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being human

Das seltsame, widersprüchliche Abenteuer, ein Mensch zu sein

Eine Kolumne von Christina Emmer
#12 - Der letzte Blick zurück

Wir Menschen richten uns ständig irgendwo ein. Und das, obwohl wir wissen, dass nichts bleibt.

Eine Woche Irland ist schon wieder vorbei. Wir sind wieder auf dem Weg nach Hause.

Und vielleicht kennst Du auch diesen kleinen Moment, bevor Du ein Hotelzimmer oder eine Ferienwohnung verlässt… Du drehst Dich in der Türe noch einmal um. Schaust noch einmal zurück.

Liegt noch irgendwo etwas herum?
Habe ich etwas vergessen?
Wer wird morgen hier wohnen?

Abschied. “Tschüss Zimmer.”

Und eigentlich sind wir doch gerade erst angekommen.

Alles war noch fremd:

  • das Licht

  • die Geräusche

  • die Wege

  • der Geruch

  • das Bett

  • die kleinen Abläufe

Doch kurz bevor man wirklich ankommt … geht man wieder.

Und vielleicht verrät dieser letzte Blick zurück ja auch etwas darüber, wie wir grundsätzlich durchs Leben gehen.

Ich hinterlasse ja ein Hotelzimmer oder eine Ferienwohnung nie unordentlich. Ich weiß nicht genau warum. Die Betten werden ohnehin abgezogen und neu gemacht, aber ich mache immer das Bett, bevor ich gehe. Nicht so ordentlich wie die Zimmermädchen, aber ich lasse auch keine zerknüllte Bettdecke zurück oder Müll einfach irgendwo liegen. Das widerstrebt mir zutiefst.

Wenn ich gehe, will ich kein Chaos hinterlassen. Ich finde das nicht fair den Menschen gegenüber, die sich um das kümmern müssen, was ich hinterlasse.

Ich habe auch mein restliches Leben so gut es geht so eingerichtet. Vor einigen Jahren habe ich damit angefangen, meine Dinge zu reduzieren und ehrlich hinzuschauen, um was die Menschen, die nach mir kommen, sich alles kümmern müssen. Wenn ich eines Tages meinen “allerletzten Blick zurück” mache, dann möchte ich mich nicht ärgern über mich selbst.

Doch bis dahin hoffe ich, noch auf viele Abschiede von Hotelzimmern, Ländern, Gastgebern oder auch Lebensabschnitten. Denn jeder Abschied bringt uns auch einen Schritt weiter - in etwas Neues hinein.

Beim letzten Blick in unsere Ferienwohnung heute werde ich vermutlich ein bisschen weinen. Weil es so schön war hier, weil ich noch länger bleiben will, weil ich Irland nie leicht verlasse und mich auf den Tag freue, an dem ich irgendwann ein One-way-Ticket hier her buche.

Und bis dahin gehe ich weiter
mutig und heiter.
Stufe für Stufe.
Raum für Raum.
Bühne für Bühne.

Good bye Irland, wir sehen uns.

***

Alles Liebe
Christina

PS: Im Urlaub hatte ich nicht so viel Zeit, um Eure Antworten zu lesen, aber ich verspreche, ich hole das nach.

PPS: Was für ein Typ bist Du? Zimmertüre zu und weg? Oder verabschiedest Du Dich auch vom Zimmer, vom Hotel, vom Land?

Schreibe mir per Email an mail@christinaemmer.de (Opens in a new window), ich lese alle Nachrichten. 

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