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House of Bellevue / Staffel 1 (2025)

Der neunzehnjährige Emm verlässt nach dem Abitur überstürzt seine Familie im ländlichen Brandenburg und zieht nach Berlin. Dort möchte er sich der Berliner Ballroom-Community anschließen und tanzen. Die Voguing-Choreografin und Hausmutter Lia nimmt ihn unter ihre Fittiche und stellt ihm eine Mitgliedschaft im renommierten Haus Bellevue in Aussicht. Doch die Fassade Berlins glitzert nur von der Provinz aus gesehen. Kein Ort, wo Menschen sind, ist ausschließlich schön. Und so erlebt Emm nicht nur Zusammenhalt und Freundschaft, sondern auch Konflikte und die typischen Probleme in der Party-Metropole.

Die deutsche Fernsehserie House of Bellevue aus dem Jahr 2025 stammt von Regisseur und Drehbuchautor Kai S. Pieck und ist im deutschen Fernsehen einmalig. Pieck, bekannt für die Biografie des Serienmörders Jürgen Bartsch Ein Leben lang kurze Hosen tragen (2002), ist Initiator und Gründer der Queer Media Society (QMS). Hier ist also genau der richtige Mann am Werk. In der Hauptrolle sehen wir Rico-Jarret Boateng als Emm, daneben u.a. Ilonka Petruschka, Nora Henes und die große Florence Kasumba, ein deutscher Hollywood-Export, der zwischen den Brühls und Schweighöfers gerne unter den Tisch fällt. Sie spielte nicht nur in vielen Marvel-Blockbustern mit, sondern ist auch die erste schwarze Tatortkommissarin im deutschen Fernsehen.

Ich liebte die US-amerikanische Ballroom Culture-Serie Pose (2018). Nun haben wir eine deutsche Variante, und die ist großartig. House of Bellevue schafft es, queere Lebenswelten ohne politisch-korrekten Zeigefinger oder Klischees zu zeigen und proklamiert dabei einen breiten Queer-Begriff. "Wie kommst du darauf, dass ich schwul bin?", fragt Emm seinen Freund Djamal in der ersten Folge. Es ist eben nicht immer alles so offensichtlich, wie es der identitätspolitische Baukasten in den Köpfen vieler Leute vorgibt.

Wir erleben im Berlin der Serie kein queerpolitisches Schlaraffenland, in dem Milch und Honig fließen. Auch in der Hauptstadt ist das Leben als marginalisierte Person nicht leicht, vor allem nicht in einer Community, die geprägt ist von Konkurrenzdenken, Hierarchie und Intrigen. Doch bei allem Zank und Streit ist der Zusammenhalt groß in der Ballroom-Szene. Das ist eine der großen Stärken der Serie: die Community wird hier ambivalent präsentiert und somit menschlich und nicht viel anders, als der Sportverein oder irgendeine andere dominanzgesellschaftliche Gemeinschaft. Ein wichtiges Zitat der Serie lautet: "Safe Space is just an Illusion."

Ein bisschen Kritik muss ich dennoch üben. Einige Dialoge wirken ziemlich gestelzt, das ist man von deutschen Serien leider gewohnt. Inhaltlich ist hier alles ein bisschen "too much". Das wiederum kann man der Serie aber nicht wirklich ankreiden. Wo sonst sollten all die erschreckenden und strukturell problematischen Zustände, denen queere, schwarze und migrantische Menschen in Deutschland zum Teil ausgesetzt sind, erzählt werden? In Die Bergretter (2009), Das Traumschiff (1981) oder Die Rosenheim-Cops (2002) sicher nicht.

Was mich persönlich am meisten störte, war jedoch die Sprache, die immer wieder von englischen Begriffen und ganzen Satzteilen durchsetzt ist. Auch wenn junge Menschen so sprechen mögen, aber wenn ein Filmwerk um Inklusion und Akzeptanz bemüht ist, sollte es auch eine Sprache verwenden, die alle verstehen. In den Abschnitten, in denen längere Sätze auf Englisch gesprochen wurden, gab es eine deutsche Untertitelung, warum das nicht immer durchgehalten wurde, ist mir schleierhaft.

House of Bellevue ist auf jeden Fall eine originelle und thematisch einmalige Serie mit sympathischen Schauspielern. Sowas ist selten in der deutschen Fernsehlandschaft und soll wohl auch so bleiben, denn die sechs Folgen wurden nachts auf ZDFneo verpulvert und werden nun in der Mediathek vergammeln. Ein größeres Publikum, was diese Serie verdient hätte, bleibt so leider aus. Hoffentlich wird es dennoch eine zweite Staffel geben.

https://www.imdb.com/de/title/tt28246989/ (Opens in a new window)
Topic Serie