
Wenn eine Französin einen deutschen Mann trifft…
Brot, Käse, Wein… und Planung
Wenn man sich in jemanden aus einer anderen Kultur verliebt, merkt man schnell, dass die Unterschiede nicht nur in der Sprache liegen.
Sie sind überall.
In der Art zu sprechen.
In der Art zu denken.
Und manchmal sogar in so einfachen Dingen wie Brot oder Abendessen.
In meinem Fall bin ich eine Französin.
Und er ist ein deutscher Mann.
Und sehr schnell habe ich gemerkt, dass unsere beiden Kulturen ihre ganz eigenen Besonderheiten haben.
Brot: eine sehr ernste Angelegenheit
In Deutschland ist Brot fast eine Institution.
Es gibt unzählige verschiedene Brotsorten:
Schwarzbrot, Körnerbrot, dichte Brote, Roggenbrot.
Die Deutschen sind sehr stolz auf ihr Brot… und das zu Recht.
Aber als Französin muss ich auch etwas zugeben:
Die frische Baguette am Morgen bleibt für mich ein kleiner nationaler Stolz.
Dieses knusprige Brot, der Duft aus der Bäckerei, das kleine Stück, das man noch warm abbricht…
Es ist eine einfache Tradition, aber tief in unserer Kultur verankert.
Und ich muss zugeben, dass mich etwas wirklich zum Schmunzeln gebracht hat.
Als ich das erste Mal gesehen habe, was manche in Deutschland eine „Baguette“ nennen… war ich ziemlich überrascht.
Um ehrlich zu sein: Ich war ein wenig schockiert.
Das war nicht wirklich die Baguette, die ich mir vorgestellt hatte.
Aber so ist es ja in vielen Ländern: Jeder hat seine eigene Version, und das ist auch völlig in Ordnung.
Nur… für eine Französin ist die echte Baguette einfach schwer zu übertreffen. 😂
Käse… und Wein
In Frankreich sind Käse und Wein fast ein Teil unserer nationalen Identität.
Man kann lange über verschiedene Käsesorten sprechen.
Brie, Camembert, Comté, Roquefort…
Und natürlich mit einem Glas Wein.
Ich bin sehr stolz auf diese französische Tradition.
Denn es geht nicht nur um Essen.
Es geht darum, gemeinsam einen Moment zu teilen, sich Zeit zu nehmen und zu genießen.
Ich muss allerdings etwas zugeben:
Ich selbst trinke eigentlich kaum Wein.
Für mich ist Wein vor allem eine Zutat in der Küche.
Ich kaufe ihn hauptsächlich, um Saucen mit Wein zu kochen, denn in der französischen Küche bringt er eine unglaubliche Tiefe in viele Gerichte.
Und dazu hatte ich eine ziemlich lustige Erfahrung mit Thomas.
Eines Tages wollte ich ihm Roquefort zeigen.
Aber ich dachte mir, dass es vielleicht etwas zu brutal wäre, ihm den Käse direkt pur zu geben.
Also habe ich versucht, es etwas milder zu machen:
Ich habe eine Roquefort-Sauce zu Pasta gekocht.
Für mich war das schon eine sehr sanfte Variante.
Trotzdem fand er den Geschmack… sehr stark.
An diesem Tag habe ich gelernt, dass er Roquefort nicht mag.
Nun ja… Pech für ihn.
Denn ich liebe Käse. 😂
Also bleibt am Ende einfach mehr für mich.
Als ich später meinen Töchtern davon erzählt habe – sie sind zwischen zwei und acht Jahre alt – konnten sie überhaupt nicht verstehen, warum er die Roquefort-Sauce nicht mochte.
Für sie war das völlig unverständlich.
Aber in Wirklichkeit ist das einfach kulturell. 😂
Und das ist auch eine weitere lustige kulturelle Differenz.
Während ein Franzose stolz über seinen Wein spricht, spricht ein Deutscher oft mit der gleichen Begeisterung über sein Bier.
Deutsche Planung
Es gibt auch einen sehr interessanten Unterschied darin, wie man den Alltag organisiert.
Deutsche planen gerne.
Sie organisieren.
Sie denken voraus.
Sie wissen oft genau, was sie nächste Woche tun werden – manchmal sogar mehrere Wochen im Voraus.
Für sie schafft Planung Stabilität.
Französische Improvisation
Franzosen haben oft eine etwas spontanere Herangehensweise.
Wir improvisieren.
Wir entscheiden Dinge im letzten Moment.
Wir ändern Pläne.
Manchmal folgen wir einfach der Stimmung des Augenblicks.
Das ist kein Mangel an Organisation.
Es ist einfach eine andere Art, das Leben zu gestalten.
Der Altersunterschied
In unserer Beziehung gibt es außerdem einen Altersunterschied von 17 Jahren.
Am Anfang muss ich zugeben, dass mich das etwas verunsichert hat.
Ich habe mich gefragt, ob dieser Unterschied irgendwann eine Rolle spielen könnte.
Aber in Wirklichkeit war das nie ein Problem.
Und ich glaube, dass unser ADHS dabei eine ganz besondere Rolle gespielt hat.
Mit zwei ADHS-Gehirnen gibt es oft weniger Filter und weniger Masken.
Die Gespräche sind direkt.
Die Emotionen sind ehrlich.
Man versteht sich manchmal erstaunlich schnell.
Am Ende wurde dieser Altersunterschied ziemlich schnell nebensächlich.
Denn was in einer Beziehung wirklich zählt, ist nicht der Unterschied in den Jahren.
Es ist die Verbindung zwischen zwei Menschen.
Und mit zwei ADHS-Gehirnen, die manchmal zehn Themen gleichzeitig besprechen…
haben wir vor allem entdeckt, dass vieles viel einfacher sein kann, als man denkt.
Sprache und kulturelle Einflüsse
Und noch etwas habe ich mit der Zeit bemerkt.
Wenn man wirklich genau auf die geschriebenen Wörter im Deutschen achtet, merkt man, dass es erstaunlich viele Wörter gibt, die ursprünglich aus dem Französischen stammen.
Die Aussprache ist natürlich anders.
Aber die Herkunft vieler Wörter ist sehr ähnlich.
Ich finde das ziemlich faszinierend.
Denn es zeigt, wie eng unsere Kulturen eigentlich schon seit langer Zeit miteinander verbunden sind.
Sogar in der Sprache gibt es bereits eine Art Mischung.
Am Ende
Zwischen deutschem Brot, französischem Käse, Bier, Wein, Planung und Improvisation…
könnte man denken, dass uns vieles voneinander trennt.
Doch mit ein wenig Neugier und viel Kommunikation werden diese Unterschiede zu einer echten Bereicherung.
Und mit der Zeit lebt man nicht mehr wirklich in der einen oder der anderen Kultur.
Man erschafft einfach seine eigene. ❤️