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Hyper Fokus - Escape Game

strukturiertes Chaos vorprogrammiert …

Hyperfokus, Chaos und zwei ADHS-Gehirne: unser Escape Game in der Bastille

Es gibt etwas ziemlich Faszinierendes, wenn zwei ADHS-Gehirne zusammen eingesperrt werden…

Und ich meine wirklich eingesperrt, denn genau das ist uns passiert.

Wir haben in Paris ein Escape Game gespielt: „Der Kerker der Bastille“.

Für alle, die das Konzept nicht kennen: Die Geschichte beginnt im 18. Jahrhundert, unter der Herrschaft von Ludwig XIV. Wir befinden uns in den Kerkern der Bastille. Offiziell sind wir Gefangene, in Wirklichkeit aber Revolutionäre. Unsere Mission: herausfinden, was mit dem Mann mit der eisernen Maske passiert ist.

Bis hierhin klingt alles noch ganz normal.

Nur gibt es ein kleines Detail.

Im ersten Raum…sind wir tatsächlich aneinander gekettet.

Der maximale Abstand zwischen Thomas und mir: ein Meter.

Jetzt stellt euch folgende Szene vor:

  • zwei Menschen mit ADHS

  • einer davon hyperaktiv

  • ein dunkler Raum

  • überall Hinweise

und beide aneinandergekettet wie in einem alten Gefängnisfilm..

Das Chaos war also praktisch vorprogrammiert.

Und um den Schwierigkeitsgrad noch ein bisschen zu erhöhen:

Thomas ist farbenblind… und hat seine Brille vergessen.

Nun ja…

Wenn man ADHS hat, kann man sich nachts um drei noch an irgendein philosophisches Konzept erinnern…

aber die Brille vergessen, wenn man ein historisches Rätsel lösen muss…

Phase 1: die frenetische Erkundung

ADHS-Gehirne reagieren sehr stark auf Stimulation.

Wenn etwas unser Gehirn wirklich interessiert, produziert es Dopamin – den Neurotransmitter für Motivation, Belohnung und Aufmerksamkeit.

Und dann passiert etwas Typisches für ADHS:

  • Hyperfokus.

  • In einem Raum voller Rätsel…

hat dieser Hyperfokus sofort eingesetzt.

Wir haben jeden Zentimeter des Raumes untersucht.

  • Jedes Objekt.

  • Jede Wand.

  • Jedes Schloss.

  • Jeden Zettel.

  • Das Licht war schwach…

aber unsere Gehirne liefen im Detektivmodus des 18. Jahrhunderts.

Phase 2: die Sprachbarriere

Und weil wir es gerne etwas komplizierter machen…haben wir das Spiel auf Englisch gewählt.

  • Sehr gute Idee.

  • Wirklich.

Nur leider enthielten die Hinweise historische und technische Begriffe.

Und unsere beiden ADHS-Gehirne reagierten ungefähr so:

  • „Ich glaube, das bedeutet das…

  • …oder vielleicht doch nicht…

  • …oder vielleicht das…

  • …warte, schau mal hier!“

Phase 3: der Moment, in dem alles gleichzeitig passiert

Nachdem wir den ersten Raum verlassen hatten, kamen wir in einen zweiten… und dann in einen dritten.

Und genau dort passierte das klassische ADHS-Paar-Phänomen.

Thomas:

„Warte! Wir müssen hier schauen!“

Ich:

„Nein, warte! Dieses Puzzle ist eindeutig der Schlüssel!“

Thomas:

„Aber sieh dir diesen Mechanismus an!“

Ich:

  • „Ja, aber die Symbole! Die Symbole!!“

Unsere Gehirne produzierten ungefähr zehn Millionen Ideen pro Minute.

Und weil wir beide es lieben, die Kontrolle zu übernehmen, entwickelte jeder von uns seinen eigenen Plan.

Wenn die „Monks“ in meinem Kopf gerade eine Strategie bauten…hatte das Gehirn von Thomas bereits drei andere Ideen.

Das Ergebnis?

Ein herrliches Chaos.

Aber unser Chaos, indem wir beheimatet sind und uns auskennen haha.

Und das Wichtigste daran ist: Zwischen uns gibt es kein Ego.

Ja, wir sind kompetitiv.

  • Ja, wir übernehmen gern die Führung.

  • Ja, unsere Gehirne denken in tausend Richtungen gleichzeitig..

Aber nicht gegeneinander.

  1. Ein Ego kann es vielleicht gegenüber der Außenwelt geben.

  2. Aber in unserer Beziehung hat es nie einen Platz gehabt!

  3. Das ist für uns etwas sehr Wichtiges!

Aber darüber werden wir wohl in einem anderen Beitrag sprechen…

Phase 4: zwei verschiedene ADHS-Stile

Und genau hier wurde es besonders lustig.

Thomas, mit seinem hyperaktiven ADHS, funktionierte wie ein Radar:

  • „Und das?

  • Und das?

  • Und das?

  • Und das?“

Ich, mit meinem eher unaufmerksamen ADHS, war eher im Modus:

  • „STOP!”

Ich brauche Details, um das Puzzle zusammenzusetzen.“

In meinem Kopf schrien meine kleinen „Monks“:

  • „Gebt uns Informationen!

  • Wir brauchen die Puzzleteile!!“

Während Thomas drei Mechanismen pro Minute öffnete.

Und jetzt kommt das wahrscheinlich ADHS-typischste Detail dieser Geschichte…

Wir hätten uns viel früher von unseren Ketten befreien können.

Aber stattdessen haben wir mehr als die Hälfte des Spiels mit angeketteten Füßen gespielt.

  • Nicht, weil es Pflicht war.

  • Sondern einfach, weil…

wir nicht realisiert hatten, dass wir uns befreien konnten.

Der Game Master sagte irgendwann zu uns:

„Ihr wisst schon, dass ihr die Ketten abnehmen könnt…?“

Allein dadurch haben wir fast fünf Minuten verloren.

Und sehr wahrscheinlich…haben wir genau deswegen das Spiel verloren.

Aber ehrlich gesagt?

Wir haben unser Leben auch angekettet ganz gut gemeistert.

Also ist uns das , bis zu diesem Moment gar nicht wirklich aufgefallen.

Phase 5: die Überraschung

  • Wir haben verloren.

  • Aber nur um ein paar Sekunden.

Und was uns beide wirklich überrascht hat:

  • Es gab keinen Frust!

  • Keine Bitterkeit!

  • Nur… Stolz!!!

Denn:

  • “wir haben in einer Sprache gespielt, die nicht unsere Muttersprache ist”

  • “wir haben zwei ADHS-Gehirne in kompletter Stimulation gemanagt”

  • “wir haben fast das ganze Spiel über gelacht!”

Und mehrmals dachte ich wirklich, ich würde gleich vor Lachen in die Hose machen, wenn ich Thomas dabei zusah, wie er überall gleichzeitig sein wollte.

Und der beste Moment?

Als der Game Master fragte:

„Wie heißt euer Team?“

Wir haben uns angeschaut.

Und ohne zu zögern gesagt:

Naturalisch. ❤️

Die Moral der Geschichte

Wenn zwei ADHS-Gehirne zusammen ein Escape Game spielen…

ist das nicht nur ein Spiel.

Es ist ein komplettes neurologisches Experiment:

  • Hyperfokus,

  • Dopamin,

  • organisiertes Chaos,

Ideen in alle Richtungen simultan und parallel,

  • permanentes Lachen,

Und vor allem…

ist es ziemlich genau so wie unser Leben.

  • Ein bisschen chaotisch.

  • Sehr intensiv.

  • Manchmal unvorhersehbar.

Aber immer aufgebaut auf Kommunikation, Respekt und Dankbarkeit.

Wir wissen, wie viel Glück wir haben.

Und wir sind zutiefst dankbar, dass wir uns gefunden haben!

Laurie und Thomas

Topic Unzensiert- ADHS und CO

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