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Werkzeugkasten Norbert Elias

Figuration, Macht und Wandel – ein Analyserahmen für Gesellschaft und Organisation

I. Elias im Kontext: Gegen den doppelten Reduktionismus

Norbert Elias nimmt in der Theoriegeschichte der Soziologie eine eigentümliche Stellung ein. Er ist weder Systemtheoretiker noch Handlungstheoretiker – er arbeitet gegen beide Reduktionismen gleichzeitig.

Die Systemtheorie erklärt gesellschaftliche Phänomene aus überindividuellen Strukturen und Funktionslogiken, die unabhängig von konkreten Menschen operieren. Elias hält dagegen: Figurationen haben keine Existenz jenseits der Menschen, die sie bilden. Wer Gesellschaft ohne Einzelmenschen analysiert, arbeitet mit einer Augentäuschung.

Die Handlungstheorie erklärt gesellschaftliche Phänomene aus den Entscheidungen, Absichten und Interessen individueller Akteure. Elias hält auch dagegen: Die Resultante des Handelns vieler Menschen entspricht in der Regel nicht den Absichten eines Einzelnen. Was aus Verflechtungen entsteht, ist strukturelle Emergenz – nicht das Ergebnis einer Absicht, aber auch nicht das Ergebnis einer unpersönlichen Systemlogik.

Der Figurationsansatz ist damit ein dritter Weg: Die Analyse setzt bei den konkreten Beziehungsgeflechten an, die Menschen miteinander bilden – und zeigt, wie diese Geflechte das Verhalten ihrer Mitglieder formen, ohne dass jemand es so entschieden hätte.

Für die Gegenwartsanalyse hat das eine direkte Konsequenz: Dysfunktionalitäten – ob in Unternehmen, politischen Systemen oder Industriesektoren – sind weder durch Personalwechsel noch durch Systemreformen allein zu beheben. Sie entstehen in Figurationen und lassen sich nur durch Transformation der Figuration selbst auflösen.

Kategorie Analytische Werkzeuge

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