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Wahrnehmungsförderung

Einführung – Begriff und Relevanz: Unter Wahrnehmungsförderung versteht man gezielte Maßnahmen, die die Sinneskanäle älterer Menschen ansprechen und trainieren. Durch solche Angebote können z. B. Sehen, Hören, Fühlen, Riechen oder Schmecken stimuliert und die Gesamtwahrnehmung geschärft werden. Ziel ist es, das Bewusstsein für den eigenen Körper und die Umgebung zu stärken – ein Ansatz, der etwa in der Basalen Stimulation genutzt wird. Gerade im Alter verlieren die Sinnesorgane allmählich ihre Leistungsfähigkeit: Die Linse des Auges verliert Elastizität (Alterssichtigkeit), es treten Blendempfindlichkeit und Makuladegeneration auf. Gleichzeitig nimmt bei vielen Menschen ab 60 Jahren das Hörvermögen ab, sodass z. B. über 70 % der über 80-Jährigen leichte Schwerhörigkeit aufweisen. Auch Geruchs- und Geschmackssinn schwinden mit dem Alter – etwa ein Drittel der Über-80-Jährigen ist nahezu anosmisch (riecht kaum noch). Der Gleichgewichtssinn lässt nach, was Stürze und Schwindel begünstigt. Da mehrere Sinneseinschränkungen gemeinsam die Lebensqualität und Selbstständigkeit im Alter stark beeinträchtigen können, gewinnt ihre Förderung an Bedeutung. Sinneseinschränkungen gehen oft mit kognitiven und emotionalen Folgen einher (z. B. Demenz- oder Depressionsrisiko). Entsprechend zielt die Wahrnehmungsförderung darauf ab, diese negativen Effekte abzumildern und die verbliebenen Fähigkeiten bestmöglich zu unterstützen.
(Hinweis: Das Lexikon - Inhaltsverzeichnis (Opens in a new window))

Zielsetzung der Wahrnehmungsförderung

  • Sensorische Fähigkeiten erhalten und stärken: Durch gezielte Übungen sollen alle Sinne angesprochen und trainiert werden (Sehen, Hören, Tasten, Riechen, Schmecken sowie vestibuläres Gleichgewicht und Körpergefühl). Eine Verbesserung der Sinneswahrnehmung kann dazu beitragen, die Umwelt bewusster wahrzunehmen und alltägliche Handlungen zu erleichtern.

  • Kognitive Ressourcen aktivieren: Sinnesreize regen das Gehirn an und können Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Orientierung fördern. So zeigen Studien, dass etwa eine verbesserte Sehschärfe (z. B. nach einer Katarakt-Operation) messbar die kognitiven Leistungen steigert und das Risiko eines weiteren Leistungsabbaus senkt.

  • Selbstständigkeit erhalten: Wer seine Sinne aktiv nutzen kann, bleibt länger unabhängig. Gut trainierte Sinne unterstützen z. B. die Mobilität (schärferes Sehen und Hören vermindern Sturzgefahr) und fördern das Erinnerungsvermögen (z. B. wiedererkennen von Gerüchen oder Musik). Studien betonen, dass Einschränkungen der Sinne eng mit vermindertem Alltagsbewältigungspotenzial und Verlust der Lebensqualität verbunden sind. Durch Förderung der Wahrnehmung sollen diese Verluste gemildert und möglichst viel Selbstbestimmung erhalten bleiben.

  • Emotionales Wohlbefinden stärken: Positive Sinneserfahrungen steigern das Wohlgefühl und können Angst oder Unruhe lindern. Beispielsweise lösen bestimmte Düfte (Lavendel, Zitronenmelisse) im Gehirn Glückshormone aus, was Ängste vermindert und Entspannung fördert. Insbesondere Menschen mit Demenz können durch vertraute Gerüche oder Musik aktiviert werden: Sie erleben sogenannte „wache Momente“ und weniger innere Unruhe.

  • Soziale Teilhabe fördern: Sinnesanregungen finden oft in Gemeinschaft statt. Durch gemeinsame Aktivitäten (z. B. gemeinsames Essen, Musik, Basteln) wird die Kommunikation angeregt. Dabei spielt die Selbstbestimmung eine große Rolle: Angebote sollen freigestellt und individuell anpassbar sein (es gilt: alles kann, nichts muss). Dies erhält die Würde der Betroffenen und motiviert zur Teilnahme.

Chancen und Grenzen der Wahrnehmungsförderung

Vorteile: Sinnesfördernde Angebote sind sehr vielseitig einsetzbar und können passgenau an die Fähigkeiten jeder Person angepasst werden. Sie bieten Abwechslung und schaffen positive Erlebnisse – dies wirkt motivierend für die Betreuten und gibt den Betreuungskräften kreative Gestaltungsmöglichkeiten. Pflegekräfte berichten, dass Musik, Düfte oder haptische Reize oft eine spürbare Verbesserung der Stimmung und Aufmerksamkeit bewirken. Durch gemeinsame Sinneserlebnisse im Gruppenangebot (z. B. ein Duft‐ oder Musikcafé) wird zudem das Gemeinschaftsgefühl gestärkt. Langfristig können bessere Sinneswahrnehmungen die Selbstständigkeit unterstützen: So geht etwa eine geringere Schwerhörigkeit mit deutlich höherer Sturz- und Demenz-Wahrscheinlichkeit ein, was darauf hinweist, dass frühzeitiges Fördern der Hörwahrnehmung auch Alten Krankheitsfolgen entgegenwirken kann.

Nachteile und Grenzen: Die Durchführung solcher Angebote erfordert Zeit, Planung und oft zusätzliches Material. Nicht immer zeigen sich sofort starke Effekte, besonders bei schweren kognitiven Beeinträchtigungen. Sinnesübungen können das betreffende Gefühl auch überfordern, wenn zu viele oder unpassende Reize gleichzeitig dargeboten werden. Pflegekräfte sollten daher die Angebote achtsam dosieren („Weniger ist manchmal mehr“). Da jeder Duft oder jedes Geräusch individuell empfunden wird, können einzelne Reize auch unangenehm wirken. Eine ständige „Dauerberieselung“ (etwa durch durchgehende Duftdiffusion) sollte vermieden werden, um Gewöhnungseffekte und Unwohlsein zu verhindern. Ebenso kann das Angebot nicht über Nacht standardisiert werden – es besteht die Gefahr, dass bei Demenzkranken ein Angebot heute Wirkung zeigt und morgen nicht. Deshalb sind Beobachtung und Feinfühligkeit notwendig. Schließlich erfordert die erfolgreiche Umsetzung Schulung und Erfahrung der Betreuungskräfte. In der Praxis muss ein gutes Mittelmaß gefunden werden, damit der Aufwand (z. B. für Räume, Material oder spezielle Geräte) in einem sinnvollen Verhältnis zum Nutzen steht.

Umsetzung in der Praxis

Verschiedene Wahrnehmungsbereiche

Alle Sinneskanäle lassen sich gezielt ansprechen, um die Wahrnehmung zu stimulieren. Folgende Bereiche können dabei unterschieden werden:

  • Visuelle Wahrnehmung: Das Sehvermögen geht im Alter häufig zurück. Hilfreich sind kontrastreiche Angebote (gute Beleuchtung, deutlich erkennbare Farben und Formen). Lesen in großer Schrift, Betrachten von Fotos oder Kunst, das Anschauen von Naturfilmen oder Dia-Shows weckt visuelle Aufmerksamkeit. Bewegte Bilder sind besonders anregend, da unser Sehsinn evolutionär auf Bewegung ausgelegt ist: „Auch heute noch liebt unser Sehsinn bewegte Bilder“. Projektoren für Tagesmotive, ein Dia-Karussell oder Schneekugelprojektionen können visuelle Reize abwechslungsreich gestalten. Sind Sehhilfen vorhanden, sollte auf deren korrekte Anwendung geachtet werden. Bei stark eingeschränkter Sicht geben kontrastreiche Leuchtpunkte (z. B. Lichtspiele) und freundliche Stimmansagen der Pflegekraft Orientierung, damit sich die Person sicher fühlt.

  • Auditive Wahrnehmung: Schwerhörigkeit ist häufig. Sinnvoll ist das regelmäßige Trainieren mit Musik oder auditiven Spielen (z. B. Ratespiele: „Welches Instrument klingt?“, Tiergeräusche erkennen). Gut hörbare Hörbücher oder Radiosendungen für Senioren können Freude bringen. Wichtig ist, Störgeräusche zu minimieren (ruhige Umgebung). Klangschalen, sanfte Musik oder Glockenspiele stimulieren das Gehör – selbst Vibrationen werden oft noch wahrgenommen, wenn das Hören sehr nachgelassen hat. Ist das Gehör stark reduziert, können Geräusche auch als sanfte Schwingungen (z. B. leichte Handauflegen mit vibrieren‐ den Geräten) eingesetzt werden, da Vibrationsempfindungen den auditiven Sinn ergänzen.

  • Taktile Wahrnehmung (Tastsinn): Der Haut- und Tastsinn kann mit vielen Materialien stimuliert werden. Weiche Decken, unterschiedliche Stoffe oder Sand‐ und Wasserspiele laden zum Fühlen ein. In der Basalen Stimulation werden z. B. sanfte Berührungen (Streicheln, Massieren) genutzt, um die Körperwahrnehmung anzuregen. Spezielle „Nesteldecken“ und Fühlkissen mit verschiedenen Materialien (Kunstfell, Wolle, Papier, Holzstücke, getrocknete Kräuter) bieten vielfältige haptische Eindrücke. Auch alltägliche Aktivitäten wie Waschen mit unterschiedlichen Bürsten oder das Greifen nach vertrauten Gegenständen (Holz, Stoffe, Kieselsteine) fördern den Tastsinn. Dabei ist stets auf Wärme (aber keine Hitze) und sanften Druck zu achten, um kein Unbehagen auszulösen.

  • Gustatorische Wahrnehmung (Geschmack): Auch der Geschmackssinn lässt nach. Demenzkranke bevorzugen oft süße Speisen, weil sie saure oder bittere Nuancen schlechter wahrnehmen. Daher können leicht süßliche Gewürze (z. B. Zimt im warmen Porridge) den Appetit steigern. Geschmacksspiele (z. B. Erkennen von gelutschten Bonbons oder Fruchtstücken) machen Spaß und trainieren die Geschmacksrichtung. Wichtig ist, immer auf Diätvorschriften und Schluckfähigkeit zu achten – feste Snacks oder Gemeinschaftskochen (zum Riechen, Probieren) sollten individuell angepasst werden.

  • Olfaktorische Wahrnehmung (Geruch): Düfte gelangen direkt in unser emotionales Gedächtnis (limbisches System) und wecken Erinnerungen. Daher sollte man bekannte, angenehme Düfte (Kaffee, frische Kräuter, Blumen, Ätherische Öle wie Lavendel oder Zitrone) bewusst einsetzen. Kurzzeitige Aromastimulation mit Duftlampen oder Duftsteinen wirkt belebend oder beruhigend. Studien belegen, dass Lavendel- und Zitronenmelisse-Duft bei älteren Menschen entspannend wirkt. Auch in Gruppen kann man z. B. gemeinsam ein Kräuterduft-Ratespiel machen. Wichtig ist jedoch der sorgsame Einsatz: Duftstoffe wirken sehr subjektiv, können allergisch reagieren oder aufdringlich sein. Ständige Beduftung ist zu vermeiden (es tritt Gewöhnung ein), und die Person sollte stets die Möglichkeit haben, den Duft abzulehnen.

  • Vestibuläre Wahrnehmung (Gleichgewicht): Der Gleichgewichtssinn nimmt im Alter ab, viele Senioren leiden unter Schwindel und unsicherem Gang. Die Förderung umfasst vorsichtiges Bewegungstraining: etwa leichte Gymnastik mit Bällen, Haltungsspiele (Gewichtsverlagerung), Balancierübungen (z. B. barfuß über Mattenstapel gehen) oder Schaukeln im Sessel. Sichere Spaziergänge im Garten (auf verschiedenen Untergründen wie Sand oder Kies) regen den Gleichgewichtssinn an. Wichtig ist eine sichere Umgebung (Sturzrisiken minimieren!). Ein gezieltes Gleichgewichtstraining kann Sturzangst und damit verbundene soziale Einschränkungen reduzieren.

  • Propriozeptive Wahrnehmung (Körperlage): Diese Empfindung meldet die Stellung des eigenen Körpers im Raum. Übungen, die die Gelenke leicht belasten (z. B. Ballspiele, Handgymnastik mit Gegengewichten) oder das bewusste Spüren von Körperpositionen (z. B. „Der Fuß spürt den Boden“) verbessern das Körpergefühl. Barfuß-Gehen über verschiedene Unterlagen (Wiese, Sand, weiche Unterlagen) stärkt propriozeptive Reize. Ein sicheres Liegen oder Sitzen mit spürbaren Körpergrenzen (z. B. eng anliegende Kleidung) kann ebenfalls das Bewusstsein für den eigenen Körper fördern.

Methodische Grundsätze

Wahrnehmungsförderung sollte immer biografie- und bedürfnisorientiert erfolgen: Die Angebote richten sich nach individuellen Vorlieben und Fähigkeiten. Folgende Prinzipien sind dabei hilfreich:

  • Achtsamkeit und Zeit: Geben Sie den Betroffenen ausreichend Zeit, um den Reiz zu verarbeiten. Bei jeder Sinneserfahrung gilt: In der Ruhe liegt die Kraft. Zu hastige oder zu viele Reize zugleich überfordern. Beobachten Sie deshalb genau, wie die Person reagiert, und passen Sie Ihr Tempo an.

  • Rituale und Sicherheit: Führen Sie Rituale ein (z. B. eine kurze Ansprache oder Berührung an der Schulter zu Beginn und Ende), damit die älteren Menschen wissen, wann das Angebot beginnt und endet. Diese Verlässlichkeit vermittelt Sicherheit. In Situationen mit starker Sinnesreizung (z. B. stark duftende Öle) sollten Betreuungskräfte die Person nicht unbeaufsichtigt lassen und gegebenenfalls durch freundliche Berührung Sicherheit geben.

  • Respekt und Selbstbestimmung: Lassen Sie die Person wählen und sagen Sie frei nach dem Motto: Alles kann, nichts muss. Wenn ein Angebot abgelehnt wird, akzeptieren Sie das ohne Zwang. So bleibt die Selbstbestimmung gewahrt. Fördern Sie Angehörige und Mitbewohner dazu, bei den Angeboten unterstützend dabei zu sein, um soziale Bindung zu stärken.

  • Biografiearbeit: Greifen Sie auf vertraute Elemente zurück, die positive Erinnerungen wecken (etwa Lieblingsmusik, vertraute Gewürze oder Handarbeiten aus der Jugend). Die persönlichen Vorlieben sind oft der Schlüssel zu großer Motivation. Studien zeigen, dass bei Menschen mit Demenz Düfte und Klänge an lange zurückliegende Erlebnisse anknüpfen können und innere Unruhe verringern.

  • Ganzheitlicher Ansatz: Nutzen Sie Multisensorik, indem Sie mehrere Sinne gleichzeitig ansprechen (z. B. beim Basteln – Sehen, Fühlen und Hören durch Musik im Hintergrund). Konzepte wie Snoezelen oder Basale Stimulation integrieren typischerweise alle Sinne und verfolgen das Ziel, Nähe und Orientierung zu geben. Die Gestaltung sollte übersichtlich sein, ohne Reizüberflutung: Weniger Angebote in guter Qualität sind oft wirksamer als zu viele gleichzeitig.

Gruppen- und Einzelangebote

Gruppenaktivitäten: Im Gruppenverband lassen sich Sinnesangebote besonders lebendig gestalten. Beispiele sind gemeinsame Musik- oder Singkreise, das Musizieren mit Glockenspielen oder Trommeln, aromatische Kaffee- oder Teerunden (wo verschiedene Düfte und Geschmäcker erraten werden) und Koch- oder Backgruppen (Geruch, Geschmack und Motorik). Auch gemeinsame Spaziergänge (Sehen von Natur und Hören der Umgebungsgeräusche) stärken das Gemeinschaftsgefühl. Sinnesparcours werden oft als Stationsbetrieb organisiert: Mehrere Tische sind jeweils mit einem Sinnesthema bestückt (z. B. Riechen an Kräutergläsern, Fühlen unterschiedlicher Stoffe, Hören von Klangdosen). Ein solcher Parcours ermöglicht den Teilnehmenden, in ihrem eigenen Tempo jede Station zu besuchen und schafft Abwechslung.
Einzelangebote: Individuelle Einheiten erlauben eine noch stärkere Anpassung. Dazu gehören zum Beispiel Massagen oder Handwickeln zur Berührungssensibilisierung, basale Stimulation im Liegen (temperierte Wasserreize oder sanfte Berührungen am Körper), das gezielte Anreichen von Lieblingsgerüchen zum Einatmen oder eine persönliche Foto- oder Klangkiste. Auch Einzelmusiktherapie, spezielles Vorlesen (Sehender Blickkontakt, ggf. fühlbare Bilderbücher) oder das Ausprobieren von Tastkisten (gegenstände ertasten und erkennen) bieten sich an. In allen Fällen gilt: Beginnen Sie sanft und signalisieren Sie durch Ansagen oder Berührung stets Respekt und Vertrauen. Sinnesanregungen dürfen nur angenommen oder abgelehnt werden – so bleibt die Person im Mittelpunkt.

Gestaltung von Räumen und Materialien

Die Umgebung sollte die Sinne stimulieren, aber nicht überfluten. Idealerweise gibt es spezielle Sinnesräume oder -ecken (z. B. ein Snoezelen-Zimmer) mit sanfter Beleuchtung (bunte LED-Lichter, Sternenhimmelprojektor), leiser Musik, Duftlampen und weichen Sitzmöbeln. Eine ruhige Atmosphäre ist wichtig: „Sorgen Sie für eine entspannte und ungestörte Atmosphäre“, damit die Betroffenen die Reize wirklich aufnehmen können. In Gemeinschaftsräumen können ansprechende Bildergalerien, ein mobiles Herbarium oder Wintergartenpflanzen Düfte und visuelle Eindrücke bieten. Materialkisten mit unterschiedlichen Texturen (Holz, Stoff, Naturmaterialien) laden zum Spielen und Experimentieren ein – hierbei können immer wieder neue Gegenstände ausgetauscht werden. Auf den Fluren oder im Garten können taktile Pfade und Fühlbretter montiert werden (z. B. mit Rillen, Noppen, verschiedenen Stoffen beklebt) – barfußlaufen über Matschenbecken oder Rindenwege stärkt gleichzeitig das Gleichgewicht. Für Sehbehinderte hilft markante Kontrastgestaltung (hell-dunkel Kontraste, große Symbole). In Essbereichen unterstützen große, bunte Teller und Speisen mit intensiven Farben die Seh– und Geschmackserfahrung. Beim Einsatz von Duftölen ist auf individuelle Vorlieben und mögliche Allergien zu achten. Generell gilt: Bauen Sie sinnliche Reize bewusst in den Alltag ein (z. B. durch eine gut riechende Handcreme beim Eincremen, sanfte Fußmassagen oder Blick auf den Himmel im Freien). So wird die Wahrnehmungsförderung fester Bestandteil des Alltags, der Lebensfreude und Teilhabe älterer Menschen zugutekommt.

Konkrete Praxisbeispiele

  • Sinnesparcours: Mehrere Stationen bieten verschiedene Sinneseindrücke. Ein Beispiel: Auf einem Tisch stehen riechende Gläser mit Gewürzen (Ratespiel „Welches Gewürz rieche ich?“), daneben Fühlbeutel mit Stoffen oder Naturmaterialien zum Ertasten und ein Tablett mit Obststücken zum Schmecken. Ein Projektor wirft Muster an die Decke (visuelle Reize), im Hintergrund läuft leise Naturmusik. Die Senioren durchlaufen im eigenen Tempo alle Stationen. Dabei kann jede Station speziell vorbereitet sein – etwa eine Fühlkiste mit biografischen Gegenständen (ein alter Fotoalbum-, Zeitungsausschnitt oder ein Stück Holz aus dem ehemaligen Garten). Solch ein Parcours spricht gleichzeitig mehrere Sinne an und weckt oft Gespräche über Erinnerungen.

  • Klangschalen-Übung: In Einzel- oder Kleingruppen setzen Pflegende tibetische Klangschalen sanft an den Körper der Senioren oder schlagen sie in Hörweite an. Die tiefen Klänge und leichten Vibrationen wirken entspannend und wecken das Körperbewusstsein. Schon das Zuhören mit geschlossenen stellt akustische Wahrnehmung dar. Laut Studien löst ruhiger Lavendel‐ und Melissenduft in solcher Situation ebenso Entspannung ausmedwing.com. Zwischen einzelnen Schlägen wird abgewartet, bis der Ton verklingt – so wird der Geist zur Ruhe gebracht. Diese ruhige Rhythmisierung kommt auch Menschen mit Demenz entgegen, die so kurzzeitig ins Hier und Jetzt finden können.

  • Aromastimulation: Regelmäßige kleine „Duftrituale“ können das Wohlbefinden fördern. Zum Beispiel verteilt man in einem Raum frisch gemahlenen Kaffee oder lässt im Wintergarten Pfefferminz- und Orangenöl auf einem Duftkissen verdunsten. Pflegekräfte fragen gezielt nach Lieblingsgerüchen (Blumen, Kräuter, Parfüm) und verwenden diese. Studien belegen, dass bestimmte ätherische Öle Ängste lösen und positiven Einfluss auf Psyche und Schlaf haben. Wichtig ist das achtsame Angebot: Man bietet Düfte einzeln an, beobachtet die Reaktion und lässt den Duft nach der Sitzung verfliegen, damit sich niemand unwohl fühlt. Ein solches Angebot kann z. B. im Rahmen einer Biografieeinheit geschehen, in der Altöl – wie Rosen- oder Lavendelöl – in eine Serviette gegeben und besprochen wird.

  • Fühlbox / Tastbrett: Eine abschließbare Kiste wird mit verschiedenen texturierten Materialien gefüllt: Kiesel, Filzplatten, spitze Tannenzapfen, samtweiche Stoffe, glatte Glasperlen oder weiche Federbänder. Die Betreuten dürfen mit verbundenen Augen in die Kiste greifen und die Gegenstände ertasten. Anschließend wird diskutiert, was sie gefühlt haben. Auch fest angebrachte Tastbretter an den Wänden (mit eingravierten Mustern, Kork, Rädern, Plüschflächen) laden zum Entdecken ein und aktivieren die taktile Wahrnehmung bei einfachem Greifen und Fühlen. Diese Angebote können sowohl in Einzel- als auch Gruppensituationen eingesetzt werden. Dabei ist es ratsam, immer nur wenige Objekte zugleich einzusetzen, um Überforderung zu vermeiden.

  • Barfuß-Parcours: Ein kleiner Parcours im Hausflur oder Therapieraum, auf dem Senioren ohne Schuhe über unterschiedliche Untergründe laufen können – etwa Wiese (Kunstrasen), Sand, Holzstäbchen und Gummi-Noppenmatten. So werden taktile, propriozeptive und vestibuläre Sinnesreize kombiniert. Die Füße nehmen diverse Druck- und Temperaturreize wahr, während das Gleichgewicht beim Laufen aktiviert wird. Begleitend kann leise Musik gespielt oder ein parfümierter Teppich verlegt werden, um auch auditive und olfaktorische Anreize zu setzen.

Diese Beispiele zeigen, wie vielfältig Wahrnehmungsförderung in der Praxis umgesetzt werden kann. Durch einfühlsame Begleitung und angemessene Dosierung der Reize lassen sich positive Sinneserfahrungen schaffen, die den Alltag älterer Menschen bereichern und ihre Lebensqualität steigern.

Übungen zur Sinnesförderung

Vielfältige Sinnesanregungen fördern die Lebensqualität älterer Menschen. Wahrnehmungsspiele bringen Abwechslung und Freude in den Alltag und schulen dabei ganz nebenbei die Sinne. Sinnliche Angebote steigern das Wohlbefinden, stärken Selbstvertrauen und soziale Teilhabe und schützen vor Einsamkeit.

Visuelle Wahrnehmung

Mit visuellen Übungen (Sehen) werden Bilder, Formen und Farben bewusst wahrgenommen. Das Erkennen von Gegenständen, Mustern oder Veränderungen im Sichtfeld trainiert Aufmerksamkeit und Gedächtnis. Beispielsweise kann man wie empfohlen gezielt nach geometrischen Formen in der Umgebung suchen, um die visuelle Aufmerksamkeit zu schärfen.

Makro-Bilder erraten

Wahrnehmungsbereich: visuell

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Digitalkamera oder Handy mit Makro-Linse, Ausdrucken von Nahaufnahmen (Makro-Bilder) von Alltagsgegenständen (zum Beispiel eines Schlüssels, einer Uhr oder eines Kaffeebechers), Tafel oder Tisch zum Auslegen der Bilder.

Anleitung zur Durchführung:
1. Fotografieren Sie einige vertraute Gegenstände sehr nah (Makro), so dass nur ein Detail zu erkennen ist.
2. Drucken Sie die Fotos aus oder zeigen Sie sie am Bildschirm.
3. Zeigen Sie den Teilnehmenden nacheinander je ein Bild.
4. Lassen Sie raten, welcher Gegenstand abgebildet ist.
5. Geben Sie gegebenenfalls Hinweise (Farbe, Form). Schwieriger für kognitiv fitte Senioren, leichter machen mit offensichtlicheren Bildern.

Praxisbeispiel: In einer Gruppe hat die Betreuungskraft Nahaufnahmen von Objekten aus dem Wohnbereich vorbereitet (zum Beispiel Gabelzinken, Holzmuster einer Kiste). Die Senioren sehen die Fotos und versuchen reihum zu erraten, was dargestellt ist. Dabei kommen die Gruppe ins Gespräch und teilt Erinnerungen (z.B. „Das ist wie unser alter Aschenbecher.“).

Ich sehe was, was du nicht siehst

Wahrnehmungsbereich: visuell

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Keines; Umgebung mit unterschiedlichen Gegenständen

Anleitung zur Durchführung:
1. Ein Spieler (die Betreuungskraft oder ein Mitteilnehmender) sucht sich einen sichtbaren Gegenstand aus.
2. Er beginnt mit dem Satz „Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist …“ und nennt eine Farbe oder Form (z.B. „rot“ oder „rund“).
3. Die anderen suchen in der Umgebung nach dem Gegenstand und raten.
4. Es kann auch ein genauer Begriff genannt werden, wenn das Raten zu schwierig ist.
5. Für Menschen mit Demenz kann man Hinweise geben (z.B. auf Möbel in der Nähe deuten) oder das Spiel kürzer halten.

Praxisbeispiel: Bei einem Spaziergang im Innenhof spielt eine Pflegekraft das „Ich sehe was“-Spiel. Sie sagt: „Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist gelb.“ Gemeinsam rätseln die Senioren und finden schließlich eine gelbe Blume im Beet. Die einfache Regel dieses Spiels erlaubt es auch Menschen mit leichter Demenz, mitzuraten oder zuzuschauen, während andere spielen.

Gemeinsames Puzzeln

Wahrnehmungsbereich: visuell

Zielgruppe: vorwiegend Senioren ohne Demenz (kann bei leichter Demenz mit großer Hilfe)

Materialliste: Einfache Puzzle (max. 20–50 große Teile) oder selbstgemachtes Puzzle (z.B. laminiertes Foto oder Kalenderbild zerschnitten)

Anleitung zur Durchführung:
1. Wählen Sie ein motivierendes Bild (Landschaft, Tier, Blumen) und ein Puzzle mit übersichtlichen, farbigen Teilen.
2. Zu zweit oder in kleiner Gruppe setzen die Teilnehmenden die Puzzleteile zusammen.
3. Sprechen Sie dabei über das Bildmotiv („Schau, da ist ein Hund!“).
4. Erhöhen Sie den Schwierigkeitsgrad, indem Sie Puzzles mit mehr Teilen oder ähnliche Farben einsetzen. Bei Demenzerkrankten verwendet man große Teile und hilft beim Auffinden passender Teile.

Praxisbeispiel: In einem Wohnbereich sitzen mehrere Seniorinnen um einen Tisch. Eine Betreuerin verteilt Puzzle-Teile eines Bildes mit einem bunten Schmetterling darauf. Die Gruppe sucht gemeinsam nach passenden Teilen, ordnet Farben zu und freut sich, als der Schmetterling allmählich entsteht. Dabei führen die Senioren angeregte Gespräche über Gärten und Natur.

Zeig dich! – Bildpartien enthüllen

Wahrnehmungsbereich: visuell

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Ein großes Bild oder Poster (z.B. Postkarten- oder Kalenderbild), ablösbare Klebezettel oder Klappdeckel (alternativ selbst gebasteltes Verdeckungs-Rahmensystem)

Anleitung zur Durchführung:
1. Bekleben oder verdecken Sie Teile des Bildes (z.B. mit Post-its) so, dass anfangs kaum etwas zu erkennen ist.
2. Die Senioren betrachten gemeinsam das Bild aus der Ferne.
3. Nach der Ankündigung „Wir lüften gleich ein Teil des Bildes“ entfernen Sie schrittweise ein paar Abdeckungen.
4. Die Teilnehmenden raten, was sich unter den abgedeckten Stellen verbirgt.
5. Wiederholen Sie dies, bis das gesamte Bild sichtbar ist. Klare Kontraste und vertraute Motive erleichtern das Erraten.

Praxisbeispiel: Eine Pflegekraft hat ein großes Foto eines bunten Vogelhäuschens hinter kleinen Karteikarten verdeckt. Nach und nach löst sie die Karteikarten. Die Senioren sagen laut, was sie sehen („Ein Vogel!“, „Ein Haus mit Blumen!“). Das Aufdecken und Erraten weckt Neugierde. Eine Bewohnerin mit leichter Demenz kann sich am Ende sogar das Wort „Blumenhaus“ merken.

Formensuche im Spaziergang

Wahrnehmungsbereich: visuell

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Keine (evtl. laminierte Bildkarten mit Formen zur Demonstration)

Anleitung zur Durchführung:
1. Wählen Sie eine einfache geometrische Form, etwa Kreis oder Dreieck.
2. Gehen Sie mit den Senioren durch den Wohnbereich oder Garten.
3. Fordern Sie sie auf, bewusst nach der gewählten Form Ausschau zu halten (Beispiel: „Wer von euch entdeckt heute überall Kreise?“).
4. Jedes Mal, wenn jemand im Raum oder in der Natur ein solches Objekt findet, benennt er es.
5. Ermutigen Sie die Teilnehmenden, auch ungewöhnliche Fundorte zu nennen (z.B. Tellerrand, Autoreifen, Sonnenschirm). Dies schult das genaue Hinsehen und macht Spaß.

Praxisbeispiel: Bei einem Gang im Garten zeigt die Betreuerin anhand einer Bildkarte einen Kreis. Dann zählt sie mit den Senioren abwechselnd, an welchen Alltagsgegenständen sie Kreise finden (Bürstendeckel, Schüssel, Schallplatte auf dem Beistelltisch). Die Gruppe lacht, als ein Bewohner ausruft: „Ich sehe noch eins – das Loch im Baumstamm!“. Die einfache Formensuche fördert das Beobachten ohne Druck.

Visuelles Memory-Spiel

Wahrnehmungsbereich: visuell

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Paare identischer Bildkarten (zum Beispiel Tiere, Essen, vertraute Alltagsgegenstände); große Karten (gedruckte Fotos oder Kinder-Memory mit großen Motiven)

Anleitung zur Durchführung:
1. Mischen Sie die Bildkartenpaar-Decks und legen Sie alle Karten verdeckt auf den Tisch.
2. Die Teilnehmenden decken abwechselnd zwei Karten auf.
3. Finden sie ein zusammengehöriges Motiv, nehmen sie die Karten an sich.
4. Ziel ist es, möglichst viele Paare zu sammeln.
5. Bei Demenz verwenden Sie wenige Karten und geben Hilfestellung (z.B. dass Paare farblich zusammenpassen). Motivieren Sie zum lauten Aussprechen der Motive („Ich habe den Hund!“), um Sprache und Erinnerung zu aktivieren.

Praxisbeispiel: Beim Memory-Spiel verteilt die Betreuerin verschiedene Kartenpaare mit Obstmotiven auf dem Tisch. Die Senioren drehen reihum jeweils zwei Karten um. Frau M. findet etwa zwei „Erdbeeren“ und freut sich, während die anderen applaudieren. Ein Teilnehmer mit Demenz braucht zwei Hinweise („Erinnere dich an den roten Saft.“), bevor er die Birnen-Paare erkennt. Am Ende zählt die Gruppe gemeinsam die gefundenen Paare. Dank großer Bilder kann jeder gut erkennen, was abgebildet ist.

Wimmelbild-Betrachten

Wahrnehmungsbereich: visuell

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Großformatige Wimmelbilder oder stark bebilderte Poster (z.B. Marktszene, Bauernhof, Stadtbild)

Anleitung zur Durchführung:
1. Zeigen Sie den Senioren ein Wimmelbild, das viele Details enthält.
2. Lesen Sie gemeinsam die Legende oder Frageliste durch: Oft sind auf Wimmelbildern bestimmte Gegenstände oder Figuren zu suchen (z.B. „Finde das rote Auto, den Hund und den Arzt“).
3. Lassen Sie die Personen das Bild absuchen.
4. Besprechen Sie, was gefunden wird: Wie sehen die Objekte aus? Wer ist darauf zu sehen?
5. Erhöhen Sie die Schwierigkeit, indem Sie nur Umrisse beschreiben oder Teile des Bildes abdecken (analog zu „Zeig dich!“).

Praxisbeispiel: In der Sitzecke liegt ein großes Poster eines belebten Marktplatzes. Die Betreuungskraft fragt die Gruppe: „Wer findet den Schuhverkäufer?“ Gemeinsam zeigen die Senioren begeistert auf winzige Details, berichten voneinander und entdecken sogar versteckte Tiere. Das konzentrierte Betrachten und benennen stimuliert visuelle Erinnerungen an bekannte Märkte oder Ausflüge.

Auditive Wahrnehmung

Auditive Übungen (Hören) lenken die Aufmerksamkeit auf Geräusche, Sprache und Musik. Selbst mit nachlassendem Gehör können ausgewählte Hörreize aktiviert werden. Man kann zum Beispiel verschiedene Umgebungsgeräusche sammeln und erraten lassen. Durch bewusstes Hinhören werden Hörvermögen und Konzentration gefördert.

Musiktitel erraten (Lieder-Rätsel)

Wahrnehmungsbereich: auditiv

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: CD-Player, Smartphone oder MP3-Player, Liedsammlung mit bekannten Volksliedern oder Schlagern der Generation der Senioren

Anleitung zur Durchführung:
1. Spielen Sie den Teilnehmenden kurze Ausschnitte (einige Takte) eines bekannten Liedes vor.
2. Fordern Sie sie auf zu erraten, um welchen Titel es sich handelt.
3. Nach jeder Runde können Mitsingen oder Klatschen als Belohnung dienen.
4. Je nach Gruppe lassen Sie mehr oder weniger hinweisgebende Textteile hören.
5. Für Menschen mit Demenz sind einfache, eingängige Melodien (z.B. Volkslieder) empfehlenswert, da sie Erinnerungen wachrufen.

Praxisbeispiel: In der Nachmittagssitzung spielt die Betreuungskraft je zwei Takte verschiedener Volkslieder auf dem Laptop ab (z.B. „Muss i denn“). Die Senioren halten nach wenigen Noten ihre Hand und rufen lachend den Titel heraus. Herr K., der an Demenz leidet, summt nach dem Abspielen des Refrains mit. Am Ende werden die Lieder ganz abgespielt, und alle singen gemeinsam mit.

Raschel-Geräusche erraten

Wahrnehmungsbereich: auditiv

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Sammlung alltäglicher Geräuschquellen (Papier zum Zerknüllen, ein Buch zum Umblättern, eine Schere zum Schneiden), Schaumstoffbox oder Filmtrommeln zum Verstecken

Anleitung zur Durchführung:
1. Legen Sie ein Geräuschquelle (zum Beispiel zerknülltes Papier oder klappernde Gabeln) in eine undurchsichtige Box oder hinter eine kleine Stellwand.
2. Lassen Sie eine Person ein Geräusch erzeugen (ohne gesehen zu werden).
3. Die anderen hören zu und raten, welches Geräusch es ist.
4. Wechseln Sie die Rolle, bis jeder einmal Geräusche machen durfte.
5. Hinweise wie „Es ist etwas Rundes“ können den Schwierigkeitsgrad anpassen. Diese Übung schult das genaue Hinhören auf Alltagsgeräusche.

Praxisbeispiel: Die Pflegekraft hat einen alten Kissenbezug gefüllt mit Büroklammern. Mit geschlossenen Augen hört die Gruppe zu, während sie leise schüttelt. Die Senioren raten eifrig: „Das sind Münzen!“ – „Nein, fühlt sich hart und eckig an!“ Erst nach mehrmaligem Schütteln erkennen sie die Büroklammern. Alle lachen über ihre Vermutungen.

Rhythmus nachklopfen

Wahrnehmungsbereich: auditiv und taktil (auch leichte motorische Komponente)

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Tisch oder Schreibtisch (als Unterlage), ggf. kleine Trommeln oder Holzbretter, Tipp: Hände oder Holzlöffel

Anleitung zur Durchführung:
1. Eine Person klopft oder klatscht leise einen einfachen Rhythmus auf den Tisch (zum Beispiel: zweimal klopfen, einmal Pause, dreimal klopfen).
2. Die anderen sollen diesen Rhythmus genau nachahmen.
3. Steigern Sie die Komplexität langsam (längere Reihen von Schlägen oder variierende Lautstärke).
4. Alternativ kann die Gruppe abwechselnd kurze Rhythmen erfinden.
5. Die Übung verbindet Hören mit Fühlen und fördert Konzentration sowie koordinative Fähigkeiten.

Praxisbeispiel: In einem Aktivitätskreis trommeln zuerst die Senioren mit ihren Händen sanft auf dem großen Tisch. Dann formt die Betreuungskraft einen Rhythmus mit einem Holzlöffel vor: „Da-da-ruh, da-da-ruh“. Die Senioren wiederholen aufmerksam, einige lachen, wenn jemand den Rhythmus verändert. Durch dieses gemeinsame Klopfen wird die Hörwahrnehmung geschärft und alle sind aktiv beteiligt.

Hör-Memory mit Dosen

Wahrnehmungsbereich: auditiv

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Paare gleichgroßer, fest verschließbarer Dosen (z.B. alte Filmdosen oder kleine Plastikbehälter), verschiedene Kleinteile (Reis, Linsen, Münzen, Perlen, Schrauben)

Anleitung zur Durchführung:
1. Befüllen Sie je zwei Dosen mit identischem Material (z.B. beide mit Reis, beide mit Münzen).
2. Verschließen Sie die Dosen gut und mischen Sie sie durcheinander.
3. Die Teilnehmer schütteln jeweils zwei Dosen nacheinander und vergleichen den Klang.
4. Ziel ist es, alle Dosenpaare mit gleichem Inhalt zu finden.
5. Der Schwierigkeitsgrad kann erhöht werden, indem ähnliche Materialien gewählt werden (z.B. Reis vs. Linsen). Diese Übung verlangt genaues Hinhören auf kleine Tonunterschiede.

Praxisbeispiel: In einer Gruppe mit Demenz-Begleitung hält eine Teilnehmerin eine Dose mit Reis und schüttelt sie. Eine andere Dose mit Bohnen klingt anders. Sie probieren weiter, bis Herr S. lacht und die zwei Reisdosen zusammenlegt. Dann tauschen sie Rollen. Am Ende freut sich die Gruppe über die gefundenen Paare. Die Übung ist beliebig lange spielbar und trainiert auf spielerische Weise den Hörsinn.

Umgebungsgeräusche erkennen

Wahrnehmungsbereich: auditiv

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Keine (aktiver Hörgang), optional Aufnahmegerät für spätere Reflexion

Anleitung zur Durchführung:
1. Setzen Sie sich mit den Senioren an einen lebhaften Ort – etwa auf den Balkon, in den Garten oder in einen Raum mit geöffnetem Fenster.
2. Bitten Sie die Teilnehmenden, die Augen zu schließen und ruhig zu sitzen.
3. Fragen Sie: „Welche Geräusche hört ihr?“ (z.B. Vogelgezwitscher, Auto-Krachen, Gesprächsfetzen, Wind in den Bäumen).
4. Lassen Sie jeden sagen, was er wahrnimmt.
5. Diskutieren Sie danach: Welche Geräusche waren leicht bzw. schwer zu unterscheiden? Diese Übung sensibilisiert für Umgebungsgeräusche und schärft das Hör-Gedächtnis.

Praxisbeispiel: Eine Gruppe sitzt im Speisesaal neben dem geöffneten Fenster. Die Pflegefachkraft schließt die Augen und horcht laut mit, um den Senioren ein Vorbild zu sein. Dann nennt sie: „Ich höre Vogelgezwitscher und entfernte Schritte.“ Die Senioren übernehmen begeistert, rufen nacheinander Dinge auf („Sirene in der Ferne“, „Klopfen einer Tür“). Die Atmosphäre ist ruhig, und das gemeinsame Hören bringt allen ein Erfolgserlebnis.


Gemeinsames Singen

Wahrnehmungsbereich: auditiv

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Liedtexte auf Papier oder Bildschirm (bei Bedarf), gegebenenfalls Instrument (Gitarre, Keyboard) oder Karaoke-Gerät

Anleitung zur Durchführung:
1. Wählen Sie bekannte Lieder aus, die die Gruppe gut mitsingen kann (Volkslieder, Schlager, Kirchenlieder).
2. Verteilen Sie Liedtexte oder singen Sie ab Text.
3. Singen Sie gemeinsam in der Runde; begleiten Sie ggf. mit einem Instrument.
4. Variationen: Führen Sie zugehörige Bewegungen (Armkreise, Klatschen) ein.
5. Singen aktiviert Hör- und Sprachzentren und weckt Erinnerungen, was speziell bei Demenz das Wohlbefinden steigert.

Praxisbeispiel: In einem Singkreis spielen Angehörige auf der Gitarre, und alle Bewohner stimmen bei „Die Gedanken sind frei“ mit ein. Die Betreuungskraft hält die Liedtexte hoch, damit jeder mitsingen kann. Herrn L. fällt bei jeder Textzeile ein Kindheitserlebnis ein, das er teilt („Meine Mutter hat das oft gesungen“). Das gemeinsame Singen beruhigt und verbindet.

Tierstimmen raten

Wahrnehmungsbereich: auditiv

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Aufnahmen von Tierstimmen (CD, MP3 oder Handy-Apps mit Tiergeräuschen), Lautsprecher

Anleitung zur Durchführung:
1. Spielen Sie verschiedene Tiergeräusche ab (Hundebellen, Vogelzwitschern, Pferdewiehern etc.).
2. Nach jedem Ton raten die Teilnehmenden das Tier.
3. Geben Sie bei Bedarf Hinweise („Dieses Tier miaut.“).
4. Variieren Sie mit seltenen Tieren oder Naturgeräuschen (Regen, Meer) für eine größere Herausforderung.
5. Diese Übung schult differenziertes Hören und ruft oft lebhafte Assoziationen hervor (z.B. Kindheitserinnerungen an Bauernhof oder Haustiere).

Praxisbeispiel: In einem Gruppenraum spielt eine Pflegekraft einen Hahnenschrei ab. Die Senioren lachen: „Der Wecker vom Bauernhof!“. Dann erklingt Katzengeschrei, und Frau K. ruft sofort: „Katze!“ – ihre früheren Haustiere werden lebhaft in Erinnerung gerufen. Das Raten macht allen Spaß und vertieft die Verbindung zum Gehörten.

Taktile Wahrnehmung

Taktile Übungen (Fühlen) setzen an der Haut und an den Fingerspitzen an. Sie lassen Gegenstände, Temperaturen und Texturen ertasten. Zum Beispiel werden Objekte in eine Fühlkiste gelegt oder verschiedene Materialien ertastet. Solche Angebote „lassen die Person sich selbst spüren und an der Außenwelt teilhaben“. Tastsinn-Übungen sind auch bei Demenz einfühlsam umsetzbar, da sie direkt im „Hier und Jetzt“ .

Tastkiste bzw. Fühlsäckchen

Wahrnehmungsbereich: taktil

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Undurchsichtige Kiste oder blickdichte Säckchen (Stoffbeutel), verschiedene Alltagsgegenstände (Kamm, Tasse, Schlüssel, Stoffstück, Gummiball)

Anleitung zur Durchführung:
1. Platzieren Sie einzelne Gegenstände in die Kiste oder in Säckchen.
2. Die Teilnehmenden greifen blind hinein und ertasten den Inhalt.
3. Sie beschreiben, was sie fühlen (z.B. „Das ist weich“, „das könnte ein Schnürsenkel sein“).
4. Danach wird der Gegenstand herausgeholt und gemeinsam benannt.
5. Für Menschen mit Demenz verwenden Sie größere oder bekanntere Gegenstände; wiederholen Sie den Spielablauf geduldig.

Praxisbeispiel: In einem Betreuungsangebot hält der Betreuer eine blickdichte Tüte bereit. Senioren dürfen einzeln hinein greifen. Frau M. fasst einen kalten Metallgegenstand, tastet und sagt „Das ist hart und stachelig“ – es ist eine leere Haarklammer. Beim Herausziehen staunt sie, es war genau richtig geraten. Dieses spielerische Tasten aktiviert den Tastsinn und regt Gespräche an.

Sand- oder Kirschkern-Kiste mit Gegenständen

Wahrnehmungsbereich: taktil

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Große Kiste mit Sand oder Kirschkernen (alternativ Erbsen, Reis), einige kleine Gegenstände (Münze, Spielzeugauto, Schneebesen, Schlüssel)

Anleitung zur Durchführung:
1. Begraben Sie mehrere Gegenstände im Sand oder in den Kernen.
2. Die Teilnehmer dürfen mit beiden Händen graben und fühlen, um die Gegenstände zu finden.
3. Sie ziehen einen Gegenstand hervor und beschreiben das Material („glatt“, „hart“).
4. Wer mag, probiert den Gegenstand aus und legt ihn offen hin.
5. Diese Übung vermittelt ein intensives haptisches Erlebnis; bei Demenz kann man sie auch in ruhiger Umgebung anbieten, wo der Fokus ganz auf dem Fühlen liegt.

Praxisbeispiel: In einem Gruppenraum steht eine Kiste mit warmem Sand. Darin sind verschiedene Holzgegenstände versteckt. Die Senioren stochern fröhlich mit den Fingern: „Ah, da ist eine kleine Kelle!“ ruft Herr B. Auf Nachfrage beschreibt er: „Rund und glatt.“ Anschließend sieht und befühlt die Gruppe gemeinsam die Gegenstände. Das aufmerksame Fühlen fördert Konzentration und Entspannung zugleich.

Temperaturfühlen (Warm/Kalt)

Wahrnehmungsbereich: taktil

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Zwei Behälter mit Wasser in unterschiedlicher Temperatur (ein Gefäß warm, ein Gefäß kalt, ungefähr 5-10°C Unterschied), Küchenhandtuch oder Unterlage

Anleitung zur Durchführung:
1. Füllen Sie zwei Schalen mit Wasser – eines nur leicht warm (Wohlfühl-Temperatur), das andere kühl (z.B. mit Eiswürfeln, aber nicht zu kalt, um Verbrühung zu vermeiden).
2. Fordern Sie die Senioren auf, mit ihrer Hand je einmal in das warme, einmal in das kalte Wasser zu greifen (eventuell mit einem Tuch dazwischen für Demenz-Begleitete).
3. Bitten Sie sie, den Unterschied im Temperaturgefühl zu beschreiben.
4. Für Variation können Eiswürfel und warmes Handtuch verglichen werden.
5. Diese Übung macht bewusst, wie sich verschiedenes Temperaturniveau anfühlt.

Praxisbeispiel: Zwei Senioren sitzen nebeneinander. Die Pflegekraft gibt jedem eine Schale, einmal mit warmem (ca. 37°C), einmal mit lauwarmem Wasser (ca. 20°C). Die ältere Dame hält erst ihre linke Hand ins warme Wasser, dann ins kalte. Sie lacht: „Das fühlt sich an wie ein Kontrastprogramm!“ Anschließend vergleicht sie den Unterschied. Diese direkte Temperatursensibilisierung ist einfach umzusetzen und beliebt, weil sie klar wahrnehmbar ist.

Fühlkette / Fühlcollage

Wahrnehmungsbereich: taktil

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Lange Schnur oder Kordel, verschiedene kleine Gegenstände und Stoffstücke (z.B. Knöpfe, Schlüssel, Filzstück, Glöckchen, Taschentuch, kleines Stofftier)

Anleitung zur Durchführung:
1. Befestigen Sie an einer Schnur vielfältige Gegenstände, die sich unterschiedlich anfühlen (weich, rau, hart, glatt).
2. Lassen Sie die Teilnehmenden die Schnur anfassen und die einzelnen Elemente erfühlen (die Augen können geschlossen sein).
3. Fordern Sie sie auf, die Materialien zu benennen („Weiches Tuch“, „kalter Schlüssel“).
4. Stimmunterhaltungen (Fragen: „Was erinnert dich an das Gefühl?“) können das Erleben vertiefen.
5. Dieses taktile Ketten-Spiel fördert die Wahrnehmung der Finger und haptische Unterschiede.

Praxisbeispiel: In einem Gruppenkreis gibt der Betreuer eine vorbereitete Fühlkette herum. Die Senioren fühlen nacheinander an einem weichen Filzherz, einem rauen Korken, einer glatten Murmel. Sie benennen die Eindrücke: Frau S. lächelt: „Das fühlt sich weich wie mein Pullover an.“ Die Runde spricht über den Unterschied zwischen „warm“ (Filz) und „kalt“ (Metall), wodurch die Teilnehmer aktiv ins Gespräch kommen.

Massage mit Igelball oder Noppenteppich

Wahrnehmungsbereich: taktil (Propriozeption)

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Kleine Stachel- oder Igelbälle (oder alternativer Massageball), gegebenenfalls ein rutschfester Teppich mit Noppen (Stachelteppich)

Anleitung zur Durchführung:
1. Lassen Sie die Teilnehmenden die Bälle sanft zwischen den Händen rollen oder mit der Handinnenseite abklopfen.
2. Wer kann, rollt einen Fuß langsam über einen kleinen Noppen- oder Stachelteppich (vorsichtig auf dem Sitzkissen).
3. Die dabei entstehenden Vibrationen und Druckreize werden benannt („Kitzlig!“, „ganz schön prickelnd!“).
4. Diese Berührungsreize sensibilisieren die Haut und fördern Entspannung.
5. Beginnen Sie immer langsam und achten Sie auf Feedback (besonders bei Demenz dem Tempo anpassen).

Praxisbeispiel: In einem Sitzkreis bekommt jeder einen Igelball. Sie halten ihn zunächst zwischen den Handflächen und drücken sanft. Dann tippen sie damit abwechselnd ihre Unterarme ab. Die Interessenten kichern beim leichten Kitzeln. Eine Anleiterin erklärt ruhig: „Hört ihr das leise Knacken? Spürt die kleinen Reize unter der Hand!“ Diese sanfte Massage wirkt beruhigend und bringt spürbar Aufmerksamkeit auf den eigenen Körper.

Fühl-Memory (Erfühlen und Zuordnen)

Wahrnehmungsbereich: taktil

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Paare gleicher Materialproben oder Gegenstände (z.B. weicher Filzstoff, rauer Schleifpapier-Twist, glatte Münzen, flauschige Wattebällchen), blickdichte Tüten oder Dosen, Papier und Stift

Anleitung zur Durchführung:
1. Bereiten Sie jeweils zwei gleiche Proben oder Gegenstände vor. Verstecken Sie sie in verdeckten Behältern.
2. Die Teilnehmenden greifen abwechselnd in je zwei Behälter und ertasten die enthaltenen Materialien.
3. Er soll erkennen, ob beide Proben identisch sind (Memory-Paar) und Paare bilden.
4. Zusätzlich kann man die Materialien benennen oder beschreiben lassen („Das ist samtig weich“).
5. Dieses taktile Memory verbindet Fühlen mit dem Erinnern und ist besonders für Personen geeignet, die gut fühlen, aber nicht (mehr) gut sehen.

Praxisbeispiel: Eine Gruppe älterer Menschen spielt Fühl-Memory. Jeder fasst in zwei Tüten, um das darin Versteckte zu ertasten. Herr G. hält in beiden Händen eine raue Fläche und sagt: „Beide fühlen sich an wie Sandpapier!“ – es sind zwei gleichartige Schleifpapier-Stücke. Die Senioren tauschen Tipps aus: „Ich glaub, ich hab was Weiches da drinnen!“ Am Ende versuchen sie gemeinsam, die Materialien zu benennen, z. B. „Filz“ oder „Baumwolle“. Diese Übung festigt die Wahrnehmung der Fingerkuppen.

Barfußpfad (Sinnesparcours)

Wahrnehmungsbereich: taktil und vestibulär

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz (nur bei stabiler Mobilität)

Materialliste: Verschiedene Bodenbeläge und Materialien zum Barfußlaufen (Sand, Kies, Holzlatten, Moosmatten, Stoffreste, Noppenmatte), sicherer Weg oder rutschfeste Matte, evtl. Haltegriffe oder Begleitperson zur Sicherheit

Anleitung zur Durchführung:
1. Gestalten Sie einen kurzen Parcours mit mehreren Abschnitten aus unterschiedlichen Materialien (zum Beispiel direkt im Garten oder auf Matten im Gruppenraum).
2. Lassen Sie die Senioren barfuß über diese Bodenabschnitte gehen.
3. Jeder Abschnitt gibt einen anderen Hautreiz (zart, rau, kühl, warm).
4. Begleiten Sie jede Person: Sie kann eine Handlauf nutzen oder geführt werden.
5. Nach dem Gang können die Füße gewaschen und massiert werden. Ziel ist es, den Fußsohlen taktile Reize zu bieten und gleichzeitig Balance zu trainieren.

Praxisbeispiel: Im Garten des Pflegeheims hat das Betreuungsteam einen Barfußweg angelegt. Herr F. geht langsam über Sand, weiche Grasmatten, glatte Fliesen und ein kurzes Stück mit kleinen Kieselsteinen. Er lacht, als es kitzelt. Anschließend pumpt er fest auf einem Gymnastikball. Die Pflegekraft ermutigt: „Spürst du die kühlen Kiesel? Tief atmen!“ Nach dem Parcours sagt er: „Das tut gut, ich fühle mich lebendiger.“ Dieses Gehen stärkt den Tastsinn an den Füßen und fördert gleichzeitig Koordination.

Gustatorische Wahrnehmung

Gustatorische Übungen (Schmecken) sprechen den Geschmackssinn an. Dabei werden Speisen und Getränke intensiv wahrgenommen. Gemeinsames Kosten ist oft emotional ansprechend. So kann man etwa verschiedene Apfelsorten probieren oder verschiedene Teesorten erraten. Beim bewussten Schmecken soll auf die Geschmacksrichtungen (süß, sauer, salzig, bitter, umami) geachtet werden.

Verschiedene Apfelsorten probieren

Wahrnehmungsbereich: gustatorisch

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Unterschiedliche Apfelsorten (z.B. Boskoop, Elstar, Granny Smith), Messer, Servierteller, Wassergläser für Zwischenspülung

Anleitung zur Durchführung:
1. Schneiden Sie mehrere Apfelsorten in mundgerechte Stückchen.
2. Jeder Teilnehmer probiert nacheinander die Sorten.
3. Lassen Sie sie den Geschmack beschreiben („sehr süß“, „leicht säuerlich“).
4. Diskutieren Sie Unterschiede in Geschmack, Geruch und Textur.
5. Sie können die Aufgabe variieren, indem Sie die Farben (grün, rot, gelb) anfangs verbergen und nur schmecken lassen.

Praxisbeispiel: Bei einer gemütlichen Kaffee-Runde serviert die Betreuerin Teller mit Apfelstücken. Die Senioren probieren erst eine saure Sorte, dann eine sehr süße. Herr P. bemerkt nach dem Probieren des grünen Apfels: „Der ist richtig knackig!“, woraufhin die Gruppe lacht. Diese Verkostung wird zum Gespräch: Wer hat früher Äpfel im Garten geerntet? So verbinden sich der Geschmack mit biografischen Erinnerungen.

Tee-Sorten erkennen

Wahrnehmungsbereich: gustatorisch (auch olfaktorisch)

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Verschiedene Teesorten mit ähnlicher Farbe (z.B. Kräutertee, Schwarztee, Früchtetee, jeweils abgekocht), Tassen, ggf. Augenbinden

Anleitung zur Durchführung:
1. Bereiten Sie drei bis fünf unterschiedliche Tees zu, die farblich nahe beieinander liegen.
2. Gießen Sie die Tees in markierte Becher, verdecken Sie die Becher mit Augenbinden auf den Gesichtern (optional).
3. Jeder Teilnehmer nimmt abwechselnd einen Schluck und probiert.
4. Die Gruppe soll erraten, welche Teesorte es ist.
5. Besprechen Sie nach Auflösung den Geschmack (herb, fruchtig, blumig). Schwieriger: ähnliche Kräuter. Leichter: bekannte Favoriten.

Praxisbeispiel: Zum Nachmittagstee präsentiert die Pflegekraft drei gleiche helle Tees: einen Pfefferminztee, einen Kamillentee und einen milden Früchtetee. Mit verbundenen Augen schlürfen die Senioren reihum. Frau N. schätzt: „Der mit Minze kühlt im Hals!“ Als die Identität offengelegt wird, wundert sich die Gruppe über die feinen Geschmacksnuancen. Das Raten macht Spaß und das bewusste Schmecken fördert die Achtsamkeit beim Trinken.

Obststücke und Säfte zuordnen

Wahrnehmungsbereich: gustatorisch und olfaktorisch

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Verschiedene Obstsorten (z.B. Erdbeere, Traube, Orange), passende Säfte in kleinen Bechern, Zahnstocher oder Klarsichtfolie, Zettel und Stift (optional zur Aufschreibung)

Anleitung zur Durchführung:
1. Schneiden Sie Obststücke (z.B. Ananas, Trauben, Birne) und füllen Sie Glas mit den entsprechenden Fruchtsäften.
2. Die Senioren halten mit verbundenen Augen reihum ein Stück Obst und einen dazugehörigen Schluck Saft zum Mund.
3. Sie ordnen den Geschmack zusammen (z.B. dieser Saft schmeckt wie die Ananas).
4. Anschließend lösen Sie auf und diskutieren, warum welche Kombination passte.
5. Achten Sie auf Allergien. So werden Geschmack und Erinnerung verknüpft.

Praxisbeispiel: In der Wohnküche verteilen Pflegende kleine Teller mit Fruchtstücken und daneben Säfte. Herr S. hält zuerst eine Erdbeere ans Kinn und kostet dazu Erdbeer- und Johannisbeersaft. Er lacht: „Hm, Erdbeere und Johannisbeersaft – ganz schön ähnlich!“ Am Ende hat jeder den passenden Saft zu seinem Stück gefunden. Diese Zuordnungsaufgabe löst Gelächter und Erklärungen aus („Weil sie beide süß sind“).

Gewürz- und Kräuterverkostung

Wahrnehmungsbereich: gustatorisch (und olfaktorisch)

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Verschiedene Gewürze oder Kräuter (z.B. Zimt, Pfeffer, Salz, Basilikum, Muskat), Salz- und Zuckerlösungen (zum Schmeckunterschied süß/salzig)

Anleitung zur Durchführung:
1. Bereiten Sie kleine Probierportionen der Gewürze vor (z.B. auf Löffeln) oder in Schälchen.
2. Lassen Sie die Senioren die Gewürze riechen und dann auf der Zunge probieren (oder probieren Sie eine leichte Lösung, z.B. süßes vs. salziges Wasser).
3. Fragen Sie nach der Geschmacksrichtung („süß, salzig, scharf, herb, aromatisch“).
4. Bitten Sie sie, eigene Beispielspeisen mit dem Geschmack zu nennen.
5. Für Demenz können Sie einfache Geschmacksrichtungen (z.B. Süß/Salz) erklären und probieren lassen.

Praxisbeispiel: Beim Kaffeenachmittag hat die Betreuung kleine Schälchen mit Zimt, Pfeffer und Zucker aufgestellt. Jeder darf ein wenig auf die Zunge nehmen. Frau H. verzieht das Gesicht vom Pfeffer: „Pfeffer hat so einen scharfen Kick!“ Später spritzt sie sich etwas Zimt in den Tee. Die Gruppe spricht darüber, wo sie diese Gewürze aus der Küche kennen, was die Sinne und Erinnerungen verknüpft.

Schokoladen- oder Marmeladen-Tasting

Wahrnehmungsbereich: gustatorisch

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Jeweils zwei Sorten Schokolade oder Marmelade (mit ähnlicher Konsistenz oder Farbe, z.B. Erdbeer vs. Himbeer, Vollmilch vs. Nuss) in kleine Häppchen, Löffel und Wasser zum Neutralisieren

Anleitung zur Durchführung:
1. Schneiden Sie pro Sorte kleine Probierstücke.
2. Die Senioren probieren abwechselnd je eine Sorte ohne zu sehen, und versuchen zu erraten, welche es ist.
3. Danach werden die Namen genannt.
4. Besprechen Sie: Was schmeckt süßer? Wer hat sich verschätzt?
5. Solche süßen Verkostungen aktivieren den Geschmackssinn und können positive Gefühle auslösen (z.B. durch Erinnerungen an Süßigkeiten der Jugend).

Praxisbeispiel: Im Speisesaal verteilt die Pflegefachkraft Schokostückchen. Herr B. kostet blind zwei süße Sorten und fragt: „Ist eine mit Nüssen drin?“ Die Gruppe hilft ihm beim Raten. Schließlich erzählt eine Bewohnerin: „Die Marmelade erinnert mich an Omas Frühstück.“ Alle naschen und erzählen von ihren Vorlieben, während sie Schokoladenstücke vergleichen.

Zitrone-Salz-Überraschung

Wahrnehmungsbereich: gustatorisch

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Zitronenscheiben, kleine Salz- oder Zuckerlösungen (je einen Löffel Wasser mit etwas Salz bzw. Zucker), Zahnstocher, Papier zum Speien/Wasser

Anleitung zur Durchführung:
1. Geben Sie jedem Teilnehmenden eine Zitronenscheibe zum Probieren.
2. Anschließend bieten Sie jeweils einen Löffel einer salzigen oder süßen Wasserlösung zum Kosten an.
3. Fordern Sie sie auf, den Geschmack zu vergleichen und zu benennen.
4. Erklären Sie, dass Zitrone sauer ist, Zucker süß, Salz salzig.
5. Für Personen mit Demenz ggf. ein selbstgemaltes „Geschmacks-Dreieck“ als Hinweis verwenden.

Praxisbeispiel: Eine Pflegekraft reicht reihum nasse Salzübergießer und Zitronenscheiben. Frau K. kaut langsam auf der Zitrone, die ihr Gesicht zusammenzieht. Die Betreuerin zeigt lächelnd auf ihr Gesicht: „Die Zitrone ist sauer!“ Dann lässt sie Frau K. die Zuckerlösung probieren, die sie als süß erkennt. Gemeinsam sprechen sie über Geschmäcker. Diese starke Gegenüberstellung sensibilisiert ganz klar den Geschmackssinn.

Eiscreme-Verkostung

Wahrnehmungsbereich: gustatorisch

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Verschiedene Eissorten (z.B. Vanille, Schokolade, Erdbeere in gleichen Farben), Eisportionierer, Teller oder Becher, Löffel

Anleitung zur Durchführung:
1. Servieren Sie kleine Portionen von zwei bis drei Eissorten (z.B. helle gegen dunkle).
2. Die Senioren probieren jeweils ein bissfestes Stück und sollen die Geschmacksrichtung erraten.
3. Besprechen Sie die Unterschiede („Das Vanilleeis schmeckt cremig, das Erdbeerfruchteis fruchtiger“).
4. Variieren Sie eventuell die Sortenfarbe (z.B. helles Erdbeere vs. gelbe Banane) für zusätzlichen Schwierigkeitsgrad.
5. Eiscreme schärft durch kaltes/warmes Zungegefühl und unterschiedliche Aromen den Gaumen.

Praxisbeispiel: Zum Sommerfest gibt es ein kleines Eis-Büffet. Jede Bewohnerin bekommt zwei Kugeln auf dem Teller. Herr L. probiert zuerst Vanille, dann Himbeere. Er sagt: „Die rote ist Frucht, die weiße ist Sahne.“ Die Betreuungskraft nickt und erklärt: „Ja, Vanille und Himbeere.“ Die Senioren genießen gemeinsam das Eis und erinnern sich an frühe Sommer in der Kindheit.

Olfaktorische Wahrnehmung

Olfaktorische Übungen (Riechen) wecken Geruchserinnerungen. Durch Düfte können Gefühle und Erinnerungen transportiert werden. Es ist bekannt, dass Gerüche eng mit Erinnerungen verknüpft sind. Einfache Beispiele sind das Erkennen von Gewürzen, Blumen oder Kräutern. Beim Riechen werden oft starke Emotionen aktiviert, selbst wenn Menschen nicht mehr gut sehen oder hören können.

Gewürz-Riech-Quiz

Wahrnehmungsbereich: olfaktorisch

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Kleine Papiertüten oder Döschen, verschiedene geruchsintensive Gewürze oder Kräuter (z.B. Kaffee, Zimt, Lavendel, Pfefferminze, Muskatnuss)

Anleitung zur Durchführung:
1. Befüllen Sie jeweils einen Behälter mit einem kräftig duftenden Gewürz. Verschließen Sie sie.
2. Lassen Sie jeweils einen Behälter öffnen und unter die Nase halten.
3. Die Teilnehmenden schnuppern und benennen das Gewürz oder den Duft.
4. Geben Sie bei Bedarf Hinweise („Das riecht wie Weihnachten!“).
5. Variieren Sie als Memory-Spiel, indem jeweils zwei Dosen mit demselben Duft gefüllt werden, die gematcht werden müssen.

Praxisbeispiel: Auf dem großen Tisch stehen fünf Dosen mit eindeutigen Gerüchen. Die Senioren nehmen reihum einen tiefen Atemzug. Frau B. lacht: „Oh, der riecht ganz nach Kaffee!“ (Sie hält sich die Nase zu). Die Gruppe nickt bestätigend. Später legt die Betreuerin die Dosen auf, und alle fühlen das Aroma erneut. Diese Übung weckt oft Emotionen – bei Kaffee erinnert sich Herr B. an das gemeinsame Frühstück seiner Familie.

Duftöle- und Kräuterraten

Wahrnehmungsbereich: olfaktorisch

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Ätherische Öle oder getrocknete Kräuter in kleinen Gläsern (z.B. Zitrone, Lavendel, Eukalyptus, Pfefferminze, Rosmarin) auf Watte, Döschen zum Verschließen

Anleitung zur Durchführung:
1. Träufeln Sie je ein paar Tropfen eines ätherischen Öls auf einen Wattebausch und füllen Sie diesen in eine verschließbare Dose.
2. Wiederholen Sie dies mit verschiedenen Düften.
3. Halten Sie die Dosen nacheinander unter die Nase der Teilnehmenden.
4. Lassen Sie die Personen den Duft benennen und darüber sprechen, wo sie ihn kennen („Das riecht wie im Freibad!“).
5. Man kann dies auch als Memory gestalten (Dosenpaare mit gleichen Düften zum Finden). Diese Übung stimuliert den Geruchssinn intensiv.

Praxisbeispiel: In einem Stuhlkreis verteilt eine Pflegekraft kleine Dosen. Jeder darf einmal riechen und dann die Dose weitergeben. Die Gruppe identifiziert gemeinsam: „Minze“, „Lavendel“, „Zitrone“. Eine Bewohnerin schließt die Augen und lächelt: „Erinnert mich an Oma’s Creme.“ So werden Erinnerungen geweckt.

Blumenduft erraten

Wahrnehmungsbereich: olfaktorisch

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Einige verschiedene Blumen (Rosen, Lavendelzweige, Nelken, Jasmin o.ä.) oder duftende Blätter (Zitronenmelisse), kleine Vasen oder Teller

Anleitung zur Durchführung:
1. Stellen Sie einen Blumenstrauß mit duftenden Blüten zusammen oder verteilen Sie einzelne Duftpflanzen.
2. Schließen Sie nacheinander die Augen und riechen Sie an einer Blume.
3. Die Teilnehmer sollen Farbe und Name der Blume erraten (Augen geschlossen, um nicht zu sehen).
4. Danach wird das Ergebnis offen bekannt gegeben.
5. Diese Riechübung verbindet die Sinneswahrnehmung mit Assoziation zu Pflanzen (Garten, Natur).

Praxisbeispiel: Eine Betreuerin trägt einen Korb voller duftender Blüten herein: Lavendel, Rosen und Jasmin. Die Gruppe schnuppert: Eine ältere Dame sagt: „Das muss Lavendel sein, so süß!“ Eine andere erkennt den Geruch der Rose. Beim Aufdecken zeigt die Pflegekraft stolz die richtigen Blumen. Die Erinnerungen an Gartenarbeit blühen auf.

Zitrus-Orangen-Raten

Wahrnehmungsbereich: olfaktorisch und gustatorisch

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Orangenscheiben, Zitronenscheiben, Teller oder Tablett, Zahnstocher (optional Nelken zum Spicken)

Anleitung zur Durchführung:
1. Schneiden Sie Scheiben einer Orange und einer Zitrone (evtl. mit einigen Nelken für Würze) auf ein Tablett.
2. Lassen Sie die Senioren bei geschlossen Augen zunächst riechen, dann auch ein kleines Stück probieren.
3. Fragen Sie, ob es sich um Orange oder Zitrone handelt.
4. Erläutern Sie: Orange schmeckt süß, Zitrone sauer.
5. Sie können die Scheiben auch mit Nelken spicken („Nelken-Orange“), um das Aroma zu verändern und an Weihnachten zu erinnern.

Praxisbeispiel: In der Küche duftet es nach Zitrus. Die Senioren erhalten abwechselnd je eine Orangen- und eine Zitronenscheibe. Herr M. beißt in die Zitrone und ruft: „Feurig!“ Die Gruppe lacht, sie bleibt daraufhin bei der Orange für den „süßen Geschmack“. Die Pflegekraft weist auf die Nelken in der Orange hin und erklärt: „So roch immer unser Wohnzimmer zu Weihnachten.“ Die Übung verbindet riechen, schmecken und Erinnerungen.

Kaffee- oder Kakaoduft erschnuppern

Wahrnehmungsbereich: olfaktorisch (mit Geschmackseffekt)

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Frischer Kaffee, Kakaopulver oder Trinkschokolade, zubereitet; Kaffeeduft in Tasse oder als Pulver in Tüte

Anleitung zur Durchführung:
1. Bereiten Sie Kaffee und Kakao frisch zu oder füllen Sie kleine Behälter mit Kaffee- bzw. Kakaopulver.
2. Die Senioren riechen zunächst an der Tasse oder dem Pulver und nennen den Geruch („Das ist Kaffee“).
3. Geben Sie ihnen einen Schluck der Getränke (wenn möglich mit Zucker und Milch).
4. Besprechen Sie, wer welchen Geruch als angenehmer empfindet und wie der Geschmack ist.
5. Ähnliche Riecherlebnisse können Erinnerungen an gemeinsame Kaffeerunden wecken.

Praxisbeispiel: Zum Nachmittag wird frisch gebrühter Kaffee ans Bett gebracht. Eine Bewohnerin sagt schon beim Hereintragen: „Ah, Kaffee!“. Andere probieren einen kleinen Schluck Kakao. Dabei unterhalten sie sich über frühere Nachmittage mit Kuchen im Café. Das warme Aroma lässt selbst bei leichten Hör- oder Sehbeschwerden einen Sinneseindruck lebhaft werden.

Parfüm- und Seifen-Duftgeschichte

Wahrnehmungsbereich: olfaktorisch

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Kleine Probeparfüms oder beduftete Seifen (z.B. Lavendelseife, Zitronenparfüm, Rosenwasser), Duftkärtchen oder Wattebäusche

Anleitung zur Durchführung:
1. Jeder Teilnehmende erhält ein kleines Fläschchen Parfüm oder Seife (verschlossen).
2. Reihum wird ein Behälter geöffnet, und alle riechen.
3. Jeder darf beschreiben, an was ihn der Duft erinnert („Frühling“, „Oma’s Rosen“).
4. Erzählen Sie gemeinsam zu jedem Duft eine kleine Geschichte oder Erinnerung.
5. Die fantasievolle Beschreibung aktiviert die Sinne und Kommunikation – Geruch verbindet stark mit persönlichen Erinnerungen.

Praxisbeispiel: Eine Pflegefachkraft nimmt eine Flasche mit Blumenduft heraus und sagt: „Jetzt bekommt jeder mal einen kleinen Dufteindruck.“ Die Senioren schließen die Augen und riechen an der Flasche. Frau E. sagt verträumt: „Roses of the Night, das hat meine Mutter früher immer gehabt.“ Jeder teilt eine Erinnerung zu dem Duft, und die Atmosphäre wird sehr vertraut. Diese Übung verknüpft Olfaktorik mit biografischer Erinnerung.

Duft- Erinnerungsreise

Wahrnehmungsbereich: olfaktorisch

Zielgruppe: Menschen mit Demenz und ohne Demenz

Materialliste: Verschiedene Alltagsdüfte (z.B. Kaffeebohnen, Vanille, frische Kräuter, Holzspäne), Duftkarten oder eigene Schnüffelbeutel

Anleitung zur Durchführung:
1. Bieten Sie den Senioren im Kreis jeweils ein Duftobjekt an (Kaffee, Vanilleschote, Basilikumblatt, Eichenholzstück etc.).
2. Lassen Sie jeden daran riechen und schildern, welche Erinnerung oder welches Gefühl der Geruch weckt.
3. Führen Sie die Runde, indem Sie bei jedem Duft Fragen stellen („Was riecht ihr? Wo wart ihr, als ihr das zuletzt gerochen habt?“).
4. Achten Sie darauf, das Gespräch achtsam zu begleiten und ruhig nachzufragen.
5. Diese Sinnesreise kann den Erinnerungsprozess fördern, da jeder Geruch „einen Moment aus dem eigenen Leben zurückholt“.

Praxisbeispiel: In einer gemütlichen Runde gibt die Betreuungsperson nacheinander Vanilleschote, Kaffeeduft und einen Lorbeerzweig herum. Jeder riecht und erzählt: Frau G. erinnert sich an Plätzchenbacken im Winter, Herr T. am frischen Kaffee morgens zu Hause. Die Gerüche lösen sofort lebhafte Erinnerungen aus. Alle lauschen einander. Durch das konzentrierte Schnuppern und Erzählen entsteht ein Gefühl von Verbundenheit und Geborgenheit.

Vestibuläre Wahrnehmung

Vestibuläre Übungen aktivieren das Gleichgewichtsorgan im Innenohr. Sie verbessern Balance und Orientierung. Gezielte Übungen wie Einbeinstand oder Tandemgang (Fersen an Zehenspitze gehen) stärken die Sensomotorik. Bereits einfache Balanceübungen steigern das Sicherheitsgefühl bei Bewegung.

Kniebeugen mit Stütze

Wahrnehmungsbereich: vestibulär (Balance) und propriozeptiv

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz (nur bei ausreichender Mobilität)

Materialliste: Stabiler Stuhl oder Tischkante als Haltepunkt

Anleitung zur Durchführung:
1. Stellen Sie sich seitlich neben eine stabile Stuhllehne oder Tischkante, leicht zur Stütze geneigt.
2. Die Füße stehen hüftbreit.
3. Beugen Sie langsam die Knie (als wollten Sie sich setzen), aber nur so weit, wie es angenehm ist.
4. Halten Sie kurz und richten Sie sich wieder auf.
5. Wiederholen Sie dies 5–10 Mal. Für Fortgeschrittene: Ohne Halten ausführen oder langsamer. Diese Übung kräftigt die Bein- und Rumpfmuskulatur und fördert das Gleichgewicht.

Praxisbeispiel: In der Gymnastikrunde stehen alle neben Stühlen. Die Übungsleiterin zählt laut und führt vor: „1, 2, 3 – hoch!“ Während des Halb-Aufstehens sprechen einige mit: „Wie beim Hinsetzen!“ Diese bewusste Bewegung stärkt die Fersenlage und gibt ein Erfolgserlebnis, wenn man trotz Unsicherheit langsam tiefer geht.

Zehengang mit Stütze

Wahrnehmungsbereich: vestibulär und propriozeptiv

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Stuhl oder Tisch zum Festhalten

Anleitung zur Durchführung:
1. Stellen Sie sich neben einen stabilen Stuhl oder Tisch.
2. Halten Sie sich mit einer Hand fest.
3. Stellen Sie sich auf die Zehenspitzen und gehen Sie langsam drei Schritte vorwärts.
4. Gehen Sie dabei kontrolliert, die Fersen heben sich bei jedem Schritt.
5. Senken Sie die Fersen wieder ab und wiederholen Sie einige Male. Diese Übung trainiert den Vorfuß, die Wadenmuskulatur und das Gleichgewicht.

Praxisbeispiel: Die Senioren lassen sich an Stuhllehnen festhalten. Auf Kommando setzen sie sich auf die Zehenspitzen und tippeln vorwärts. Die Gruppe zählt mit: „Eins, zwei, drei!“ Danach setzt jeder wieder sicher den Fuß ab. Durch die aufrechte Haltung wachen alle auf, und das Umfeld wird bewusst wahrgenommen.

Einbeinstand (mit Stütze)

Wahrnehmungsbereich: vestibulär und propriozeptiv

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Stuhl oder Geländer zum Festhalten, evtl. kleiner Würfel (als Ziel)

Anleitung zur Durchführung:
1. Stellen Sie sich aufrecht neben einen Stuhl, eine Hand locker auf die Lehne.
2. Heben Sie einen Fuß leicht vom Boden (Knie gebeugt) und halten Sie die Position 5–10 Sekunden.
3. Senken Sie den Fuß und wechseln Sie das Bein.
4. Steigern Sie die Dauer (maximal 30 Sekunden) je nach Können.
5. Fortgeschritten: Ohne Hand festhalten versuchen. Diese Übung trainiert die Stabilität eines Beines und fördert Gleichgewicht.

Praxisbeispiel: Die Gruppe übt in einer Reihe. Jeder hebt abwechselnd sein rechtes und linkes Bein. Herr H. nimmt zum ersten Mal die Hand weg, wenn er merkt, dass es funktioniert. Alle rufen „Gut so!“. Diese einfache Übung wird oft als „Hühnerübung“ bezeichnet und macht Mut, sich auch zuhause freier zu bewegen.

Tandemgang (Fersen-Zehen-Gang)

Wahrnehmungsbereich: vestibulär und propriozeptiv

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Stuhllehne zum Notstützen bei Bedarf

Anleitung zur Durchführung:
1. Stellen Sie sich vor eine Wand oder entlang einer Reihe Stühle.
2. Setzen Sie einen Fuß direkt vor den anderen (Ferse an Fußspitze), als würde man auf einer Linie balancieren.
3. Gehen Sie fünf bis zehn Schritte so vorwärts.
4. Machen Sie dann in die andere Richtung dasselbe.
5. Diese Tandem-Schritte erfordern mehr Konzentration und schärfen das Körpergefühl im Raum (propriozeptiv).

Praxisbeispiel: Unter Anleitung einer Pflegekraft versucht Herr K. langsam im Tandemgang den Speisesaal zu durchqueren (er nutzt die Stuhllehne zur Sicherheit). Schritt für Schritt berichtet er: „Ich fühle jeden Druck an der Ferse.“ Die Übung fühlt sich anders an als normales Gehen, aber alle Teilnehmer meistern sie unter achtsamer Begleitung.

Achterlauf (im Gehen)

Wahrnehmungsbereich: vestibulär und propriozeptiv

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Zwei Stühle, die einander zugewandt stehen (als Markierung für das Achter-Schema)

Anleitung zur Durchführung:
1. Stellen Sie zwei Stühle etwas auseinander auf.
2. Gehen Sie aufrecht zuerst um den einen Stuhl herum, dann schwenken Sie in einer Achter-Schleife um den anderen Stuhl.
3. Wiederholen Sie die achtförmige Bewegung einige Male.
4. Achten Sie auf ruhige, gleichmäßige Bewegung.
5. Diese Übung steigert Körperkoordination und bewusstes Gehen. Für mehr Herausforderung: Augen schließen (nur bei großer Sicherheit).

Praxisbeispiel: Im Bewegungsraum bewegen sich die Senioren im Kreis. Auf Anweisung schwenken sie in einer liegenden Acht zwischen zwei Stühlen herum. Die Pflegefachkraft zeigt vor: „Eins, zwei, drei, fertig!“ Alle folgen. Frau D. murmelt: „Wie Bahn fahren.“ Durch das Üben komplexerer Schrittfolgen wird gleichzeitig das räumliche Orientierungsgefühl trainiert.

Sitzendes Wippen (Gymnastikball)

Wahrnehmungsbereich: vestibulär und propriozeptiv

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Großer Gymnastikball (alternativ stabiles Sitzkissen), Stuhl oder Parkettboden mit Matte

Anleitung zur Durchführung:
1. Setzen Sie die Seniorin auf einen großen Gymnastikball (oder Sitzkissen) mit stabiler Unterstützung (zwei Pflegekräfte am Ball oder Ball in Ecke).
2. Die Person wippt nun sanft vor und zurück oder macht kleine Kreisbewegungen mit Becken.
3. Beginnen Sie mit leichten Schwingungen, steigern Sie langsam.
4. Wechseln Sie nach einigen Minuten auf den anderen Bewohner.
5. Das Wippen aktiviert das gesamte Gleichgewichtsorgan („Vibratorische Sinnesanregung“) und fördert Entspannung und sensorische Wahrnehmung.

Praxisbeispiel: Ein älterer Herr sitzt sicher auf dem Gymnastikball und wird behutsam von einer Pflegekraft stabil gehalten. Er beginnt leise hin und her zu schaukeln. Ein kleines Lächeln zeigt sich auf seinem Gesicht, während er aufmerksam die Bewegung spürt. Die Gruppe beobachtet und spricht über das Gefühl: „Fühlt sich wie in einem Schaukelstuhl an!“ Diese sanfte Bewegung beruhigt und aktiviert zugleich.

Tanzen oder Kreiseln im Sitzen

Wahrnehmungsbereich: vestibulär und auditiv

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Musik (einfaches Lied mit beständigem Rhythmus), Stuhl mit Lehne (sitzende Position)

Anleitung zur Durchführung:
1. Wählen Sie ein ruhiges Lied mit markantem Beat.
2. Die Senioren sitzen auf Stühlen, die Beine hüftbreit.
3. Führen Sie mit den Armen kleine Kreisbewegungen im Raum aus oder schwingen Sie den Oberkörper sanft im Takt.
4. Variieren Sie mit dem Tempo der Musik.
5. Das leichte Hin- und Herdrehen (auf Stuhl) oder Armkreisen regt das Gleichgewichtsorgan an und macht Spaß. Wichtig: Sanft arbeiten, niemanden überfordern.

Praxisbeispiel: Im Gemeinschaftsraum spielt leise ein altes Tanzlied. Alle sitzen auf Stühlen. Unter Anleitung klatschen und wiegen sich die Senioren im Sitzen im Kreis. Frau O. bewegt sich zögerlich mit dem Takt mit. Dieses Mitschaukeln zu Musik mobilisiert das Gleichgewicht und bringt gute Laune in die Runde.

Propriozeptive Wahrnehmung

Propriozeptive Übungen (Körpersinn) betreffen die Tiefensensibilität – das Gefühl für die Lage und Spannung von Muskeln und Gelenken. Sie ergänzen das Gleichgewichtstraining. Koordinations- und Widerstandsübungen verbessern die Muskelspannung. Zum Beispiel steigert das Tandemgehen spürbar die „propriozeptive Wahrnehmung“ (das Körpergefühl im Raum). Auch Übungen mit Bällen oder Therabändern aktivieren mehrere Sinne zugleich.

Theraband-Übungen im Sitzen

Wahrnehmungsbereich: propriozeptiv

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Leichtes Theraband (Fitnessband), Sessel oder Stuhl mit Lehne

Anleitung zur Durchführung:
1. Setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl.
2. Halten Sie das Theraband straff mit beiden Händen vor sich.
3. Ziehen Sie das Band langsam auseinander und bringen Sie es wieder zusammen (Armbeugen und -strecken vor dem Körper).
4. Variieren Sie: Band über Kopf anheben oder seitlich wegswingen.
5. Führen Sie 5–10 Wiederholungen durch. Diese Übung kräftigt Schultern und Arme und schafft ein gezieltes Körpergefühl beim Spannen der Muskulatur.

Praxisbeispiel: In einem Aktivitätskreis sitzen alle Teilnehmer mit einem Theraband. Die Betreuerin demonstriert langsame Streckbewegungen. Jeder spürt die Dehnung in den Armen. Herr S. staunt: „Da spüre ich richtig die Spannung.“ Gemeinsam zählen sie laut mit, so dass auch Menschen mit leichter Demenz den Ablauf mitverfolgen können.

Ball zusammendrücken

Wahrnehmungsbereich: propriozeptiv

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Weicher Gymnastikball (in Basketballgröße) oder großer Luftballon (hochgeblasen), alternativ ein Kissen

Anleitung zur Durchführung:
1. Setzen Sie sich aufrecht hin (Stuhl oder Sessel).
2. Klemmen Sie einen weichen Ball oder Luftballon zwischen beiden Händen vor dem Brustkorb ein.
3. Drücken Sie das Objekt mit den Armen zusammen und halten Sie diese Spannung 3–5 Sekunden.
4. Lösen Sie die Anspannung und wiederholen Sie.
5. Nach einigen Wiederholungen drehen Sie die Hände um und drücken von unten (zwischen Knien, falls der Ball passt). Dies vermittelt ein intensives Gefühl von Kraft und Druck im Körper.

Praxisbeispiel: Die Senioren drücken nacheinander kräftig einen großen Ball zwischen den Händen. Jede*r äußert, wie stark er/sie drücken kann. Frau L. sagt: „Meine Arme fühlen sich stark an!“ Das Zusammenpressen zeigt, wieviel Kraft der Körper hat, und verschafft ein spürbares Erfolgserlebnis.

Sitz-Steh-Übung (Stuhl-Aufstehen)

Wahrnehmungsbereich: propriozeptiv und vestibulär

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Stabiler Stuhl mit Armlehnen (oder ohne, je nach Mobilität)

Anleitung zur Durchführung:
1. Setzen Sie sich mit aufrechtem Rücken auf einen Stuhl.
2. Stellen Sie beide Füße fest auf den Boden.
3. Versuchen Sie aufzustehen, ohne die Hände zu benutzen (oder mit leichter Unterstützung an den Armlehnen).
4. Setzen Sie sich wieder zurück.
5. Wiederholen Sie 5–10 Mal.
6. Fühlen Sie nach jedem Aufstehen, wie die Bein- und Rumpfmuskulatur arbeitet. Diese funktionelle Übung stärkt Alltagshandlungen (Aufstehen) und stärkt das propriozeptive Feedback in Beinen und Rücken.

Praxisbeispiel: Während des Trainings wachen viele auf, wenn sie hören, dass jeder einmal Aufstehen soll. Herr G. versucht standhaft, sich ohne Arme hochzudrücken. Die Betreuerin lobt jeden Aufsteh-Versuch. Dieses bewusste Spüren der Knie- und Gesäßmuskeln fördert das Körperbewusstsein beim Hinsetzen und -aufstehen.

Arme kreisen (obere Extremität)

Wahrnehmungsbereich: propriozeptiv

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Keine (verschränkte Finger optional zur Stabilisierung)

Anleitung zur Durchführung:
1. Setzen oder stellen Sie sich aufrecht hin.
2. Strecken Sie die Arme seitlich aus (fast waagerecht) und führen Sie kleine, langsame Kreisbewegungen mit den Händen nach vorne durch.
3. Kreisen Sie für einige Sekunden, dann stoppen und die Arme absenken.
4. Wiederholen Sie die Übung in entgegengesetzter Kreisrichtung.
5. Diese Bewegung schult die Gelenkstellung der Schultern und fördert die Durchblutung sowie das Körpergefühl in den Armen.

Praxisbeispiel: Alle Teilnehmer strecken die Arme beidseits aus. Auf Kommando kreisen sie mit den Händen, zuerst langsam, dann etwas schneller. Die Pflegekraft leitet: „Jetzt vorwärts drehen, und nun rückwärts.“ Die Senioren vergleichen die Empfindungen: „Spüre ich nicht das Ziehen?“ Dieses rhythmische Kreisen bringt Mobilität in die Schultern und ein bewusstes Gefühl im Oberkörper.

Ball weitergeben (im Sitzen, mit geschlossenen Augen)

Wahrnehmungsbereich: propriozeptiv und auditiv

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Weicher kleiner Gymnastikball oder Luftballon (leicht), Stuhlkreis

Anleitung zur Durchführung:
1. Setzen Sie alle in einem Kreis. Jeder hält die Hände in etwa Ellbogenhöhe vor sich.
2. Der erste Teilnehmende schließt die Augen und bekommt den Ball in beide Hände gelegt.
3. Er gibt den Ball vorsichtig an den Nachbarn weiter.
4. Der Nächste schließt die Augen und gibt ihn weiter usw.
5. Ziel ist es, den Ball leise und sicher reihum zu passen. Dies aktiviert den Tastsinn in den Händen und das Vertrauen in das eigene Körpergefühl.

Praxisbeispiel: Herr J. sitzt mit geschlossenen Augen, als ihm die Pflegekraft einen kleinen Ball in die Hände legt. Vorsichtig ertastet er den Ball und reicht ihn mit ruhigen Händen an Frau E. weiter, die ebenfalls die Augen geschlossen hat. Alle im Kreis spüren die Bewegung. Nach Abschluss ist jeder stolz: Diese Übung stärkt nebenbei die Feinmotorik der Hände.

Augen schließen und Arm heben

Wahrnehmungsbereich: propriozeptiv

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Keine, eventuell Sessel zur Sicherheit

Anleitung zur Durchführung:
1. Setzen oder stellen Sie sich mit geradem Rücken.
2. Schließen Sie die Augen.
3. Heben Sie vorsichtig ein Bein oder einen Arm, halten Sie die Position 5 Sekunden lang.
4. Spüren Sie ganz bewusst, wie Ihr Körper reagiert und welches Körperteil sich bewegt.
5. Senken Sie dann langsam ab und wiederholen Sie mit dem anderen Arm bzw. dem anderen Bein.
6. Diese Übung fördert das innere Körpergefühl (propriozeptiv), da das Gehirn die Bewegung ohne visuelle Hilfe „muss“.

Praxisbeispiel: Mit geschlossenen Augen hebt Frau T. ihren rechten Arm seitlich langsam an. Sie spürt den eigenen Arm über Kopfhöhe schweben. Die Pflegekraft spricht leise: „Fühle dein Oberarm ganz fest.“ Anschließend ruft Frau T.: „Das war anstrengend, aber ich hab‘s geschafft!“ Schon das alleinige Gefühl der eigenen Bewegung sensibilisiert für den Körper.

Selbstmassage / Hand- und Armgefühl

Wahrnehmungsbereich: propriozeptiv und taktil

Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz

Materialliste: Pflegecreme oder Massageöl (optional duftneutral), warme Hände

Anleitung zur Durchführung:
1. Jeder nimmt etwas Creme oder Öl in die eigene Hand.
2. Massieren Sie sich sanft die Arme, die Hände, die Schultern – entweder selbstständig oder sich gegenseitig (Partnerübung).
3. Achten Sie auf den Druck: Nicht zu fest, aber deutlich spürbar.
4. Beschreiben Sie, was Sie spüren („Die Haut wird warm“, „Meine Muskeln entspannen“).
5. Diese achtsame Selbstmassage verstärkt die Körperwahrnehmung und gibt ein Gefühl von Geborgenheit.

Praxisbeispiel: In entspannter Atmosphäre massieren sich die Senioren gegenseitig unter Anleitung mit duftfreier Handcreme. Dabei sprechen sie darüber, wie unterschiedlich fest oder weich ihre Haut ist. Frau W. genießt die kreisenden Bewegungen auf ihrem Unterarm und bemerkt: „Das entspannt!“ Am Ende streifen sie sich ruhig den letzten Rest der Lotion in die Hände.

Topic Kreative Beschäftigungen

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