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True Detective: Night Country / Staffel 4 (2024)

Als der Winter über der Stadt Ennis im Norden Alaskas hereinbricht, versinkt alles in der Dunkelheit und Kälte der monatelangen Polarnacht. Acht Männer aus einer arktischen Forschungsstation verschwinden spurlos und tauchen als makabre Eisleichenskulptur wieder auf. Die Detectives Liz Danvers, eine ältere, schlecht gelaunte Polizistin, und die taffe Indigene Evangeline Navarro sollen den mysteriösen Fall gemeinsam lösen, obwohl sie seit Jahren zerstritten sind. Rasch stellen sich zwei Dinge heraus: zum einen hat der Fall um die verstorbene Besatzung der Forschungsstation mit einem alten Fall von Ritualmord zu tun, dessen Aufklärung Evangeline sehr am Herzen liegt, zum anderen deuten spiralförmige Symbole auf einen Zusammenhang mit dem mythischen König in Gelb hin.

Nach einer ersten Staffel, die ohne zu übertreiben zum Besten gehört, was in den letzten fünfzehn Jahren zu sehen war, hatten es die Nachfolgestaffeln naturgemäß nicht leicht. Daher verblassten auch die zweite und dritte Staffel der Serie im Vergleich zur ersten mehr als eindeutig. Das lag aber weniger an der Produktion oder den Schauspielern, sondern vielmehr am Drehbuch. Ihnen fehlten die nihilistische Strahlkraft eines Rust Cohle und die mystischen Anleihen an Carcosa und den König in Gelb. Beides ist in Night Country nun wieder zu finden.

Alle sechs Episoden der vierten Staffel wurden von der mexikanischen Filmemacherin Issa López inszeniert, die bei zwei Folgen der genialen englischen Serie Britannia (2017) Regie führte und für den Horrorfilm Tigers Are Not Afraid (2017) bekannt ist. Die Hauptrollen übernehmen Kali Reis als Evangeline Navarro und Jodie Foster als Liz Danvers, die dem ikonischen Rust Cohle durchaus ähnlich ist und so den kaputten Vibe der ersten Staffel erneut zu beschwören vermag. Darüber hinaus schimmert der kosmische Horror des Königs in Gelb immer wieder subtil durch die Handlung. Erstmals kam bei einer Nachfolgestaffel von True Detective in mir das Gefühl auf, eine echte Fortsetzung der ursprünglichen Story zu erleben.

Wie auch in der ersten Staffel wird das Geheimnis am Ende nicht ganz gelöst, und das ist auch gut so, denn nun kann das fröhliche Herumrätseln beginnen, was jede gute Geschichte ausmacht. Man kann interessante Spekulationen dazu im Netz finden. So soll True Detective: Night Country von zwei realen Ereignisse inspiriert sein: dem Vorfall am Dyatlov-Pass, bei dem eine Gruppe von neun Bergsteigern im Ural-Gebirge unter extrem mysteriösen Umständen ums Leben kam und unter recht ähnlichen Bedingungen wie in der Serie aufgefunden wurde, sowie dem Fall der "Mary Celeste", der wahren Geschichte eines Geisterschiffs, dessen Besatzung auf unerklärte Weise spurlos verschwand. Steht am Ende das "True" im Namen dieser Serie dafür, dass sich die erzählten Geschichten immer auf einen wahren Kern beziehen? Und wenn das so ist: Gibt es den König in Gelb in Wirklichkeit?

https://www.imdb.com/title/tt2356777/ (Opens in a new window)
Topic Serie