Skip to main content

Wenn 2 ADHS Gehirne nicht in der selben Dimension aufwachen…

Es gibt etwas unglaublich Faszinierendes, wenn zwei Menschen mit ADHS denselben Raum teilen.

Man könnte denken, es funktioniert ähnlich.

Dass es irgendwie gleich ist.

Spoiler: absolut nicht.

Nicht mal annähernd.

Thomas lebt in Deutschland.

Ich komme aus der Region Paris.

Und wenn ich mehrere Tage bei ihm bin…

gibt es Situationen, die ihn buchstäblich in den Wahnsinn treiben.

Und ich?

Ich beobachte. Ganz ruhig.

(Wissenschaftlich natürlich.)

Morgens: ON-Knopf vs. Windows-98-Update

Bei mir ist das morgens ganz einfach.

ON.

Fertig.

Ich bin wach, funktioniere sofort, habe schon drei Ideen, zwei Projekte und den inneren Drang, etwas zu tun — noch bevor der erste Kaffee überhaupt existiert.

Im Bett liegen bleiben?

Warum? Denken läuft doch schon.

Thomas hingegen…

  • Er liebt Kaffee.

  • Er liebt Kerzen.

  • Und er liebt… langsames Hochfahren.

Sehr langsam.

Sein Gehirn startet wie ein alter Windows-98-PC:

  • „Wird geladen…“

  • „Bitte warten…“

  • „Computer nicht ausschalten“

Er braucht Zeit.

Viel Zeit.

Manchmal über eine Stunde, bis er wirklich da ist.

Und in der Zwischenzeit…

..lebe ich meinen Tag schon.

„Langsamer…“ (Spoiler: nein)

Sehr oft schaut Thomas mich an und sagt:

„Langsamer.“

Und ich werde langsamer.

In meinem Kopf.

Für ungefähr… 2 Sekunden.

Denn ich bin schon längst im Flow:

  • Ich rede, bewege mich, plane, denke voraus, lebe.

  • In meinem Kopf ist es schon 14 Uhr.

  • In seinem… sucht er noch den „Verbinden“-Button.

  • Einkaufen,

  • Organisation…

  • … und die Illusion von Struktur..

Sobald Thomas offiziell wach ist,

starten wir unseren sehr erwachsenen Teil des Tages:

  • Einkaufsliste.

  • Essen planen.

  • Organisation.

  • Wir gehen einkaufen.

  • Kommen zurück.

  • Räumen alles ein.

Und dann…

…fange ich an zu kochen.

Wenn Hyperaktivität verzweifelt nach einer Aufgabe sucht

Während ich ruhig und konzentriert koche…

beobachte ich ihn….

Thomas ist plötzlich im Modus:

„Ich muss etwas tun. Aber was?!“

Sein Gehirn feuert Befehle im Dauerloop:

  • Kerzen wechseln

→ schon gemacht

  • Bett machen

→ schon gemacht

  • Waschmaschine starten

→ schon gemacht

  • Spülmaschine einräumen

→ ist schon fertig… aber er ist sich nicht sicher

Also läuft er herum.

Von Raum zu Raum.

Hin und her.

Wie ein NPC mit einem kleinen Bug im System.

Dann bleibt er stehen.

Schaut mich an.

Und sagt, völlig ernst:

„Aber… du hast schon alles gemacht?

Was soll ich denn jetzt tun?

Ich will dir helfen.“

Spoiler: Ich bin fast fertig.

Die ernsteste Diskussion unserer Beziehung

Und dann kommt der kritische Moment.

Die Frage aller Fragen:

Wo gehören die Messer hin?

  • Klingt einfach.

  • Ist es nicht.

Das ist eine Diskussion auf höchstem Niveau.

Mit:

  • Logik

  • Argumenten

  • Gegenargumenten

  • absoluter Überzeugung auf beiden Seiten

Wir können darüber… stundenlang reden.

Echte Stunden.

  • Es ist ein sehr ernstes Thema.

  • Viel zu ernst.

Und am Ende?

  • Setzt sich Thomas.-

  • Wird ruhig.

  • Konzentriert.

Als hätte seine komplette Hyperaktivität endlich einen Ort gefunden…

  • in einer Besteckschublade.

  • Unser Gleichgewicht

Was ich daran liebe…ist dieser Moment, in dem sich alles legt.

  • Nicht, weil es aufhört.

  • Sondern weil alles seinen Platz findet.

  • Ich stehe in der Küche und lächle.

Weil in diesem organisierten Chaos,

  • in diesen absurden Unterschieden,

  • in diesen Diskussionen über Messer…

  • etwas unglaublich Schönes liegt.

  • Zwei verschiedene Gehirne.

  • Zwei völlig unterschiedliche Rhythmen.

Und trotzdem…

eine Harmonie, die nur uns gehört.

Und während endlich alles langsamer wird…

kann Thomas endlich seinen Kaffee heiß trinken…

Laurie

Topic Unzensiert- ADHS und CO

0 comments

Would you like to be the first to write a comment?
Become a member of Der-Alltagspoet and start the conversation.
Become a member