Servus, ihr Helden der absurden Geschichte!
Heute machen wir endlich den Sack zu und präsentieren euch den finalen Schlachtplan für unser großes Treffen im Mai. Wir mussten geografisch zwar noch mal kräftig nachjustieren, aber jetzt steht die Route für unsere kleine Deich-Expedition felsenfest.
In unserer Rubrik „Wilde Zeiten“ nehmen wir einen tierisch schlechten Betrugsversuch unter die Lupe, während wir im Quickie erforschen, wie man in den 50ern versucht hat, ein schädliches Laster mit einer noch schädlicheren “Lösung” zu kurieren. Viel Spaß beim Lesen und Vorfreuen!

Steady-Freuden
Vielen Dank an:
Johannes, Jasmin, Korbinian, Patrick, Britta, Enrico, Milena, Lara, Simon, Jos, Dario, Nathalie, Katja, Isabella, Tina, Jeanine, Mike, Tim, Anne, Roland, HG, Amira, Kay, Andrea, Eva, Franz, Hartmut, Stephan, Andreas, Michaela, Hendrik, Cookie, Jochen, Sarah, Falk, Prokrastinator, Susanne, Katrin, Bjoern, Yvonne, Noah, Stephan, Samantha, Kai, Amelie, Marthe, Barbara, Sven, Olivier, Felix, Janine, Timo, Tobias, Hanne, Julius, Michael, Edith, Joshua und Lukas.
Danke euch allen – ohne euch wäre das hier nur halb so dumm und gar nicht so heldenhaft.
Ein wenig Hausmeisterei
Es wird ernst: Unser Heldendumm-Treffen!
Macht eure morschen Knochen geschmeidig, es ist endlich so weit: Wir sind startklar für unser großes Heldendumm-Treffen! Ursprünglich hatten wir ja großspurig verkündet, wir würden uns in Wesel treffen. Aber bevor wir vor Ort geteert und gefedert werden, müssen wir hier offiziell Abbitte leisten. Wie uns eine besorgte (und sehr ortskundige) Followerin hinter den Kulissen mitteilte:
Übrigens werdet ihr vor Ort gesteinigt, wenn ihr da weiter von Wesel redet. Das Café ist in Bislich, [die geheime Location] gehört zu Diersfordt. Und die bestehen darauf, die Eingeborenen. Herzlichst, ein besorgter Follower. 😂
Also gut, Asche auf mein Haupt: Wir treffen uns in Bislich!
Da sich zu unserer großen Freude – und leichten Überraschung – fast 20 von euch furchtlosen Helden angemeldet haben, mussten wir unsere Kaffee-Pläne noch einmal kurzfristig umstricken. Wir brauchten einfach mehr Platz für unsere stetig wachsende Expeditionsgruppe. Aber dazu kommen wir noch – hier ist unser Schlachtplan:
Der Startpunkt
Wir treffen uns an der Personenfähre Keer Tröch II (Bislich-Xanten). Dort gibt es einen wunderbaren Parkplatz direkt am Wasser (für eure Navis: 51°40'06.2"N 6°29'04.6"E). Am 24.05.2015 um exakt 14:00 Uhr setzen wir uns in Bewegung.
Der Fußmarsch in die Geschichte
Es folgt ein gemütlicher, etwa 30-minütiger Spaziergang über den Bislicher Deich mit feinstem Blick auf den Rhein. Damit es nicht zu still wird, haben wir einen Koffer-Lautsprecher und zwei Mikrofone im Gepäck. Und jetzt kommt ihr ins Spiel: Ihr werdet hochoffiziell Teil einer Heldendumm-Episode! Auf dem Hinweg möchte Daniel euch nämlich vors Mikrofon zerren und eure wildesten Spekulationen sammeln: Warum zum Teufel haben wir euch an diesen scheinbar unscheinbaren Ort am Ende der Welt geschleppt? Was könnte dort Historisches, Absurdes oder Dummes passiert sein? Lasst eurer Kreativität freien Lauf, eure Theorien werden in der späteren Folge verewigt! Und die Geschichte der Episode wird ebenfalls live für euch von Philipp und Daniel vorgetragen.
Am Zielort
An der geheimen Location angekommen, wird Daniel ein paar Worte sagen, die beiden drehen ein kleines Video und die obligatorischen Beweisfotos für die Nachwelt werden geschossen. In Daniels Werkstatt wird zudem gerade an etwas gearbeitet. Etwas “für die Nachwelt”, sagte er. Was es genau ist, wird er wohl erst vor Ort verraten. Gegen 15:15 Uhr treten wir dann den Rückweg an.
Das große Fressen
Pünktlich gegen 16:00 Uhr sollten unsere müden Knochen dann das Fährhaus Wesel-Bislich erreichen. Dort haben wir für unsere stattliche Truppe Tische reserviert, um uns bei Speis und Trank von den Strapazen zu erholen, ausgiebig zu quatschen und einfach eine gute Zeit zu haben. Das Fährhaus schließt um 20:00 Uhr, womit unser offizieller Zeitplan dann auch sein gemütliches Ende findet.
Übernachtung & Römer-Sightseeing
Da auf unserem Discord-Server schon die ersten Fragen nach Schlafplätzen aufkamen, haben wir euch ein paar feine Optionen zusammengestellt. Ob ihr nun in Wesel oder Bislich bleibt, euch ein Hausboot mietet oder direkt rüber nach Xanten hüpft – es gibt genug Möglichkeiten. Apropos Xanten: Das ist nur einen Steinwurf entfernt. Wer also am nächsten Tag noch Lust hat, ein bisschen antike Römerluft zu schnuppern, ist dort bestens aufgehoben!
Aktivitäten:
https://niederrheinmuseum-wesel.lvr.de/ (Opens in a new window)https://www.bislich.de/deichdorfmuseum/ (Opens in a new window)https://apx.lvr.de/de/willkommen/willkommen_1.html (Opens in a new window)Übernachtungsmöglichkeiten:
https://www.welcome-hotels.com/hotels/wesel/?utm_source=google&utm_medium=organic&utm_campaign=MyBusiness (Opens in a new window)https://www.muze-hotels.com/unsere-hotels/haus-duden-wesel (Opens in a new window)https://www.tannenhaeuschen.de/ (Opens in a new window)https://www.hausboot-niederrhein.de/ (Opens in a new window)http://www.ammeerturm.de/ (Opens in a new window)Wir hoffen, ihr findet alle sicher den Weg ins Hinterland. Damit wir niemanden unterwegs verlieren, denkt daran euch in unserem Discord anzumelden. Dort werden wir auch Updates von unterwegs posten. Wir freuen uns schon tierisch darauf, euch sehr bald vor Ort zu sehen!
Wilde Zeiten
In Kalifornien wurden drei Personen wegen eines extrem bizarren Versicherungsbetrugs zu jeweils 180 Tagen Gefängnis verurteilt. Die Gruppe hatte im Rahmen der Polizei-Ermittlungen namens „Operation Bear Claw“ versucht, Versicherungsgelder in Höhe von knapp 142.000 US-Dollar zu ergaunern. Der Plan? Sie reichten Überwachungsvideos ein, auf denen ein vermeintlicher Bär zu sehen war, der die Innenausstattung von drei Luxusautos – darunter ein 2010er Rolls-Royce Ghost – brutal verwüstete. Der Haken an der Geschichte: Einem Biologen der kalifornischen Wildtierbehörde fiel bei der Sichtung sofort auf, dass der tierische Vandale auf den Aufnahmen „eindeutig ein Mensch in einem Bärenkostüm“ war. Bei einer anschließenden Hausdurchsuchung fand die Polizei dann auch prompt das fragwürdige Beweisstück samt Fleischwolf-Krallen, mit denen die Schäden in den Autos mühevoll simuliert wurden.

Leute, ich bewundere ja wirklich kreative Kriminelle, aber das hier ist der absolute Gipfel der Heldendummheit! Da kaufst du dir extra ein billiges Bärenkostüm und ein paar Fleischkrallen aus der Küchenabteilung, um deinen eigenen Rolls-Royce zu zerschrammen, und vergisst dabei völlig, dass Biologen wissen, wie sich ein echter Bär bewegt. Wahrscheinlich ist er auf zwei Beinen wie ein betrunkener Tourist um das Auto getorkelt. Wenn du schon versuchst, eine Versicherung um ein kleines Vermögen zu erleichtern, dann investier doch wenigstens in einen verdammten Schauspielkurs für Tier-Imitatoren!
Oder noch besser: Stell den Wagen einfach mit einem offenen Glas Erdnussbutter im Wald ab. In Kalifornien spazieren die echten Viecher ohnehin ungefragt in jeden zweiten Whirlpool. Jetzt sitzen die drei Pseudo-Bären im Knast und der einzige Bär, den sie in nächster Zeit sehen, ist der grimmige Schließer bei der Essensausgabe. Manchmal schreibt die Realität einfach die besten Drehbücher!
Quelle:
Reingehört?
Ihr wisst: Wo eine Bootbrücke gebaut wird, da ist Daniel nicht weit. Und auch dieses Mal hat er alles über den Erbauer in Erfahrung gebracht. Und dabei ging es ja gar nicht um die Brücke:
Hört jetzt rein in »Türken-Tournee« (Opens in a new window)!
(Opens in a new window)https://open.spotify.com/episode/1AS1y5uZIGXBbbOyuNl9SN?si=9eG-pOfESQGdHSq6jBx4JQ (Opens in a new window)Heldendumm Quickie: Der Filter des Grauens
Stellt euch vor, es sind die frühen 1950er-Jahre. Rauchen ist nicht nur cool, es ist quasi Bürgerpflicht. Man raucht im Flugzeug, man raucht im Krankenhaus, und wenn ein Arzt euch damals eine Zigarette zur Beruhigung der Nerven empfohlen hätte, wäre das kein Fall für die Ethikkommission, sondern ganz normales medizinisches Marketing gewesen. Doch dann passierte etwas Unangenehmes für die Tabakmultis: Die Wissenschaft fing an, Fragen zu stellen.
Im Jahr 1950 erschienen bahnbrechende Studien, die erstmals klipp und klar bewiesen, was man eigentlich schon länger ahnte: Rauchen verursacht Lungenkrebs. Die Tabakindustrie geriet in Panik. Die Verkaufszahlen drohten einzubrechen, weil die Leute plötzlich keine Lust mehr hatten, für ihren eigenen frühen Tod zu bezahlen. Die Lösung? Man brauchte ein technisches Wunderwerk, das den Rauch „reinigt“, ohne den Geschmack zu ruinieren. Man brauchte den Filter.
Hier tritt die Lorillard Tobacco Company auf den Plan und präsentiert 1952 ihre neue Marke: Kent. Ihr Alleinstellungsmerkmal war der sagenumwobene „Micronite“-Filter.

Lorillard vermarktete Kent-Zigaretten als die technologisch fortschrittlichste Antwort auf die Gesundheitsängste der Nation. Die Werbung versprach den “größten Gesundheitsschutz in der Geschichte der Zigarette”. Der Filter war so effektiv, dass man behauptete, er würde sogar die winzigsten Partikel abfangen, die andere Filter durchließen.
Man nutzte die damalige Begeisterung für das Atomzeitalter und raunte geheimnisvoll, dass das Material des Filters so rein sei, dass es sogar in Fabriken verwendet wurde, die mit radioaktiven Stoffen arbeiteten. Das klang nach Hochtechnologie, nach Sicherheit, nach purer Wissenschaft. Wer Kent rauchte, war ein aufgeklärter Mensch, der auf seine Gesundheit achtete, während er genüsslich den blauen Dunst einsaugte.
Doch es gab da ein winziges, faseriges Detail, das die Werbeabteilung lieber für sich behielt.
Was genau war dieses „Micronite“? Heute wissen wir, dass Lorillard für diese Filter ein Material verwendete, das eigentlich für Gasmasken im Zweiten Weltkrieg entwickelt worden war. Es war eine Mischung aus Baumwolle, thermoplastischem Harz und... Krokydolith.
Falls euch der Name nichts sagt: Krokydolith ist auch als „blauer Asbest“ bekannt. Und hier erreichen wir das Level der ultimativen Heldendummheit.
Asbest ist ein faszinierendes Mineral. Es ist hitzebeständig, fast unzerstörbar und lässt sich wunderbar zu Filtern verarbeiten. Das Problem ist nur, dass die Fasern extrem brüchig sind. Wenn man also an einer Kent-Zigarette zog, passierte folgendes: Der Tabakrauch wurde durch den Asbestfilter gezogen. Die Hitze und der Sog lösten mikroskopisch kleine Asbestfasern aus dem Filter und der Raucher inhalierte nicht nur Teer und Nikotin, sondern feuerte sich auch noch Ladungen von blauem Asbest direkt in die Lunge.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Um sich vor den krebserregenden Stoffen im Tabak zu schützen, inhalierten die Leute eines der aggressivsten Karzinogene, die der Menschheit bekannt sind. Krokydolith gilt als die gefährlichste aller Asbestarten, da seine Fasern so dünn sind, dass sie tief ins Lungengewebe eindringen und dort Mesotheliome – eine besonders bösartige Form von Krebs – auslösen können.
Zwischen 1952 und 1956 wur den schätzungsweise 13 Milliarden Kent-Zigaretten mit diesem “Gesundheitsfilter” verkauft. Das bedeutet, dass Millionen von Menschen über Jahre hinweg bei jedem einzelnen Zug Asbest geatmet haben.
Die Tabakindustrie wusste schon damals, dass Asbest nicht unbedingt das ist, was man in seinen Körper lassen sollte. Interne Dokumente und Untersuchungen zeigten bereits in den 1950ern, dass die Filter Fasern abgaben. Aber hey, das Marketing lief super und die Leute fühlten sich sicher. Erst 1956 stellte Lorillard den Filter auf eine harmlosere Variante aus Celluloseacetat um – natürlich ohne jemals zuzugeben, dass sie ihre Kunden vier Jahre lang mit einer “Asbest-Lungen-Kombination” gefüttert hatten.
Die Konsequenzen ließen nicht lange auf sich warten, auch wenn Asbest-Erkrankungen oft erst Jahrzehnte später ausbrechen. In den 1980er und 90er Jahren rollte eine Lawine von Klagen auf Lorillard zu. Ehemalige Raucher, die an Mesotheliom erkrankt waren, konnten nachweisen, dass sie in den 50ern Kent geraucht hatten. Aber nicht nur die Raucher waren betroffen. Auch die Arbeiter in den Fabriken, die diese Filter herstellten, starben in erschreckend hoher Zahl an asbestbedingten Krankheiten. In einigen Fabriken, in denen die Filter produziert wurden, war die Konzentration an Asbeststaub so hoch, dass man die Hand vor Augen kaum sehen konnte.
Was lernen wir aus dieser Geschichte? Wenn euch jemand erzählt, er habe eine revolutionäre Methode gefunden, ein schädliches Laster gesund zu machen, schaut lieber zweimal hin. Die Geschichte der Kent-Zigaretten ist das perfekte Beispiel für eine Lösung, die so viel schlimmer war als das ursprüngliche Problem.
In diesem Sinne: Bleibt gesund und seid froh, dass wir heute zumindest wissen, dass blaues Micronite nichts ist, was man sich in den Mund stecken sollte.
Quelle:
"Micronite" Asbestos Cigarette Filters & Mesothelioma (Opens in a new window)
Und das war’s schon für diese Ausgabe!
Bleibt heldenhaft,
Tonya Bone-ita Riesenhuber
P.S.: Warum kriege ich so wenig Resonanz auf meine Witze?.
Findet ihr meinen Humor so unterirdisch?
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