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    <title>Die Tonleiterin</title>
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    <description>Der Popkultur Newsletter von Maria Preuß</description>
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      <title>Die Tonleiterin</title>
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      <title><![CDATA[Vergangenheit, Gegenwart und]]></title>
      <description><![CDATA[In dem Roman „Die Lücken“ schaut sich Autorin Shida Bayzar die Geschichten eines fiktiven Ortes in Rheinland-Pfalz an. Und die sind nicht so idyllisch.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>In dem Roman „Die Lücken“ schaut sich Autorin Shida Bayzar die Geschichten eines fiktiven Ortes in Rheinland-Pfalz an. Und die sind nicht so idyllisch, wie die Landschaft dort vermuten ließe.</strong></p><p>Als ich vor fast zehn Jahren in Landau in der Pfalz studiert habe, habe ich als Ost-Berlinerin einen Kulturschock erfahren. Von der anonymen, Kultur-durchtränkten Großstadt, die mich gelehrt hat, in der U-Bahn niemandem in die Augen zu schauen, in die westdeutsche Kleinstadt, in der sich Menschen kennen und grüßen und in der, außer den zwei, drei Weinfesten im Jahr, nichts passiert. Kulturschock war auch, dass dort Menschen entweder noch nie über die Folgen der Wende nachgedacht haben oder der Meinung waren, Menschen aus Ost-Berlin seien „uncooler“ als die aus West-Berlin. Dort im beschaulichen Westen, kurz vor der französischen Grenze, wo nicht nur Wein, sondern auch Feigenbäume wachsen, können Menschen sich gut erzählen, dass hier die Welt in Ordnung ist und sie nichts mit den Problemen der neuen Bundesländer zu tun haben.</p><p>Mein Verhältnis zu Rheinland-Pfalz ist, wie ihr vielleicht rausgelesen habt, mindestens zwiegespalten. Umso gespannter war ich darauf, den neuen Roman von Shida Bayzar zu lesen. Denn „<a href="https://www.kiwi-verlag.de/buch/shida-bazyar-die-luecken-9783462005011">Die Lücken</a>“ spielt in dieser Gegend. Genauer gesagt in einem fiktiven Ort namens Heimesbach, der angelehnt ist an Bayzars Heimatstadt Hermeskeil.</p><p>Dort schaut sich eine allwissende Erzählerin die Geschehnisse der vergangenen knapp 100 Jahre an. Auch und vor allem die, über die 2026 niemand mehr reden will.</p><figure><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fmcusercontent.com%2Fd1ad838fa602397a1ff79ed3e%2Fimages%2F74eff59c-98c9-0d6a-499d-ec73549e87bb.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=3712cca2c5bd4404e6b580eb24d35e71" alt="Das Buch-Cover zeigt ein kleines, schwarzes Modell eines Dorfplatzes"/><figcaption>&quot;Die Lücken&quot;, Shida Bayzar, Kiepenheuer &amp; Witsch, 512 Seiten, 25 €</figcaption></figure><p>In nicht chronologischer Reihenfolge nimmt uns Bayzar mit zum ersten NSDAP-Treffen im Ort. Oder ins Jahr 1990 als Enkel Tobias seinem Opa Joseph Fragen stellt, auf die er nur vage Antworten bekommt. Wir sind 2009 dabei, als Saman seiner neuen Freundin Ella seinen Heimatort zeigt und die nicht versteht, warum er es hier nicht so idyllisch findet, wie sie. Oder als Ritas Sohn Stefan 1993 einen Obdachlosen angezündet hat und bei der Grundtseinlegung der neuen Jugendherberge im Jahr 1936.</p><p>Aus diesen Geschichten und Personen, die alle irgendwie miteinander verbunden sind (Kleinstadt halt), entsteht ein Mosaik, das ein, wie ich finde, sehr deutsches Kulturgut zeigt: das Schweigen, Wegsehen und Verheimlichen.</p><p>Selbst an einem so idyllischen Ort wie der Pfalz.</p><p>Beim Lesen musste ich immer wieder an all die Fragen denken, die auch ich nie gestellt habe. Erzählt wird in meiner Familie zwar, dass meine Großeltern väterlicherseits Kommunist*innen waren (weswegen meine Oma eine Zeit lang in Großbritannien gelebt hat). Und mütterlicherseits war wohl niemand in der NSDAP. Aber nach der Lektüre von „Die Lücken“ bin ich mir nicht so sicher, ob das ausreicht, um über einen Menschen zu sagen, er oder sie habe sich nichts zu Schulde kommen lassen.</p><p>Eine der Figuren in „Die Lücken“ ist Resi. Als sie 1998 stirbt, findet ihre Enkelin lobende Worte über sie, weil sie bei ihrem jüdischen Arbeitgeber Ludwig Lichter angestellt geblieben ist, „bis zum Schluss“, also bis die Jüd*innen aus dem Ort vertrieben wurden. Dass Resi trotzdem auch beim „Bund Deutscher Mädel“ war und 1992 der Meinung war, dass sich die Migrant*innen im Ort keinen Gefallen tun, wenn sie in Deutschland bleiben wollen – das bleibt ungesagt.</p><p>Das sind eben die Lücken, die wir uns viel genauer anschauen sollten, als das, worüber laut und gerne gesprochen wird.</p><p>„Die Lücken“ hat rund 500 Seiten und ist durch die vielen Zeitsprünge ziemlich komplex, aber eigentlich immer nachvollziehbar (ich hab mir trotzdem nebenbei Notizen auf einem Zeitstrahl gemacht). Es ist natürlich auch kein Buch, um mal ein bisschen Alltag zu vergessen. Aber ein Buch, nach dem man noch mal ein bisschen mehr in der Welt wirken möchte.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 09 Sep 2026 10:56:54 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[... Zukunft?]]></title>
      <description><![CDATA[Die Serie „Doppelhaushälfte“ liefert eine Idee, wie deutsche Kultur auch gelebt werden könnte.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Serie „Doppelhaushälfte“ liefert eine Idee, wie deutsche Kultur auch gelebt werden könnte.</strong></p><p>Gefühlt lieben alle Menschen in meinem Umfeld „Doppelhaushälfte“ eh schon. Falls die Serie an euch vorbei gegangen ist, spreche ich hier die unbedingte Empfehlung aus, euch genüsslich durch alle Staffeln zu schauen, zum Beispiel in der <a href="https://www.zdf.de/serien/doppelhaushaelfte-102#t=folgen">ZDF Mediathek</a>.</p><p>Für „Doppelhaushälfte“ reisen wir an das andere Ende von Deutschland, in einen kleinen fiktiven Ort namens Schönefelde bei Berlin. Dort wohnt Familie Knuppe in einer Doppelhaushälfte, die bei mir dank der unverputzten Wände schönste Heimatgefühle auslöst. Während Sohn Rocco (Minh Hoang Ha) die meiste Zeit still mit sich selbst beschäftigt ist und Mutter Tracy (Minh-Khai Phan-Thi) einen Beauty-Salon betreibt und immer nach der nächstbesten Möglichkeit Ausschau hält, um Geld zu machen, ist Vater Andi (Milan Peschel) früh pensioniert, trinkt das lokale Bier und trägt karierte Hemden, die alle meine Onkel auch tragen. In die andere Doppelhaushälfte zieht der absolute Gegenentwurf: Mari Sawadi (Maryam Zaree), Theo Kröger (Benito Bause) und Maris Tochter Zoe (Helena Yousefi) sind feministisch, anti-rassistisch, kapitalismuskritisch und auch ganz schön spießig.</p><figure><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fmcusercontent.com%2Fd1ad838fa602397a1ff79ed3e%2Fimages%2F5f8a7606-da12-0423-cc5a-02b211970392.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=068b5e73fa18c56d1400dc8ee0410ccd" alt="Andi Knuppe, gespielt von Milan Peschel, steht neben seiner Frau Tracy Knuppe, gespielt von Minh-Khai Phan-Thi in einem Sommerabendlicht"/><figcaption>Filmstill &quot;Doppelhaushälfte&quot;, Staffel 5, Folge &quot;Zurück in die Gegenwart&quot;</figcaption></figure><p>Obwohl zwischen diesen Familien dauernd Konflikte entstehen, die regelmäßig in Chaos enden, hat dieser Culture Clash utopisches Potenzial. Denn am Ende gibt es doch immer wieder Verständnis oder Versöhnung. Manchmal werden gemeinsam Nazis aus dem Ort gejagt. Manchmal können sie sich zumindest darauf einigen, dass alle irgendwie bekloppt sind.<br/><br/>All das mündet weder in Kitsch noch Klamauk noch Belehrung. Weil sich einfach sehr viel <a href="https://www.zdf.de/play/reportagen/backstage-154/doppelhaushaelfte-minh-khai-phan-thi-milan-bause-peschel-zaree-backstage-100">Mühe gegeben</a> wurde mit dieser Serie. Die Darstellenden scheinen ihre Rollen entweder sehr zu lieben oder sie spielen sich vielleicht auch ein bisschen selbst (so erscheint es mir zumindest, wenn ich Interviews mit <a href="https://podcasts.apple.com/ca/podcast/ghost-train-haze-mit-maryam-zaree/id1507773352?i=1000733046159&amp;l=fr-CA">Maryam Zaree</a>, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=5TwAmKQapck">Benito Bause</a> und <a href="https://www.youtube.com/watch?v=kEkKVjJTtuE">Milan Peschel</a> sehe). Die Ausstattung (Nora Willy) und das Kostüm (<a href="https://www.instagram.com/freya.handy/?hl=de">Freya Herrmann</a>) sind on point und das Drehbuch gut beobachtet – und oft von anderen Beteiligten wie Maryam Zaree und Freya Herrmann mitgeschrieben. Und für jede Folge wird der Titelsong passend in einem anderen Genre variiert.</p><p>Genau das ist für mich das andere utopische Potenzial dieser Serie: dass eine deutsche Serie, die einerseits so eine schöne Message hat, so witzig ist, mit so viel Liebe gemacht wird und sich im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Produktionen so viel traut, schon die fünfte Staffel bekommen hat. Und die ist besonders unhinged. Jede Folge ist inspiriert von einem anderen Genre (Daily Soap, Western, Akte X) und hat einen eigenen Look und eine eigenständige Storyline.</p><p>Wirklich ungewöhnlich für deutsche Produktionen finde ich, dass nicht alles bis zu Ende erklärt wird. Man merkt, dass hier nicht die oberste Priorität ist, jedes mögliche Missverständnis aus dem Weg zu räumen, sondern dass die Macher*innen machen, worauf sie Lust haben. Und dass Kunst und Kultur so viel Freiraum bekommen, ist ja aktuell dank Wolfram Weimer und Co nicht selbstverständlich.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 09 Sep 2026 10:53:55 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Gutes aus und für Ostdeutschland]]></title>
      <description><![CDATA[Die bevorstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt machen mir große Sorgen. Vier Ideen, wie wir den Menschen dort zur Seite stehen können. Und Musikerinnen aus Ostdeutschland.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Newsletter soll ja eigentlich ein wohliger Ort sein, aber die bevorstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt machen wohlfühlen aktuell schwer. Ich denke an all die Leute, die dort leben und sich für demokratische Werte einsetzen und an all die Menschen, deren Angst schon seit Jahren immer weiter steigt, weil rechte und faschistische Menschen sie abwerten und bedrohen.</p><p>Darum möchte ich hier auf wichtige Initiativen und Menschen verweisen, die eure Aufmerksamkeit verdienen und vor allem brauchen. Hört den Menschen aus Ostdeutschland zu. Und da das mit Musik immer besonders gut geht, gibt es auch eine Playlist mit Musikerinnen aus Ostdeutschland.</p><h4><strong>Gutes für den Osten</strong></h4><p><strong>Vier Ideen, wie wir den Menschen aus Sachsen-Anhalt zur Seite stehen können.</strong></p><p><strong>AfD verbieten</strong></p><p>Die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) hat ein Gutachten zur AfD erstellt und <a href="https://freiheitsrechte.org/themen/starke-grundrechte-fuer-eine-lebendige-demokratie/afd-gutachten">ist zu dem Ergebnis</a> gekommen, dass die Partei verfassungswidrig ist. Dieses Gutachten ist laut GFF eine gute Grundlage für ein Parteiverbotsverfahren. Ihr könnt die GFF mit Spenden oder mit Aufmerksamkeit unterstützen.</p><p>Außerdem könnt ihr zu den <a href="https://pruef-demos.de/">PRÜF Demos</a> gehen, um euch dafür einzusetzen, dass ein Parteiverbot geprüft wird. Die nächste ist am 12. September in verschiedenen Städten.</p><p><strong>Taktisch wählen</strong></p><p>Wenn die SPD oder die Grünen bei der Landtagswahl nicht die Fünf-Prozent-Hürde schaffen, stärkt das die AfD. Daher argumentiert die Initiative <a href="https://taktisch-waehlen.de/">Taktisch Wählen</a> dafür, einer dieser beiden Parteien die Stimme zu geben. Diese Strategie findet nicht im gesamten linkspolitischen Spektrum Anklang. Ich persönlich finde es sinnvoll, alles zu tun, um eine AfD-Regierung zu verhindern. Wenn ihr das auch so empfindet, könnt ihr der Initiative mit Aufmerksamkeit helfen oder euch zu den Aktionswochenenden in Halle oder Magdeburg anmelden (für Menschen unter 30 können sogar Kosten übernommen werden).</p><p><strong>Zivilgesellschaftliche Organisationen unterstützen</strong></p><p>Wenn es auf politischer Ebene immer düsterer wird, ist es super wichtig, die Zivilgesellschaft vor Ort zu stärken. Es gibt in den neuen Bundesländern viele Projekte, die wichtige demokratiesichernde Arbeit leisten. Das <a href="https://polylux.network/de">Netzwerk Polylux</a> fördert solche Projekte. Und ihr wiederum könntet an Polylux spenden.</p><p>Dringend auf Hilfe angewiesen ist auch das <a href="https://lambdaspace.de/lambda-retten/">queere Jugendnetzwerk Lambda</a>. Das bietet zum Beispiel einen digitalen Safe Space für queere Jugendliche an, die bei sich vor Ort keine queeren Treffpunkte haben. Erst kürzlich hat das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend die gesamte Förderung für dieses Projekt gestrichen. Auch hier werden Spenden und Aufmerksamkeit gebraucht.</p><p><strong>Hinhören</strong></p><p>Wenn ihr keine Ressourcen habt, den Osten und seine Menschen finanziell zu unterstützen, interessiert euch wenigstens für die Perspektiven, Leben und Kultur von uns Ossis. So ähnlich sagt es auch Musikerin und Aktivistin <a href="https://www.instagram.com/sookee_quing/?hl=de">Sookee</a> im Podcast &quot;Lauter Leute&quot;. In der Folge <a href="https://www.podcast.de/episode/704660791/ich-nenn-mich-ossi-mit-luna-und-sookee">„Ich nenn&#39; mich Ossi“</a> spricht sie mit Content Creatorin <a href="https://www.instagram.com/luna.moebius/?hl=de">Luna Möbius</a> über ostdeutsche Identität und darüber, warum der Aufstieg der AfD in ostdeutschen Bundesländern auch von Westdeutschland mitverschuldet ist. Das zu hören, lohnt sich sehr. Auch weil das liebevoll-schnoddrige Berlinern von Sookee und der weiche sachsen-anhaltinische Dialekt von Luna peak Ossi-Kultur sind.</p><h3>Gutes aus&#39;m Osten</h3><p><strong>Hinhören könnt ihr auch mal bei diesen ostdeutschen Musikerinnen. Damit ihr bei Ossis nicht immer nur an Nazis denkt.</strong></p><p>Die berühmtesten Sachsen-Anhalter sind ja vermutlich Tokio Hotel. Damit sie nicht allein die Bürde tragen müssen, Magdeburg zu repräsentieren, lenke ich gern eure Aufmerksamkeit auf zwei weitere Bands aus <strong>Magdeburg</strong>. <a href="https://www.instagram.com/bettyohboy/"><strong>Betty Oh Boy</strong></a> ist eine fünfköpfige female fronted Indie-Rockband, die ihren Lebensmittelpunkt immer noch in Magdeburg hat. <a href="https://www.instagram.com/moeri.md/"><strong>Moeri</strong></a> wiederum ist ein Duo, das deutschsprachigen, melancholischen HipHop macht.</p><p>Ein weiteres Musikerinnenduo ist <a href="https://www.instagram.com/sarahcedeno___/"><strong>Sarah &amp; Cedeño</strong></a> aus <strong>Jena</strong>. Ihr lässiger HipHop wird von Latinrap und Reggae-Einflüssen ergänzt.</p><p>Von Thüringen geht es nach Sachsen. In <strong>Leipzig</strong> spielen <a href="https://www.instagram.com/kapatult/?hl=de"><strong>Kapa Tult</strong></a> punkigen Indie Pop (und haben mit „Niemand“ das vielleicht wunderschönst wütende Lied über Trauer geschrieben). Quasi Nachbarin ist <a href="https://www.instagram.com/yeezatune/?hl=de"><strong>Yeeza</strong></a>, die sich zwischen R&#39;n&#39;B, HipHop und Afrobeats bewegt.</p><p>Super tanzbar ist auch die Musik von der gebürtigen <strong>Schwerin</strong>erin <a href="https://www.instagram.com/dilla.mp3/?hl=de"><strong>Dilla</strong></a>.</p><p>Dir fällt eine Person ein, die diesen Newsletter auch lieben würde? Dann leite die Mail doch weiter.</p><p>Und in <strong>Ostberlin</strong> haben wir zwei Singer/Songwriterinnen, die sich in ihrer Musik mit ihrer ostdeutschen Sozialisation auseinandersetzen: <a href="https://www.instagram.com/nichtseattle/?hl=de"><strong>Nichtseattle</strong></a> und <a href="https://www.instagram.com/sophe_soph_soph/"><strong>Sophe</strong></a>, die beide dieses Jahr neue Alben veröffentlichen (ich werde berichten).</p><p>Diese und andere könnt ihr auf dieser Playlist hören:</p><p><a href="https://www.tunemymusic.com/share/C88YLFCzGa"><strong>Im Osten geht die Sonne auf</strong></a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 21 Aug 2026 10:33:02 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Die Kunst, ja, ja]]></title>
      <description><![CDATA[Maria Lassnig war nie verheiratet, hatte keine Kinder, war von Männern eher unbeeindruckt und lebte voll und ganz für die Kunst. Natürlich bin ich sofort Fan geworden.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>In der Hamburger Kunsthalle ist noch bis 30. August die Ausstellung „Maria Lassnig und Edvard Munch. Malfluss = Lebensfluss“ zu sehen. Wenn ihr die Möglichkeit habt: geht hin. Wenn nicht, gibt es hier Tipps für Filme über Maria Lassnig.</strong></p><p>Ich bin ja hauptberuflich Fan, vor allem von Frauen. In meinen Katalog habe ich eine weitere Frau aufgenommen: Die Österreicherin Maria Lassnig (1919-2014) ist vor allem für ihre „Körperbewusstseinsbilder“ bekannt, also Figuren und Körper, die sie nicht so malte wie sie aussahen, sondern so wie Lassnig sie empfand. Ihre oft großformatigen Bilder können manchmal verwirrend aussehen oder sogar verstörend wirken, wären da nicht immer die warmen und freundlichen Farben, sowie der Humor.</p><p>Ein Bild heißt „Die Lebensqualität“ und zeigt eine schwimmende Figur in einem Gewässer, die in einer Hand ein Weinglas hält und unter Wasser von einem Fisch in die Wade gebissen wird. Auf anderen Bildern hat sie Paare porträtiert, die mal ein bisschen gelangweilt (oder langweilig?), mal angespannt aussehen. Als hätte sie absichtlich nicht die Eitelkeit dieser Menschen bedienen wollen.</p><p>Die Idee, dass viele ihrer Bilder humorvoll gemeint sein könnten, kam mir, weil gleich am Anfang der Ausstellung das filmische Selbstportrait „Maria Lassnig Kantate“ gezeigt wird. In einem knapp <a href="https://www.youtube.com/watch?v=4sDSZ9GwnCE">achtminütigen Film</a> ist die Künstlerin vor animierten Bildern zu sehen, wie sie zu der einfachen Melodie eines volkstümlichen Liedes ihre Lebensgeschichte singt:</p><p><em>Ja, man wird älter und die Füße länger.<br/>Doch lieb ich jetzt die Welt umso viel mehr.</em><br/><em>Das &#39;Müt wird weicher und das G&#39;sicht wird strenger.</em><br/><em>Statt Liebe hab ich jetzt den Fernseher.</em></p><p>Maria Lassnig war nie verheiratet, hatte keine Kinder, war von Männern tendenziell eher unbeeindruckt, lebte voll und ganz für die Kunst und war nicht darum bemüht als besonders umgänglich wahrgenommen zu werden. Natürlich bin ich sofort Fan geworden.</p><p>Die Beschäftigung mit Lassnigs Werk, Leben und Persönlichkeit macht mir genau deshalb vor allem Freude. Aber wie jedes Frauenleben war auch ihres nicht frei von Schmerz. Viele Bilder befassen sich mit Männern, die übergriffig und gewaltsam sind. Mehrere Bilder zeigen eine weibliche Figur und einen Tiger, „Mit einem Tiger schlafen“ heißt eines. Die Interpretation der Kurator*innen der Ausstellung klang weniger drastisch als mein Eindruck: dass sie hier Vergewaltigung darstellt.</p><p>Umso berührender, dass ihre Bilder so kraftvoll gemalt sind. Ich hatte das Gefühl, Bilder von einer Künstlerin zu sehen, die den Schmerz nicht beschönigt, sich aber nicht von ihm lähmen lässt. Ganz im Gegensatz zu den Bildern von Edvard Munch, die neben Lassnigs Werken ganz verunsichert wirken. Wenn man sich mit der Biographie und seinen Gedanken und Notizen beschäftigt, wird bestätigt, dass das ein ganz fragiler Mann war. Und was machen fragile Männer in patriarchalen Systemen? Sie werten Frauen ab. Munch hat sich zum Beispiel eine Bildergeschichte ausgedacht, die nur so vor Misogynie trieft.</p><p>Während Lassnig mit Ironie, selbstsicherem Strich und unwiderstehlichen Farben das (von mir vermutete) patriarchale Fehlverhalten von Männern verarbeitete, hat Munch selbstmitleidige Bilder darüber gemalt, dass Frauen ihn nicht wollten. Ob Kunstwissenschaftler*innen mir da zustimmen würden, weiß ich nicht. Aber für mich hat die Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle nicht nur eine fantastische Künstlerin näher gebracht, sondern auch viel darüber gezeigt, wie unterschiedlich Männer und Frauen durch die (Kunst)Welt gehen.</p><p>Falls ihr neugierig auf Lassnig geworden seit, aber nicht in die Ausstellung gehen könnt: Es gibt auf YouTube ein Portrait beziehungsweise ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=nN1nDXyQsjQ">Annäherungsversuch</a>, der Eindrücke in ihre Arbeit und Persönlichkeit vermittelt.</p><p>Außerdem hat die Regisseurin Anja Salomonowitz den Spielfilm „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=G7_Oe-COhZ4">Mit einem Tiger schlafen</a>“ basierend auf Maria Lassnigs Leben gedreht, der in Hamburg (anlässlich der noch laufenden Ausstellung) am Sonntag, den 16. August im <a href="http://www.abatonkino.de/!Mit_einem_Tiger_schlafen">Abaton Kino</a> gezeigt wird. Da freu ich mich drauf! Denn wie Lassnig in ihrer Kantate singt:</p><p><em>Es ist die Kunst, ja, ja.</em><br/><em>Sie macht mich immer jünger.</em><br/><em>Sie macht den Geist erst hungrig und dann satt.</em></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 07 Aug 2026 09:38:42 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Lustige Frauen]]></title>
      <description><![CDATA[Falls ihr noch die Gelegenheit habt, den tollen Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“ im Kino zu schauen: macht das! Er könnte eure Freude am Feminismus auffrischen.…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Falls ihr noch die Gelegenheit habt, den tollen Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“ im Kino zu schauen: macht das! Er könnte eure Freude am Feminismus auffrischen. Falls ihr ihn nicht sehen könnt, aber Lust auf lustige Frauen habt, hab ich hier ein paar Empfehlungen für euch.</strong></p><p>Erstmal: Ich wusste nicht, was für eine Ikone Hella von Sinnen ist (war vielleicht zu jung). Wie oft sie sich getraut hat, nicht nett zu sein und den Unterhaltungsmännern einfach zu sagen, wenn die gar nicht lustig waren. Wie egal es ihr war, ob diese Männer sie mögen – I C O N I C. Unbeirrbar. Kompromisslos.</p><p>Aber auch toll, wie dieser Film keine glatten Heldinnen aus diesen fünf Frauen macht.</p><p>Maren Kroymann, die eigentlich immer so viel richtig macht, aber der man dabei zuschauen kann, wie sie vor laufender Kamera ihre alten Witze überdenkt.</p><p>Esther Schweins, die weinen muss, weil Bettina Böttinger ganz anders mit den Respektlosigkeiten umgegangen ist, als Schweins es konnte.</p><p>Auch eine Hella von Sinnen, die mich in ihrer Konsequenz extrem beeindruckt hat. Die aber auch teils wenig Verständnis dafür hatte, wenn andere nicht so konsequent waren wie sie.</p><p>Das einmal in einem Film zu sehen: Es gab die, die mitgelacht haben. Es gab die, die aufgestanden sind. Es gab die, die gekontert haben. Und all deren Arbeit war unperfekt und wichtig. Das zu würdigen, gleichzeitig Fehler zu benennen, aber bei diesen Fehlern nicht stehen zu bleiben, sondern Strukturen aufzuzeigen und dann gemeinsam weiterzugehen.</p><p>Weil wir all diese Formen von weiblicher Selbstbehauptung brauchen. Die Skrupellosen und die Nachsichtigen, die Vermittelnden und die Nein-Sagerinnen, die Versöhnlichen und die, die die Brücken einreißen.</p><p>Wir saßen am Samstag Abend im ausverkauften Kino und haben am Ende geklatscht. Ich habe das wirklich, wirklich selten: Es hat sich wie ein gemeinsames Erlebnis angefühlt.</p><p><strong>Falls ihr “Was haben wir gelacht” nicht mehr im Kino sehen könnt, aber Lust auf lustige Frauen habt, hab ich hier ein paar Empfehlungen für euch.</strong></p><p><strong>Teresa Reichl</strong>, Jahrgang 1996, schafft es mit Witzen über Germanistik und das bayerische Lehramtsstudium auch älteres Publikum zu begeistern und bleibt trotzdem nah an ihrer Generation. Ihr erstes abendfüllendes Stand-Up <a href="https://us.list-manage.com/KpJgRCGqXpr?e=bb14c95193&amp;c2id=0910e5fad6cd929c6b52f96bf4fa0429">Programm</a> ist so gut durchdacht, als wäre es ihr zehntes (und erinnert mich deswegen an das Stand-Up Programm „Nanette“ von Hannah Gadsby).<br/><br/><strong>Maraam</strong> macht auch seit Neuestem Stand-Up, aber ist vor allem auf YouTube mit dem funk Format Datteltäter bekannt geworden und ihrem außergewöhnlichen musikalischen und <a href="https://us.list-manage.com/UgkXNHU_AN0?e=bb14c95193&amp;c2id=0910e5fad6cd929c6b52f96bf4fa0429">stimmlichen Talent.</a> Ob Operngesang, <a href="https://us.list-manage.com/Fq_sFJim1wO?e=bb14c95193&amp;c2id=0910e5fad6cd929c6b52f96bf4fa0429">Jodeln</a>, britisches Englisch oder die Fantasiesprache der Sims: klingt bei ihr alles überzeugend.<br/><br/><strong>Gazelle</strong> hat Deutschsein bis ins letzte Detail verstanden und ich fühle mich immer <a href="https://us.list-manage.com/2Cg0WV8VpJo?e=bb14c95193&amp;c2id=0910e5fad6cd929c6b52f96bf4fa0429">liebevoll ertappt</a>, wenn ich ihre kurzen Videos dazu sehe. Inspiriert von „Cunk on earth“ von und mit Philomena Cunk hat sie jetzt ein neues YouTube Format gestartet, in dem sie Expert*innen zu den großen Fragen des Lebens befragt, zum Beispiel, ob die Liebe ihre Pollenallergie heilen könnte: <a href="https://us.list-manage.com/BY1Vc2_X2vg?e=bb14c95193&amp;c2id=0910e5fad6cd929c6b52f96bf4fa0429">Gazelle Gets It</a>.<br/><br/>Representation matters auch für Menschen aus Sachsen. <strong>Tina Goldschmidt </strong>zeigt auf ihrem Instagram Account @schnappatmig wie <a href="https://us.list-manage.com/165mybyz_zk?e=bb14c95193&amp;c2id=0910e5fad6cd929c6b52f96bf4fa0429">witzig</a> der sächsische Dialekt ist ohne ihn abzuwerten. Danke dafür!<br/><br/><strong>Parshad</strong> hat das, was im Comedy-Slang „funny bones“ genannt wird: Sie ist einfach witzig, egal was sie macht. Deswegen kann ich mir ihre Bewertung von <a href="https://us.list-manage.com/m1Bc6EpihRl?e=bb14c95193&amp;c2id=0910e5fad6cd929c6b52f96bf4fa0429">Trinkwasser</a> genauso angucken, wie ihren Versuch Männer davon zu überzeugen, <a href="https://us.list-manage.com/lGdsNWSM50U?e=bb14c95193&amp;c2id=0910e5fad6cd929c6b52f96bf4fa0429">selber ein Mann</a> zu sein.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 28 Jul 2026 17:14:15 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[There's no other way to better say]]></title>
      <description><![CDATA[Ich habe in letzter Zeit über Liebeslieder nachgedacht. Angeblich ist Liebe ja das Thema über das die meisten Songs geschrieben werden. Habe ich nicht überprüft, aber…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ich habe in letzter Zeit über Liebeslieder nachgedacht. Angeblich ist Liebe ja das Thema über das die meisten Songs geschrieben werden. Habe ich nicht überprüft, aber das ist so ein Allgemeinplatz. Die meisten Liebeslieder sind ja aber eher Liebeskummerlieder. Oder gar nicht mal so romantisch, weil sie veraltete Rollenbilder bedienen oder ungesunde Beziehungsdynamiken besingen. Was ist also ein gutes Liebeslied?</strong></p><p>Ich hab mich auf die Suche gemacht und geb euch hier einen kleinen Zwischenstand meiner laufenden Forschung. Mir sind zwei oder zweieinhalb Dinge aufgefallen, die ein Liebeslied für mich gut machen.</p><p>Das erste ist Realismus. Ich finde es viel romantischer, wenn Liebe als etwas dargestellt wird, das im Alltag passiert und nicht perfekt ist. Etwas, das tatsächlich da ist, berührt mehr als etwas, das unwirklich erscheint. Zu schön um wahr zu sein – das vermittelt doch eher Unsicherheit als Zuversicht.</p><p>Diesen Realismus finden wir zum Beispiel in <a href="https://www.youtube.com/watch?v=a90_cjTF770"><strong>„Best Guess“</strong></a> von <strong>Lucy Dacus</strong>. Ihr besungenes Gegenüber ist keine Garantie für eine ewig glückliche Zukunft, aber eben die beste Schätzung. Außerdem weiß sie auch, dass sie es überstehen würde, wenn es mit dieser Liebe nicht klappt. Und möchte diese aber trotzdem:</p><p><em>If this doesn&#39;t work out<br/>I&#39;d lose my mind<br/>And after a while<br/>I will be fine</em></p><p><em>But I don&#39;t wanna be fine<br/>I want you, you, you are</em></p><p><em>My best guess at the future</em></p><p>Ähnlich realistisch und ehrlich sind auch die Liebeslieder von <strong>Anna B Savage</strong>, die auf ihrem Album „in|FLUX“ noch das Ende einer Beziehung verarbeitet hat und auf dem Album „You &amp; i are Earth“ sich wieder ans Lieben wagt, wie in<strong> </strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=dmvlaOgD-LU"><strong>„Talk to Me&quot;</strong></a>:</p><p><em>Just bear with me<br/>I&#39;m learning how to love again<br/>How to be</em></p><p><em>You&#39;re always so gentle<br/>Then you lean down and kiss me<br/>When I cry, you say I taste like the sea<br/>This warmth, this is how it should be<br/>I&#39;m healing<br/>I&#39;m salty</em></p><p>Nachdem Anna B Savage auf vorangegangen Alben sehr überzeugend „I hope I never fall in love again“ („Since We Broke Up“) und „I want to be alone, I am happy on my own“ („in|FLUX“) verkündet hat, ist sie in <a href="https://www.youtube.com/watch?v=fOBRSN1dXqc"><strong>„Lighthouse“</strong></a> selber erstaunt, dass sie ein Zuhause in einem anderen Menschen gefunden hat:</p><p><em>I come from a line of lighthouse keepers<br/>We&#39;re happy alone with the sea<br/>Thought I&#39;d be on my own –<br/>I&#39;ve a bit of the lighthouse in me</em></p><p><em>Suddenly there he was<br/>And I&#39;m happy with him by the sea</em></p><p>So kann&#39;s gehen.</p><p>Aber nochmal zurück zum Realismus, beziehungsweise dem Alltäglichen und den vermeintlich unbedeutenden Kleinigkeiten – die in der Liebe die größte Wichtigkeit haben. <strong>Lady Lamb</strong> findet dafür in <a href="https://www.youtube.com/watch?v=7sejY6xL3c4"><strong>„Little Flaws“</strong></a> besonders schöne Worte, wenn sie bei der Beobachtung von Sommersprossen auf dem Arm ihrer geliebten Person im Licht eines Diners begreift, wie schicksalhaft es war, diese Person gefunden zu haben:</p><p><em>We left the diner and walked into the night<br/>I saw by the 24-hour neon light<br/>The freckles on your arm they were a body of stars in the sky</em></p><p><em>I kept it to myself, I was overwhelmed<br/>But in the morning light when I watched your sleepin&#39; body breathin&#39;<br/>I came to comprehend</em></p><p><em>I will begin as a pace that builds into a base so<br/>For a short span in the pulsing world of a woman<br/>That when fully realized<br/>A sleek sobbing sculpture will bloom<br/>Little flaws that mimic the stars</em><br/><em>And the belief that ours could exist<br/>Some light years away<br/>Some light years apart<br/>Is enough to make me feel faint<br/>That this world brought me to you now<br/>And didn&#39;t wait</em></p><p>Und das bringt mich zur nächsten Eigenschaft, die für mich ein gelungenes Liebeslied ausmacht: Existenzialität. Machen wir uns nichts vor: so richtig schöne, große, erfüllte Liebe ist lebensverändernd. Deswegen geht es in Liebesliedern gerne um Leben und Tod. Wenn das dann in „ohne dich kann ich nicht leben“ mündet, ist es allerdings extrem toxisch.</p><p>Viel schöner macht es <strong>Julia Jacklin</strong> in <a href="https://www.youtube.com/watch?v=4IzR5XqJBHg"><strong>„Too In Love To Die“</strong></a>, denn da schützt die Liebe vor dem Tod. Selbst auf einem Highway:</p><p><em>If I stepped out on the highway<br/>All the cars would spin around me like a dance</em></p><p>Um Leben und Tod geht es auch bei <strong>Whitney Houston</strong>. Und zwar nicht in „I Will Always Love You“, weil auch das mal wieder gar kein Liebeslied ist, sondern ein Liebeskummerlied. Die erfüllte und glückliche Liebe besingt sie in <a href="https://www.youtube.com/watch?v=L8-TE3tcvEA"><strong>„My Love Is Your Love“</strong></a>, die sie – genau wie Jacklin – vor allem Schlimmen bewahrt:</p><p><em>If I lose my fame and fortune<br/>And I&#39;m homeless on the street<br/>And I&#39;m sleeping in Grand Central Station</em><br/><em>It&#39;s okay, if you&#39;re sleeping with me</em></p><p>Das ist schon irgendwie kitschig, aber gleichzeitig ist es halt auch einfach wahr.</p><p>Ich bin übrigens dafür, sich dem profanen Kitsch lieber einfach hinzugeben, als krampfhaft zu versuchen, etwas Originelles zu formulieren. Deswegen finde ich, dass <a href="https://www.youtube.com/watch?v=e5RuGj0g1tk">„<strong>These Words</strong>“</a> von <strong>Natasha Bedingfield</strong> ein wunderbares Liebeslied ist:</p><p><em>Clever rhymes, see you later</em></p><p><em>These words are my own<br/>From my heart flow<br/>I love you, I love you, I love you, I love you<br/>There&#39;s no other way<br/>To better say</em><br/><em>I love you, I love you</em></p><p>Die zweieinhalbte Sache, die mir also in Liebesliedern gefällt, ist Kapitulation. Aber dazu fallen mir keine weiteren Beispiele ein.<br/><br/>Alle anderen Liebeslieder, die ich auf einer Hochzeit spielen würde, findet ihr auf dieser Tidal-Playlist:<strong> </strong><a href="https://www.tunemymusic.com/de/share/k8eb1s5ppx"><strong>Love Love Love</strong></a></p><p><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 17 Jul 2026 12:19:46 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Eine Idee, zwei Filme]]></title>
      <description><![CDATA[Ein chauvinistisches Arschloch landet in einer Parallelwelt, in der die Geschlechterrollen vertauscht sind – eine fantastische Plotidee, die gleich zwei Filme nutzen.…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein chauvinistisches Arschloch landet in einer Parallelwelt, in der die Geschlechterrollen vertauscht sind – eine fantastische Plotidee, die gleich zwei Filme nutzen. Nur einer davon ist gut.</strong></p><p>Vor ein paar Jahren habe ich den Film „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=2bFHdkzqSZA">Kein Mann für leichte Stunden</a>“ (Original: „Je ne suis pas un homme facile“) gesehen und war sehr unterhalten von der Idee: Ein Chauvinist findet sich nach einem Unfall in einer Parallelwelt wieder, in der die Geschlechterrollen vertauscht sind.</p><p>Jetzt wurde mir kürzlich die amerikanische Adaption „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=yeetI2DfbaE">Ladies First</a>“ auf Netflix vorgeschlagen. Wie gut, dachte ich, dass das Thema dadurch hoffentlich mehr Aufmerksamkeit bekommt. Leider hat „Ladies First“, die so vielversprechende Idee ziemlich unbefriedigend ausgeführt. Die Handlung (die auch vom Originalfilm abweicht) hat mich nicht richtig gecatcht: besagter Chauvinist Damien versucht in der Parallelwelt zum CEO befördert zu werden, stößt aber natürlich an die gläserne Decke. Außerdem ist der Humor zu klamaukig und irgendwie auch retraumatisierend? Sexualisierter Machtmissbrauch ist doch nie witzig, auch wenn er von einer Frau ausgeht.</p><p>Das einzige, worüber ich mich freuen konnte, waren die vielen Details, mit denen diese „matriarchale“ Parallelwelt, erkundet wird. Zum Beispiel setzt sich der erwähnte Chauvinist Damien auf seine Couch und fällt tiefer als erwartet. Weil die Couch für die durchschnittliche Frauengröße designt ist.</p><p><strong>Auch die Intersektion von Sexismus und Rassismus wird aufgegriffen</strong>: In der „matriarchalen“ Parallelwelt tragen Schwarze Frauen ihre Haare natürlich und nicht geglättet. In einer patriarchalen, von Rassismus durchzogenen Gesellschaft, in denen Frauen danach bewertet werden, ob sie den sexuellen Vorlieben von heterosexuellen, weißen Männern entsprechen – die oft glatte Haare bevorzugen, weil es sie an Jugend und Weiß-sein erinnern – machen viele Schwarze Frauen die Erfahrung, dass ihre natürlichen Haare abgewertet werden. In einer Welt, in der der white male gaze nichts zählt, haben sie dieses Problem nicht.</p><p><strong>Diese Parallelwelt kann übrigens nur in Anführungszeichen als „Matriarchat“ bezeichnet werden.</strong> Denn auch in dieser werden stereotypisch männliche Eigenschaften bevorteilt (sich durchsetzen, Karriere machen, nicht fürsorglich sein), nur dass diese eben den Frauen zu fallen. Während Männer ihre grauen Haare färben, sich waxen lassen, liebevoll miteinander sind.</p><p><strong>Die größte Enttäuschung von „Ladies First“ ist das Ende</strong>, das ich hier spoilere, weil ihr euch den Film bitte eh spart: Der Sexist kommt wieder zurück ins Patriarchat – und ist ein geläuteter Mann. Bra-vo! Er befördert seine Kollegin, die in seiner Agentur nie ne Chance hatte. Und das ist das Ende. Das ist das „Happy“ End: Ein Mann befördert eine Frau – Problem gelöst. Wir brauchen einfach nur ein paar mächtige Männer, die ein paar Frauen befördern und schon hat sich das Patriarchat in Luft aufgelöst. Kein Grund zur Aufregung, so einfach ist das.<br/><br/><strong>Glücklicherweise gibt es ja noch das Original.</strong> „Kein Mann für leichte Stunden“ basiert auf einem Kurzfilm von Eléonore Pourriat, die auch beim Langfilm Regie geführt hat. Ihre Parallelwelt wirkt trotz aller Surrealität schlüssiger. Die Umkehrung der Verhältnisse ist oft etwas subtiler dargestellt, was sie greifbarer und glaubwürdiger macht. Sie ist auch konsequenter: Ich habe noch nie in einem Film so viele Frauen mit Achselhaaren gesehen. Und auch in diesem Film tummeln sich überall die Details, die die Absurdität unserer sexistischen Welt deutlich machen. Zum Beispiel eine Plakatkampagne, die Männer für Karrieren in der Wissenschaft motivieren soll, bebildert mit einem Close-Up von einem jungen, normschönen Mann mit einem leicht geöffneten, etwas zu sinnlichen Mund.</p><p>Mehr möchte ich zum Film nicht vorweg nehmen. Er veranschaulicht unterhaltsam und schmerzhaft gleichzeitig, in was für einem Kack-Patriarchat wir leben. Vor allem das Ende hat mich berührt. Da geht es nämlich nicht um ein individuelles Erfolgsmärchen. Schaut euch das gerne selber an (auch auf Netflix).</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 17 Jul 2026 12:17:09 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Blumen im WhatsApp-Status]]></title>
      <description><![CDATA[Heikel: Die Lieblingssängerin nach 20 Jahren mal wieder live sehen – und gutes Erwartungsmanagement betreiben. Hat das funktioniert, als ich Tori Amos in Berlin gesehen…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Heikel: Die Lieblingssängerin nach 20 Jahren mal wieder live sehen – und gutes Erwartungsmanagement betreiben. Hat das funktioniert, als ich Tori Amos in Berlin gesehen habe?</strong><br/><br/>In der vorletzten Reihe im Tempodrom sitzen, Tori Amos kaum erkennen können, wenig Publikumsinteraktion – ich hab&#39;s trotzdem gefühlt.</p><p>Die Zeit hab ich vor allem gefühlt. Die Zeit, die mich Tori Amos&#39; Musik schon begleitet und in der sie sich ein endloses, vielfältiges Repertoire aufgebaut hat, das so viele Stimmungen und Gefühle abbildet. Ich gehöre in dem Aspekt ja leider auch zu den &quot;Früher war alles besser&quot;-Leuten und höre am liebsten die ersten sieben Alben.</p><p>Alles was nach ihrem Ablum <em>Scarlet&#39;s Walk </em>kam, hat irgendwie an Aufregung verloren. Nicht zwingend musikalisch, aber im Artwork und in den Texten. Die entweder sehr kryptischen (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=w_HA5Czhtx4">„Rabbit, where&#39;d you put the keys girl?“</a>) oder sehr expliziten Lyrics („<a href="https://www.youtube.com/watch?v=IJTTo8RH6xY">So, you can make me cum / That doesn&#39;t make you Jesus</a>“) ihrer ersten Alben machten Platz für etwas zu offensichtliche Zeilen („<a href="https://www.youtube.com/watch?v=IILsQN7AWPg&amp;list=RDHLL6ON18vGI&amp;index=2">the sexiest thing is trust</a>“).</p><p><strong>Insgesamt geben mir diese späteren Alben denselben Vibe, wie Frauen, die in ihrem WhatsApp Status Blumenfotos teilen.</strong></p><p>Aber Vorsicht. Diese Frauen mögen zwar zu Hause kitschigen Tünüff rumstehen haben und gerne zur Bundesgartenschau fahren. Aber diese Frauen haben auch erkannt, dass sie sich auf die Ehemänner, denen sie jahrelang den Rücken freigehalten haben, weniger verlassen können als auf ihre Freundinnen, mit denen sie auf dem Weg zur BuGa im Zug Sekt trinken.</p><p>Das sind Frauen, die Kinder groß gezogen haben und immer Vorwürfe hören mussten, dass sie zu streng, zu betüdelnd, zu distanziert, zu kontrollierend waren. Die verstanden haben, dass immer alles auf den Schultern von Frauen lastet und die eine neue Liebe fürs Weibliche, fürs Nicht-Männliche, entwickelt haben. Frauen, die notgedrungen zu Feministinnen wurden, die jetzt über Mental Load und Wechseljahre sprechen, und immer unterschätzt wurden. Weil sie nett waren und eben Blumen mögen.</p><p><strong>Man kann diese Frauen – oder Tori Amos&#39; Werk – kitschig finden, aber dann hat man das Patriarchat nicht durchschaut.</strong></p><p>Tori Amos ist das, was das Patriarchat an Frauen am nervigtsen findet: Sie ist sinnlich, nicht rational, Fakten interessieren sie nicht so sehr wie Gefühle. Sie ist explizit, spezifisch weiblich und persönlich. Sie ist selbstironisch und selbstreferenziell, sie interessiert sich für sich selbst und für Frauen – aber nicht für Männer.</p><p>Tori Amos hat in ihren Songs immer das Erleben von Frauen ins Zentrum gestellt – mit Ende 20 und heute mit Anfang 60. Der Vibe hat sich in diesen über 30 Jahren verändert, aber nicht der Feminismus.<br/><br/>Was sich zwangsläufig auch verändert hat, ist ihre Stimme. Die Wechseljahre – darüber spricht sie auf <a href="https://www.instagram.com/reels/DYsHMgSuRpj/">Bühnen</a> und <a href="https://www.theguardian.com/music/2017/sep/07/tori-amos-menopause-is-the-hardest-teacher-ive-met-harder-than-fame">Interviews</a> – hat ihre Range eingeschränkt. Um trotzdem auch die alten Songs spielen zu können, hat sie bei dieser Tour (zum ersten Mal in ihrer langen Live Karriere) Backgroundsängerinnen dabei. &quot;<a href="https://www.tiktok.com/@torilesbians/video/7627534093944720671">Adapt or collapse</a>&quot;, hat sie gesagt. <br/><br/>Ich empfinde das als Wertschätzung ihrem Körper und ihrem Älterwerden gegenüber. Sich Wege zu suchen, diese Geschichten übers Frausein zu erzählen, und sie auch aus einer updated Perspektive zu erzählen, als 60-Jährige. Das sind ja genau die Sachen, die viel zu wenig – gerade in der Popkultur – erzählt werden. Die ich aber unbedingt wissen will: Was passiert denn, wenn ich als Frau 40, 50 und 60 werde? Ich bin froh, dass Tori Amos es mir erzählt.</p><p><strong>Ihr fragt euch: Blumenfotos gut und schön – aber wer ist eigentlich diese Tori Amos? Ich hab euch eine beginner friendly </strong><a href="https://tidal.com/playlist/85b96af2-5077-4a5d-a280-bc5bbd4f5d16"><strong>Playlist auf Tidal</strong></a><strong> erstellt.</strong></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 17 Jul 2026 12:13:58 +0000</pubDate>
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