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Kollektiv produzieren, solidarisch finanzieren und einkaufen

Liebe Leser*innen,

heute schreibe ich euch aus aktuellem Anlass, denn bis zum 24. Februar habt ihr die Möglichkeit, im Rahmen der SoliOli-Kampagne bestes Olivenöl von griechischen Kooperativen zu bestellen.

Darüber hinaus möchte ich euch auf eine Solidaritätskampagne zur Unterstützung des Ex-GKN Fabrikkollektivs in Florenz aufmerksam machen.

Die SoliOli-Olivenkampagne

Schon im elften Jahr Jahr gibt es wieder die SoliOli-Kampagne, mit qualitativ hochwertigem Ölivenöl und anderen Olivenprodukten sowie Feigen von kleinen griechischen Kooperativen, zu guten Preisen.

Die Kampagne entstand aus dem zweiten großen Solidarische Ökonomie-Kongress Solikon 2015 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) in Berlin. Damals war es auch ein politisches Signal der Solidarität mit denen, die unter den Sparprogrammen und Privatisierungen zu leiden hatten, die Griechenland von der Troika – unter maßgeblicher Mitverantwortung der deutschen Bundesregierung – aufgezwungen wurden. Gemeinsam mit der griechischen Partnerorganisation Dock – einer gemeinnützigen Organisation, die Genossenschaften und andere Organisatonen der Sozialen Solidarischen Ökonomie unterstützt – führt der mittlerweile eingetragene Verein SoliOli seither einmal jährlich gemeinsame Bestellungen durch.

Mit dem Direktimport ohne Zwischenhändler, und mit ihrem unbezahlten Engagement, ermöglichen die SoliOli-Aktiven es den Kooperativen, ihren Lebensunterhalt mit selbstverwalteter Arbeit zu erwirtschaften, und darüber hinaus auf unterschiedliche Weise in die umgebende Gesellschaft hineinzuwirken. Die Produkte kommen von den Kooperativen Modousa (Insel Lesbos) sowie Greenland und Nostos (Messenien auf der Halbinsel Peloponnes), zu denen es weitere Informationen auf der SoliOli-Website gibt.

Die Preise der Kampagne sind – gemessen an der Qualität der Produkte – recht günstig. Auf der Bestell-Seite wird zuerst der Soli-Preis angegeben, der eine freiwillige Spende beinhaltet. Wer dafür nicht genug Geld zur Verfügung hat, kann zu einem günstigeren Preis bestellen. Die Überschüsse gehen an Projekte in Griechenland, überwiegend solche, die Geflüchtete unterstützen. All dies wird auf der SoliOli-Website dokumentiert.

Bestellungen sind mittlerweile nicht nur für Berlin, sondern auch für Aachen, Frankfurt am Main, Köln, Lübeck, Nürnberg, Saarbrücken, Tübingen, und fürs Wendland möglich. Die Lieferung erfolgt jeweils an eine zentrale Abholstelle, und lokale Aktivist*innen organisieren – voraussichtlich Ende April – die Ausgabe an die Besteller*innen.

Mehr Informationen und Bestellung bis 24. Februar 2026: https://solioli.de/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Lastenräder und Solarmodule aus selbstverwalteter Produktion

Seit der Autozulieferer GKN in Campi Bisenzio bei Florenz 2021 die Produktion einstellte, kämpfen die Arbeiter*innen des Betriebs um ihre Arbeitsplätze. Als Fabrikkollektiv haben sie sich mit einer ständigen Betriebsversammlung gegen ihre Kündigung gewehrt. Nun wollen sie eine selbstverwaltete Fabrik aufbauen, und statt für die umweltschädliche Automobilindustrie zu arbeiten, ökologisch sinnvolle Produkte herstellen. Dabei werden sie von Aktivist*innen aus der Klimabewegung unterstützt.

Mit Fachleuten haben die Arbeiter*innen ein tragfähiges Konzept für die Produktion von Lastenfahrrädern und Solarmodulen entwickelt. Für ihre Genossenschaft Ex-GKN For Future (GFF) suchen sie jetzt eine Finanzierung. Es gibt bereits schriftliche Zusagen über Genossenschaftsanteile in Höhe von 1,5 Millionen Euro. Die Banca Ethica ist vom Konzept überzeugt und hat 2,5 Millionen zugesagt, ein Investor möchte mit 2 Millionen einsteigen. Es sieht also eigentlich ganz gut aus.

Aber nun droht der Investor sich zurückzuziehen, wohl auch weil die Genossenschaftseinlagen nicht zügig eingezahlt werden. Das hängt anscheinend vor allem mit den Schwierigkeiten des digitalen Beitritts zur Genossenschaft zusammen, die mit den italienischen Vorschriften zur Verhinderung von Geldwäsche zu tun haben. Der Beitritt kann seit November 2025 über die Plattform Ener2Crowd (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) erfolgen. Allerdings scheitern manche schon an der Registrierung mit persönlicher Identifikation. Auf der GFF-Website (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) ist neben der Plattform auch ein deutschsprachiges Erklärvideo verlinkt – als Browser wird Chrome empfohlen, und eine Kamera ist auch nötig.

Unter dem Video gibt es dann auch einen Link zu dem Bereich der Plattform, wo – nach erfolgreicher Registrierung – die Genossenschaftsanteile erworben werden können. Ein Anteil beträgt 100 Euro, für die Mitgliedschaft sind 5 Anteile, also 500 Euro erforderlich. So können beispielsweise auch Leute mit wenig Geld sich als Gruppe zusammentun, jede*r gibt 100 Euro, und sie treten gemeinsam bei, vertreten durch ein Gruppenmitglied.

Die Genossenschaftsanteile werden haftendes Eigenkapital von GFF, gehören jedoch weiterhin den Mitgliedern. Je nach Gewinnsituation sollen sie moderat verzinst werden. Sollte das Vorhaben nicht zustande kommen, werden die Genossenschaftsanteile zurückgezahlt.

Damit die selbstverwaltete Fabrik möglich wird, bitten die GFF-Arbeiter*innen nun über die Genossenschaftseinlagen hinaus auch um Spenden.

Seit Januar 2026 sammelt Arci diese Spenden für GFF. Arci ist ein gemeinnütziger Zusammenschluss von Vereinen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) in der Tradition antifaschistischer Partisanen, die ein Netzwerk soziokultureller Zentren betreiben. 2015 hat Arci auch griechische Kooperativen unterstützt.

Die Spenden werden digital auf einer Crowdfunding-Plattform gesammelt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Da die Gemeinnützigkeit von Arci bisher in Deutschland nicht anerkannt ist, können leider keine Spendenbescheinigungen ausgestellt werden.

Mit den gesammelten Spenden wird Arci einen kollektiven Genossenschaftsanteil für alle Spender*innen übernehmen, und diese darüber informieren. Sollte das Vorhaben von GFF nicht zustande kommen, wird Arci die Spenden in einen dauerhaften Fonds zur Unterstützung zukünftiger Arbeitskämpfe und Projekte der Reindustrialisierungen von unten einzahlen.

Für beide Wege der Unterstützung dieses selbstverwalteten sozial-ökologischen Fabrikprojekts findet ihr weitere Infos hier: https://insorgiamo.org/germany/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) sowie bei labournet.tv einen ausführlichen Spendenaufruf (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und mehrere Videos über Ex-GKN. Beim labournet.de gibt es ein Dossier, (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)und einen halbstündigen Dokumentarfilm könnt ihr bis zum 13. Oktober 2026 bei ARTE (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) anschauen.

Ermutigend und herausfordernd

SoliOli ist ein Beispiel von vielen, wie Produzent*innen mit solidarischer Unterstützung durch Aktivist*innen und Konsument*innen schon heute eine andere wirtschaftliche Realität schaffen. Sie arbeiten selbstverwaltet, und zwar haben ihre Produkte noch Preise, aber die Härten des Marktes werden durch ein solidarisches Netzwerk abgefedert.

Damit GFF so weit kommt, ist noch viel Solidarität erforderlich.

Im WorkersEconomy-Netzwerk (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), das zuletzt im Oktober 2024 in Barcelona zusammenkam, gibt es weitere Beispiele. Die Bandbreite alternativen Wirtschaftens – nicht nur eine Idee, sondern weltweite Realität – habe ich 2015 in meinem Wegweiser Solidarische Ökonomie (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)aufgeblättert.

Angesichts all der furchtbaren Nachrichten, die mich täglich bedrängen und zur Verzweiflung treiben, retten mich solche Beispiele immer wieder. Ich verstehe sie als Vorgeschmack auf eine Welt jenseits von kriegerischem Patriarchat und ausbeuterischem Kapitalismus, denn sie bezeugen: Eine andere Welt ist möglich! Sie entsteht jedoch nicht von selbst, sondern nur, wenn möglichst Viele einen Beitrag dafür leisten.

In diesem Sinne, und mit der Bitte, euch zu beteiligen, schicke ich euch viele Grüße!

Elisabeth

Sujet Solidarisch Wirtschaften