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    <title>weiter machen</title>
    <link>https://steady.page/dran-bleiben</link>
    <description>texte aus dem jetzt. persönlich, lyrisch, analyse
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      <title>weiter machen</title>
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      <title><![CDATA[Das Angsttier überwinden]]></title>
      <description><![CDATA[„Ich mixe alles zusammen. Es ist meine Intention, Computer mit zweitausendjährigen Knochen zu mixen." -Rabe Perplexum]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><em>Dieser Text ist eine Reflexion über die Diplom-Abschlussarbeit die Miriam Brunnert an der ABK Stuttgart mit Bestnote abgeschlossen hat und die ich als Drittprüferin bewerten und begleiten durfte. Miriam Brunnert entwarf ein Bühnen- und Kostümbild ausgehend von dem Stück „Alias Anastasius“ des Autorin*nen Duos Matter*Verse und Uraufgeführt wurde am Berliner Ensemble.</em></p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/df4f24ef-acaa-4154-b792-7178981b3abc/uploads/images/wtuntxjiyz/IMG_20260703_095442423_HDR%281%29.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Raum: Transition. Bühnenbildmodellansicht Miriam Brunnert. Bild: calendal</figcaption></figure><blockquote><p>„Ich mixe alles zusammen. Es ist meine Intention, Computer mit zweitausendjährigen Knochen zu mixen. Das ist sehr wichtig für mich, weil ich seh, dass ich ’ne Vergangenheit habe, dass ich ’ne Gegenwart habe und dass ich eine Zukunft habe. […] Ich bin archaisch, ich bin ein Prototyp von dem, was war.“ <br/></p><p>– Rabe Perplexum.<sup><a>1</a></sup></p></blockquote><p>Ich komme eine Treppe runter und suche mir einen Weg neben einem haarigen, wolligen grauen Wesen, mit scharfen Krallen, die wirken, als wären sie in den grauen Boden des Neubau 2 der ABK geschlagen worden. Es erinnert mich an Skulpturen von Meret Oppenheim, vielleicht an die Fellhandschuhe mit Holzfingern, eine Arbeit, die das Bild von Körper und Körperzugehörigkeit stört und durch die abgetrennte Hand in den Handschuhen, die auf eine seltsame Art und Weise zu dem Handschuh gehört, irritiert.<sup><a>2</a></sup> Später wird dieses Wesen als Angsttier benannt.<br/>Ein Körper, der sich durch die Räume und die Zeiten bewegt, es bewegt sich nur rückwärts, langsam, gemächlich, bedrohlich und doch passiv, wie eine dicke schwere Wolke, die droht, sich abzuregnen, es aber nicht tut. <br/>„Weil mich die Menschen ankotzen, werde ich immer mehr zum Tier, zu einem, das denken kann.“ sagt Rabe Perplexum über seine Tierwerdung.<sup><a>3</a></sup><br/>Rabe Perplexum ist ein Münchner Künstler der 80er und 90er, der mit dem ihm zugeschriebenen Gender bricht und dann zum Raben wird. Eine Tierwerdung, ähnlich dem Angsttier, das sich in der Bühnenbildanlage von Miriam Brunnert auflösen darf und Teil einer queeren Utopie werden kann, die Rabe Perplexum untersagt blieb.</p><p>Wir befinden uns im Erdgeschoss des Neubau 2 der ABK Stuttgart. An den Wänden sind Kostümentwürfe, auf Bildschirmen werden Figuren durch das Modell geführt, Texte aus dem Stück „Alias Anastasius“ sind hörbar und in der Ecke steht das Modell der Bühne. <br/>Es ist ein immersiver, installativer Aufbau.<br/>Jeder Raum erzeugt eine ganz eigene Atmosphäre und lädt das Publikum dazu ein, eine Perspektive des Stückes kennenzulernen. Die 7 Räume lassen sich von zwei Seiten betreten.<br/>Je nachdem, von welcher Seite man hineingeht, wird die Geschichte anders erlebt, anders erzählt.<br/>Ein dramaturgischer Kniff, der dem Zufall überlässt, mit welchem Wissen, durch welche Brille die übrigen Räume gesehen werden. Die 7 Räume bilden die Stationen und Gefühlswelten von Anastasius Rosenstengels Leben ab (oder die, die die Autorin*nen Anastasius zuordnen).</p><p>Hinter dem Eingang, den ich jetzt zum Erzählen der Räume wähle, das ist wichtig zu erwähnen, da die Installation zwei Eingänge hat, auch ist es dem Publikum überlassen in welcher Reihenfolge welche Räume erlebt werden, befindet sich eine Wiesenlandschaft. Es ist der Raum, der die Wünsche der sozialen Transition erzählt. Er ist friedlich, eine Naturlandschaft, die zum Verweilen einlädt. Um die Wiesenfläche sind verspiegelte Wände. Die Ruhe, die die Wiesenlandschaft anbietet, wird hier gebrochen. Es erinnert auch ein wenig an feministische Arbeiten aus der Maintenance Art und der Landart der 70/80 Jahre in New York. Zum einen Mierle Laderman Ukeles verspiegelte Müllwägen, die den New Yorkern den Wert der Arbeit der Müllabfuhr zeigten und etwas Alltägliches dadurch sichtbar machten und ihnen damit einen gesellschaftlichen Wert zusprachen, und zum anderen die Arbeit von Agnes Denes, die auf einer Brachfläche in New York ein Weizenfeld pflanzte und damit in die Wüste der Baustellen und Hochhäuser eine andere Form der Kultur brachte und einen Kontrast schaffte zwischen dem unnahbaren Beton und dem Organischen.<sup><a>4</a></sup> <sup><a>5</a></sup> <br/>Das Bild von Agnes Denes zeigt eine selbstbewusste lachende Frau, die durch den Weizen spaziert, hinter ihr der Beton der Großstadt. Ein ähnlicher Kontrast entsteht in dem Raum, die weißen Wände des Kunstmuseums bilden und das freundliche Grün des Grases.</p><p>Von dort zieht mich der Raum zur linken an. Er ist dunkel, leuchtet gelb, irgendetwas Vertrautes, aber auch Bedrohliches liegt in diesem Raum. Der Raum ist ausgelegt mit Folie, unter dieser befinden sich Leuchtmittel. Sie geben gelbes Licht. Die Spielerin*nen, die im anderen Raum auf der selben Ebene wie ich waren, mit mir direkt in Kontakt treten konnten, sind hier verborgen. Sie bewegen sich unter der Folie und hinter Plexiglas. Es ist ein Raum, der für die historische Figur Anastasius und auch für heutige trans masc Personen Euphorie – zunächst Euphorie – auslöst. Anastasius wird Teil des Militärs. Er wird anerkannt. Kämpft mit seinen Kameraden. Ist angepasst. Wäre da nicht die Sorge vor Enttarnung. Wäre da nicht die Sorge, doch nicht männlich genug zu sein. (Hier ist der Stücktext leider sehr aus der Gegenwart geschrieben. Die Befragung, der Grund für die Flucht Anastasius, wird beschrieben, als wäre er enttarnt worden. Dieser Wunsch, Menschen als nicht ihr präsentiertes Geschlecht zu entlarven, transvestigation, ist aber etwas sehr Heutiges.)</p><p>Der Raum zeigt also, historisch nicht ganz richtig (was nicht dem Raum vorzuwerfen ist), dafür aber die Sorgen der Gegenwart sehr gut präsentierend, die Angst davor „entdeckt“ zu werden. Er zeigt Genderexpression, sich besonders als in der Geschlechtsperformance eines Mannes aufzugehen.</p><p>Von diesem Raum gelange ich in einen kargen, schwarz ausgekleideten Raum. Es ist der Gerichtssaal. Auf einer zweiten Ebene stehen Repräsentantin*nen der Herrschaft. Sie blicken hinunter und sprechen Auszüge aus dem Gerichtsprotokoll. In diesem Raum gibt es nichts mehr zu deuten. Er repräsentiert den wiederkehrenden Kontakt Rosenstengels mit dem Gesetz. Ich bin den Stimmen von oben ausgeliefert. Die Möglichkeit zu handeln ist dem Publikum genommen. Das Recht überwacht und straft von oben. Es gibt kein Entkommen. Oder? <br/>Daran anschließend befindet sich ein Zwischenraum. Orange. Grell, feindlich, mit scharfen Gegenständen, die aus den Wänden ragen. Feindliche Umgebung. Es ist nicht eindeutig, gegen wen hier gekämpft wird. Sind es die eigenen Unsicherheiten oder die Unsicherheiten der Gesellschaft? Was ist internalisiert? Wie kann man dieser Umgebung entgehen? <br/>Weiter. <br/>In den nächsten Raum. <br/>Der Raum war mal weiß, jetzt ist er schimmlig, Wasserflecken an den Wänden. Früher freundlich, nun lebensfeindlich. <br/>Es ist der Raum der Kindheit, der Mutter, die Anastasius in ein Kinderheim gegeben hat, damit er den Zugang zu Bildung bekommt. Das Ideal von Familie, Zugehörigkeit und Abstammung wird hier dekonstruiert. Beide können nichts miteinander anfangen. Sie sind sich fremd. <br/>Rechts von diesem Raum geht ein weiterer Raum ab, labyrinthartig hängen Stoffbahnen herunter. Der Raum hat etwas Leichtes, Kindliches. <br/>In ihm befindet sich eine Insel aus Sitzgelegenheiten, auf denen man sich niederlassen kann. <br/>Hier erlebt das Publikum Freundin*nenschaft, Verbundenheit und erste Fragen über das zugeschriebene Geschlecht während des Aufwachsens. Anders als es vielleicht erwartbar gewesen wäre, ist dieser Raum nicht einer, der durch existenzielle Schwere bestimmt wird. Es ist die Ambivalenz des Aufwachsens, die hier repräsentiert wird. In meiner Führung gelangt man jetzt in einen Raum, in dessen Zentrum ein buntes Zelt aufgeschlagen ist. Der Raum ist auch durch eine Ambivalenz geprägt. Anastasius kam kurz nach seiner Zeit in dem Heim in eine Sekte, die ihn zunächst so aufnahm, wie er war. Er hatte hier das erste Mal das Gefühl, dass er dazugehört. Ein Gefühl, das in der Militärzeit sich wieder wiederholte. Doch aus diesem Paradies wurde Anastasius verscheucht, nachdem er doch nicht die gewünschten Wunder zustande brachte. Dieser Raum steht für eine Phase im queeren Leben, in dem es noch offen ist, wie man sich orientiert, wie man das Leben, das vor einem liegt, bewältigt. Wem kann man trauen? Ist der Wunsch, zu etwas dazuzugehören, wichtiger als so zu leben, was dem eigenen Empfinden/Erleben/Sein entspricht?</p><p>Aus diesem Raum gelangt man wieder in die Graslandschaft.</p><p>Für mich macht das Bühnenbild von Miriam Brunnert das Innere erlebbar. Gefühlswelten. Immer zurückgebunden an das Äußere und die Umstände. Das Publikum durchlebt Hoffnung, das Gefühl des sich Alleinefühlens, der kurzen Euphorie, sich zugehörig, sich sicher zu fühlen, und dem niedergeschmettert Sein, wenn man verstoßen wird, weil man nicht Frau, nicht Mann, nicht nicht-binär genug war für die den Raum bestimmenden. Es sind private, persönliche Welten und Erlebnisse, über denen immer die Autorität des Staates wacht und richtet. Es macht das Gegenwärtige queere, Transleben erfahrbar.</p><p>Das Leben Anastasius Rosenstengels war vermutlich in vielen Entscheidungen freier und selbstbestimmter als das Leben von queeren Menschen heute. Oder, vielleicht besser, weniger beobachtet. Die starren Genderrollen waren vor allem bei den Herrschenden präsent. Und doch. Auch zur Zeit Rosenstengels wurde gerichtet. Wie es ihm letztendlich auch passierte. Er wurde gerichtet für Sodomie. Eine gängige Verurteilung für Homosexuelle (Handlungen). Allerdings diskutierten die Richter „ob: ‚würckliche Sodomiterey mit dem leblosen ledernden Instrument begangen werden‘ könne“.<sup><a>6</a></sup></p><p><br/>Diese richterliche Uneindeutigkeit ist spannend und leider nicht so stark Teil des Stückes, auf dem das Bühnenbild beruht. Am Ende setzten sich die aufklärerischen Gedanken durch, die die Trennung zwischen Mann und Frau verstärkten und die Aufsicht über die Körper der Bürgerin*nen vorbereiteten. <br/>Die Repressionen, denen queere Menschen heute ausgesetzt sind, die durch das Schaffen des Normalen als Machtinstrument besonders unter Beobachtung sind, und die Geschichtlichkeit von queeren Lebensentwürfen. Dass es uns schon immer und in jeder Gesellschaft gab, dass es sich nicht um Mode oder Trenderscheinungen handelt und dass das Sich-Einrichten in der jeweiligen Gegenwart, das Sich-Anpassen, Sich-Zusammenfinden und Versuchen zu Überleben über die Jahrhunderte hinweg ein verbindendes Element bildet. All das erzählt das Bühnenbild ohne dabei aufdringlich oder aktivistisch zu werden. Dieser Sanfte Umgang mit dem Publikum bildet sich auch in der Zeitlichkeit wieder. Miriam Brunnert geht von 2 – 3 Stunden aus, die das Publikum in den Räumen verbringen wird. Es gibt dem Publikum die Ruhe und die Möglichkeit im eigenen Tempo durch die Räume zu gehen und das Stück zu erleben. Es ist möglich zurück zu kommen zu verschiedenen Räumen, wie verändern sie sich mit mehr oder weniger Publikum. Das entspricht einer queer-time. Ein Konzept das davon ausgeht, dass die Welt aus einem queeren Erleben anders wahrgenommen wird, andere zeitlichkeiten und entfernungen hat. „<em>Queer time</em> fasst demnach eine Zeiterfahrung, deren Rhythmen anders sind als die auf Dauer angelegten Strukturen von Arbeit, Familie, Freizeit und Staaten“.<sup><a>7</a></sup><br/>Sara Ahmed schreibt, dass es für queeres Leben in den Filmen der letzten 30 Jahre selten ein Happy End gibt. Und dass queeres Leben häufig gleichgesetzt wird/ wurde mit Tod: „Queer deaths are often framed as a consequence of queerness; queer fatalism = queer as fatal.“<sup><a>8</a></sup></p><p>Es sind Erzählungen, in denen Queer-Sein, Trans-Sein das Drama ist, der Tod der Protagonistin*nen oder der Abschied der Ausweg, das Ende bildet. Die Probleme treten auf weil das queer/trans-sein die Norm stört.</p><p>Eine Ausnahme ist da Billy Elliot – I Will Dance. Der Film, in dem ich das erste Mal eine andere Transperson gesehen habe und die Transition Teil des Happy Ends des Films bildet. An diese filmische positive Repräsentation hat mich ein Vortrag von Mine Pleasure Bouvar erinnert.<sup><a>9</a></sup> Auch Miriam Brunnert hat sich dafür entschieden, dem Stück/der Installation ein Happy End zu geben. <br/></p><p>Ein Happy End, bei dem das Publikum Teil des Bildes wird, es sich als handelnd erleben kann und danach über das eigene Erleben, über die eigene gewonnene Perspektive sich austauschen kann. Dafür steht/sitz/bewegt sich das Publikum in dem Raum der Transition, in dem Raum mit dem Gras und darf kleine leuchtende Kugeln in die Höhe halten, während das Deckenlicht ausgeht und durch die Spiegelung ein Universum queeren Lebens sichtbar wird. Durch diese Wendung endet das Stück mit dem Ausstieg aus der Gegenwart und dem gemeinsamen utopisieren wie eine gerechtere Welt möglich sein könnte.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/df4f24ef-acaa-4154-b792-7178981b3abc/uploads/images/ni4bgepm4p/IMG_20260703_091417015_HDR.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Das Angsttier aus dem Bühnenbildentwurf von Miriam Brunnert. Noch schläft es. Bild: calendal</figcaption></figure><p>Miriam Brunnert gelingt mit ihrem Zugriff auf das Stück „Alias Anastasius“ ein Bühnenbild das dem Text nicht nur gerecht wird sondern diesen um einen utopischen Moment erweitert. Das gelingt Miriam durch das Einbinden von der trans community, einer klugen Lesart des Stückes und Räumen die Lust darauf machen sie zu erleben und Teil von ihnen zu werden und das Angsttier zu überwinden.</p><p><br/>Fußnoten: </p><ol><li data-id="be2f17d2-3f0c-4cfc-9841-d4f251877110"><p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rabe_Perplexum">https://de.wikipedia.org/wiki/Rabe_Perplexum</a></p></li><li data-id="8ba611fa-f377-43e1-b568-e25485a2588c"><p><a href="https://cdn.thecollector.com/wp-content/uploads/2023/09/oppenheim-fur-gloves-sculpture.jpg?width=640&amp;quality=55">https://cdn.thecollector.com/wp-content/uploads/2023/09/oppenheim-fur-gloves-sculpture.jpg?width=640&amp;quality=55</a></p></li><li data-id="ed7cd4a8-0e75-4ff9-acad-bdc668288506"><p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rabe_Perplexum">https://de.wikipedia.org/wiki/Rabe_Perplexum</a></p></li><li data-id="749a3ea6-e6ed-4885-99cc-d6d43edd159d"><p><a href="https://www.artnews.com/wp-content/uploads/2025/06/5.-Mierle-Laderman-Ukeles_Maintenance-Art_Queens-Museum_Photo-by-Hai-Zhang55.jpg?resize=400">https://www.artnews.com/wp-content/uploads/2025/06/5.-Mierle-Laderman-Ukeles_Maintenance-Art_Queens-Museum_Photo-by-Hai-Zhang55.jpg?resize=400</a></p></li><li data-id="1c493314-9757-48fd-95de-a161727d1e22"><p><a href="https://news.artnet.com/app/news-upload/2020/01/agnes-denes.jpg">https://news.artnet.com/app/news-upload/2020/01/agnes-denes.jpg</a></p></li><li data-id="1e5ca7a1-10fd-47ad-81c4-5886223d31ba"><p><a href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/kino/der-kinofilm-rose-mit-sandra-hueller-verraet-sein-historisches-vorbild-accg-200776592.html">https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/kino/der-kinofilm-rose-mit-sandra-hueller-verraet-sein-historisches-vorbild-accg-200776592.html</a></p></li><li data-id="0c58853c-89ce-4742-a54e-5e80fef9ea41"><p><a href="https://www.gender-blog.de/beitrag/queer-time-queer-history">https://</a><a href="http://www.gender-blog.de/beitrag/queer-time-queer-history">www.gender-blog.de/beitrag/queer-time-queer-history</a></p></li><li data-id="9dd56014-a3d2-48f7-bec2-b067dfa4973e"><p><a href="https://feministkilljoys.com/2017/01/13/queer-fatalism/">https://feministkilljoys.com/2017/01/13/queer-fatalism/</a></p></li><li data-id="a1b4aab9-e649-4b91-89af-7730bcfb43c4"><p><a href="https://www.akweb.de/bewegung/wenn-die-trans-panic-kickt-die-auseinandersetzung-mit-transmisogynie-kommt-in-feministischen-kreisen-zu-kurz/">https://www.akweb.de/bewegung/wenn-die-trans-panic-kickt-die-auseinandersetzung-mit-transmisogynie-kommt-in-feministischen-kreisen-zu-kurz/</a></p></li></ol>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 19 Jul 2026 22:06:37 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[JUNI MACHT WITZE]]></title>
      <description><![CDATA[Letztes Wochenende habe ich einen Kurztripp nach Fribourg gemacht, wo ich die Arbeit T’es Bonne von…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Für den Mai musste mein Newsletter ausfallen.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b05332ef-17ef-4864-8469-f6016f51895a/uploads/images/kujfrm5ds4/IMG_20260606_193649992.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>credits: calendal</figcaption></figure><p>Letztes Wochenende habe ich einen Kurztripp nach Fribourg gemacht, wo ich die Arbeit T’es Bonne von Mélanie Cerezo Gobet gesehen habe. Eine choreografische Arbeit, die sich mit der Geschichte und der Struktur der philippinischen Putz- und Haushaltshilfen in der Schweiz und der EU beschäftigt und diese aus zweiter Generation betrachtet und insbesondere die Strukturen und Wirkung des Alltags auf die Menschen erfahrbar macht und gleichzeitig sich fragt, wie Fragen von Care und Sorgearbeit gesellschaftlich anders organisiert sein könnten.</p><p>Yi-Ju Chou, mit der ich bei <a href="https://www.calendal.art/ausgewaehlte-produktionen/">Revision – Beobachtungen aus dem Saal 165C</a> (2022) und <a href="https://www.calendal.art/ausgewaehlte-produktionen/">SWIPE MATCH LOVE</a> (2025) zusammengearbeitet habe, hat die wunderbare Bühne gestaltet. Die Arbeit schafft es, den weißen Blick sichtbar zu machen, das Erleben der Arbeiterin*nen und der Haltung der Nachgeborenen und der Familien zu erzählen.</p><p>Ende Mai hatte Annikas Schäfers Inszenierung „Rollenwandel: Schiff der Träume - nach einem Drehbuch von Federico Fellini“ am Theater Konstanz Premiere. Eine Arbeit, die sehr vielversprechend aussieht. Im Südkurier schrieb dazu Siegmund Kopitzki: „Mit viel Lust. Mit viel Spaß, der auf das Publikum übersprang. Das soll und kann Theater auch, unterhalten. Viel Applaus!“ Am 19.06. hat die Arbeit „«INSIDE_OUT» Kian Amadeus H. &amp; Sarah Calörtscher“ in Zürich Wiederaufnahme an der Gessnerallee Zürich. „Ein partizipativer Persönlichkeitstest als Game über Innen und Außen und poröse Grenzen, mit Entscheidungen ohne falsche Antworten und einem Preis, der persönliches Wachstum symbolisiert.“ Eine Arbeit, die ich 2023 schon sehen konnte und die sich spielerisch mit den vielleicht nicht ganz so starren Grenzen von Zuschreibungen und Identität beschäftigt. Die Bühne ist von Chih Lin, mit der zusammen ich an meinem Masterabschluss „to end utopia/schönes leben“ gearbeitet habe.</p><h4>Nun zum Grund, warum ich es im Mai nicht geschafft habe, diesen Newsletter zu schreiben.</h4><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b05332ef-17ef-4864-8469-f6016f51895a/uploads/images/flklvrmlym/_Apos_Portraits_0499.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>die apokalyptischen tänzerin*nen zwischen Stühlen 
Credits: Dominique Brewing</figcaption></figure><p>Wir befinden uns gerade auf der Zielgeraden zu unserer Premiere von „Ha Ha Haltung“, der neuesten die apokalyptischen tänzerin*nen-Arbeit. Wir haben wieder das Glück, mit Sophia Sadzakov und Hannah Lyia zusammenzuarbeiten, die auch für „Wilde Ökologie“ unsere Bühne und das Kostüm gestaltet haben. Besonders spannend empfinde ich die Zusammenarbeit mit dem Renitenztheater Stuttgart. Einem Theater, das privatwirtschaftlich organisiert ist und dessen Fokus hauptsächlich auf Kabarett und Unterhaltungstheater liegt.</p><p>Auch haben wir diesmal ganz tolle Gäste. Aus der Performance-Szene Stuttgarts, aus der Wissenschaft und aus der Bundes-, Landes- und Lokalpolitik.</p><p>Inhaltlich und strukturell beschäftigen wir uns mit der Pfeffermühle Erika Manns und der Frage, welche Formen in Zeiten des Autoritären sich eignen, um zu unterhalten und gleichzeitig die Gegenwart für einen kurzen Moment unmöglich zu machen.</p><p>Wir probieren es diesmal mit einem Kabarettabend, der wie eine Nummern-Revue funktioniert und bei dem auch politisch diskutiert wird.</p><p>Herzliche Einladung zu unserer Premiere am 16.6.2026 und zu den weiteren Aufführungen am 22.6/23.6. jeweils um 20 Uhr im Renitenztheater Stuttgart.<br/></p><h2><strong>Ha Ha Haltung</strong></h2><p><em>ein satirisches nach-oben-Treten von </em><br/><em>“die apokalyptischen tänzerin*nen”</em></p><p>Tretet nach oben, tretet näher, tretet herein. <br/>Diese Show sprengt Grenzen, lädt zum Lachen und zum ernsthaften Gespräch ein.</p><p>Am 16.06.2026 um 20 Uhr im Renitenztheater Stuttgart laden wir, die apokalyptischen tänzerin*nen, zu einem satirischen nach-oben-Treten ein!</p><p>Neben einem saftigen Obstteller der darstellenden Künste, gibt es tiefe Einblicke mit Gäst*innen aus Politik und Wissenschaft:</p><p><br/></p><p><a href="https://renitenztheater.reservix.de/tickets-die-apokalyptischen-taenzerinnen-ha-ha-haltung--ein-satirisches-nach-oben-treten-in-stuttgart-renitenztheater-am-16-6-2026/e2542739">16.06.:</a> Ricarda Lang (MdB), Alex Maier (OB Göppingen), Cassis Kilian (Anthropologin, NoJoke Goethe Universität Frankfurt)</p><p><br/></p><p><a href="https://renitenztheater.reservix.de/tickets-die-apokalyptischen-taenzerinnen-ha-ha-haltung--ein-satirisches-nach-oben-treten-in-stuttgart-renitenztheater-am-22-6-2026/e2546377">22.06.:</a> Erwin Köhler (MdL BW), Sara Dahme (GR Stuttgart), Simone Rafael (freie Journalistin mit dem Schwerpunkt digitaler Rechtsextremismus und Netzpolitik)</p><p><br/></p><p><a href="https://renitenztheater.reservix.de/tickets-die-apokalyptischen-taenzerinnen-ha-ha-haltung--ein-satirisches-nach-oben-treten-in-stuttgart-renitenztheater-am-23-6-2026/e2546378">23.06.:</a> Maxime Van Velzen (Grüne Jugend Mannheim), Holger Marcks (Machine Against the Rage / Netzwerk gegen Hass im Netz und Desinformation, Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft)</p><p><br/></p><p>Neben uns, versüßen auch Peter Luttringer hinter der Gitarre, Beate Klose hinter dem Flügel, Athanasios Lampropoulos hinter dem Lenkrad des E-Porsches, Jule Lotte Bröcker hinter einer Maske, Hannah Liya &amp; Sophia Sadzakov hinter genormten Kisten Mayha Suaysom zeichnend hinter Post-Its im Raum und zwei wechselnden Specialguests hinter wechselnden Requisiten.<br/>Humorvoll politisch wird es außerdem mit Gäst*innen aus Politik und Wissenschaft, jeden Abend anders, jeden Abend neu.</p><p><br/></p><p>Schnappt euch schnell <a href="https://renitenztheater.reservix.de/events">Tickets</a>, bevor sie euch andere wegschnappen. Mitglieder der Freie Szene können vergünstigt Tickets reservieren unter <a href="mailto:kbb@renitenztheater.de">kbb@renitenztheater.de</a></p><p><br/></p><p>Wir freuen uns auf das gemeinsame Lachen</p><p><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 08 Jun 2026 09:08:25 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Während Geister in meinen Wänden wohnen, werde ich zur Katze.]]></title>
      <description><![CDATA[Auf meiner Bettkante sitzend, müde und zwischen träumen hör ich dich räuspern. Ich mache einen…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Während Geister in meinen Wänden wohnen, werde ich zur Katze</h1><p></p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9b7ff688-9f28-4182-849a-437ba03ed83e/uploads/images/nqnak76bx5/IMG_20241224_152855%281%29.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>&quot;ich möchte von dir umgeben sein&quot;, siebdruck auf textil, calendal</figcaption></figure><p><br/>Dieser Newsletter enthält die Erzählung „während Geister in meinen Wänden wohnen werde ich zur Katze“ von mir. Nach einigen Veranstaltungshinweisen und inhaltlichen Tipps.  </p><p>Gerne hätte ich den Text vom letzten Monat nochmal geschrieben, aktualisiert, denn die Politik der Angst schläft nicht. Danke für die lieben und anreichernden Rückmeldungen zu „<a href="https://steady.page/de/dran-bleiben/posts/36ac90ec-f76c-409e-ba4f-7e779460825a?utm_campaign=steady_sharing_button">Angst macht keinen Lärm</a>“. In dem dunklen Flur meiner Großeltern hing, so lange ich mich erinnern kann, ein kleines Bild mit einer Person, die eine Kerze anzündet, und dem Spruch: „es ist besser, eine Kerze anzuzünden, als über die Finsternis zu klagen“. Manchmal reicht es, sich gegenseitig wahrzunehmen.  Ich denke, dass das auch gerade bei den no kings Protesten in den USA stattfindet.  </p><p>Aus der Dunkelheit der incel„kultur“ ist das Looksmaxxing an die Oberfläche gespült worden. Eine gute Einordnung und deep dive gibt es dazu, allerdings auf English, bei „In Bed with the Right“:  <a href="https://open.spotify.com/episode/43G6lTeOL4cZ7PR79BOUmH?si=ZYu6aoUmSmKr0C9gL3H8BA">https://open.spotify.com/episode/43G6lTeOL4cZ7PR79BOUmH?si=ZYu6aoUmSmKr0C9gL3H8BA</a>  </p><p>Am 23.4 hat das vielversprechende Projekt „This is just us - naked in the face of the world“ am Theaterhaus Jena Premiere. <a href="https://www.theaterhaus-jena.de/">https://www.theaterhaus-jena.de/</a> Unter anderem mit den großartigen Thato Kämmerer und Mona Louisa-Melinka Hempel, die auch bei „l´amourtoujours (reprise/dirtycare)“ auf der Bühne standen.</p><p>Passend zu der gerade abgeschlossenen Mondumkreisung feiert am 30.4 „Die Mondreise“ <a href="https://produktionshausnaxos.de/event/die-mondreise/">https://produktionshausnaxos.de/event/die-mondreise/</a> die neue Produktion von Chiara Marcassa am Studio Naxos Premiere. Ich möchte auf diese Produktion vor allem wegen der Soundarbeit von Antonia Alessia Virginia Beeskow hinweisen, deren Installation „DÄMONEN,“ noch bis zum 31.5 als Teil der Ausstellung „Deutsch“ in dem Kunstverein Heidenheim zu sehen ist. <a href="https://kunstmuseum-heidenheim.de/deutsch-8-maerz-31-mai-2026/">https://kunstmuseum-heidenheim.de/deutsch-8-maerz-31-mai-2026/</a>  </p><p>Und zum Schluss meiner Empfehlungen kommt noch der Workshop „Tears of sadness, Tears of joy“ von dem freien performance Kollektiv Chicks* in Bremen. Während in der Öffentlichkeit über einsame cis-Männer gesprochen wird, ist das ein Workshop für queere Einsamkeit.  I wish I could be there. Und I wish es wäre für mein Alter. Der Workshop ist für Menschen zwischen 18–26 Jahre.  „Gemeinsam erproben wir queere Trauerrituale und zelebrieren Queer Joy!“ <br/>Anmeldungen dafür unter folgender Adresse:</p><a href="https://www.vhs-bremen.de/kurssuche/kurs/Tears-of-Sadness-Tears-of-JoyQueerer-Einsamkeit-gemeinsam-begegnen-Ein-queer-feministischer-Theaterworkshop/261M87-103">https://www.vhs-bremen.de/kurssuche/kurs/Tears-of-Sadness-Tears-of-JoyQueerer-Einsamkeit-gemeinsam-begegnen-Ein-queer-feministischer-Theaterworkshop/261M87-103</a><h3>Jetzt viel spaß mit meiner Erzählung.</h3><h2><br/>Während Geister in meinen Wänden wohnen, werde ich zur Katze<br/></h2><p>Auf meiner Bettkante sitzend,<br/>müde und zwischen träumen<br/>hör ich dich räuspern.</p><p></p><p>Ich mache einen Espresso. Im Kühlschrank ist noch der 99-Cent-Rewe-zuckerfreie Soja-Yoghurt und eine zwei-Euro-Mango aus dem südindischen Tante-Emma-Kaṭai die Straße runter.<br/>Girl Dinner.<br/>Ich füttere mich.<br/>Schwerer Atem.<br/>Das regionale Radio spielt den Jingle für die Nachrichten.</p><p>Du schlurfst von meinem Wohnzimmer in dein Arbeitszimmer, zumindest nehme ich an, dass da dein Arbeitszimmer ist, es mindestens auf dem Gebäudeplan als dein Arbeitszimmer eingezeichnet wurde. Schlurfst in dein Arbeitszimmer und machst eine Zigarette an. Ich würd gern wissen, was du geträumt hast, während der Fernseher lief. <br/>Ist dein Traum die Verlängerung der Tierdoku oder die Tierdoku die Verlängerung deines Traums gewesen?<br/>Die Gazelle hetzt im Zickzack über den Wohnzimmerteppich und springt in den Kaffeebecher, sucht Schutz vor der Löwin, die, getrieben von ihrem Pflichtbewusstsein für ihre beiden Kinder, ihr hinterherhetzt, der separierten von der Herde, die schwächste, zwei bis drei Tage essen, gleich reißt sie sie, doch aus der Brühe schlägt ein Krokodil zu, das nur darauf gewartet hat, mit offenem Mund, zwei Wochen lag es hier zwischen weiß-grünem Gewächs, reißt die Gazelle, die nun auch von der Löwin gerissen wird, zwischen den Mündern, blutverschmiert, von weitem sieht es nach einem kindlichen Ziehen aus, die Fangzähne bohren sich in das Fleisch und die Milch färbt den Kaffee braun.</p><p>Ich huste. <br/>Der Qualm ist mir in den Mund gezogen, mache mein Fenster zu und du zündest dir eine weitere Zigarette an.<br/>Wo beginnt dein Körper, wo endet meiner?<br/>Drei Wochen hoffe ich nun schon auf den Medical-Industrial Complex. Hoffe darauf, dass sich mein Körper meinen Gedanken, meinem Fühlen anschmiegt. Alles, was ich bisher bekommen habe, ist ein krummer Rücken, der schmerzt, wenn ich mich nicht genug dehne. <br/>Sometimes I see your face.<br/>I wish that you were there.<br/>Sometimes I see your eyes<br/>and I know<br/>love never dies.</p><p>Wir sitzen beide auf meinem Bett. Du sitzt links von mir. Ich merke es, weil der kalte Rauch sich mit dem frischen Rauch vermischt. Es erinnert mich an meine Nachhilfe-Englishlehrerin. Ein trauriges Leben in Rauchwolken gefangen. <br/>Wir haben uns noch nie berührt.</p><p>Sehe ich dich?<br/>Meistens spüre ich nur deine Präsenz, höre dich räuspern, schlurfen und stöhnen.<br/>Ich frag mich, wie du mich wahrnimmst. <br/>Von einander getrennt, aber so nah. <br/>Mir wächst mittlerweile ein vorsichtiges Fell, das den Regen von meiner Haut abfängt bei leichtem Regen. Noch reicht es nicht, mich vor starkem zu schützen, dann springe ich in meine Wohnung und höre den Tropfen und dem Wind zu, wie sie wütend die Untätigkeit der Menschen anklagen.<br/><br/>Ich versuche mich, mich an dich anzuschmiegen. Unbeholfen, noch nicht ganz Katze, aber schon die Bedürfnisse und in Teilen das Aussehen. Sometimes I see it in my eyes.<br/>Ich stolpere. Stürze von meiner Bettkante, rolle mich am Fuß ein. Da, wo ich dich vermutet hatte, ist Leere und dein Geruch, den ich unter Tausenden erkennen würde.<br/>Ich hör dich wieder räuspern. In der Ferne. Einsam.</p><p>Wie konntest du so schnell den Ort wechseln?<br/>Warst du überhaupt neben mir?<br/>Deine Routinen orientieren mich.</p><p>Wenn der Jingle des lokalen Nachrichtensenders das zweite Mal durch meine Planken dröhnt, ist es 10 Uhr und ich muss am Schreibtisch sitzen, Mails beantworten, Espresso machen, konzentriert darauf teilzuhaben an der Gesellschaft.<br/>Katze, nicht Geist, werden.<br/>Wenn es nicht regnet, gehe ich dann spazieren,<br/>wenn ich danach die Treppen wieder hinaufsteige, schwebt dein Geruch mir entgegen.<br/>Ich setze Nudelwasser auf,<br/>halte mein Feuerzeug an das strömende Gas,<br/>Pfanne, Öl,<br/>mit den Überresten des Kühlschranks,<br/>Rosmarin, Paprika edelsüß, etwas Chili.</p><p>An manchen Tagen stelle ich mir vor, wie mein Leben sich ändert, wenn sichtbar wird, dass ich Katze bin, dann zögere ich, zögere und glaube, Angst davor zu haben, nicht Katze genug für die anderen zu sein, nur Katze für die Straßenbahn, nicht aber Katze für die Umkleide.</p><p>Katze für den Strand.</p><p>Katze fürs Amt.</p><p>Let there be love.</p><p>Ich habe dich noch nie gesehen.</p><p>Oben bei den Lebewesen.</p><p>Einmal<br/>blickte ich in deine Augen,<br/>tiefe dunkle Augen,<br/>tiefe dunkle Augenringe,<br/>so dunkel wie der Sixer Cola, den du an drei Fingern über dem Boden hieltest,<br/>1,5 Liter, sechs Mal,<br/>am Ende eines schweren, schwerfälligen Geisterkörpers.<br/>Du bleibst wach, wenn ich schlafen gehe.<br/>Siehst du das Leid der Welt,<br/>während mir die Augen zufallen,<br/>höre ich dich schnauben,<br/>während ich versuche, mich im Raum aufzulösen,<br/>höre ich dich husten,<br/>zum Soundtrack, auf den du schon lange nicht mehr hereinfällst,<br/>der versucht, den Bildern eine Erzählung zu geben.<br/>Du schlurfst durch meine Wohnung, deckst mich zu, machst dir eine Zigarette an, atmest den Rauch aus.<br/>Wenn ich aufwache, wird es sich so anfühlen, als seist du gerade noch an meinem Bett gewesen.</p><p>Etwas Panik in meiner Brust,<br/>aber du bist schon wach,<br/>räumst,<br/>tust.<br/>Ich habe nie herausgefunden, <br/>wann du, <br/>ob du<br/>schläfst.<br/>Die Frühnachrichten laufen und mein erster Espresso steht auf dem Herd.</p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 09 Apr 2026 09:37:33 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Angst macht keinen Lärm]]></title>
      <description><![CDATA[Bild: Dominique Brewing „Ich schreibe hauptsächlich für jene Frauen, die nicht sprechen, die sich nicht mit Worten ausdrücken. Weil sie – weil wir – solche Angst haben.…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><a href="https://dominiquebrewing.com/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/36ac90ec-f76c-409e-ba4f-7e779460825a/uploads/images/vtqrk7yqvo/Apos_Wilde_Okologie_0060.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><figcaption>Bild: Dominique Brewing</figcaption></figure><p><br/>„<em>Ich schreibe hauptsächlich für jene Frauen, die nicht sprechen, die sich nicht mit Worten ausdrücken. Weil sie – weil wir – solche Angst haben. Weil uns beigebracht wurde, die Angst wichtiger zu nehmen als uns selbst.</em>“ -Audré Lord<br/></p><p>„<em>Fear is a tool. They think I&#39;m hiding in the shadows. But I AM the shadows“ </em>-the batman (2022)</p><p></p><p>Im letzten Jahr habe ich mich viel mit meinen eigenen und gesellschaftlichen Ängsten beschäftigt.</p><p>Ich habe einiges gemacht, vor dem ich Angst hatte, habe einen Weg gefunden, Ängste zu überwinden. Für mich ist der Text eine Reaktion auf die Politik der Angst, die gerade im Kleinen wie in der Weltpolitik herrscht. Vielleicht gibt er eine andere Perspektive auf Angst. Viel Freude beim Lesen.</p><p>Lev Gudkov beschreibt in „Eine Theorie der kollektiven Angst“, dass das Benennen bei Umfragen der eigenen Angst sowie der Annahme, es herrsche Angst in der Gesellschaft, zum Ausdruck bringt, dass am System festgehalten wird, dieses „jedoch erodiert“. Es braucht also etwas, um das man Angst haben können muss. Angst vor dem Zerfall eines Systems kann nur bestehen, wenn es ein System, ein (imaginiertes) soziales Gefüge gibt und dieses als alternativlos begriffen wird. Es entsteht eine diffuse Angst vor der Ungewissheit des Zukünftigen. „Menschen definieren sich über das Verhältnis zu einem Feind, einem Unglück, etwas Fremdem. […] Als Möglichkeit, sich der positiven Bedeutung, der eigenen Verdienste und Werte, der eigenen Identität zu versichern.“ schreibt Gudkov.</p><p>In der kurzen Erzählung von Ursula K. Le Guin mit dem sanften Titel „Weiter als Weltreiche und Langsamer“ aus dem Jahr 1971, die sich an einer Zeile des Gedichts „To His Coy Mistress“ von Andrew Marvell (1621–1678) anlehnt, beschreibt Le Guin eine Gruppe Reisender, auf der Mission, neues und vor allem anderes Leben in den Weiten des Weltalls zu finden. Auf der Suche nach „Welten, […] die wirklich fremd waren“. Direkt zu Beginn macht Le Guin klar, dass diese Gruppe aus „Eigenbrötlern, Spinnern“ besteht, da die Rückkehr der Reisenden höchst ungewiss und die zu erwartende Dauer der Reise mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen würde. Unter der also eh schon etwas ungewöhnlichen Crew befindet sich auch eine Person, Osden, dessen Hypersensibilität und Möglichkeit, Gefühle und Emotionen der anderen zu lesen, besser Unmöglichkeit, sie nicht zu lesen, in den übrigen Reisenden Unwohlsein und Vorurteile hervorruft.</p><p>Nach einer langen Reise landet das Schiff auf einem von Tieren unbesiedelten Baum- und Wiesenplaneten. Sie machen sich an die Arbeit, den Planeten zu erforschen und zu vermessen. Die Spannungen im Camp nehmen zu und steigern sich, bis beschlossen wird, dass Osden auch auf seinen eigenen Wunsch alleine im Wald weiterproben nimmt. Verbunden sind sie per Funkgerät, und jeweils abends und morgens wird der Status gefunkt. Dies ist der Knackpunkt der Geschichte. Irgendetwas Unerklärliches scheint vor sich zu gehen. Es wird etwas wahrgenommen, Angst macht sich breit, bis sich Osden plötzlich nicht mehr meldet. Ein Suchtrupp wird losgeschickt und Osden wird mit einer Platzwunde bewusstlos liegend gefunden. Es starten Spekulationen, Angst wächst. Gibt es doch Monster, Wesen auf dem Planeten, die die Geräte nicht detektieren können? Das kann eigentlich nicht sein.</p><p>Osden erzählt im Vertrauen: „Ich lag auf dem Boden. Ich konnte nicht aufstehen. Mein Gesicht lag im Dreck, in dem weichen verotteten Laub. Ich konnte mich nicht bewegen. Konnte nichts sehen. Als wäre ich in der Erde. Darin versunken, ein Teil davon. Ich wusste, dass ich zwischen zwei Bäumen lag, obwohl ich sie nicht sah. Vermutlich konnte ich die Wurzeln fühlen. Unter mir in der Erde, tief im Boden. Meine Hände waren voller Blut. Das konnte ich fühlen, und das Blut verklebte den Dreck um mein Gesicht. Ich spürte die Angst. Sie wuchs und wuchs. Als wüssten sie endlich, dass ich da war, dort auf ihnen lag, unter ihnen, zwischen ihnen, das Ding, vor dem sie sich fürchteten, und zugleich selbst Teil ihrer Angst. Ich konnte nicht aufhören, die Angst zu erwidern, und sie wuchs immer weiter, und ich konnte mich nicht bewegen, ich konnte nicht entkommen. Ich denke, ich bin immer wieder ohnmächtig geworden und dann wieder von der Angst geweckt worden, aber konnte mich noch immer nicht bewegen. Ebenso wenig wie sie.“</p><p>Tomiko spürte die Kälte an ihren Haarwurzeln, den Einsatz der Angstmechanismen.</p><p>„Sie: Wer sind sie, Osden?“</p><p>„Sie, es – ich weiß es nicht. Die Angst.“</p><p>Es stellt sich heraus, dass die Gräser und Bäume, also die ganze Oberfläche des Planeten, in Kontakt stehen und auf die Emotion der Ankommenden reagiert haben. Angst bekommen haben und diese Angst nun zurückspiegeln. Osden, der Emotionen auch senden kann, wird dann gebeten, den Pflanzen mitzuteilen, dass sie keine Angst zu haben brauchen, dass die Crew ohne schlechte Absichten auf dem Planeten gelandet sei. Er wird aufgefordert: „Sende eine Botschaft. Wir sind harmlos, wir sind freundlich.“ „Dir muss doch klar sein, dass niemand eine unwahre empathische Botschaft senden kann. Man kann nichts senden, wenn nichts existiert.“ „Aber wir wollen doch nichts Böses, wir sind freundlich.“ „Sind wir das? Im Wald, als du mich hochheben wolltest, warst du da freundlich gesinnt?“ „Nein, ich hatte Angst. Aber das ist – er, das sind der Wald und die Pflanzen, nicht meine eigene Angst, oder?“ „Wo ist der Unterschied? Sie war das Einzige, was du gefühlt hast. […] Der Geist des Waldes dort draußen sendet jetzt nur Angst, und die einzige Botschaft, die ich senden kann, ist wieder Angst, weil ich ihm ausgesetzt bin, nichts anderes empfinden kann als Angst.“</p><p>Angst lässt sich nicht leugnen. Angst ist ansteckend. Angst ist Seelen auf. Oder Angst macht krank, wie in dem Film „Angst essen Seelen auf“ von Fassbinder; neben dem Alltagsrassismus, der die Krankheit auslöst, wird erzählt.</p><p>Ganz kurz zusammengefasst: In dem Film lernen sich Emmi und Ali kennen. Emmis Ehemann ist nicht aus dem Krieg zurückgekommen, sie lebt allein. Und Ali ist als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Sie werden ein Liebespaar. Sie heiraten. Emmi hat Angst vor dem Rassismus ihrer Kollegin*innen und Nachbarin*innen und fordert von Ali, sich perfekter als perfekt zu verhalten. Dies hält Ali nicht. Er flieht aus der Enge. Hat Sex mit einer anderen Frau. Emmi sorgt sich um ihn. Hier starten die gesundheitlichen Auswirkungen:</p><p>Zunächst erleidet Emmi, auf der Suche nach Ali, einen Nervenzusammenbruch. Dann nach dem erneuten Zusammenkommen und dem möglichen Happy End durch ein aufgebrochenes Magengeschwür bei Ali. Der dann in ein Krankenhaus gebracht wird und an dessen Krankenhausbett der Film endet.</p><p>Angst läuft in der Gesellschaft mit. Und sie wird verstärkt durch den Umgang mit gesellschaftlichen Fragestellungen. In der politischen Debatte um die Wehrhaftigkeit der Bundeswehr und die Wiedereinführung des Wehrdienstes wird schnell das Schreckensszenario einer Erweiterung des Angriffskrieges Russlands auf Deutschland ins Feld geführt. Das Anführen dieses Arguments macht es aber ganz schwierig, nüchtern über die Bedürfnisse und Fragestellungen rund um die Bundeswehr zu diskutieren. Klar besteht die Möglichkeit, und die Angriffe Russlands sind durchaus Realität in hybrider Kriegsführung, beispielsweise die Bomben im Verteilerzentrum in Leipzig oder die Attacken auf die digitale Infrastruktur des Bundestages, verschiedener Krankenhäuser und Unis und weiteres. Aber Angst ist in dieser Debatte ein schlechter Ratgeber. Angst führt zu impulsivem Handeln. Zu Milliarden ausgaben ohne Zielrichtung.</p><p>Auch bei Vorkommnissen in Deutschland, bei denen der Reflex, mit mehr Hochrüstung zu reagieren, nahezuliegen scheint, könnte die Antwort woanders liegen, wenn man die Angst und die Wut ausklammert. Konkret denke ich an die Ermordung des Schaffners Serkan Çalar, nach dessen Tod eine größere Militarisierung der Schaffner gefordert, angekündigt wurde. Ob dies in diesem Fall irgendetwas geholfen hätte, ist zu bezweifeln. Der Täter scheint wahllos geprügelt zu haben, hatte kein Motiv, war schon vorher aggressiv aufgefallen und scheint ein Aggressionsproblem zu haben.</p><p>Der Wunsch nach einer hochgerüsteten Gesellschaft, in der Polizei, bei Schaffnern, bei Postboten, bei privaten Sicherheitsfirmen, bei Kellnern – oder wo wäre hier eine Linie zu ziehen, denn es müssten ja alle Berufe, die etwas mit Menschen zu tun haben, militarisiert werden? – ist der Wunsch nach einer einfachen Lösung für ein komplexes Problem. Sicherheit lässt sich nicht dadurch herstellen, dass die Polizei aussieht wie das Militär; es deutet eher viel darauf hin, dass die militarisierte Polizeipräsenz zu einer Verunsicherung führt. Eine hochgerüstete Polizei „entfaltet [eine] psychologische Wirkung der Einschüchterung. Dies gilt unabhängig von einer vermeintlichen Sicherungswirkung, denn diese tritt vermutlich nur vereinzelt auf, denn „bis an die Zähne bewaffnete“ und vermummte Polizeibeamte können ein Gefühl von Sicherheit nur schwer vermitteln.“ schreiben die Autorin*nen Prof. Dr. Daniela Winkler und Florian Bollmann. <br/>Dazu kommt, dass die Polizei sowohl Sicherheitsversprechen als auch Gefahrenpotenzial in sich trägt. „Ich beobachte in der weißen, gut situierten Mehrheitsgesellschaft eine Identifikation mit einem Sicherheitsverständnis, das nicht mitdenkt, inwiefern diese Sicherheit auch mit der Unterdrückung der Kriminalisierten zusammenhängt – das passiert entlang von verschränkten Ungleichheitsdimensionen wie Rassismus, Vergeschlechtlichung oder psychischer Gesundheit. Wir müssen marginalisierte Bevölkerungsgruppen ernst nehmen, die am Ende polizeilicher Praxis stehen und sagen, dass sie sich nicht sicher fühlen.“ sagt die Soziologin Vannessa E. Thompson im Interview mit der taz – die tageszeitung.<br/>Es bräuchte also anstatt einer angstgetriebenen Politik der Hochrüstung und Abschottung Gespräche, Aushandlungen und Praktiken des Kümmerns, des Sich-auf-die-Angst-Einlassens, ohne sie ans Steuer zu lassen.<br/>In Ursula K. Le Guins Erzählung versucht die Crew nach der Erkenntnis, dass die Angst Teil der Pflanzen und Bäume ist, den Ort zu wechseln und den Planeten von dem anderen Ende zu erforschen. Müssen aber verängstlicht feststellen, dass auch dort die Angst angekommen ist. Eine Art Myzel scheint alle Pflanzen miteinander zu verbinden und Informationen weiterzugeben. „Dass die gesamte Biosphäre eines Planeten ein Kommunikationsnetzwerk bildet, empfindungsfähig, irrational, unsterblich, isoliert …“ „Isoliert“, sagte Osden. „Das ist es! Da liegt die Angst. Sie rührt nicht daher, dass wir freibeweglich oder destruktiv sind. Nur daher, dass es uns gibt. Wir sind anders. Es hat noch nie etwas anderes gegeben.“ „Du hast recht“, sagte Mannon fast flüsternd. „Es hat keine Freunde. Keine Feinde. Keinerlei Beziehungen außer in sich selbst. Eins, auf ewig allein.“ Angst vereinzelt. Macht misstrauisch. Schwächt die Arbeit an einer gerechteren Gesellschaft. Wir befinden uns schon seit einigen Jahren in einem Strudel der Angst. Die Kommunikation politischer Akteur*innen mit verschiedenen Anliegen, seien diese Klimagerechtigkeit, Reinheitsfantasien, Impfgegner oder der Kampf gegen Kulturkürzungen, war in den letzten Jahren geprägt von einer Rhetorik der Angst.</p><p>Als Künstler*innen müssen wir beginnen, dem wieder etwas entgegenzusetzen. Wir müssen beginnen, über die Angst zu lachen, mit ihr zu tanzen, sie in den Arm zu nehmen und sie zu überwinden. Denn Angst führt zu einer Gesellschaft im Stillstand. Oder wie Gudkov schreibt: „Ängste als Teil der Kultur oder gar eine eigene ‚Kultur der Angst‘ – sind insofern Symptom einer Dauerblockade, die jede institutionelle Veränderung verhindert.“</p><p><br/>Rechte Politik und vor allem rechte Kulturpolitik arbeiten genau auf diese Kultur der Angst hin. Bisher war diese aber noch oppositionell aktiv, durch kleine Anfragen an Theater über die Zusammensetzung des Ensembles oder Einschüchterungsversuche von Theatern zum Beispiel: „Dass diese Einschüchterungen funktionieren, zeigen verschiedene kulturpolitische Entscheidungen. So wurden in einzelnen Fällen Konzerte, Theateraufführungen oder Kunstausstellungen abgesagt, nachdem rechtsextreme Gruppen gezielt Stimmung gemacht hatten. Die Absage eines Konzerts der Band „Feine Sahne Fischfilet“ in Dessau 2018 ist ein Beispiel dafür: Rechte Mobilisierung führte dazu, dass die Veranstaltung aus Furcht vor weiteren Anfeindungen nicht stattfinden konnte. Im sächsischen Zwickau wurde 2023 ein queer-feministisches Kollektiv nach heftigen Anfeindungen in den Sozialen Medien von einem Theaterfestival ausgeladen. Auch wenn in diesem Fall die Veranstaltenden die Nichtbewilligung von Fördermitteln als Begründung vorgebracht haben, hatte es im Vorfeld Diffamierungen des Theaters und der Stadtverwaltung durch verschiedene rechtsextreme Gruppen sowie Einschüchterungen des Publikums und Störungen von Veranstaltungen gegeben.“ Auch die Nichtverlängerung des Intendanten in Senftenberg ist auf den Einfluss der AfD zurückzuführen. Außerdem wird ein Klima der Angst erzeugt, in dem sich Theater nicht mehr trauen, gesellschaftskritische Stücke oder Stücke, die nicht explizit in Deutschland spielen, zu zeigen.</p><p>In den letzten Wochen konnte beobachtet werden, wie diese rechte Strategie, Kunst, Kino und Theater in eine Linie zu bringen, Regierungsarbeit geworden ist. Sei es die Einflussnahme auf die Berlinale-Leitung oder der Ausschluss dreier linker Buchläden vom Buchhandlungspreis. Auch die Ausrichtung der Fördermittel lässt sich ideologisch lesen, ist aber schwerer zu belegen. Doch für die Betroffenen entsteht das Gefühl, handlungsunfähig zu sein, wenn Förderungen für zum Beispiel das Netzwerk Internationaler Produktionshäuser komplett und ersatzlos gestrichen werden.</p><p>Dass dieser Eingriff in die Unabhängigkeit von Gremien und Jurys ein Vorbild für Kulturpolitikerin*nen beziehungsweise Bürgermeisterin*nen in den Kommunen und Städten sein kann, lässt nichts gutes erahnen. Wenn bereits zugesagte Gelder wieder zurück genommen werden, sendet das ein Signal an Kulturschaffende: werdet nicht zu kritisch, die Förderungen, die wir geben, geben wir nur aus gutem Willen heraus und nicht, weil wir an einer kritischen Kunst und Kultur interessiert sind. Eine Ignorante Haltung bei der sich die Frage stellt in welcher Gesellschaft Kulturpolitikerin*nen zu wohnen meinen und die sich auch in den Debatten vor den massiven Kürzungen im Kultur- und Sozialbereich im Haushalt 2026 in Stuttgart abbildete.</p><p>Die Strategie der CDU, die Positionen der AfD zu übernehmen, um Wählerstimmen zu verlieren, ist nun also auch in der Kulturpolitik angekommen. Und damit der Versuch, Angst zu streuen.</p><p>Was Angst mit einer Gesellschaft machen kann, lässt sich in Russland beobachten. „Autoritäre Regime können Angst dazu einsetzen, um die Bevölkerung zu steuern. Wenn sie der Gesellschaft mittels Propaganda unkontrollierbare Ängste einflößt – vor einem drohenden Krieg, vor Feinden im In- und Ausland – und den Menschen so Furcht einjagen, verengen sie den geistigen Raum, in dem Ereignisse betrachtet werden. Sie strukturieren diesen in den Kategorien potenzieller Entbehrungen und Gefahren und nötigen die Bürger, dem Staat uneingeschränkte Befugnisse und Durchgriffsrechte einzuräumen, was diese zu hilflosen und abhängigen Untertanen macht.“</p><p>Soweit ist es in Deutschland noch nicht. Und es wäre auch ein schlechter Witz, wenn ich am Ende dieses Textes davor Angst machen würde. Eine meiner Lieblingsbands, Turbostaat, singen in „Tut es noch weh“:</p><p>„Vielleicht tut es doch weh<br/>und dann packt dich die Angst<br/>Manchmal glaubt man beinah selber<br/>Dass das alles so gehört“</p><p>Am Ende des Textes von Lev Gudkov schreibt er: „Angst [erzeugt] einen vagen Raum grundloser Hoffnungen, Illusionen und Wünsche, die als Abwehrzauber gegen alles Schreckliche und Schlechte fungieren.“</p><p>Und da können wir als Kunstschaffende ansetzen. Daran zu erinnern, dass das alles eben nicht so gehört. Dass die Welt gestaltbar, veränderbar ist. Dass wir keine Hoffnung brauchen, um miteinander solidarisch an einer gerechteren Welt zu arbeiten.</p><p>Am 8. März war Feministischer Kampftag und auch wenn wir erleben, wie Rechte wieder beschnitten werden, Femizide an der Tagesordnung sind, Transmisogynie um sich greift und rassifizierte Frauen auch in der Bewegung selbst nach wie vor diskriminiert werden, das, was erkämpft wurde, Wahlrecht, Anerkennung von Vergewaltigung in der Ehe als Straftat und weiteres, wurde in den letzten 100 Jahren erkämpft und wir können und müssen daran arbeiten, dass diese Rechte nie wieder zurückgenommen werden.</p><p>Es fällt mir schwer, diesen Text abzuschließen. Am Sonntag auf der Demo zum feministischen Kampftag in Stuttgart waren in den Reden auf der Kundgebung vor dem Zug durch die Innenstadt, abgesehen von der Rede zum Krieg im Iran, nur weiße Perspektiven zu hören. Wenn in diesen Reden Schwarze oder People of Color erwähnt wurden, dann im Bezug auf Flucht oder Kriege und Unterdrückung außerhalb der EU. Ich werfe den Rednerin*nen nicht vor, dass das bewusst passiert ist. Aber es zeigt einen Ausschluss, gegen den die Rednerin*nen im Bezug auf weiße trans Personen und weiße behinderte Frauen anredeten. Während die Rechte versucht zu spalten, eine Schmutzkampagne dort sieht, wo Misogynie out gecalled wird, ist es wichtig, die Kämpfe, die zu führen sind, zusammen zu denken.<br/></p><p>„<em>Uns wurde beigebracht, unsere Ängste zu respektieren, doch wir müssen lernen, uns selbst und unsere Bedürfnisse zu respektieren.</em>“<br/>- Audré Lorde (ein strahlendes Licht)</p><p>Bildet Banden. <br/>Achtet aufeinander. <br/>Sprecht mit euren Nachbarin*nen.<br/>seid soft.<br/>und bleibt solidarisch.</p><p></p><p>Und abschließend noch der Link zum Gedicht von Maja aus der Haft:</p><a href="https://www.basc.news/majas-gedicht-zum-8-maerz/">https://www.basc.news/majas-gedicht-zum-8-maerz/</a><p><strong><br/><br/>Texte/Medien die ich zitiere:</strong></p><p>Tut es noch weh (2013)<br/>Turbostaat</p><a href="https://campus.darstellende-kuenste.de/wissen-wie/demokratiefoerderung/der-kulturkampf-von-rechts">https://campus.darstellende-kuenste.de/wissen-wie/demokratiefoerderung/der-kulturkampf-von-rechts</a><p>Ein strahlendes Licht - Audré Lorde <br/><a href="https://akiverlag.com/books/audre-lorde.html">https://akiverlag.com/books/audre-lorde.html</a></p><a href="https://www.nachtkritik.de/recherche-debatte/zur-ueberraschenden-nichtverlaengerung-von-daniel-ris-in-senftenberg">https://www.nachtkritik.de/recherche-debatte/zur-ueberraschenden-nichtverlaengerung-von-daniel-ris-in-senftenberg</a><p>the batman (2022)</p><p>Vannessa E. Thompson. <a href="https://taz.de/Soziologin-ueber-Polizei-und-Rassismus/!5693858/">https://taz.de/Soziologin-ueber-Polizei-und-Rassismus/!5693858/</a></p><a href="https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/militarisierung-polizei-innere-sicherheit-terrorabwehr-verfassungsrecht">https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/militarisierung-polizei-innere-sicherheit-terrorabwehr-verfassungsrecht</a><p>Ursula K. Le Guin <br/>„Weiter als Weltreiche und Langsamer“ (1971)</p><p>Lev Gudkov - „Eine Theorie der kollektiven Angst“ in <br/><a href="https://zeitschrift-osteuropa.de/hefte/2025/10/eine-theorie-der-kollektiven-angst/">https://zeitschrift-osteuropa.de/hefte/2025/10/eine-theorie-der-kollektiven-angst/</a></p><p></p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/dran-bleiben/about">Mitglied werden</a></p><p><br/><br/><br/><br/></p><p><br/><br/></p><p><br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 11 Mar 2026 09:46:19 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Gedanke am Anfang des Jahres ´26]]></title>
      <description><![CDATA[free maja Etwas verspätet und dann auch noch mit Fieber in der letzten Korrekturschleife kommt mein Februar Newsletter. Gedanken, Empfehlungen zum Jahresstart: Das Jahr…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>free maja</p><p><br/></p><p>Etwas verspätet und dann auch noch mit Fieber in der letzten Korrekturschleife kommt mein Februar Newsletter.<br/></p><p><strong>Gedanken, Empfehlungen zum Jahresstart:</strong></p><p>Das Jahr 2026 scheint mir das Jahr des Copings zu werden. Zwischen neuen und alten Kriegen, Menschenrechtsverletzungen auf der ganzen Welt und einer Rhetorik der sogenannten Konservativen beziehungsweise rechten Politik, die zurück zu einem menschenfeindlichen Verständnis von Leistung und Arbeit möchte. Der Trump-Politik, die vor wirklich gar nichts mehr zurückzuschrecken scheint. Und sehr konkret spürbaren Auswirkungen von radikalen Kürzungen im Kulturellen und Sozialen.</p><p>Coping, also Bewältigungsstrategien, lassen sich zum Beispiel in dem Social-Media-Trend anfang Januar zum Erinnern an das angeblich unbeschwerte 2016 wiederfinden. Übrigens das Jahr in dem Rassismus als taking point wieder salonfähig gemacht wurde durch ein framing der Übergriffe Silvester 15/16. Coping ist Teil der Erklärung, warum Taylor Swift sich so erfolgreich vermarkten kann. Copen lässt sich im Februar großartig mit den Olympischen Spielen in Mailand.</p><p>Den Januar startete ich mit dem Nachgucken der Vorträge des 3C39. Die Vorträge und die Forschungen, die präsentiert wurden, gingen vom Reverse Engineering von Waschmaschinen und Vorträgen zu antifaschistischer Praxis (geht raus, trefft euch mit Nachbarn, lokal handeln, global denken) bis hin zu dem Einsatz von Drohnen in Kriegen, Kriege als Forschungsfeld für KI und KI als Layer, um Tötungsstrategien zu verharmlosen. Ein Vortrag, den ich hervorheben möchte, war der Vortrag über Palantir, deren Vorgehen, warum es gefährlich ist, dass Palantir immer weiter normalisiert wird, wie es eingesetzt wird und was man im Umgang mit solchen Unternehmen von der Schweiz lernen könnte, die nach einem Gutachten des Schweizer Militärs Palantir eine Absage erteilten: <a href="https://media.ccc.de/v/39c3-blackbox-palantir">https://media.ccc.de/v/39c3-blackbox-palantir</a></p><p>Der Vortrag mit der größten medialen Wahrnehmung war der Hack der Nazi-Dating-Plattform WhiteDate, die Enttarnung der Person, die dahinterstand, und die Abschaltung der Plattform durch die Power-Range-Hackerin Martha Root. <a href="https://media.ccc.de/v/39c3-the-heartbreak-machine-nazis-in-the-echo-chamber#t=2684">https://media.ccc.de/v/39c3-the-heartbreak-machine-nazis-in-the-echo-chamber#t=2684</a></p><p>Eine vielleicht marginale antifaschistische Aktion, aber sie gibt Hoffnung und macht Lust, aktiv zu werden. Auch aktiv gegen die Angst, die Überforderung und die Uninformiertheit. Denn von dem Gefühl der Überforderung lebt die rechte und faschistische Politik. Wie Katika Künreich in ihrem Talk klar macht. <a href="https://media.ccc.de/v/39c3-all-sorted-by-machines-of-loving-grace-ai-cybernetics-and-fascism-and-how-to-intervene#t=2075">https://media.ccc.de/v/39c3-all-sorted-by-machines-of-loving-grace-ai-cybernetics-and-fascism-and-how-to-intervene#t=2075</a></p><blockquote><p>„we care for people in need – and we are the chaos!“</p><p></p></blockquote><p>Ein Gedanke, der mich nicht loslässt, kommt aber von der Präsentation von Forschungsergebnissen bezüglich Online-Glücksspiel und Glücksspiel-Elementen in Videospielen.</p><a href="https://media.ccc.de/v/39c3-neuroexploitation-by-design-wie-algorithmen-in-glucksspielprodukten-sich-wirkweisen-des-reinforcement-learning-und-dopaminergen-belohnungssystems-zunu">https://media.ccc.de/v/39c3-neuroexploitation-by-design-wie-algorithmen-in-glucksspielprodukten-sich-wirkweisen-des-reinforcement-learning-und-dopaminergen-belohnungssystems-zunu</a><p>Dabei kam ich nicht drumherum zu denken, dass die Open-Call-Struktur im Kunst- und Theaterbereich durchaus Elemente von Glücksspielen hat. Die Chancen sind eventuell etwas höher „zu gewinnen“, und es wird von den Institutionen selten Geld mit den Open Calls verdient, wobei es auch immer wieder vorkommt, dass man eine Bearbeitungsgebühr bezahlen muss. Man reicht etwas ein, das ist ähnlich wie den Gewinn setzen. Diese Einreichung geht dann an eine Kommission, die nach Kriterien auswählt, die nicht nachvollziehbar sind. Selbst bei Ausschreibungen, bei denen angegeben ist, was die Kriterien sind, ist nicht ersichtlich, warum man vorgezogen wird oder die Absage bekommt bei gleicher Eignung. Anschließend kommt eine Absage, in der meistens steht, dass es dieses Jahr besonders viele Einreichungen waren, es aber nur sehr wenige Plätze gibt, dass man es sich nicht leicht getan hätte mit der Auswahl und dass man die Qualität der Arbeit sehr gut findet, man sich aber jetzt für eine noch passendere Arbeit entschieden habe. Man sich aber freuen würde, wenn man es das nächste Mal wieder probieren würde. Glücksspiel zeichnet sich dadurch aus, dass man die Mechanismen des Spiels nicht beeinflussen kann, man aber gleichzeitig im Glauben gelassen wird, dass man es doch kann. Siehe hierzu Slot Machines, bei denen so getan wird, als würde der Zeitpunkt, zu dem man den Stop-Knopf drückt, Auswirkungen auf die Gewinnchancen haben (hat es nicht, macht nur abhängig). Fast hat man es geschafft, und der Gewinn scheint so groß, dass man es immer und immer wieder probiert. Und das Glück und die Strahlkraft derjenigen, die den Open Call gewonnen haben, werden durch die Social-Media-Posts präsentiert und verstärkt. Natürlich ist es ein weiter Stretch von Online-Glücksspiel zu Open-Call-Strukturen der freien Kunst- und Theaterszene. Trotzdem. Das Ungleichgewicht zwischen Entscheider*innen und Künstler*innen, die Abhängigkeit, in die man sich begibt, um Kunst zu schaffen, die unter Bedingungen stattfinden muss, die von den Institutionen vorgegeben werden, marginalisiert die Position der Künstler*innen weiter und zwingt sie in eine Konkurrenz, bei der eher die Fähigkeit gefördert wird, die richtigen Worte für die richtigen Menschen im richtigen Moment zu nutzen, als eigenständige künstlerische Vorstellungen umzusetzen.</p><p>Mit den apokalyptischen tänzerin*nen finden wir dieses Jahr heraus ob im Lachen mehr als eine Coping Strategie versteckt ist. Damit starten wir mit dem Podium zu den Politiken des Lachens am 10.2.2026 im Renitenz Theater in Stuttgart um 19 Uhr.<br/><br/>Am 16.06.2026 werden wir dann mit einer Produktion im Renitenz Theater das Lachen und gemeinsam Politisch sein in den Fokus nehmen. Als Gegenangebot zu der Fußball WM der Männer beim Autokraten Trump. <br/><br/></p><p><strong>Termine für die Zukunft:</strong><br/>Ich freue mich im Herbst mit zwei Arbeiten im Württembergischen Kunstverein vertreten sein zu dürfen. <br/>Zum einen werden wir mit die apokalyptischen tänzerin*nen <strong>WILDE ÖKOLOGIE</strong> am <strong>12./13.12</strong> wiederaufnehmen und die anarchistischen Meisen gemeinsam mit AMG wieder fliegen lassen. <br/>Zum anderen arbeite ich gerade an einer Installation „keine heimat, ein zuhause“ für den WKV die im Herbst im Rahmen des 200 Jahre WKV ausgestellt werden wird und sich mit der Zukunft von Kunstinstitutionen beschäftigt.<br/></p><p><strong>Jobs suche.</strong><br/></p><p>Nach wie vor suche ich nach einem oder zwei Jobs/Aufträgen für März und April. Als Regie oder Dramaturgie, aber auch gerne als Regie- oder Dramaturgieassistenz. Solltet ihr gerade einen festen Job haben, aber keine freien Stellen/Aufträge, unterstützt mich gerne mit einem Abo bei Steady und empfehlt mich weiter &lt;3</p><a href="https://steady.page/de/dran-bleiben/about">https://steady.page/de/dran-bleiben/about</a><p><br/></p><p>„we care for people in need – and we are the chaos!“</p><p><br/></p><p>free maja</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 06 Feb 2026 19:42:47 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[remember // resist // represent]]></title>
      <description><![CDATA[Drei Worte. Ein schöner Dreiklang. Eine schöne Alliteration. Was wollen diese drei Worte von mir, von Theaterschaffenden? Was bedeuten sie? Sind sie im Theater überhaupt…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Drei Worte. Ein schöner Dreiklang. Eine schöne Alliteration. Was wollen diese drei Worte von mir, von Theaterschaffenden? Was bedeuten sie? Sind sie im Theater überhaupt am richtigen Platz? Theater und Theaterschaffende erzählen sich und denen, die zuhören, gerne die Geschichte, dass das Theater ein Ort des Erinnerns, des Widerstands und der kritischen Reflexion der Gegenwart ist und schon immer war. Theater wird dabei als Repräsentant des Guten und des politisch Richtigen erzählt. Diese Erzählung bekommt nicht erst dann Risse, wenn man sich anschaut, wie mit Fällen von Machtmissbrauch, mit der Auswahl von Stücken und der Auswahl von Regisseurin*nen oder eben in den meisten Fällen Regisseuren umgegangen wird. Diese Erzählung ist grundlegend in Frage zu stellen. Die Theaterlandschaft, wie wir sie in Deutschland kennen und offensichtlich auch in Teilen schätzen gelernt haben, sonst würden wir uns nicht in dem Berufsfeld der Dramaturgie bewegen, geht zurück auf die Gleichschaltung der Theater in der NS-Zeit, in der der Berufszweig Dramaturgie seine Macht gewonnen hat. Dramaturgie als diejenigen, die darauf zu achten hatten, dass das Theater regimetreu bleibt, im Spielplan, beim Ensemble und bei der Einladung von Regisseurin*nen. Wenn Theater und die Dramaturgie Remember und Resist ernst nehmen wollen oder als Forderungen verstehen, müssten sie also an dem Abbau dieser Positionen oder mindestens der Chefdramaturgie arbeiten. Sie müssten beginnen, sich und die Art, wie sie ihre Spielpläne gestalten, grundlegend zu befragen und dies auch offensiv nach außen zu tragen. Remember, resist und represent sind politische Forderungen. Politisch in dem Sinne, dass sie zur Handlung und zur Praxis aufrufen. Vor allem remember und resist finden sich im Kern vieler progressiver Kämpfe. „Nie wieder ist jetzt“, „Kein Vergeben, kein Vergessen“, „Ni una menos“, „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“, „Stonewall was a riot“ und vielen weiteren. Sie schöpfen aus der Analyse der Vergangenheit und der Gegenwart ihre Kraft für und die Notwendigkeit nach gesellschaftlichem Wandel. Sie lassen sich für die Verteidigung ihrer Werte beschimpfen, verspotten und schlagen. Wie zuletzt bei der Demonstration gegen den AfD-Parteitag in Riesa. Sie machen ein Angebot für eine solidarische Zukunft, in der Ausgrenzung, Diskriminierung, Ungerechtigkeiten und Hass keinen Platz haben. Aber was genau machen da die Theater? Was genau machen da Dramaturgin*nen? Theater zeigen sich nur selten wirklich offensiv als Widerstandskämpferin*nen. Widerstand entsteht bei Theaterinstitutionen offensichtlich häufig aus der Angst heraus, dass ihre Mittel gekürzt werden. Was Theater sich aber nach wie vor selten trauen, ist, sich offensiv für eine andere Art des Leitens, des Theatermachens einzusetzen. Eine gute Dramaturgie müsste sich fragen: Wie schaffen wir es, ein Umfeld für Theaterschaffende zu schaffen, in dem die meisten nicht in Prekarität arbeiten müssen und es einige wenige Gewinnerin*nen gibt, sondern von der Position der Sicherheit aus Theater gemacht wird, das an einer anderen Gesellschaft arbeitet. Theater könnten damit beginnen, sich selbst umzubauen und nicht versuchen, nur den Status quo behalten zu wollen. Sich nicht von der Politik verwirren zu lassen, sondern an einem Theater zu arbeiten, das sich immer auch ein bisschen selbst herausfordert, wie es Heiner Müller im Bezug auf seine Texte beschrieb. Ein Anfang dafür wäre, die Strukturen der Dramaturgie in den Stadt- und Staatstheatern stärker herauszufordern. Braucht es diese überhaupt in der jetzigen Form noch? Was bedeutet ihr Gate-Keeping für die Weiterentwicklung des Theaters als Form? Bräuchte es nicht vielleicht eine hierarchiebefragende Dramaturgie, die ins Haus geholt wird und dafür festangestellte Regisseurin*nen? Oder Dramaturgie- und Regie- und Bühnenbild-Teams auf den jetzigen Dramaturgie-Fluren der Theater? Nur dann können Theater auch ernsthaft Repräsentanten für eine gerechtere und gleichere Gesellschaft werden und in der Befragung der gegenwärtigen Gesellschaft ernst genommen werden. Denn dann wäre die Antwort auf erstarkende faschistische Bewegungen nicht Strauß und Wagner auf den Spielplänen oder &quot;Kleiner Mann, was nun?&quot; als verkürzte Faschismusanalyse. Sondern ein Theater, das an Formen forscht und Texte inszeniert, die das Sprechen unterbrechen, die Geschichten der Gegenwart herausfordern und nach einem anderen Miteinander fragen.</p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 07 Feb 2025 11:17:41 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Vielleicht ein neues du]]></title>
      <description><![CDATA[Freundin*nen werden Vorbemerkungen. Der hier vorliegende Text entstand im Rahmen der Arbeit an der Performance "alles was schön ist" der apokalyptischen tänzerin*nen,…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h5><mark style="background-color: rgb(242, 221, 236); color: inherit">Freundin*nen werden</mark><br/></h5><p><em>Vorbemerkungen.<br/>Der hier vorliegende Text entstand im Rahmen der Arbeit an der Performance &quot;alles was schön ist&quot; der apokalyptischen tänzerin*nen, die im März 2024 am Theater Rampe Premiere hatte. Er diente in der Performance als Abschluss des Bühnengeschehens und leitete in ein gemeinsames Gemüsesuppe essen über. Umgeben von den Gesprächen des Publikums und den Teppichen der Bühneninstallation von </em><a href="https://sophiasadzakov.com/alles-was-schoen-ist/"><em>Sophia Sadzakov </em></a><em>entstand bei mir der Glauben daran das es sich lohnt weiter zu machen mit Heiner Müller gesprochen. </em><br/>“<em>Ich möchte von dir umgeben sein” steht auf T-shirts, die ich gemeinsam mit </em><a href="https://www.instagram.com/yoooncafloria/"><em>Yonca</em></a><em> gestaltet habe. Diese T-shirts gibt es ab jetzt bei mir zu kaufen. Es ist ein Versuch schönes zu vermehren und einen Umgang mit Kleidung zu finden die ich nicht mehr trage. Der folgende Text begleitet die T-shirts, gemeinsam mit dem Rezept für die Suppe. Heute schrieb </em><a href="https://www.rebekkaendler.com/"><em>Rebekka Endler</em></a><em> “Wir werden den Rest unseres Lebens damit verbringen aktiv &amp; ohne Unterlass gegen Faschismus zu kämpfen” und </em><a href="https://japanik.space/"><em>Ja, Panik</em></a><em> veröffentlichten ein Statement in dem auch sie dazu aufrufen sich aktiv zu wehr zu setzen. Dabei betonten sich gleichzeitig, dass das nur geht, wenn wir auch auf ästhetischer Ebene den Kampf führen. “</em><a href="https://japanik.space/"><em>We need music as much as we need each other.”</em></a><em> Antifaschistischer, Queerer, Antiableistischer, antirassistischer, antikapitalistischer Widerstand ist vielfältig und muss vielfältig bleiben. “Vielleicht ein neues du” stellt die Frage nach der Möglichkeit von Freundin*nenschaft. Alles was wir können ist Banden Bilden. Angstfrei auf einander zu gehen. Ich möchte von euch umgeben sein und gemeinsam an der Gegenwart arbeiten. Denn diejenigen, die es derzeit tun, die zerstören die Gegenwart und die Zukunft gleich mit. Fühlt euch umarmt. Wenn ihr wollt. Ich denke an euch.</em></p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/1f351d81-1007-4466-a712-7539e05a0559/uploads/images/nybc3tp6js/Alles_was_schon_ist_GP_1276.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>&quot;alles was schön ist&quot; credits: Dominique Brewing</figcaption></figure><p>Der Bühnenraum, ausgelegt mit Teppichen, von den Hinterhöfen, den Sperrmüllsammlungen, den Kellern Stuttgarts, liegt noch leicht im Nebel. Im Raum verteilt glimmt Licht von Stehlampen. Gerade ist ein Pilzputzer durch den Nebel gelaufen und hat von ihrer Erfahrung als Pilzputzerlehrling in Dresden erzählt. Arbeitskampf. Pilzputzer dieser Welt, vereinigt euch. Wir sind in die Küche gegangen. Irgendwer muss ja auch das Essen bereitstellen für die Revolution. Wenn es keine Falafel gibt, ist das nicht meine Revolution schreibt eine Freundin*. Wir schnibbeln, erhitzen das Fett, erhitzen die Zwiebeln, bis sie glasig werden. Zucchini warten auf ihren Einsatz. Aubergine liegt zufrieden in ihrem Peeling und die Tomatensoße freut sich darauf, sich zu verbinden. Welche Gewürze müssen denn unbedingt in die Soße? Welche Erinnerungen wollen wir hier wachrufen?</p><p>Bei der Großmutter rühren, aus Versehen den gesamten getrockneten Rosmarin aus der Gewürzverpackung in den Topf fallen lassen? Große Augen beim ersten Mal Tiramisu?</p><blockquote><p>Ich sitze rechts, zwischen der Tür und dir und dir gegenüber. In meinem Rücken stehen Salate. Auf dem Tisch steht Borscht nach Familienrezept.</p></blockquote><p>Ich sitze rechts, zwischen der Tür und dir und dir gegenüber. In meinem Rücken stehen Salate. Auf dem Tisch steht Borscht nach Familienrezept<br/>Es riecht nach Lasagne aus dem Backofen. Wir schenken uns gegenseitig Rotwein ein. Gestern saßen wir hier noch und haben uns gefragt, wie wir weiterdenken können, gemeinsam, weit entfernt voneinander, getrennt durch Entscheidungen, von denen wir das Gefühl haben, sie treffen zu müssen, zu wollen, um nicht das Gefühl zu haben, auf der Stelle zu stehen, sich weiter zu bewegen, sich zu bilden und Neues zu lernen. Auch ich habe das Gefühl, dass sich etwas verändern muss. Irgendwie an dieser feindlichen Feld partizipieren.</p><p>Steuererklärung abgeben, Miete bezahlen und den Lieblingssport im Fernsehen sehen. Vor ungefähr 4 Monaten konnte ich meinen Master abschließen. Eigentlich sollte das eine Befreiung sein. Eigentlich hatte ich das als Befreiung gedacht. Nicht mehr gebunden an die einengenden Konzepte der Lehre. Nicht mehr aufgehalten von ermüdenden Pflichtveranstaltungen. Die 3 Jahre Pandemie abstreifen und wie Venus aus den Wellen steigen. Endlich eigenständig sein. <br/>Wir sitzen in dem Wohnzimmer über dem anderen Wohnzimmer, vier du’s, vier Vertraute, vier Freundin*nen, ein wir und viele wirs. Hören uns zu. Versuchen uns zu unterstützen, uns Mut zuzusprechen, nicken, sind erschrocken, fühlen miteinander und wissen, dass das wieder nur die Oberfläche ist, von der wir hier heute hören, eine Auswahl, um zu klären, wo wir stehen, wie es uns geht, was wir mit uns herumtragen. Wie wir uns gerade in den Großstädten bewegen, in denen wir leben, wie wir uns mit dem Staat arrangieren, der sich um uns legt und unsere Leben mit organisiert.</p><p>Bald muss ich wieder weiter.</p><p>Muss mich in meine Arbeit begeben.</p><p>Umarmen, zuhören.</p><p>In deiner Ausstellung lerne ich von einer Telefonkette. Lea Shnitzer führte sie ein. Im Frankfurt der Nachkriegszeit. Neben der Information steht ein Telefon mit Wählscheibe. Es erinnert mich an meine Kindheit. Das Telefon, das neben dem Informationstext steht, ist Grün. Das in meiner Erinnerung ist Weiß mit schwarzen Tasten. Das grüne Telefon wurde von der Sozialabteilung der Jüdischen Gemeinde Frankfurt dafür genutzt, um Holocaust-Überlebende, die ihre Familien verloren hatten und deswegen isoliert und abgeschottet lebten, anzurufen. Alle Teilnehmerin*nen riefen sich täglich an, hörten sich zu, schwiegen, erzählten belangloses, erzählten wichtiges, bestätigten, dass alles in Ordnung sei, oder erzählten von Krankheiten, die sie gerade bedrückten. Dann wurde die Sozialabteilung informiert und kümmerte sich um die Erkrankten. Auf dem Schild neben dem Telefon steht, dass das für viele der einzige Kontakt des Tages war. Nicht viel, aber wenigstens Teil einer Telefonkette, angebunden und initiiert von der Gemeinde, um sicherzugehen, dass niemand vergessen würde. Keine direkte Freundin*nenschaft, eher eine Art der Gemeinschaftspflege. Eine Praxis der ausgebreiteten Arme.</p><blockquote><p>Keine direkte Freundin*nenschaft, eher eine Art der Gemeinschaftspflege. Eine Praxis der ausgebreiteten Arme.</p></blockquote><p><br/>Vielleicht müssen wir ein neues Du entwickeln.<br/>Draußen Trecker. Es hupt. Sprache, die dazu da ist zu hetzen. Der Januar ist gefüllt mit Hupen, AfD-Schlagzeilen, Streiks, Demonstrationen, Kriegen, kommenden Kriegen, Hupen und Streiks. Reagieren. Wieder auf das Rauschen von rechts reinfallen. Störgeräusche, die das Land regieren. Mely Kiyak sagt, wir sind befreundet, aber ich bin alleine. Dies ist ein rechtsextremes Land, eine rechtsextreme Gesellschaft. Hier herrscht keine Gefahr vor dem Rechtsruck. Ihr seid weit weg. Ich komme hier nicht los. Langsam geht mein Geld zur Neige. Meine Dusche geht nicht. Ich vermisse, bei Wizzard zu verlieren. Eine Schwachstelle in der Crew zu sein und zu versuchen, den 9. Planeten zu entdecken. In verschiedenen Formen bekomme ich von deinem und deinem und deinem und deinem Leben mit, eine gut geschnittene Soap auf vielen Apps, Kontakt dann, wenn die Lücke zu groß wird, wenn da Fragen auftauchen in den Plottwists. <br/>Was bedeutet Freundin*nenschaft für das 3. Jahrzehnt im 21. Jahrhundert? Aneinander angelehnt, nicht vom gemeinsam sein profitieren müssen. Vielleicht ist es unbezahlte Arbeit, aber sie nicht zu tun, ist auch keine Lösung. Wie das Essen zuzubereiten, das Geschirr zu waschen. Irgendwer muss es machen. Wenn für die, die nicht raus können, nicht mitgekämpft wird, ist das nicht meine Revolution. Freundin*nenschaft für das 3. Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts. Vielleicht liegt in dieser Beziehung eine Möglichkeit. Eine Möglichkeit, zusammen unterschiedlich zu sein. Zusammen vieles zu brauchen. Gemeinsam die Zukunft bauen. Getrennt und zusammengebracht durch Bahnschienen.</p><p>Du hast gesagt, dass die, die das hier schafft, erfolgreich ist, von ihrer Kunst so richtig leben kann, oder mehr als Leben eigentlich, kann. Dass die uns allen ein großes Haus auf irgendeiner Insel kauft, oder auf einem Hügel, irgendwo und wir dort gemeinsam alt werden können. Wir sitzen in einem Café. Du und ich, das ein Du ist bei dir. Ich musste weg aus dieser Stadt, in die ich sogerne wiederkomme, weil ich in ihr die Freundin*nenschaft gefunden habe, die unter dem Verwirrtsein, unter dem Suchen, unter der Hoffnung nach einer gerechteren Welt liegt.</p><p>Irgendwo habe ich aufgeschnappt, dass Freundschaften mehr romantisiert werden müssen. Ich will für dich und dich und dich und dich meine Pläne über den Haufen werfen, Züge umbuchen und Arbeitstreffen absagen.</p><p>Ich möchte im Kern des kommenden Kampfes für Umverteilung und Klimagerechtigkeit die Freundin*nenschaft platzieren. Was bedeutet es, wenn das gemeinsame Sein, das sich zusammenfinden, das sich kennenlernen, das sich in die Augen schauen und kritisieren können, das Streiten und Vertragen können, das sich Sorgen, das die Sorgen teilen, das sich Zuhören, das sich Umarmen, das sich Vermissen, das sich Freuen über die gemeinsame Zeit, das im Hier und Jetzt gemeinsam sein, im Mittelpunkt steht? <br/>Sich unsere Leben darumorganisieren? Ich glaube, Freundschaften müssen mehr zur Bedingung werden. Wir müssen beginnen, für Freundin*nenschaften zu kämpfen.</p><blockquote><p>Ich glaube, Freundschaften müssen mehr zur Bedingung werden. Wir müssen beginnen, für Freundin*nenschaften zu kämpfen.</p></blockquote><p>Wir haben begonnen, uns Bücher zu schicken. Kleine Briefe begleiten diese. Kontakt halten. Wissen, dass da jemand sich über das nächste Buch freut. Häufig scheint es unmöglich zu sein, die Kraft, die Zeit für einen Anruf aufzubringen. Uns kurz zu schreiben. Aber alle paar Wochen kommt ein neues Buch.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/1f351d81-1007-4466-a712-7539e05a0559/uploads/images/juc2vixfm6/IMG_20250106_140217.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 21 Jan 2025 17:46:49 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[leeres staatstheater?]]></title>
      <description><![CDATA[Ohne Kulturförderung wird es vermutlich nicht still. Es wird anders. Theater hört nicht auf zu existieren, nur weil die Regierenden sich dazu entscheiden]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Seit einigen Jahren denke ich darüber nach, wie das Theatersystem in Deutschland verändert, reformiert oder überdacht werden kann. Wenn ich es zurückdatieren müsste, dann würde ich vermutlich Anfang der Pandemie landen und am Ende der ersten Lockdowns, als die neue Leitung des Schauspielhauses Zürich Bojana Kunst beauftragt hatte, über das Theater des Lockdowns nachzudenken und dieses herauszufordern. Wie sieht ein Theater aus, das sich kümmert, das den Care-Begriff stark macht und sich auch ästhetisch mit Sorge-Fragen beschäftigt. Theater der Sorge. Die Beschäftigung mit Sorge und den Problemen, die der Care-Begriff mit sich bringt, traf auf die eigene Erschöpfung nach 4 Jahren non-stop-Arbeitens und Theatermachens und Konzepte-Erdenkens. Erschöpft nicht nur von der Arbeit am Produkt an sich, sondern erschöpft durch die Verkomplizierung, diese Arbeit überhaupt in Gang setzen zu können. Also der Arbeit an der Bürokratie. Eine Kritik, die „freie Theaterarbeit“ mit sonstiger subventionierter „freier Arbeit“gemein hat, von der sich aber sowohl die Theatermachenden als auch die übrigen subventionierten Betriebe unterscheiden wollen und vermutlich auch in vielem unterscheiden. Aber eben nicht in der Bearbeitung eines bürokratischen Apparates. Meine Erschöpfung und die staatlichen Maßnahmen zum Umgang mit der weltumspannenden Pandemie trafen auf eine Kulturpolitik, die sich fürchtete, die Kunst- und Kulturszene in Deutschland nachhaltig zu verlieren durch Abwanderung und Umschulung in andere Arbeitsbereiche. Dieser Sorge begegnete die Kulturpolitik, durchaus auch gefordert von den Kulturschaffenden, durch Sonderfördermaßnahmen. Diese sollten die Kulturschaffenden zugleich befrieden und aktiv halten. Dafür wurden die zuvor auf Formen der Produktionsförderung ausgelegten Förderprogramme auf Förderprogramme der Recherche und der Forschung umstrukturiert wodurch sie Arbeit sichtbar machten, die sonst nie bezahlt oder wertgeschätzt worden war.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c307bf47-9df9-44b9-956f-5acf26ebc336/uploads/images/bywyqnqric/52922852068_3de08232bd_o.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Die Theaterszene blieb größtenteils erhalten. Es gab kaum Gruppen oder Häuser, die während der Corona-Pandemie aufgaben oder schließen mussten. Das kommt danach. Das kommt jetzt. Allerdings nicht, weil es kein Interesse mehr an Theater gibt. Derzeit werden Förderungen und Fördermaßnahmen gestrichen. Kulturpolitik scheint keine Argumente mehr zu haben, um die Kürzungen aufzuhalten. Auch die Proteste, die seit Monaten versuchen, den Abbau von Theater aufzuhalten, stoßen auf eine Politik, die diese Proteste nicht ernst nehmen will. Der vorgelegte und nur noch durch die RegierungsKoalition im Abgeordnetenhaus zu beschließende Haushaltsentwurf für das kommende Jahr für Berlin, die komplette Kürzung eines der wichtigsten Kooperationsnetzwerke der Freien Szene durch den Bund, die Kürzungen in Köln und die kommenden Kürzungen in Sachsen und sehr konkret im kommunalen Haushalt von Plauen sowie viele weitere anstehende Kürzungen in den Haushalten vieler Gemeinden, Städte und Länder, gerade auch in den neueren Bundesländern, machen eine Tendenz sichtbar, die es schon lange in Bundesländern, Städten und Kommunen mit ideenloser Kulturpolitik gibt. Als erstes wird immer dort gespart, wo es am wenigsten Wirkung für den Haushalt hat (Dem Bereich der Kultur stehen weniger als 2 % der Haushalte zur Verfügung. Damit wird zum Großteil das Betreiben und die Instandhaltung der für die Kultur zur Verfügung stehenden Infrastruktur gesichert, das Kunst-, Theater-, Kulturmachen muss wiederum mit einem Bruchteil des Budgets auskommen), wo es aber am meisten Wirkung für den Apparat entfaltet: Bei Kunst und Kultur.</p><p>Das kann man bedauern. </p><p>Das kann man schlecht finden. </p><p>Das kann man für falsch halten. </p><p>Und das bedeutet sehr konkret den Abbau von Arbeitsplätzen und Arbeitsmöglichkeiten. </p><p>Aber es stellt auch eine Frage, die in den Protesten und Beiträgen zu diesem Thema selten offen ausgesprochen wird. Welche Rolle haben Theater und Kunst in der Gesellschaft? Welche Rolle sollen Theater und Kunst in der Gesellschaft einnehmen?</p><p>Das Theatersystem, in dem wir, die in Deutschland ausgebildet worden sind oder in Deutschland tätig sind, uns bewegen, ist nicht aus Gutmütigkeit oder Solidarität heraus so subventioniert. Genauso wenig wie die Ernte der Bauern nicht einfach aus Lust und Laune heraus subventioniert ist oder Schulen nichts (kaum etwas) kosten für die Schüler*innen. Theater wird subventioniert, weil es nach dem Zweiten Weltkrieg die Stimmung gab, dass ein breites Theatersystem in Deutschland dazu beiträgt, Demokratie voranzubringen und diese zu unterstützen. Ob das stimmt, oder ob es erfolgreich damit war, das ist eine andere Frage, auch darüber wird nicht gesprochen. Theater in Deutschland gehört seit Lessing zu dem bürgerlichen Macht- und Ideenapparat. Das Theater, das sich aus den vielfältigen Theaterformen der frühen Neuzeit herausgeschält hat und sich ganz bewusst gegen bestimmte Formen der Darstellung gewandt hat (Harlekin zum Beispiel), ist eines, das mit einem ganz klaren Auftrag bestückt ist, nämlich der kulturellen Produktion und Reproduktion der bürgerlichen Gesellschaft. Es gibt hier natürlich Weiterentwicklungen und Rahmenbedingungen, die sich geändert haben, aber in den Argumenten gegen eine Kürzung der Subvention des Theatersystems ist der Bezug auf das Erbe und die Funktion des Theaters als eine sich positiv auf die Gesellschaft auswirkende Form immer präsent. Nun ist es auffällig, dass die Partei der Bürgerlichkeit schlechthin das Theater in Berlin, so wie es ist, abschaffen möchte. </p><p>In Berlin möchte eine CDU-geführte Regierung eben jenes Theater nun soweit hinunterstutzen, dass die Möglichkeit der Reaktion auf und der Gestaltung von Gesellschaft nicht mehr möglich ist. Und vielleicht ist das auch ein Hinweis auf etwas, das größer ist, als das Theater an sich. Das, was wir hier sehen, ist der Abbau derjenigen bürgerlichen Gesellschaft, die nach der NS-Zeit auzubauen versucht wurde. Sie wird, zusammen mit dem Sozialstaat beiseite geschafft für eine rein markwirtschaftliche Freiheit. Was wir sehen ist eine Politik, die auf Vereinzelung setzt und die dafür Orte abbaut, an denen sich getroffen, diskutiert und hinterfragt wird und werden kann. Hier wird etwas umgebaut. Grundlegend. Es gibt keine sogenannten Sachzwänge einer Politik, die sparen muss. Sachzwänge sind ein argumentatives Täuschungsmanöver. Sollte es ein Interesse daran geben, das System, mit seinen Werten und seinen Orten, an denen diese Werte diskutiert und ästhetisch befragt werden, in dem wir leben, erhalten bleiben soll, dann gäbe es durchaus andere und nachhaltigere Modelle der Geldbeschaffung. Milliardäre zu Millionären zum Beispiel.</p><p>Und auch wenn die Theaterschaffenden in ihrem vorauseilenden Gehorsam direkt Vorschläge machen, wie die Theater vielleicht doch noch zu retten sind, Kooperationen zwischen den Häusern, Abbau der Studiobühne, Einsparung durch weniger Programm, führen diese nicht zu einer Umkehr dieser Politik. Es ist ein Irrglaube, dass der Sparkurs der Politik dazu führt, dass Schulden abgebaut werden. Sie werden umgeschichtet und gehen zulasten von Einkommensschwachen. Damit ist es auch ein Irrglaube, dass die Politik irgendwann wieder die Förderungen für die Theater anheben wird, wenn der Haushalt wieder ins Plus kommt. Warum sollte sie? Theater arbeiten schon jetzt am Limit. Nur ein kleiner Teil der in den Hochschulen ausgebildeten Theatermachenden kann vom Theaterschaffen leben. Freien Theatermachenden stehen in guten Jahren ungefähr 13.000 Euro durch Theaterschaffen zur Verfügung. Theater, die nun auf Kooperationen setzen, also weniger produzieren, also weniger Künstler*innen bezahlen müssen oder Theater, die experimentelle Bühnen abschaffen, liefern der Politik die Beweise, dass das Theater also auch mit weniger Geld weiter funktionieren kann. Warum sollte es dann eine Politik, die sich jetzt nicht für Kultur für alle interessiert, sich irgendwann für Kultur für alle interessieren? In Berlin werden durch den Abzug von Förderung Programme gestrichen, die eine kulturelle Teilhabe (ein Menschenrecht) für alle ermöglichen sollen. Die Kultur der subventionierten Häuser wird damit (wieder) etwas, das nur wenigen zur Verfügung stehen soll, und diese wenigen sind gutverdienend, nicht behindert und vermutlich in den meisten Fällen nicht von Rassifizierung betroffen. Wer aber eine vielfältige Theaterlandschaft haben möchte, die in der Tradition des bürgerlichen Theaters steht, sich also immer weiter befragt, das Publikum herausfordert und den politischen Diskurs reflektiert, der muss das Theater weiter und vielfältig subventionieren. Wer das nicht möchte, wer meint, dass das Theater und die bürgerliche Gesellschaft nicht mehr gewollt sind, der sollte sich auch fragen, ob nicht besser alle Ausbildungsinstitutionen, die auf ein Leben in diesem Theatersystem vorbereiten, überhaupt noch betrieben werden sollten. Denn sie bereiten auf etwas vor, das scheinbar keinen Platz mehr hat.</p><p>Ohne Kulturförderung wird es vermutlich nicht still. Es wird anders. Theater hört nicht auf zu existieren, nur weil die Regierenden sich dazu entscheiden, dass Theater nicht mehr Teil von staatlich ermöglichter Öffentlichkeit sein soll. Theater verändert sich und erfindet sich neu. Und das macht Angst und führt dazu, dass man sich verarscht und verloren fühlt. Es zerstört eine Illusion der Gesellschaft, dass Teilhabe gewollt ist. Es macht viele, die eh am Existenzminimum leben, zu Arbeitslosen und es zerstört nachhaltig mühselig aufgebaute Netzwerke und Selbstverständnisse. Es führt dazu, dass Theater sich entscheiden muss, ob es reines Unterhaltungstheater sein will oder arm. Aber es ist nicht das Ende des Theaters. <br/>Leeres Staatstheater, volle Off-Bühne. <br/>Auf der Bühne stirbt eine Schauspielerin nach den Regeln ihrer Kunst und stirbt nochmal und nochmal und nochmal. <br/>Aus ihrer angemalten Wunde läuft Blut in das überfüllte Wohnzimmer<br/>das lacht unsicher ob es lachen sollte <br/>und die Schauspielerin stirbt und stirbt und stirbt und stirbt.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 25 Nov 2024 15:10:27 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[absurdes dokumentarisches theater]]></title>
      <description><![CDATA[Wir sind am Ende. Aus dem Boden kriecht eine Blaskapelle, lauscht der stummen Musik, die aus der Hinterbühne zu kommen scheint. Irgendwo tanzt ein ehemaliger…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wir sind am Ende.<br/>Aus dem Boden kriecht eine Blaskapelle, lauscht der stummen Musik, die aus der Hinterbühne zu kommen scheint.<br/>Irgendwo tanzt ein ehemaliger Präsident, weicht fragen aus, wird vielleicht gewählt und in den Wäldern der Adligen liegen auf einer Lichtung kleine Oasen.<br/>Im Takt klatscht</p><p>das Publikum</p><p>Es freut sich über ausfallende Zähne.</p><p>Das Publikum. Alleine im dunklen Saal. Niemand wird dir Helfen nur du selbst. Selbst ist gerade<br/>nicht erreichbar. Das essen ruft. Und wenn sie nicht gestorben sind dann sterben sie noch immer. Beleidigt versucht eine Blaskapelle in die Spree zu springen. Doch es fehlen Fenster an denen eine Blaskapelle hängen bleiben würde mit ihrem Blech. Lieber Teer heraus fräsen. Lieber drüber fahren. Lieber Ohrfeigen. Wir kleben hier und haben Angst vor den Folgen.</p><p>UND</p><p>Natürlich ein Chor.<br/>Und dann können wir endlich anfangen.<br/>Und den Satz ertragen wir jetzt auch noch.<br/>Denn jedem Zauber</p><p><strong>Die Gegenwart.</strong></p><p>Sie ist selten wirklich auszuhalten. Den einen scheint sie komplexer zu werden. Gleichzeitig wird sie immer eindimensionaler. Widersprüche will niemand mehr aushalten. Debatten sind eine Pro undContra-Liste, die sich anschreit und glaubt, dass die eigene Seite das Pro-Argument ist. Die ganze Welt eine Bühne. So hatten wir uns das aber nicht vorgestellt. Ich glaube an die Möglichkeit des Theaters, des gesprochenen Wortes, der geteilten Anwesenheit, dem gemeinsamen Fühlen, dem sich aneinander vorbeiquetschen, um den Platz in der Mitte einnehmen zu können, dem sich entschuldigen, dem sich atmen hören und dort einen Schauspieler als Schauspielerin sterben sehen nach allen Regeln ihrer, seiner Kunst. Zusammenkommen. Während die Kürzungen des Kulturetats in seltsamen vorauseilendem Gehorsam den „meine Freiheit ist die Freiheit, deine Freiheit zu beschränken“-Parteien geschieht, stellt sich die Frage, wie wir Theater der Zukunft machen wollen.<br/>Nicht als Frage der Krise. Der Krisen. Das kann keiner mehr hören. Sondern als Frage der Widerständigkeit, des Feierns der Widersprüche, der Solidarität und des unruhig Bleibens. Vor etwas mehr als 100 Jahren begann Piscator eine Form zu begründen, die er sich beim Arbeiterin*nen Theater* des roten Berlins, aber vor allem bei Büchner lieh. Das dokumentarische Theater. Politische Inhalte und Dokumente, interpretiert, ausgesprochen und in Szene gesetzt. Komplexe, konkrete politische Fragen auf der großen Bühne mit der neuesten Technik der Zeit besprechen. Etwas früher, während der 1. Weltkrieg das Schrecken in die Städte brachte, schien es einer kleinen Schweizer Gruppe die einzige Möglichkeit, das Politische durch die Absurdität der Form verarbeiten zu können. Und zeitgleich zu Piscator schrieb Daniil Charms in Sankt Petersburg/Leningrad an einem Theater, das sich den Zensuren und der Einheitlichkeit des Denkens der Zeit widersetzte. Und sich und den Leserin*nen und Zuschauerin*nen* Fragen des relativen und absoluten Wesens stellte.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 04 Nov 2024 15:18:57 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Love Letter To]]></title>
      <description><![CDATA["I dream in colour Hate the summer Please don't tell me this is all that I am It's all that I am" Viel zu spät schreibe ich dir. Seit mehreren Jahren trage ich diese…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p></p><p><em>&quot;I dream in colour<br/>Hate the summer<br/>Please don&#39;t tell me <br/>this is all that I am<br/>It&#39;s all that I am&quot;</em></p><p>Viel zu spät schreibe ich dir. Seit mehreren Jahren trage ich diese Worte in mir, aber es gab nie die Gelegenheit, den Mut, die Zeit, die Kraft, dir das zu schreiben. Die Gegenwart brauchte ungebrochene Aufmerksamkeit. Lohnarbeit, Suche nach mir, konstruierte Zwänge standen immer im Weg.</p><p>Viel zu spät und zu spät.</p><p>Was uns gerade noch verbindet, sind verblassende Erinnerungen und deine Sorge um mich in Instastorys. Verblassende Erinnerungen an Massagen, alleine im Truck, die anderen waren schon vorgegangen, sich abkühlen, sich zurückziehen, vielleicht noch was trinken nach dem gemeinsamen schwitzen. Hinter dem Perlenvorhang eine Massageliege. Wir druksen herum. Unsere Körper aufgeheizt von der Sonne, der Bewegung, dem Tanzbox-Training. Waren wir beim Training schon Sparring Partnerin*nen? Oder kamen wir erst vor dem Truck zusammen? Kreuzten sich unsere Blicke. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern wie wir in den LKW von Pietre und Florentina und Marija geklettert sind. Mona Truck. Wie die anderen gegangen sind und wie ich es geschafft habe, stehen zu bleiben und nicht dem Gruppenzugehörigkeitswunsch nachzugeben und mit der Gruppe zu gehen zum nächsten Event, das mich nicht interessiert. An dem ich nur teilnehme, um nicht alleine sein zu müssen. Denn das macht mir noch mehr Angst als Gruppen. Du fragst ob du oder ich zuerst oder ob ich überhaupt Lust hätte zu massieren oder massiert zu werden. Wir sind unsicher der Zeichen die wir aussenden und die wir lesen. Ich habe Angst, massiert zu werden. und ich möchte nichts anderes als von dir massiert zu werden. Ich habe Angst, dass meine Erregung zu gut sichtbar wird, wenn du mich massierst und wenn ich dich massiere. Wir stehen uns gegenüber, schauen uns in die Augen und ich denke, ich würde dich gerne küssen.</p><p>Ich habe mich noch nicht geoutet, bloß ein paar hints hier und da. Die Angst vor der Ablehnung der anderen ist zu groß, die eigene Sichtbarkeit zu maskulin und auch wenn eine trans* Person es niemandem schuldig ist masc oder femme zu performen &quot;<em>Just because I can intellectualize it doesn&#39;t mean I feel it in my chest&quot;</em>. Und die Angst bleibt real. Auch nicht geoutet der Person gegenüber mit der ich hier, während ich dir gegenüberstehe und dich gerne küssen würde, seit 6 Jahren in einer festen Beziehung bin und mit der ich später gemeinsam herausgefunden habe, dass das Konzept von Paarbeziehung hauptsächlich dazu führt, dass die Kompromisse dort getroffen werden, wo wir denken, dass wir die andere weniger verletzen. Ganz zu schweigen von der Vereinzelung, die durch diese Form entsteht. Nun also von einer geschlossenen zu einer offenen Beziehung gewechselt sind. (Das zu schreiben klingt kleinteilig und langsam und die Idee dass das von anderen Queeren Menschen gelesen wird und als lächerlich verstanden wird, weil das eigene politisch-sein nicht schnell genug ins eigene Handeln übergegangen ist scheint das schreiben darüber noch unmöglicher zu machen, wieder Angst nicht queer nicht trans* nicht radikal genug zu sein.) Veränderung braucht Zeit. Aber die Welt geht unter für so viele gerade. Warum sollte ich Zeit, gerade ich, Zeit haben? Vielleicht wäre der letzte gemeinsame Abend anders ausgegangen, hätte ich mich schon als trans* geoutet, hätten wir schon ein anderes Beziehungsmodell ausgewählt. Der Abend, Nacht, der eigentlich der Morgen nach der letzten Nacht im Sommer 2017 ist. An dem wir uns wieder gegenüber stehen, deine Erregung deutlich zu spüren ist, wir uns küssen, zum Abschied, meine Sachen schon gepackt, der Kuss, abgesehen vom Geschmack nach Alkohol und Zigaretten, perfekt ist, ohne geübt worden zu sein, und ich noch Zeit hätte aber einen Rückzieher mache. Mich dir nicht hingebe. Ich nicht deine Eichel lecke, mit meiner Zunge an ihr spiele und dich lecke. Aber das passiert noch. In einem Monat. <br/>Gerade startet der Sommer noch.</p><p>Noch stehen wir uns zum ersten Mal gegenüber. Ich hole, oder du holst oder wir beide holen oder eine* von uns beiden holt massageöl aus dem hinteren Teil des Trucks. Wieder zögern. Nach meiner Bejahung das ich massieren möchte, legst du dich auf die Liege. Ziehst dein T-Shirt aus, forderst mich auf es dir gleich zu tun, damit das Öl nicht in meinem Oberteil bleibt, aber ich trau mich nicht. Lieber ein fettiges Oberteil als Oberkörperfrei. Mein Bauch, meine Brust sind mir zuwider. Auf Fotos von damals sind meine Wangen leicht eingefallen, meine Augen blitzen und mir passt Kleidungsgröße s, wenn ich eng tragen würde. Ich fühle mich voll, prall, dick, fett, (Keines der Wörter ist grundsätzlich negativ. Von innen fühlt sich die Gesellschaftliche Körperfeindlichkeit, das sich gegen sich selbst richten, trotzdem so an. Besetzt von Großeltern, die Kommentare über den Bauch der Eltern machen, die sich darüber freuen wenn &quot;der Babyspeck&quot; nicht mehr zu sehen ist, Magazine, Videos, Popstars, abnehmvideos, Tests, bei denen man die Haut an den Rippen nach oben zieht und dadurch angeblich schauen kann wie viel körperfett man hat -immer viel, weil immer haut nach oben zu ziehen ist an der Stelle. Irrational. Feindlich. Internalisiert.) eklig und abstoßend. Mein T-Shirt bleibt als Schutz an. Ich verteile das Öl auf deinen Schultern, deinem verschwitzten warmen rücken. Ich knete dich vom Nacken bis zu den Fußsohlen. Du stöhnst. Sagst mir wo ich mich stärker in deine Haut zwischen deine Muskeln graben kann. Ich knete und träume von deinem Körper. <br/>- Ich denke an dich. Immer wieder immer und ich weiß das unsere Zeit vorbei ist. meine Unsicherheiten, meine Ängste, etwas falsches zu machen, zu sagen, zu sein, waren mir wichtiger als mich auf dich einzulassen. Sonnenuntergang, Sonnenaufgang gemeinsam erlebt und uns gefragt, wie weit wir eigentlich schauen können hier oben auf dem Bunker mitten in der Stadt. Viel zu spät schreibe ich dir. Und zum falschen Anlass. Aus einem Text über Freibad, Sommer und Love wurde ein Text über meine Sehnsucht nach diesem Sommer mit dir, über Disphorie über Essstörungen und nicht sichtbare Magersucht, verpasste liebe und Platz zur Sehnsucht. Massier mich noch einmal. In der Hitze der Klimaverbrechen. Im Sturm, zwischen fliegenden Bäumen, in Monas Truck. Ich möchte von dir umgeben sein, dich riechen, mit dir Kaffee trinken und Eis essen, mich an dich anlehnen, von deinem Wissen, deiner Sicht auf die Welt umgeben sein. Meinen Körper bei dir vergessen. Ich möchte dir sagen ich liebe dich und es meinen ohne Exklusivität, aber mit commitment. Ich vermisse dich. Immer und immer wieder. Draußen regnet es während ich das schreibe. Eine angehende liebe ist in der Stadt in der wir uns beide kennen gelernt haben und du bist auch da. Auf einem Rosa Fahrrad und Braids. Ich schicke Fotos vom beginnenden Urlaub an die Person die mir seit 10 Jahren die wichtigste ist um in dieser Welt zurecht zu kommen. Ich schaffe es nicht mehr klar zu denken. In meinem Kopf schwirren mehrere Tode. Sinedad O&#39;Conor, der Tod von zwei liebenden, Queeren, an sich haltenden. Die den Druck ihrer Gesellschaft nicht mehr aushalten konnten, auch im Tod noch versuchend die Gesellschaft zu Queeren, und die Story von einem schwulen Lokführer, der den Personenschaden nicht vereiteln konnte. Eine Therapeutin hat erklärt dass die Präparate der Endokrinologie nicht bei akuten Selbstmord Gedanken raus zu geben sind, weil sie zunächst den Todeswunsch bestätigen könnten. Ich wünschte eine Endokrinologin* und eine Therapeutin* hätten Zeit für mich, denn ich möchte seit langem nicht mehr sterben. Ich muss nicht mehr gerettet werden. Ich brauche nur ein wenig Unterstützung.</p><p>Ich küsse dich zum Abschied. Diesmal lässt du mich stehen. Du bleibst in meinem Herzen. Egal wie kitschig das klingt. <br/>Leise flüstere ich Love you und Hot girl Summer forever. <br/><br/>Dieser Text wurde zuerst im Rahmen der „Sommerakademie - Lernen von Dichter*innen: Freibadgeschichten“ von „Dreaming in Women*“ am 6.9.23 der Öffentlichkeit präsentiert. </p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 19 Apr 2024 13:59:10 +0000</pubDate>
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