Es ist Mittwoch, 18 Uhr und wir starten… ein Experiment!Herzlich willkommen!
Es gibt zwei Fragen in Bezug auf “Kopieren kapieren”, die mir seit ein paar Wochen gestellt werden - und die mich in aufsteigender Reihenfolge nervös machen. Die Fragen aus dem ersten Bereich beziehen sich auf das was? dieses Newsletters - also auf die korrekte Bezeichnung für das, was wir hier machen:
Ist das ein neues Buch? Ein Club? Eine Newsletter-Serie?
Die Antwort ist einfach, weil mir im sehr guten Sinne: egal!
Ich möchte übers Kopieren schreiben, weil das Kopieren meiner Einschätzung nach der Schlüssel zum Verständnis der digitalen Welt ist (ja, auch KI). Und ich möchte auf eine gegenwärtige Weise übers Kopieren schreiben - deshalb gibt es ab sofort jeden Mittwoch um 18 Uhr eine Newsletter-Folge, die vielleicht (gemeinsam mit dir?) einen Buchclub gründet und womöglich auch zu einem klassischen Buch führt. Aber wie gesagt: das ist mir auf die bestdenkbare Weise egal, weil es für mich erstmal um den Inhalt geht - die passende Form wird sich dann schon finden (dieses Motto borge kopiere ich übrigens bei Lucas von Gwinner, der diesen Satz in unser gemeinsames Buch (Opens in a new window) geschrieben hat: “Suche den Inhalt, finde die Form”)
Die zweite Frage hingegen macht mir mehr Sorgen. Sie geht ans Grundsätzliche und sollte am Beginn eines jeden (guten) Projekts stehen. Sie will den Grund kennenlernen und lautet: Und warum machst du das?
Ich habe sie in den vergangenen Tagen immer häufiger gehört und sie macht mich ein wenig nervös. Denn die Antwort ist natürlich einerseits (s.o.) weil ich Kopierkompetenz wichtig finde - und im Prozess herausfinden will, wie sie zu definieren und zu erlernen ist. (Das ist sehr offen, weil mich niemand darum gebeten oder gar beauftragt hat.)
Die Antwort bezieht sich andererseits aber auch auf dich*. Denn ein solches Experiment gelingt (anders als ein klassisches Buch) nur dann, wenn von Anfang an auch Leute dabei sind. Während ich hier also nervös auf die Subscriber-Zahlen in Steady schaue, erkenne ich (auf der Meta-Ebene) auch eine Bestätigung für meine These, dass Aufmerksamkeit die zentrale Währung der Zukunft wird (Opens in a new window).
Deshalb freue ich mich sehr, dass du mir deine Aufmerksamkeit schenkst und dich auf dieses Experiment einlässt: vielen Dank!
Passend zu meiner Unruhe in Bezug auf das Publikums-Interesse beginne ich unsere gemeinsame Playlist des Jahres 2026 mit “Anxiety” von Doechii (Opens in a new window). Bevor der Song ein Überhit wurde, hatte die Rapperin (bürgerlich Jaylah Ji’mya Hickmon) das Lied in ihrem Schlafzimmer eingesungen - als Cover/Remix.
Irgendwie ein gutes Bild für den Start in dieses Experiment
Viele Grüße aus meinem Schlafzimmer & auf gutes Kapieren!
Dirk
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Eine musikalische Referenz zu erkennen, gleicht dem Moment, in dem ich einen Witz verstehe: Es fühlt sich an als würde ich eine Botschaft nicht nur in Empfang nehmen, sondern auspacken und erkennen. In Meme - Muster digitaler Kommunikation (Opens in a new window) habe ich diesen Moment der Erkenntnis so beschrieben: „In der biblischen Schöpfungsgeschichte wird das Erkennen (»Und Adam erkannte sein Weib Eva, und sie ward schwanger und gebar den Kain«) als schöpferischer Akt beschrieben. Semantisch liegt dies daran, dass die Wörter »erkennen« und »miteinander schlafen« im Hebräischen den gleichen Wortstamm haben, aber voneinander unterschieden werden. Es ist deshalb vielleicht etwas zu weit gegriffen, deutet aber an, welche Bedeutung im tatsächlichen Erkennen zum Beispiel eines Witzes liegen kann.“
Bei dem Song “Anxiety” von Doechii hatte ich diesen (schöpferischen) Moment der Erkenntnis doppelt. Zunächst als ich “Somebody That I Used To Know (Opens in a new window)” von Gotye erkannte (mehr zu dessen Internet-Ruhm hier (Opens in a new window)). Und dann als ich feststellte, dass auch Gotye kopierten - bei Luiz Bonfa im Jahr 1968 (Opens in a new window).
Dass Doechii mit der doppelten Kopie eigenen Ruhm erlangte - und selbst zur Kopiervorlage wurde, habe ich im Frühjahr 2025 ausführlich beschrieben. Deshalb hier keine weiteren Erklärungen zu dem ersten Song in der Liste (Opens in a new window), sondern nur Bühne frei für den Ohrwurm (Opens in a new window).
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(B1) Es bietet sich an, beim Anfang zu beginnen - nicht nur, wenn man die digitale Welt durchschreiten will. Aber wo ist der Anfang dessen, was wir Digitalisierung nennen? Meine Antwort: in der Kopie.
Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbild und auch die Zellteilung ist eine Kopie. So entsteht das Leben und so orientieren wir uns im Leben. Wir schauen zu und wir schauen ab. Wir imitieren, wir ahmen nach und ja: Wir kopieren. Egal, wie weit wir blicken, egal, wie vornedran wir uns fühlen: Wir bauen auf dem auf, was vor uns war.
Diese Form der Kopie ist zu loben. Und sie unterscheidet sich grundlegend von jeder Art des Betrugs, des Etikettenschwindels und des geistigen Diebstahls. Im Lob der Kopie (Opens in a new window) habe ich diese drei Kriterien für die lobenswerte Kopie definiert - und ich muss sie zu Beginn des Projekts benennen um Missverständnisse zu vermeiden. Der Hauptkritikpunkt ist stets mein unscharfer Kopierbegriff, aber glaube mir: Schärfe ist hier nicht wirklich hilfreich - im Gegenteil: gerade durch die Unschärfe wird sichtbar, wie umfassend das Kopieren ist.
Dennoch zu Beginn meine Definition dessen, was ich als lobenswerte Kopie verstehe:
Glaubwürdig: Die lobenswerte Kopie legt erstens ihre Vorlagen und Bezugnahmen offen. Als Faustregel verwende ich den Vergleich zur Ironie: eine Aussage kann auch nur dann als Ironie verstanden werden, wenn der Bezugsrahmen vorher klar war.
Neu: Zum zweiten muss eine lobenswerte Kopie etwas Neues erschaffen. Sie muss der Vorlage etwas ergänzen oder nehmen, sie darf sie in jedem Fall nicht einfach nur vervielfältigen.
Schöpferisch: Genau in dieser Neuheit kann das liegen, was für das Lob drittens notwendig ist: der eigene Beitrag, die eigene ergänzende Leistung. Diese kann man technisch, handwerklich oder kontextuell beschreiben, aber sie ist dringend erforderlich, um von einer lobenswerten Kopie zu sprechen.
Genau an dieser eigenschöpferischen Leistung lassen sich viele spannende Konflikte entzünden: Wie hoch ist die Leistung von KI-Modellen? Und ist das, was KI da macht überhaupt eine Kopie?
Aber dazu mehr in den nächsten Folgen…

Vergangene Woche habe ich einen Mic-Check verschickt - als Generalprobe für den Newsletter (Opens in a new window) und als Hinweis darauf, dass manche Mailserver diese Botschaften hier als Spam markieren könnten. Deshalb bat ich darum, eine leere Mail als Antwort zu schicken - um den System zu signalisieren: Wir sind hier tatsächlich im Austausch. Das ist kein Spam!
*Seit ich am Neujahrsmorgen in meine Mails schaute, bin ich auf die bestmögliche Weise überrascht: Ich habe nicht nur super viele leere Antwortmails bekommen, sondern auch richtig viele Musiktipps.
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Darum hatte ich nämlich auch gebeten: Schicke mir deine Lieblings-Coverversion bzw. den Remix oder das Mashup, die auf keinen Fall in diesem Jahr fehlen dürfen! Gerne per Mail oder als Kommentar unter diesem Post.
Hier schon mal ein paar Antworten als Inspiration - mit großem Dank an alle, die mir geschrieben haben (konnte leider nicht alle Mails beantworten!)
“All Day” von GirlTalk
“Creep” Max Mutzke
“Yesterday” Eva Cassidy
“Feeling Good” Muse
„Blinded by the light“ als Country-Mix von Tebey (Original von The Weeknd)
“Grey Album” von Danger Mouse
Der heutige Newsletter von David Byrne mit Playlist (Opens in a new window) passt perfekt zu Deinem Thema
The Notwist — Boneless (Grizzly Bear Remix)
Die Nerven – Ein Stern, der deinen Namen trägt
Jaydiohead – 99 Anthems
Charli XCX feat The 1975 & Jon Hopkins – I might say something stupid
“Hallelujah” Jeff Buckley
“Zombie” Bella Poarch
DJ Koze “1000 Tränen tief” (Steve Bug Loverboy Remix)
“Vois dur ton chemin” BENNETT
“She's lost control” Grace Jones
PIMP Bacao Rhythm and Steel Band
“Jiggle Jiggle” (Duke and Jones / Louis Theroux)
“Hey Hey” Meute
Peter Gabriel and Hot Chip: “Cape Cod Kwassa Kwassa”
Hans Albers: “Goodbye Johnny”
“Linger” Royel Otis
Bowling for Soup: “Actually romantic”
Acid Pauli vs. Johnny Cash “I See A Darkness”
“Somewhere only we know” Lily Allen
D'Angelo -”Feels Like Making Love”
Obadiah Parker “Hey Ya”
“You can call me Al” Noah and the Whale
Teddy Swims “Mercy Mercy Me”
“The Man Who Sold the World”- Nirvana
“Respect” Aretha Franklin (ursprünglich Otis Redding)
“Valerie” - Amy Whinehouse
“Knockin' on Heaven's Door” - Guns N' Roses
“Ruby Tuesday” Melanie Safka
“Was wird aus Hannover” Fury in The Slaughterhouse
"Where the Lights Are Low" von Toby Romeo, Felix Jaehn and FAULHABER
“I Will Always Love You” Whitney Houston (ursprünglich von Dolly Parton)
Auf Spotify (ich weiß um die Probleme (Opens in a new window)) sammle ich seit Jahren musikalische Kopien: in der Playlist (Opens in a new window) habe ich die Versionen (sofern verfügbar) ergänzt. Gerne weitere Vorschläge schicken!