
ZWISCHEN RASANTEM AUFSTIEG UND INNERER EINKEHR. FROM FALL TO SPRING gehören zu den aufstrebenden Stimmen im Modern Rock. „Entry Wounds“ vereint rohe Härte, Selbstreflexion und digitale Welten. Es ist kein Rückzug, sondern ein bewusster Blick nach innen, der persönliche Kämpfe sichtbar macht. Im Interview sprechen Lukas, Philip und Sebastian über Demut im Erfolg, Social Media als Motor und die Wunden, die ihre Musik lebendig machen.

Foto: Marcus Ulbrich
Ich habe kürzlich gelesen, dass ihr als eine der spannendsten Newcomer-Bands im deutschen Modern Rock geltet. Fühlt sich das gut an oder setzt es euch unter Druck?
Lukas: Erst mal sehen wir das als Kompliment. Es macht uns stolz, dass wir so wahrgenommen werden. Gleichzeitig haben wir auch hohe Ansprüche an uns selbst und das verlangt einem schon Respekt ab. Gerade wenn man ein Image verteidigen muss, wie jetzt mit der neuen Platte. Vor allem sind wir aber stolz auf den Weg, den wir bisher gegangen sind.
Da scheint auch Demut mitzuschwingen.
Lukas: Ja, wir bleiben auf dem Boden. Außerdem ist es meiner Meinung nach wichtig, dass man demütig bleibt, weil man eben auch einen langen Weg vor sich hat. In der Musikindustrie kommt Ruhm selten über Nacht. Meistens ist es harte Arbeit über Jahre, und wer diesen Weg geht, muss auch Demut mitbringen.
Ihr habt ja schon einiges erlebt. Ihr habt 2023 und 2025 am Eurovision-Vorentscheid teilgenommen. Wie habt ihr diese Events erlebt?
Lukas: 2023 gab es ein TikTok-Voting, bei dem sieben Plätze für das Finale verteilt wurden, der achte Platz über eine Wildcard. Man konnte einfach einen Hashtag nutzen, um seinen eigenen Song zu promoten. Wir gehörten zu den fünf Künstlern mit der größten Reichweite. Besonders spannend war es, weil dort New Metal auf Ikke Hüftgold traf, also zwei komplett unterschiedliche Welten.
Sebastian: Dieses Jahr sind wir dann tatsächlich in der Sendung von Stefan Raab gelandet.
Ihr habt sie gerade selbst erwähnt: eure Fanbase. Man konnte bei TikTok voten. Ihr habt ja schon vor dem ersten Album eine enge Bindung zu euren Fans aufgebaut. Wie wichtig war Social Media für euren Durchbruch und wie wichtig ist es heute?
Philip: Social Media war extrem wichtig, vor allem während Corona. Wir haben weiter Content gebracht, Live-Streaming entdeckt, und das hat eine ganz andere Bindung zu den Fans geschaffen. Genau das wollen wir auch bei den Shows reproduzieren. Wir gehen gern an den Merchstand, machen Fotos, sprechen mit den Fans und erfahren tolle Storys, zum Beispiel über neue Freundschaften, die auf unseren Konzerten entstanden sind. Wir sind gerne mittendrin.
Kommen wir zu eurem neuen Album. Auf „Entry Wounds“ scheint ihr sehr nach innen zu blicken. Gab es einen besonderen Auslöser für diesen Perspektivwechsel?
Philip: Die Innenschau gab es schon auf dem letzten Album, damals aber mit greifbareren Themen. Auf „Entry Wounds“ haben wir das mit Design und digitaler Welt verknüpft. KI ist gerade überall ein Riesenthema und auch für uns spannend. Der Kampf mit sich selbst war schon vorher da, diesmal wollten wir aber noch tiefer gehen. Die Songs sind ganz organisch entstanden und fügen sich nun zu einem Gesamtbild zusammen.
Lukas: Auf „Rise“ haben wir thematisch jedoch auch tatsächlich nach außen geschaut, was uns auf das nächste Level gehoben hat. Aber während der Tour und durch das ständige Zusammensein mit den anderen Bandmitgliedern kommt man unweigerlich dazu, sich selbst mehr zu reflektieren. In dieser Zeit hat man automatisch mehr Blick nach innen als nach außen.
Welche Wunde hat euch beim Schreiben am meisten herausgefordert?
Lukas: Gute Frage, das wird wahrscheinlich jeder von uns anders beantworten. Ich habe immer die Wunde, die schon auf dem Album „Rise“ thematisiert wurde. Es ist uns wichtig, ernst genommen zu werden. Wir haben viele Erfahrungen gemacht, bei denen Leute gesagt haben: „Ihr schafft das nicht.“ Das verfolgt uns bis heute, auch wenn es oft als Kompliment gemeint ist: „Ach krass, ihr macht das, damit hätte ich nicht gerechnet.“ Das ist eine Wunde, die bei mir tief einschneidet.
Philip: Ein besonders schwerer Song auf dem Album ist für mich „Cast away“. Er behandelt eine Situation, die hoffnungslos erscheint, obwohl man sie eigentlich meistern könnte. Technisch und emotional war das eine Herausforderung, vor allem wegen des schnellen Raps und der vielen Worte.
Sebastian: Ich kann mich anschließen. „Cast away“ war der erste Song, den wir für das Album geschrieben haben, und er hat schnell den Ton für den Rest des Albums gesetzt. Er behandelt das Innenleben, aber auch die Menschen um einen herum, die ähnliche Kämpfe führen. Deshalb ist der Track auch für mich sehr speziell.
Musik kann sehr verletzlich machen, wenn man so ehrlich nach innen schaut. Habt ihr nie Angst, dass jemand das ausnutzt oder euch angreift?
Lukas: Natürlich ist das ein Risiko, sich so zu öffnen. Aber wir bekommen viele Nachrichten von Fans, die uns sagen, wie sehr ihnen unsere Songs geholfen haben. Wenn man merkt, dass die eigene Musik anderen Menschen aus schweren Zeiten hilft, nimmt man dieses Risiko gerne in Kauf.
Mia Lada-Klein
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