Litauen in einem kleinen Schtetl im Jahr 1673: Benjamin und Hanna verloren vor sieben Jahren ihren Sohn. Seitdem verhütet Hanna heimlich, weil sie Angst davor hat, wieder ein Kind zu verlieren, und lauscht den Predigten des Dorfrabbiners, der den Männern die Geheimnisse der Kabbala lehrt. Als eine Horde Christen unter der Führung des grausamen Vladimirs das friedliche kleine Schtetl überfällt, fordert Hanna, die Magie der Kabbala zur Verteidigung einzusetzen. Vladimir, dessen Tochter schwer erkrankt ist, bezichtigt die Juden, Schuld am Ausbruch der Pest zu sein und droht damit, alles niederzubrennen. Obwohl der Rabbi und die Dorfheilerin davon abraten, geht Hanna in den Wald und beschwört in einem uralten Ritual den Golem, der das Dorf verteidigen soll. Daraus erwächst die Gestalt eines kleinen Jungen aus Lehm, der mit unvorstellbarer Grausamkeit unter den christlichen Angreifern wütet, Köpfe explodieren lässt und ihnen die Herzen herausreißt. Hanna nimmt den Jungen auf wie ihr eigenes Kind. Doch als das Wesen beginnt, auch vor Unschuldigen nicht Halt zu machen, erkennt sie die schreckliche Wahrheit: Der Golem muss vernichtet werden - und Hanna muss sich ein zweites Mal von einem Kind verabschieden.
Nach dem tollen Dämonenhorrorfilm Jeruzalem (2015) legten die Brüder Doron und Yoav Paz im Jahr 2018 mit Golem - Wiedergeburt nach. Wieder steht ein Mythos aus der jüdischen Kultur im Mittelunkt. Diesmal ist es der Golem. Die Hauptrollen sind mit Hani Furstenberg, Ishai Golan und Kyrylo Tschernjakow besetzt, wichtige Nebenrollen u.a. mit Brynie Furstenberg, Lenny Ravitz und Oleksij Trytenko.
Der israelische Historien-Horrorfilm will die Golem-Legende, die wir aus Paul Wegeners Film Der Golem, wie er in die Welt kam (1920) kennen, filmisch wiederbeleben. Das Werk ist trotz nicht allzu hohem Budget stimmungsvoll und episch inszeniert und hat ein paar drastische Splatterszenen zu bieten, denen man leider die geringeren Mittel ansieht. Was den Film jedoch besonders auszeichnet, ist das faszinierende Setting der jüdischen Mystik und seine dichte Atmosphäre. Auch wenn mir ein “erwachsener” Golem lieber gewesen wäre, gelingt es den Paz-Brüdern - wie schon in ihrem Vorgängerfilm Jeruzalem -, mich mit einer fundierten und stimmigen Story bestens zu unterhalten.
Golem - Wiedergeburt ist natürlich nicht mit dem Meisterwerk Der Golem, wie er in die Welt kam von 1920 zu vergleichen; dennoch ist diese atmosphärische Neuinterpretation der wahrscheinlich berühmtesten jüdischen Legende ein absolut gelungener Film.
https://www.imdb.com/de/title/tt8329290/ (Opens in a new window)