen.
Portwein wird aus verschiedensten Traubensorten hergestellt, bei den roten dominiert die Touriga Nacional, bei den weißen der Malvasia Fina. Der Wein wird nach einem halben Jahr vom Produktionsgebiet in die großen Portweinkellereien der Region Porto gebracht. Dort wird er mindestens zwei Jahre gelagert und dann wird entschieden, wie er - je nach Qualität - weiter im Fass oder in der Flasche gelagert werden soll, um eine optimale Trinkreife zu erhalten.
Der portugiesische Teil des Duero? Nur Portwein? Oder gibt es hier nicht noch anderes zu entdecken?
„Bike & Wine“ ist der Titel einer Reise in Nordportugal des Schweizer Touranbieters „Bike Adventure“. Ich fühlte mich sofort angesprochen, gehören doch sowohl Radfahren als auch Weinkultur zu meinen Lieblingshobbys. Ich meldete mich für dieses Abenteuer entlang des mir unbekannten portugiesischen Flusses Douro von der spanischen Grenze bis nach Porto an.

Das ist der Gipfel! Die Wein&Bike-Gruppe inmitten der portugiesischen Weinberge FOTO: DANIEL KEEL
Mit dem Bike Landschaften erfahren
Da trafen sich also 15 Golden-Agers zwischen 55 und 74 Jahren an einem noch recht sommerlichen Oktober-Sonntag 2025 am Flughafen Porto. Mit dem Bus fuhren wir quer durch Portugal zum grenznahen Ort Freixo de Espada à Cinta. Nahe der spanischen Grenze beginnend führte uns die Reise den Fluss Douro entlang nach Porto. Grossteils per Bike, teils aber auch per Bus, Schiff und mit der Bahn näherten wir uns in durchaus bewältigbaren Etappen dem Atlantik.

Von der spanisch-portugiesischen Grenze bis zum Atlantik: Das ist die Route der Douro-Fahrrad-Tour GRAFIK: BIKE-ADVENTURE-TOURS.CH (Öffnet in neuem Fenster)
Mountainbike-Tour durch die Rebberge entlang des Douro
Ausgeschrieben als Mountainbike-Tour durften wir erwarten, dass uns die Strecke über Naturstraßen und Feldwege führen würde. Tatsächlich haben wir beinahe jeden Tag auch kleine schmale, teils grasbewachsene Pfade durch Rebberge genutzt. Meist sind wir 40 bis 60 Kilometer geradelt und haben oft mehr als 1.000 Höhenmeter überwunden.

Mit dem Mountainbike durch die Rebberge: Der Schweizer Führer der Wine & Bike-Tour Rolf Heinisch FOTO: DANIEL KEEL
Geleitet wurde die Gruppe von Rolf Heinisch, einem erfahrenen Schweizer Velocrack. Vertrauen durften wir auch auf drei lokale Guides, welche mit dem Gebiet bestens vertraut sind. Sie führten uns zu den besten Kneipen, bemerkenswertesten Cafés und grossartigsten Sehenswürdigkeiten.
Wir starteten nahe der Grenze, wo der spanische Duero zum portugiesischen Douro wird. Wir fuhren auf schmalen Wegen die Rebberge hoch, kämpften Höhenmeter um Höhenmeter unseren Etappenzielen entgegen. Oben angekommen, genossen wir immer wieder tolle Blicke auf atemberaubende Landschaften mit dem mäandernden Fluss sowie den steil abfallenden Hängen. Es sind Kulturlandschaften, seit Urzeiten bebaut, mit vielen mit kunstvollen Steinmauern durchsetzten Rebbergen und Olivenhainen. Wir fuhren mit einiger Geschwindigkeit schmale Strassen und Wege runter, nicht selten dauerte dieses Down-Hill bis zu einer halben Stunde: der Fahrtwind leicht ins Gesicht blasend, umgeben von warmen, lieblichen Temperaturen und in der Nase der Duft von sommerlichen Kräutern stellten sich Glücksgefühle ein.
Wir machten in kleinen Dörfern und teils beinahe menschenleeren Städtchen Halt, besichtigten Kirchen und auch mal das spannende Museo do Côa, wo die Geschichte der Felszeichnungen dieser Region attraktiv dargestellt wird. Zwischendurch genossen wir auch mal eine Abkühlung im Fluss Douro, der mit seinen fünf Staustufen fast wie ein See zum Bade lädt. Wir nutzten das Agri-Tourismus-Angebot der Region, übernachteten in zweckmässig eingerichteten Zimmern mit Dusche und Bad.
Die feinen, kleinen leckeren Vorspeisen
Bei unseren Lunchs wie auch am Abend genossen wir die immer üppig dargebotenen Vorspeisen, wir konnten die riesigen Platten kaum je leer essen. Verschiedene Snacks, ähnlich den spanischen Tapas, schmackhaft und abwechslungsreich, erwarteten uns. Beinahe immer wurden Bacalhau-Kroketten sowie gegrillte Chouriços, oft auch inklusive einer sehr würzigen Blutwurst aufgetischt. Daneben gehörten Käse, Pilze, Tomatensalat, Rindfleischhappen, Lamm- oder Schaffleisch, oft auch Muscheln und Octopussalat dazu - eine Auswahl, von der wir noch lange träumen werden.

Die kleinen Leckereien und einzigartige Meeresküche FOTO: DANIEL KEEL
Die vielfältige, einzigartige Meeresküche
Unsere lokalen Guides unter Leitung von Nuno führten uns für die Abendessen in attraktive Lokale, wo wir erstklassig bewirtet wurden. Die iberische Küche ist stark auf Fisch ausgerichtet, der uns in zahlreichen Variationen angeboten wurde. Daneben testeten wir öfters mit der Paella vergleichbare feine Reisgerichte und Pulpo in verschiedensten Variationen. Die Nachspeisen waren vielfältig und meist von höchster Qualität: An nicht wenigen Orten gab es verschiedene leckere Dinge vom Schokokuchen über süße Omeletten bis zu Speiseeis zum Teilen. Oft auch vergnügten wir uns zwischendurch mit den Pastel de Nata.
Die neuen Wein-Produkte und Wein-Produzenten
Und die Getränke zu diesen Speisen? Klar tranken wir Portwein. Aber Portugal kann immer mehr als Portwein.
Bisher wurde die Portweinproduktion von rund 100 größeren Firmen sowie Einheiten dominiert. Rund 10.000 kleine Winzer verkauften ihnen ihre Ernte und halfen ihnen auch bei deren Ernte mit. Die Kleinbetriebe kümmerten sich nicht um die Vinifizierung und um die Vermarktung des Weins.
In den vergangenen Jahren haben die Großen der Branche aber ihre Anbauflächen vergrößert und den Rebbau verstärkt mechanisiert. Die Folge: Sie nehmen den Kleinbetrieben nun nicht mehr die Ernte ab. Deshalb müssen diese nun selbst die Trauben verwerten und auch ein Marketing für ihre Produkte aufbauen. Immer mehr Winzer produzieren eigene Rot- und Weißweine - von durchaus guter Qualität. Zudem versuchen die kleineren Betriebe auch, mit Produkt-Innovationen neue Kund:innen zu gewinnen.

Die alten Portwein-Fässer in Porto FOTO: DANIEL KEEL
Auf unserer Reise haben wir vier interessante und innovative Betriebe kennengelernt. Diese wären:
1. Bio-Freixo, Cinta
Der pfiffige Unternehmer und in der ganzen Region als Motivator wirkende Gilberto Pintado (Öffnet in neuem Fenster) produziert nicht nur Wein, exzellentes Olivenöl, Bier und feinen Portwein. Er versucht auch, neue Getränke auf den Markt zu bringen. Er hat eine Mischung von Wein und Bier entwickelt, die er als neuartigen, eher leichten Apéro vermarkten will. Ein grosses Problem ist dabei die Registrierung bei den nationalen Behörden: Die für Wein zuständige Stelle lehnt das Produkt ab, weil es nicht reiner Wein ist. Ähnlich argumentiert die für Bier zuständige Behörde.
Das Produkt selbst hat eine frische, leicht rosa Farbe, schmeckt auf der Zunge vorerst durchaus spritzig, doch ist der Abgang ziemlich fremd. Ein mir unbekannter Gout.
2. Ramos Pinto, Quinta de Ervamoira, Vita Nova de Foz Côa
Der herausragende Pionier Adriano Ramos Pinto (Öffnet in neuem Fenster) entschied 1880, seine Portweine primär nach Brasilien und Südamerika zu verkaufen und dort gezielt Marketing zu betreiben. Als Student einer Kunsthochschule investierte er viel ins Design, schuf erste Merchandising-Produkte und ließ die Plakate für seine Produkte von Henri de Toulouse-Lautrec sowie anderen bekannten Künstlern entwerfen. Schon bald lieferte Ramos Pinto die Hälfte aller nach Südamerika exportierten Weine.
Heute gehört Ramos Pinto zum Champagnerproduzenten Louis Roederer, dessen internationale Vertriebskanäle ihm eine hervorragende Positionierung ermöglichen.
Wir konnten uns bei einer ausgedehnten Degustation von der Qualität der Weine überzeugen. Aufgefallen ist vorerst der als Apéro gereichte Portocino , der aus dem weißen Portwein Lâgrina White und Schweppes mit etwas Mineralwasser besteht. Neben den erstklassigen älteren Portweinen gefielen insbesondere auch die frischen Weißweine – zum Beispiel der Duas Quintas mit einer Mischung traditioneller Sorten - sowie der tiefe, komplexe Quinta de Ervamoira, der ebenfalls eine Ramos-Pinto-Auswahl beinhaltet.
3. Quinta do Roncào, Peso da Régua
Seit 1923 ist das Gut Quinta do Roncao (Öffnet in neuem Fenster) in Frauenhand, was oft auch in dieser patriarchalischen Gesellschaft zu Diskriminierung und Ausgrenzung führte. Eunice, die Vertreterin der vierten Generation, ging 2015 für ein Praktikum nach Australien und lernte dort den jungen russischen Weinproduzenten Pasha kennen. Seit 2019 produzieren sie nun gemeinsam Weine und Olivenöl in Peso da Régua. Im Jahre 2026 dürfte ihr erster selbstproduzierter Portwein erhältlich sein.

Das Weingut Quinta do Roncào in Peso da Régua FOTO: DANIEL KEEL
Aufgefallen ist uns beim Testen der Quinta do Roncao Red Reserve 2017, den wir als rund und gleichzeitig angenehm vielschichtig erlebt haben. Eunice und Pasha ist ein Paar, das es dank klug eingesetzten alten Produktionsverfahren gekoppelt mit modernster Technologie und erstklassigem Marketing noch weit bringen dürfte.
4. Burmester, Porto
Zum Abschluss besuchten wir das unter der markanten Eifel-Bogenbrücke Ponte Dom Luis liegende Lokal der Burmester (Öffnet in neuem Fenster) in Porto. Ein hocheffizientes und witziges Verkaufsteam zeigt in einer rund halbstündigen Führung die Geschichte des Unternehmens, die Produktionsmethoden und die Technologisierung.
Die Burmesters stammten ursprünglich aus Deutschland und handelten dann in England mit Portwein. Um 1830 kam Johann Wilhelm Burmester nach Porto und erweckte die dortige Produktionsfirma zu neuem Leben. Schon bald rationalisierte und automatisierte er die gesamte Produktion und ließ dafür Maschinen sowie Anlagen in Deutschland produzieren. Heute gehört Burmester der portugiesischen Sogevinus-Gruppe, welche verschiedenste Beteiligungen in der Wein- und Portweinproduktion hat. Wir genossen nach der Führung ansprechende weiße und rote Portweine. Später - beinahe beim Verlassen des Lokals - wurden uns dann noch plötzlich auch ein 20 Jahre alter Tawny-Portwein als „Versucherli“ kredenzt. Er war von hervorragender Qualität.

Wer radelt, der muss auch Trinken: Die Fahrrad-Gruppe bei der Rast. Vorne rechts im Bild: Walter Steinmann FOTO: NUNO MOURINHO
Mein persönliches Fazit:
Auf dem Bike erlebt man eine Region weit näher, erfasst mehr und setzt sich mit den Bewohner:innen und der Geschichte sowie Kultur intensiver auseinander. Wir haben eindrückliche Landschaften entlang eines breiten Flusses erfahren, haben Land, Leute und Weine kennengelernt und sind nach einer eindrücklichen Schlussetappe durch das pulsierende Porto am bereits recht kühlen Atlantik angekommen.
Diese Douro-Biketour hat mächtig Spaß gemacht, war aber teilweise für mich (Jahrgang 1951) durchaus etwas anspruchsvoll. Wer eher einen gemütlicheren Trip mit kürzeren Strecken und besser ausgebauten Strassen sowie einem City-E-bike wünscht, sollte die Angebote von Terranova Tours prüfen, welche auf dieselben Guides rund um Nuno zählen dürfen.
Die Douro-Region emanzipiert sich vom traditionellen Portweinproduzenten: Sie wird mehr und mehr auch erstklassige Weiß- und Rotweine auf den europäischen Märkten anbieten. Um zu Erfolgen zu kommen, müssen aber das Marketing ausgebaut und die Schönheiten Portugals auf breiter Linie kommuniziert werden. Nur so wird sie sich diese Region als Marke mit erstklassigem Image im zunehmend kompetitiven Wein-Wettbewerb behaupten können.
Porto und das Dourotal werden aktuell vom internationalen Tourismus entdeckt. Mehrtägige Flussreisen sind nur ein Anfang, vermehrt dürften Hotels und Resorts aber auch Airbnb dort relevant werden. Porto könnte schon bald zu einer Weekenddestination für die agile junge Generation werden, denn die Stadt sprüht Lebensfreude, Leichtigkeit und Fröhlichkeit aus.
Weitere Informationen zu dieser Reise gibt es auf bike-adventure-tours.ch (Öffnet in neuem Fenster).

Walter Steinmann ist ein ehemaliger Chefbeamter der Schweiz. 15 Jahre lang war er Direktor des Bundesamtes für Energie (2001 bis 2016) in Bern. Heute ist er Präsident des Ökozentrums Langenbruck und unabhängiger Berater verschiedener Projekte im Energiesektor. Er engagiert sich für Start-ups und hilft ihnen, Innovationen voranzubringen und die Transformation im Energiesektor effizient zu gestalten. Sein Urgroßvater besaß eine Weinhandlung in Basel. Er hat sich schon immer in der Kulinarik getummelt: «Als kleiner Junge habe ich die Kochschule besucht, die damals nur für Mädchen obligatorisch war», sagt Walter Steinmann. Von 1990 bis 2006 war er Verwaltungsrat der Genossenschaft Baseltor in Solothurn (Öffnet in neuem Fenster). Es war ein linkes Alternativrestaurant, das sich mittlerweile zu einer Gastrogruppe mit fünf Restaurants und mehr als 100 Beschäftigte entwickelt hat. Zuletzt schrieb der Schweizer WeinLetter-Korrespondent über die Winzer vom Bieler See und ihre Antwort auf die Aldisierung des Weins (Öffnet in neuem Fenster) sowie über die berühmte Domaine Mont d’Or im Wallis (Öffnet in neuem Fenster). FOTO: WALTER STEINMANN
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