Zur Musik von den Sex Pistols, DAF und Lou Reed läuft eine junge Frau durch das abgefuckte West-Berlin Mitte der 80er-Jahre. Sie ist ein verbindendes Element für videoclipartige Sequenzen von legendären Bands und Künstlern dieser Zeit, wie den Einstürzenden Neubauten, Sprung aus den Wolken, Matador, Mona Mur, Die Haut, Anita Lane, Alex Hacke, FM Einheit und Blixa Bargeld.
Berlin Now aus dem Jahr 1985 ist eine Musik-Dokumentation von Sissy Kelling und Wolfgang Büld. Letzterer ist unter anderem bekannt für die Filme Neonstadt (1982), Gib Gas - Ich will Spaß (1983), Manta Manta (1991) und Penetration Angst (2003). Durch Bülds Œuvre ziehen sich Punk- und Musikfilme wie ein roter Faden.
Die Aneinanderreihung von Musikvideos in Berlin Now mag für heutige Verhältnisse etwas einfallslos und starr wirken, dennoch bietet der Film einen schönen Einblick in die Ästhetik der West-Berliner Underground-Kultur der 80er-Jahre. Etwas wilder und abwechslungsreicher wird es im letzten Viertel des einstündigen Films, wenn die Einstürzenden Neubauten die Doku übernehmen: Blixa Bargeld covert den Cabaret-Klassiker "Der morgige Tag ist mein", die Verbindungsfrau rennt zu "Yü-Gung (Fütter mein Ego)" durch die Stadt und die Industrial-Band feiert auf einer Open-Air-Party zu ihrem Song "Trinklied", als gäbe es kein Morgen.
Berlin Now ist eine musikalische Reise in die Zeit der 80er-Jahre und in die Subkultur West-Berlins. Wer wissen will, was den echten Punk ausmachte und was man einmal unter Underground, Sub- und Gegenkultur verstand, sollte hier unbedingt reinschauen.
https://www.imdb.com/de/title/tt0373716/ (Si apre in una nuova finestra)