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Allerletzte Fragen

7. November 2025

Liebe Lesende,

ich habe Hausverbot in einem Burger Spreewaldhafen. Und mit mir die gesamte Wokreisel-Redaktion. “Bei vielen Pensionen wurden schon Zimmer storniert wegen Ihrer Hetzkampagne”, schrieb der Fährmann via Facebook-Messenger an den Wokreisel-Account. Offenbar gefiel ihm unsere Berichterstattung (Öffnet in neuem Fenster) zur Einwohnerbefragung in Golßen nicht. Und nun habe ich viele Fragen… Dazu unten mehr - auch zu den Reaktionen auf die Entscheidung in Golßen, die Stadtfest-Spende (Öffnet in neuem Fenster) des AfD-Politikers und Rechtsextremisten Hans-Christoph Berndt nicht zurückzugeben.

Allerletzte Fragen habe ich auch den vier Kandidierenden für die Stichwahl ums Bürgermeisteramt am Sonntag in Eichwalde und Schulzendorf gestellt. Markus Witteck (CDU, Schulzendorf) hat auf unsere Anfrage nicht reagiert.

Viele Themen haben wir bereits in den Wahlkreisel-Podcasts (Öffnet in neuem Fenster) besprochen. Es lohnt sich reinzuhören! Nach der Hauptwahl am 5. Oktober stellte sich zuallererst die Frage, was es bedeutet, dass sich die Wählerschaft offenbar für Stabilität entschieden hat: Neben dem Eichwalder Amtsinhaber sind die Kandidierenden der beiden großen Parteien SPD und CDU in der Stichwahl gelandet.

“Vertrautheit” führt Stefanie Goller (SPD, Eichwalde) als wichtigsten Grund für diese Wahlentscheidung (Öffnet in neuem Fenster) an. Während bei der jüngsten Kommunalwahl viele Listen und Einzelbewerber gewählt worden seien, was einen “Wunsch nach Vielfalt und Mitsprache” offenbare, so sei die Bürgermeisterwahl “eine klassische Personenwahl”, sagt sie. “Es geht um die Vorstellung, ob eine Bewerberin oder ein Bewerber das Amt gut ausfüllen kann.” Sie fordert Amtsinhaber Jörg Jenoch (Wählerinitiative WIE) heraus, der sein Wahlergebnis als Bestätigung seiner Arbeit sieht. Ihm sei in vielen Gesprächen gespiegelt worden, berichtet er, “dass in den letzten Jahren in Eichwalde sehr viel passiert ist, viel verbessert wurde, deshalb wünschten sich diese Bürger und Bürgerinnen eine Fortsetzung meiner Bürgermeisterschaft”. Diesen “Vorsprung” thematisiert auch Stefanie Goller in ihrer Antwort. “Dieses Bild muss man als Herausforderin kritisch beleuchten. Und da wirft ja auch einiges einen langen Schatten”, sagt sie. Nun komme es darauf an, dass sich die Menschen ein eigenes Bild machen können: “Ich bin Juristin, arbeite brandenburgisch pragmatisch und schiebe nichts auf die lange Bank.”

Dominic Lübke (SPD, Schulzendorf) schlussfolgert aus dem Ergebnis (Öffnet in neuem Fenster) der Hauptwahl: “Die Menschen sehnen sich nach Verlässlichkeit, nach jemandem, der das Gemeindeleben kennt, bereits Projekte wie z. B. die Halfpipe umgesetzt hat oder seit fünf Jahren das Familienfest organisiert. Jemanden, der ansprechbar ist und nicht erst lange eingearbeitet werden muss”, wie er schreibt. Er wolle “Bewährtes bewahren und offen sein für frische Ideen – egal ob sie von Bürgerinitiativen, neuen Wählergemeinschaften oder Einzelpersonen kommen”.

Und wie wollen die Kandidierenden die immer komplexer und länger werdenden Entscheidungsprozesse in wiederum kontroverser agierenden Gemeindevertretungen effizient organisieren?

Jörg Jenoch schätzt ein, dass “wir in Eichwalde in den letzten Jahren sehr konstruktiv mit den Herausforderungen umgegangen sind”. Er teile die Einschätzung in der Fragestellung nicht, stellt er fest. “Gelungen ist uns das durch eine klare Kommunikation, transparente Informationen und den Willen fast aller, die Gemeinde Eichwalde voranzubringen.” Stefanie Goller fordert: “Wir müssen raus aus dieser Polarisierung. Ein Vorschlag ist nicht schlecht, nur weil er von der anderen Seite kommt. Die demokratischen Kräfte sollten wieder mehr miteinander konstruktiv arbeiten.” Eine Grenze sei für sie aber klar: “Mit Kräften, die gegen unsere demokratische Kultur arbeiten, wie die AfD, kann man keine sachliche Zusammenarbeit erwarten.” Stefanie Goller möchte die Gemeindevertretung “gut vorbereiten, Abläufe transparent machen und dafür sorgen, dass Entscheidungen auf einer verlässlichen Grundlage getroffen werden können. Das spart Zeit und Nerven”.

Das hat sich auch Dominic Lübke für Schulzendorf vorgenommen: “Wenn wir Beschlüsse gründlicher vorbereiten, können wir sie später schneller umsetzen. “ Dazu möchte er eine digitalisierte Verwaltung aufbauen, “die verlässlich arbeitet, aber auch lösungsorientiert denkt. Das heißt: klare Zuständigkeiten, frühzeitige Einbindung der Gemeindevertretung und eine gute Informationskultur”. Demokratie brauche Debatte, aber auch Verbindlichkeit, sagt er.

Konfliktlinien in den Gemeinden entstehen nicht nur zwischen politischen Lagern, sondern auch zwischen Alteingesessenen und Neubürgern, Alt und Jung und vielen anderen Gruppen. Wie die Kandidierenden für gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgen wollen, war die dritte letzte Frage.

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