Teresa ist fünfzig, Mutter und einsam. Sie gönnt sich einen Urlaub in Kenia, wo sie auf eine Gruppe sexhungriger Österreicherinnen trifft, von denen sie erfährt, dass Sex hier käuflich ist. Doch Teresa wünscht sich Liebe, die sie von den aufdringlichen Sexarbeitern aber nicht bekommen kann. Diesen geht es allein um das Geld, das sie ahnungslosen europäischen Frauen aus der Tasche ziehen können.
Paradies: Liebe aus dem Jahr 2012 ist der erste Teil von Ulrich Seidls Paradies-Trilogie und war ursprünglich als ein einzelner Spielfilm mit drei Handlungssträngen geplant. Erst in der Postproduktion entschied sich der Regisseur, die Geschichten auf drei Filme aufzuteilen. Die Titel der daraus entstandenen Trilogie sind von dem Drama "Glaube Liebe Hoffnung" von Ödön von Horváth inspiriert. Das Drehbuch schrieb Seidl zusammen mit Veronika Franz. Neben vielen unbekannten Schauspielern ist der Film mit Margarethe Tiesel, Inge Maux, Maria Hofstätter und Dunja Sowinetz besetzt. Vor allem die Hauptdarstellerin Margarethe Tiesel brilliert hier mit ihrer melancholischen Figur. Sie zeigt eindrucksvoll, dass ihr schonungslose Stoffe liegen - was sie später in Fatih Akins Der goldene Handschuh (2019) erneut bewies.
Mit Sarkasmus, Komik, einer allumfassenden Traurigkeit und ganz ohne Filmmusik wagt sich Seidl mal wieder in menschliche Abgründe: Es geht um Einsamkeit, Leere und Rassismus. Die Österreicherinnen verhalten sich den jungen schwarzen Männern gegenüber wie Kaufinteressentinnen auf einem Sklavenmarkt. Am Strand herrscht Rassentrennung und der Tourismus in Kenia wirkt wie die Fortsetzung des Kolonialismus.
Paradies: Liebe ist menschlich zum Gruseln und filmisch ganz großartig. Mit seinem typischen Dokumentarstil verbreitet Ulrich Seidl einen unbehaglichen Realismus, der - anders als viele Hollywoodfilme - die Realität nicht verklärt, sondern die Menschen und die Welt zeigt, wie sie sind - grausam, ungerecht und liebenswürdig.
https://www.imdb.com/de/title/tt1403214/ (Öffnet in neuem Fenster)