
Als ein Zahnarzt Lachgas Mitte des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal für die Narkose einsetzte, geriet der Versuch zu einem Desaster, wie unsere Rückblende zur Erfindung der Narkose (Opens in a new window) erzählt. Lachgas ist ein farbloses Gas aus der Gruppe der Stickoxide. In der Medizin wird es zwar weiterhin als Narkosemittel oder zur Schmerzbekämpfung eingesetzt, allerdings ist es ein potentes Treibhausgas und etwa 300-mal so schädlich wie CO2.
Lachgas ist als Partydroge beliebt, doch harmlos ist es keineswegs. Deshalb darf es seit April nicht mehr an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft werden. Das sieht ein Gesetz vor, das der Bundestag im Herbst 2025 beschlossen hat.
Das Gesetz verbietet zudem K.O.-Tropfen, und zwar bereits die Herstellung. Betroffen sind die Substanzen BDO und GBL. Sexualstraftäter nutzen sie, um ihre Opfer bewusstlos zu machen. Deshalb legte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) am Mittwoch einen Gesetzentwurf (Opens in a new window) vor, der den heimlichen Einsatz von Betäubungsmitteln auf eine Stufe mit Waffengewalt stellen soll. Das Mindeststrafmaß soll auf 5 Jahre ansteigen.
In unserem aktuellen Heft informieren wir über das Verkaufsverbot von K.O.-Tropfen und Lachgas und klären, was das für den Verkauf von Sprühsahne bedeutet.
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Mehr Schutz vor psychoaktiven Substanzen
Seit dem 14. April gelten für drei psychoaktive Substanzen starke Verkaufsbeschränkungen und ein Verbot des Online- und Automatenhandels (Opens in a new window). Lachgas ist keine harmlose Partydroge, sondern birgt ein hohes Risiko für die Gesundheit. Es kann zu Erfrierungen oder schweren neurologischen Schäden führen. Schärfer ist das Verbot bei den Substanzen GBL (Gamma-Butyrolacton) und BDO (1,4-Butandiol). Sie können Menschen binnen Minuten willenlos, bewusstlos und erinnerungslos machen. Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) plant, sie im Strafrecht auf eine Stufe mit Waffen zu stellen. Sie sagt, dass ist „sexuelle Gewalt in einer besonders schlimmen Form – und sie trifft vor allem Frauen.“
Aus unserem neuen Heft, frei lesbar: Verbot von Lachgas und K.O-Tropfen (Opens in a new window)
Das Problem ist schon lange bekannt: Vor allem Frauen sind Opfer
Bereits 2012 berichtete Gute Pillen – Schlechte Pillen (Opens in a new window) über den Einsatz von K.O.-Tropfen bei sexueller Gewalt. Meist wird Frauen in Clubs oder auf Partys heimlich Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB) oder eine ähnliche Substanz, etwa Gamma-Butyrolacton (GBL), ins Getränk gemischt. GBL ist die Vorstufe von GHB und ist in der Partyszene auch als „Liquid Ecstasy“ bekannt. K.O.-Tropfen sind farb- und geruchlos, schmecken leicht salzig und werden deshalb häufig unter starke Alkoholika gemischt. In Verbindung mit Alkohol oder anderen Drogen sind K.O.-Tropfen lebensgefährlich, weshalb das Opfer selbst, Freunde oder aufmerksame Dritte bei ersten Anzeichen einen Notarzt über den Notruf 112 verständigen sollten. Vertiefende Infos zu K.O.-Tropfen finden Sie auch auf der Website ko-tropfen-nein-danke.de (Opens in a new window).
Aus Heft 06/2012, frei lesbar: Vor allem Frauen von K.O.-Tropfen betroffen (Opens in a new window)
Lachgas: Rausch mit schwerwiegenden Nebenwirkungen
Unter Menschen, die Drogen zur Entspannung konsumieren, wurde Lachgas in den letzten Jahren immer beliebter. Das Mittel dient eigentlich zur Schmerzlinderung und Narkose im medizinischen Bereich, wird aber auch legal in kleinen Kartuschen verkauft, die eigentlich für das Aufschlagen von Sahne in Sprühbehältern gedacht sind. Nach dem Einatmen von Lachgas kommt es für wenige Minuten zu einem Rausch mit Euphorie und Entspannung. Den Konsumierenden ist oft aber nicht bewusst, dass Lachgas auch Risiken hat. Akute Schäden können entstehen, wenn das Gas direkt aus der Kartusche inhaliert wird. Dann drohen Erfrierungen an Mund und Atemwegen. Im schlimmsten Fall kann das tödlich enden, wenn dabei die Atemwege zuschwellen.
Aus Heft 01/2024, frei lesbar: Lachgas als Party-Droge: Nicht lustig (Opens in a new window)
Narkose: Wie Operationen ohne Schmerzen möglich wurden
Am 10. Dezember 1844 trat der Entertainer Gardener Quincy Colton in der kleinen Stadt Hartford im US-Bundesstaat Connecticut auf. Er ließ in seiner Show einen jungen Mann aus dem Publikum ein Gas einatmen. Darauf begann dieser, auf der Bühne allerlei wilde Sprünge zu vollführen. Dabei stürzte der Mann mehrmals und schlug sich die Knie blutig. Doch weder stoppte dies seinen wilden Tanz noch konnte er sich nach diesem „Kunststück“ an seine Sprünge oder an Schmerzen erinnern. Der Zahnarzt Horace Wells, der sich im Publikum befand, begriff sofort, dass dieses Gas ihm bei der Behandlung seiner Patient:innen helfen könnte. Er bat den Entertainer zu sich nach Hause, um zu lernen, wie man die Gasmischung herstellt. So begann die Karriere von Lachgas als Narkosemittel …
Aus Heft 03/2021, frei lesbar: "Das ist kein Humbug!": Wie die Narkose entdeckt wurde (Opens in a new window)
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Viele Grüße, Silke Jäger