Kräuterwanderungen sind geführte Naturspaziergänge, bei denen heimische Wild- und Gartenkräuter erkundet, gesammelt und häufig direkt verarbeitet werden. Sie verbinden Bewegung an der frischen Luft mit sinnlicher Anregung durch Geruch, Farbe, Form und Geschmack der Pflanzen. Solche naturnahen Aktivitäten gelten als Teil des „Green Care“-Ansatzes: Die Natur wirkt sich nachweislich positiv auf Körper und Psyche aus – sie stärkt das Immunsystem, mindert Schmerz- und Angstempfinden und verbessert Stimmung, Konzentration und Gedächtnis. Gerade für Senioren bieten Kräuterwanderungen deshalb eine ganzheitliche Aktivierung. So berichtet etwa eine Kräuterfachfrau, dass das Beschäftigen mit Kräutern Demenzkranke beruhigt, emotional Sicherheit gibt und über Düfte und Farben Erinnerungen ans eigene Leben weckt. Studien und Praxisberichte bestätigen, dass Menschen mit Demenz sehr sensibel auf Gerüche reagieren und längst vergessene Erlebnisse heraufbeschwören können. Damit können Kräuterwanderungen sowohl das Wohlbefinden steigern als auch verloren gegangene Sinne (Geruch, Geschmack) und Kompetenzen wie Kochen oder Gärtnern reaktivieren. Ein Beispiel: Nach einer Senioren-Kräuterwanderung in einem BRK-Heim konnten die Teilnehmenden nachfolgend Kräuter zu Tee, Salben und Deko verarbeiten. Dieser gesamte Prozess – Sammeln, Verarbeiten und Erinnern – stimulierte ihren Geschmacks- und Geruchssinn und belebtet langjährige Fähigkeiten im Gartenbau und Kochen.
Zielsetzung
Eine Kräuterwanderung verfolgt mehrere Ziele: Sie soll körperliche Bewegung an der frischen Luft fördern, Sinne und Kognition anregen sowie Gemeinschaftserleben ermöglichen. Konkret geht es darum, Teilnehmern – auch mit kognitiven oder körperlichen Einschränkungen – sinnvolle Beschäftigung zu bieten: Anhand heimischer Kräuter wird Wissen vermittelt und Biografiearbeit angeregt. Praktisch sollen Geruchs‑ und Geschmackssinn durch das Riechen und Probieren von Pflanzen angeregt werden, während visuelle Eindrücke (Farben, Formen) Neugier wecken. Dabei können oft frühere Erfahrungen der Senioren mit Garten oder Küche angesprochen werden: Das Erkennen von Rosmarin oder Salbei löst etwa Wohlfühlerinnerungen aus. Langzeiterfahrungen im Gartenbau und Kochen werden so aufgefrischt und ins Hier und Jetzt geholt. Ein zentrales Ziel ist außerdem die soziale Interaktion: In der Gruppe wird Wissen geteilt, Erlebtes besprochen und gemeinsam verarbeitet. Die Naturerfahrung stärkt das Selbstwertgefühl – die Teilnehmer tun etwas „Nützliches“ und lernen Neues. Zusammenfassend steigert eine gut geplante Kräuterwanderung das Wohlbefinden, stärkt Körper und Geist und aktiviert Erinnerungen.
Vor- und Nachteile
Vorteile
Ganzheitliche Stimulation: Kräuterwanderungen bieten multisensorische Aktivierung. Duft, Farbe und Geschmack von Heil- und Wildkräutern stimulieren Geruchs-, Seh- und Geschmackssinn gleichzeitig. Beispielsweise können Lavendel oder Minze entspannend wirken, während Salbei und Kamille beruhigend auf den Körper einwirken. Diese Vielfalt an Sinneseindrücken wirkt förderlich auf Stimmung und Motivation.
Erinnerungsfördernd: Düfte wecken biografische Erinnerungen. Die betriebliche Praxis zeigt: Schon der Duft von Kaffee oder Kräutern kann Senioren an frühere Zeiten erinnern. Bei Demenzpatienten lösen Kräuteraromen oft Emotionen und Erlebnisse hervor. So wird eine Kräuterwanderung oft als emotional bereichernd erlebt.
Bewegung und Mobilität: Auch leichte Bewegung tut gut. Schon das Gehen auf festen Wegen regt Kreislauf und Muskulatur an. Die Bewegung an der frischen Luft fördert die Durchblutung und beugt Stürzen vor. Eine organisierte Wanderung bietet zudem Sitzpausen und Ruhephasen zum Ausruhen. Bei Bedarf können Rollstühle und Gehhilfen eingesetzt werden; mit entsprechender Planung lassen sich sogar gehbehinderte Senioren mitnehmen.
Lern- und Gemeinschaftserlebnis: Die Gruppe lernt gemeinsam – das stiftet Zusammenhalt. Das Auffinden und Erklären verschiedener Kräuter (z.B. Gänseblümchen, Johanniskraut, Brennnessel) schult die Aufmerksamkeit und bietet Gesprächsstoff. So entsteht Austausch, auch zwischen Angehörigen, Ehrenamtlichen und Betreuern. Hobby-Gärtner unter den Senioren können ihr Wissen einbringen, und Ehrenamtliche oder Kräuterpädagogen erweitern den Horizont der Gruppe.
Nachteile
Wetterabhängigkeit: Kräuterwanderungen finden draußen statt. Regen, starker Wind oder glatte Wege können das Vorhaben gefährden. Ein warmer Sonnenschutz, Regenschutz und Pufferzeiten sind nötig. Bei Gewitter oder Sturm kann die Veranstaltung ausfallen.
Gelände und Mobilität: Unbefestigte, unebene Wege bergen Stolper- und Sturzrisiken. Besonders bei Gehbehinderung oder Sehschwäche muss die Route sorgfältig gewählt werden. Treppen, Böschungen oder weiches Gras sollten vermieden werden. Für Rollstuhlfahrer sind befestigte Wege und Sitzmöglichkeiten unerlässlich.
Allergien und Pflanzengefahren: Einige Kräuter und Insektenstiche können allergische Reaktionen auslösen. Vorab sollten Pflanzengruppen (z.B. Schmetterlingsblütler wie Johanniskraut) und giftige Doppelgänger (Gefleckter Schierling statt Petersilie) ausgeschlossen werden. Auf Brennnesselbegegnungen oder bei Kindern auf Knöterich ist zu achten. Wichtig: Niemals unbekannte Pflanzen verzehren! Geschulte Leitung muss giftige Arten (z.B. Gefleckter Schierling, Eisenhut) erkennen und Sperrzonen etablieren.
Kognitive Einschränkungen: Bei Demenz oder stark verwirrten Personen kann ein fremdes Gelände verunsichern. Teilnehmende könnten weglaufen oder ängstlich reagieren. Deshalb sind feste Führungspersonen und Pausen zur Beruhigung wichtig. Unerwartete Geräusche oder Anblicke (lautes Rauschen, Insekten) können Ängste auslösen.
Aufwand: Solche Unternehmungen erfordern gute Vorbereitung und Personal. Ohne ausreichend Personal und freiwillige Helfer kann eine Wanderung für die Betreuenden stressig werden. Ein weiterer Nachteil ist, dass einige Senioren körperlich oder geistig so eingeschränkt sind, dass sie möglicherweise nur ungern oder gar nicht mitwandern. Dann sind Alternativen wie Spaziergänge im Garten empfehlenswert.
Vorbereitung und Durchführung
Eine gründliche Planung ist entscheidend für Sicherheit und Erfolg. Die Anleitung lässt sich in folgende Punkte gliedern:
Zielgruppe und Gruppenzusammensetzung klären: Ermitteln Sie im Vorfeld, welche Senioren teilnehmen sollen – z.B. aktive, demenzkranke oder gehbehinderte Personen. Stimmen Sie die Wanderung auf die schwächsten Teilnehmenden ab. Bei Demenzkranken ist eine geringe Gruppengröße sinnvoll und evtl. ein 1:1-Begleitservice durch Ehrenamtliche oder Familienangehörige.
Ort, Zeit und Route festlegen: Wählen Sie einen geeigneten Weg ohne große Steigung und mit Bänken zum Ausruhen. Wald- und Wiesenwege sind ideal – möglichst barrierefrei. Achten Sie auf Naturschutzregelungen (z.B. Verbote, bestimmte seltene Arten nicht zu betreten oder zu pflücken). Wählen Sie eine Jahreszeit mit aktiver Vegetation: Im Frühjahr und Sommer blühen viele Kräuter, im Herbst können Samen geerntet werden. Planen Sie die Wanderung nicht in der prallen Mittagsglut und trachten Sie nach Schattenstationen. Informieren Sie sich über Insektenschwärme (Mücken) oder Zeckenrisiko (siehe unten).
Materialien bereitstellen: Sammelbehälter (Körbe, Stoffbeutel), kleine Scheren oder Messer, Untersuchungslupen, Foto- oder Bestimmungsbücher. Nehmen Sie Wasser, Sonnenschutz, Regenschutz, Erste-Hilfe-Set und Mobiltelefone mit. Für Gehörlose kann ein Notfall-Lautsprecher (vor der Pandemie) oder Zeichen erfolgen. Legen Sie vorbereitete Duftproben (z.B. Lavendel, Pfefferminze in Döschen) und Bilder von Kräutern bereit, um die Identifikation zu erleichtern. Ausreichend Sitzgelegenheiten (Klapphocker) und Gehstöcke/Trekkingstöcke sind hilfreich.
Personaleinsatz und Begleitung: Sorgen Sie für ausreichend Aufsichtspersonen. Neben der hauptverantwortlichen Betreuungskraft sollten zusätzliche Helfer, Ehrenamtliche oder interessierte Angehörige mitkommen. Jeder kennt möglicherweise spezielle Bedürfnisse einzelner Senioren (Demenz, Diabetes, Asthma) und kann individuelle Hilfe leisten. Benennen Sie für jeden Bereich eine Ansprechperson (z.B. einen Rollstuhl-Begleiter). Eventuell kann ein Kräuterpädagoge oder eine erfahrene Kräuterpädagogin eingeladen werden, die Pflanzen professionell erklären kann. Vor der Tour sollten Alle laut über Schutzmaßnahmen sprechen: z.B. nie abseits der Gruppe laufen, was tun bei Zecken, welche Pflanzen nicht essen.
Informationsvorbereitung: Erstellen Sie ein Programm: Welche Kräuter sollen besprochen werden (z.B. Gänseblümchen, Löwenzahn, Spitzwegerich, Brennnessel, Salbei, Rosmarin)? Informieren Sie sich über deren Wirkung, um Anekdoten erzählen zu können. Planen Sie kurze Erläuterungen zu jedem Kraut – z.B. „Löwenzahn enthält Bitterstoffe, die Verdauung und Leber anregen“. Unterwegs können Sie Quizfragen oder Riechübungen einbauen. Nutzen Sie bei Bedarf Hilfsmittel wie „Duftgläser“ mit ätherischem Öl (Melisse, Lavendel) oder getrocknetem Kraut.
Ankündigung und Motivation: Stellen Sie das Angebot den Senioren anschaulich vor. Zeigen Sie Fotos oder Musterdosen der Kräuter, die sie sammeln werden. So entsteht Vorfreude und Verständnis. Klären Sie auf, dass niemand überfordert wird – jeder geht im eigenen Tempo. Weisen Sie darauf hin, dass es nach der Wanderung eine Gemeinschaftsaktion (siehe Nachbereitung) gibt, z.B. gemeinsames Kochen oder Basteln mit den Kräutern.
Durchführung der Wanderung: Beginnen Sie mit einer kurzen Einführung am Startpunkt: Erklären Sie den Ablauf („Wir halten an jeder neuen Pflanze für eine kurze Pause an“). Gehen Sie gemächlich und achten Sie darauf, dass die langsamsten Personen Schritt halten. Stoppen Sie immer wieder an markanten Kräutern. Lassen Sie die Senioren die Pflanze sehen, anfassen und daran riechen. Beschreiben Sie Name, Merkmale und einfache Verwendung (z.B. „Das ist Schafgarbe – ein traditionelles Wundkraut und Karnevals-Narrenkraut“). Falls möglich, geben Sie kleine Kostproben: Ein Minzblatt kauen, an Lavendel schnuppern etc. Arbeiten Sie humorvoll mit Reimen oder Liedern, die die Gruppe verbinden. Ein Tipp: Geben Sie jedem einen kleinen Zettel oder ein Protokoll zum Ausfüllen – z.B. Kräuterliste, wo sie die Pflanze gefunden haben. Das fördert das Gedächtnis und dient als Anknüpfungspunkt in Gesprächen.
Vermeidung von Risiken: Halten Sie die Gruppe zusammen. Meiden Sie besonders steile Wege. Überprüfen Sie während der Tour regelmäßig Haut auf Zecken. Sorgen Sie für Pausen: Bereits nach 20–30 Minuten Gehzeit ist ein sitzender Halt ratsam. Beobachten Sie die Stimmung genau – Unruhe oder Angst sollten sofort gemildert werden (z.B. durch Umarmung, Ablenkung, Singen). Falls jemand das Gelände überwältigt, kehren Sie um oder brechen Sie ab. Haben Sie neben Sanitäternummern auch frühere Krankheiten der Senioren parat (Blutdruckprobleme).
Einbindung ehrenamtlicher Helfer
Ehrenamtliche Alltagsbegleiter und Angehörige sind wertvolle Unterstützung: Sie können als zusätzliche Betreuer fungieren und die Senioren einzeln begleiten. Informieren Sie sie vorab über den Plan und ihre Aufgaben (z.B. Foto machen, Personen motivieren, Erste Hilfe leisten). Die Helfer können auch in der Vor- und Nachbereitung eingesetzt werden: Beispielsweise beim Anlegen eines Kräuterbeets oder beim Verarbeiten der Ernte. Oft ist es hilfreich, vertraute Gesichter mitzunehmen (Freiwillige, Pflegeschüler, Nachbarn), damit sich die Senioren sicher fühlen. Wichtig ist eine klare Rollenverteilung: Wer erklärt, wer sammelt ein, wer passt auf, wer hilft beim Gehen. Auf diese Weise entlasten Ehrenamtliche die Hauptbetreuungskraft und schaffen einen entspannteren Rahmen. Schulungen für Helfer (z.B. Grundwissen über Heilpflanzen) sind empfehlenswert, damit sie Fragen beantworten können oder bei Verwechslungen rechtzeitig einschreiten.
Saisonale Besonderheiten
Die Auswahl der Kräuter richtet sich nach Jahreszeit und Region:
Frühling: Die beliebteste Zeit für Kräuterwanderungen. Typische Pflanzen sind Bärlauch, Gänseblümchen, Löwenzahn, Spitzwegerich, Scharbockskraut und verschiedene Klee-Arten. Diese üppige Vegetation regt zum Sammeln und Probieren an. Bärlauch zum Beispiel wirkt entgiftend und herzstärkend.
Sommer: Es blühen Salbei, Kamille, Lavendel, Johanniskraut, Minze, Melisse, Schafgarbe und Ringelblume. Viele dieser Kräuter duften intensiv und können als Teezusatz oder in Salben verwendet werden. Johanniskraut ist bekannt für stimmungsaufhellende Wirkung, Melisse beruhigt. Beachten Sie im Sommer Insektenschutz und Ausreichende Flüssigkeit.
Herbst: Während vieler Kräuter bereits verwelkt sind, bieten sich Beeren, Samen und Wurzeln an. Hagebutten, Eberesche, Felsenbirne und Eberwurz (Engelwurz) können mitgenommen werden. Auch Pilze (keine Kräuter!) sind für die meisten Senioren nicht zum Verzehr geeignet – hier sollte ein Pilzfachmann dabei sein, wenn überhaupt. Trockene Kräuterblätter (z.B. Minze, Johanniskraut) können geerntet und getrocknet werden. In kühlerem Wetter kleidet man die Tour warm.
Winter: Eine klassische Kräuterwanderung ist selten, weil viele Pflanzen ruhen. Hier bieten sich kreative Alternativen: Ein “Winterkräuter-Spaziergang” kann immergrüne Gewürz- und Heilpflanzen vorstellen (z.B. Efeu, Tanne, Lorbeer) oder Architekturelemente wie Trockensträußchen bindender Pflanzen (Weihnachtszier). Oft wird stattdessen lieber im warmen Gemeinschaftsraum weiter gearbeitet – etwa mit getrockneten Kräutern vom Sommer (siehe Nachbereitung).
Regionale Unterschiede:
In Alpenregionen wachsen artenreiche Bergkräuter. Enzian (Gentiana), Goldmelisse (Alpenmelisse) und Edelweiß sind bekannt, allerdings unter Naturschutz. Typische Alpenkräuter-Mischungen enthalten Thymian, Brennnessel, Pfefferminze, Zitronenmelisse sowie Fensterblattgewächse wie Frauenmantel und Wolliger Hahnenfußtee.
Im Mittelgebirge (z.B. Schwarzwald, Harz) dominieren ebenso Salbei, Johanniskraut, Schafgarbe, Lavendel und heimische Waldkräuter wie Beinwell oder Waldmeister. Das norddeutsche Tiefland dagegen bietet eher Feuchtwiesen- und Heidenpflanzen (Schlehe, Heidekraut) sowie Kräuter aus dem Garten und Feldrainen (Brennnessel, Vogelmiere, Giersch). In der Küstenregion können Sanddorn, Queller (eine Salzpflanze) oder Heidekraut hinzugezogen werden. Passen Sie die Pflanzenwahl stets lokal an.
Die Artenvielfalt in Deutschland ist groß (rund 3.500 Blütenpflanzen), daher kann jede Wanderung einen etwas anderen Fokus haben, z.B. „Unkräuter im Garten“ (Löwenzahn, Gänsefuß, Brennnessel) oder „Duftende Heilkräuter“ (Salbei, Lavendel, Rose).
Nachbereitung und Weiterverarbeitung
Eine Kräuterwanderung endet nicht am Waldrand – die Nachbereitung ist ebenso wertvoll. Planen Sie gemeinsame Aktivitäten mit den gesammelten Kräutern: Das kann ganz praktisch sein, etwa
Teekochen und Verkostung: Lassen Sie die Senioren einen Kräutertee aus den geernteten Blättern zubereiten (z.B. Pfefferminz‑Melisse-Tee). Das stärkt das Erfolgserlebnis.
Kräuterbutter oder Pesto: Zerstoßen Sie junge Minz- oder Basilikumblätter zu frischer Kräuterbutter. Bärlauch-Pesto ist beliebt im Frühjahr. So schmeckt man die Natur – die Verdauung profitiert von den Bitterstoffen.
Duftende Kosmetik: Mit etwas Seife können Rosenblüten-Teile zu Duftseife verarbeitet werden, wie in einem Seniorenheim praktiziert wurde. Trockene Lavendelblüten eignen sich für Duftsäckchen. Ringelblumen ergeben wohltuende Hautcremes. Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. Bei der Verarbeitung bleiben Gruppenmitglieder länger beieinander und können nebenbei plaudern.
Bastelarbeiten: Ein Kräuter-Fühlmemory oder Kräuterkissen nähen (z.B. mit getrocknetem Lavendel und Reis) verbindet Bastelspaß mit den gesammelten Pflanzen. Auch das Binden von Kräutersträußen oder Heilkräuterbüscheln (z.B. zu Maria Himmelfahrt) kann regional Brauchtumspflege sein.
Dokumentation: Wenn möglich, halten Sie die gefundenen Kräuter fotografisch oder mit einfachen Beschriftungen fest. Ein Herbarium (in ein Buch gepresste Pflanzen) oder ein Fotoalbum vermittelt Stolz auf das Geschaffene. Unterhalten Sie eine kleine Ausstellung im Aufenthaltsraum.
Reflexion: Setzen Sie sich noch einmal zusammen und sprechen Sie über das Erlebte. Fragen Sie die Senioren nach ihren Kräutererinnerungen oder Lieblingsgerichten. Das Nachbesprechen vertieft das Erlebnis. Die beschriebenen Beispiele zeigen: Gemeinsames Verarbeiten und Reden über Kräuter weckt Gefühle und Erinnerungen – die Bewohner eines Seniorenheims trafen sich regelmäßig am neu geschaffenen „Geruchspfad“ im Hof, um gemeinsam Kräuter zu riechen und zu pflegen. Befragungen zeigten, dass dies die Lebensfreude spürbar erhöhte: „Die Düfte von Lavendel, Rose und selbst dem selbst Gemachten lösten Gefühle aus. Viele Bewohner erkannten die Gerüche von früher wieder und ließen schöne Erinnerungen Revue passieren.”
Durch diese Nachbereitung wird das Erlebnis nachhaltig. Die Senioren haben nicht nur spazieren, sondern aktiv gearbeitet, etwas geschaffen und sogar gegessen oder gepflegt. Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl und liefert Stoff für weitere Gespräche und Aktivitäten – nicht nur während der Wanderung selbst.
Erste Praxisbeispiele
Stationäres Pflegeheim (BRK Oberbayern): Dort organisierte das Betreuungsteam im Juni eine Wald-Kräuterwanderung, zu der auch Rollstuhlfahrer eingeladen wurden. Speziell wurden Fahrzeuge angefordert, um mobilitätseingeschränkte Bewohner zum Waldrand zu bringen. Unter Anleitung einer Kräuterfachfrau sammelten alle zusammen Heilkräuter wie Spitzwegerich und Waldmeister. Bereits unterwegs durften die Senioren Geruch und Geschmack der frisch gepflückten Kräuter testen. In der Folgewoche versammelten sich etwa 25 Bewohner erneut: Gemeinsam stellten sie aus den Kräutern Tees, Salben und aromatisierte Getränke her. Das Ergebnis: Durch diese aktiven Aktionen an der frischen Luft wurde der Geschmackssinn angeregt und Erinnerungen geweckt. Viele entdeckten alte Garten- und Küchentalente neu – Koch- und Backfähigkeiten, die seit langem brachlagen, wurden wieder belebt. Die Betreuer berichten, dass die Bewohner die Aktion als „angenehme Abwechslung“ und motivierend empfanden.
Ambulante Seniorenbetreuung (Stadtgarten): In einem projektartigen Angebot wurden demenziell Erkrankte und ihre Angehörigen zu einer Kräuterwanderung auf einen nahegelegenen Sinnes-Garten eingeladen. Dort führte ein Kräuterpädagoge hindurch und stellte Blätter und Blüten (z.B. Rosmarin, Lavendel, Melisse) zum Riechen und Streicheln vor. Viele Senioren erinnerten sich an früher: „Ich habe früher auch Gemüse eingekocht,“ sagte eine Teilnehmerin beim Anblick von getrocknetem Majoran. Anschließend legten Helfer mit den Senioren einen Duftgarten an (mit Rosen, Minze, Basilikum). Erfolg: Der Duftgarten wird seitdem täglich von Bewohnern aufgesucht. Betreuerin Daniela Urban von einem anderen Domizil bestätigt: „Unsere selbst gepflanzten Kräuter sind ein Anziehungsmagnet. Viele Bewohner helfen beim Gießen und erinnern sich an eigene Gärten. Insbesondere bei Demenz wirken die Kräuterdüfte, sie aktivieren das Gedächtnis – längst vergessene Erlebnisse kommen wieder hoch.“ Das Rühren eines frischen Lavendel- oder Minz-Tees im Anschluss wirkt ebenfalls stimulierend.
Ganztagsbetreuung (Gemeinschaftsaktion): In einem Tagespflegezentrum wurde mehrmals im Jahr eine Herbst-Kräuterwerkstatt angeboten. Nach der Wanderung durch nahe Felder trafen sich die Senioren mit Betreuern in der geräumigen Wohnküche. Dort schnitten sie gemeinsam Schlehdorn und Holunder, kochten Marmelade und bastelten Ringelblumenöl. Jedes Ergebnis (z.B. das frisch gekochte Gelee) wurde gemeinsam verkostet. Nach anfänglicher Scheu stellten viele erstaunt fest, wie „viel wir noch können“: „Der Geschmack ist schön herb“, lobte ein Senior den Schlehengelee. Fazit der Betreuer: Die Kombination aus Naturwanderung und anschließender Verarbeitung stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Senioren erleben sich als sinnvoll tätig – und die alltagsferne Erfahrung wird in vertrauter Umgebung weitergeführt.
Diese Beispiele zeigen, wie unterschiedlich Kräuterwanderungen ausgestaltet werden können – je nach Zielgruppe und regionaler Lage. Wichtig ist stets, dass die Aktivität auf die Bedürfnisse der jeweiligen Senioren abgestimmt wird. Für aktive, körperlich fitte Senioren kann es eine längere Tour sein; für gehbehinderte oder demenzkranke Personen eher ein kurzer Spaziergang mit Sitzeinlagen und intensiver Betonung der Sinne. Dank umfassender Vorbereitung (inklusive Sicherheits-Check) und engagierter Helfer können Kräuterwanderungen zu einem bereichernden Erlebnis für nahezu alle Seniorengruppen werden.
Heimische Wild- und Gartenkräuter
Kräuter und Heilpflanzen beeinflussen das Wohlbefinden und wecken oft positive Erinnerungen. Gerade ältere Menschen erinnern sich an Zeiten, als der Einsatz von Kamille, Lavendel oder Engelwurz im Alltag selbstverständlich war. Die intensiven Aromen und Düfte heimischer Kräuter stimulieren Sinne und Gedächtnis: Sie „verbinden sich mit Erinnerungen an besondere Mahlzeiten und Traditionen“ und bieten „vielfältige Möglichkeiten, um Senioren sinnliche und kognitive Weise zu aktivieren“. Dies geschieht etwa durch gemeinsames Riechen, Schmecken oder Zubereiten einfacher Kräuter-Speisen. Im Folgenden werden verschiedene heimische Wild- und Gartenkräuter beschrieben – jeweils mit ihren Merkmalen und konkreten Einsatzmöglichkeiten in der Seniorenbetreuung (beispielsweise bei Kräuterwanderungen, Sinnesübungen oder in der Kräuterküche). Die Gestaltung dieser Anwendungen berücksichtigt stets pädagogisch-therapeutische Effekte, sensorische Anregung und mögliche Weiterverarbeitung (z.B. als Tee, Kräuterbutter oder Duftsäckchen).
Übersicht: Heimische Wild- und Gartenkräuter
Bärlauch (Allium ursinum): Wild wachsender Frühjahrsbote mit intensiv knoblauchartigem Duft. Essbar – junge Blätter werden z.B. zu Pesto verarbeitet – und verdauungsfördernd.
Anwendung: Beim Kräuterplätzchen oder Spaziergang können Senioren den starken Duft des Bärlauchs erschnuppern und in Erinnerung daran alte Familienrezepte mit Knoblauch besprechen. Auch kann man Bärlauch-Pesto gemeinsam herstellen und probieren. (Achtung: Verwechslungsgefahr mit Maiglöckchen – Anleitung durch Betreuungsperson.)
Borretsch (Borago officinalis): Einjähriges Kraut mit gurkenähnlichem Geschmack, bekannt als „Gurkenkraut“. Es hat auffällige blaue Blüten, die Speisen dekorieren. In der Heilkunde wird Borretsch u.a. bei Hautproblemen eingesetzt.
Anwendung: Die intensiven Blüten können Senioren visuell ansprechen (z.B. Beobachten im Garten). Pflanzen im Topf sorgen für Duft im Raum. Inhaltlich fördert ein Gespräch über den „Gurken-Geschmack“ Erinnerungen an Sommergerichte.
Große Brennnessel (Urtica dioica): Bekannt für ihre brennenden Haare, enthält jedoch viele Nährstoffe. Frische Brennnesselblätter werden in Suppen, Smoothies oder Tee verwendet. Medizinisch wirkt Brennnessel etwa harntreibend.
Anwendung: In der Gruppe kann das Gefühl von Brennnesseln (z.B. leicht angekochtes Blatt oder getrocknet) berührt werden – natürlich ohne scharfe „Brennhaare“ – und über alte Gartenerlebnisse gesprochen werden. Auch das gemeinsame Zubereiten von Brennnesseltee schult die Feinmotorik und regt zu Gesprächen an.
Gänseblümchen (Bellis perennis): Weitverbreitet, blüht das ganze Jahr. Blüten und Blätter sind essbar und werden – als Salat oder im Quark – appetitanregend und leicht entzündungshemmend genutzt.
Anwendung: Beim Kräuterwandern laden die bunten Blümchen zum Sammeln ein. Senioren können Blüten zählen oder in Salat legen. Das Malen von Gänseblümchen (Malvorlage) oder das Pressen in Büchern regt Kreativität an.
Gundermann (Glechoma hederacea) – auch „Gundelrebe“: Kriechender Bodendecker mit violetten Lippenblüten und minzeartigem Aroma. Gut für Wildkräutersalate und Kräuterbutter. Gewöhnlich als leicht scharf-bitter beschrieben; wirkstoffhaltig schleimlösend.
Anwendung: Gundermann lässt sich leicht pflücken und mit Kräuterbutter verarbeiten. Eine Gruppen-Aktivität kann z.B. sein, frische Blätter zu zerreiben (taktile Übung) und über Kräuterbutter-Rezepte zu sprechen. Der Duft stimuliert das Gedächtnis für frühere Kocherlebnisse.
Giersch (Aegopodium podagraria): Stark wüchsiges, rankendes Wildkraut (Doldenblütler) mit dreigeteilten Blättern. Früher als „Arme-Leute-Gemüse“ geschätzt – enthält Vitamin A, C, Mineralstoffe und schmeckt leicht würzig.
Anwendung: Giersch im Garten nutzen: Gruppen können junge Triebe sammeln und über dessen Blattstruktur (dreiteilig) sprechen – gut für die Wahrnehmung. Kräutersuppe oder Salat mit Giersch herstellen bringt Aktivität und Erinnerungen an alte Zeiten im Garten.
Echte Kamille (Matricaria chamomilla): Bekannt für die beruhigende Wirkung – Teebereitung aus Blüten ist klassische Anwendung. Weißgelbe Korbblüten, duften angenehm. Bevorzugt sonnige Standorte.
Anwendung: Gemeinsames Aufbrühen von Kamillentee (Material: Teebereiter, Tassen, Blüten) fördert Gemeinschaft und Sinne. Der milde Geruch kann Ängste lindern (Entspannungsaspekt) und das Gespräch über einschläfernde Rituale anregen.
Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata): Wildkraut mit mildem Knoblauchduft ähnlich Bärlauch. Blätter in Salaten und Pestos verwendbar; Samen schmecken senfartig.
Anwendung: Die Gruppe kann Blätter zerreiben und daran riechen – die vertraute Knoblauchnote weckt Erinnerungen. Ein Übungsschritt: Einzeln an Tupfer riechen oder Kostproben verkosten (vorsichtig, bei möglichen Medikamentenwirkungen). Auch Kräutersalat mixen spricht Feinmotorik und Geschmackssinne an.
Kornblume (Centaurea cyanus): Einjährige Wiesenblume mit intensiven blauen Blüten. Eher als Dekoration in Salaten/Backwaren bekannt. Früher in Getreidefeldern (heute selten).
Anwendung: Die auffälligen Blüten werden von Senioren gern betrachtet oder gepflückt. Als Bastelmaterial (Trocknen oder Pressen) fördert die Kornblume Kreativität. Auch auf einen Spaziergang (suchen nach blauer Farbe am Weg) anleiten.
Löwenzahn (Taraxacum officinale): Weltbekanntes Wildkraut mit gelben Blüten und Pusteblumen. Blätter und Blüten sind essbar (Wildkräuterhonig, Salat, Wurzel wie Kaffeeersatz).
Anwendung: Das Pusteblumen-Ausblasen bietet Bewegungsübung (Arme anheben, ausatmen) und Spaß. Die Medizin( Löwenzahn-Tee ) kann besprochen werden. Senioren können den herben Geschmack von Löwenzahnblättern kennenlernen und dabei über „Kindheitsspirals“ plaudern.
Rotklee (Trifolium pratense): Wiesen-Klee mit violetten Kugelblüten. Anreichert Böden mit Stickstoff. Junge Blätter und Blüten essbar (leicht nussig); traditionell bei Durchfall und Menstruationsbeschwerden genutzt.
Anwendung: Kleepflanzen lassen sich leicht pflücken. In der Gruppe können Blumen ausgezupft und betrachtet werden (taktil, visuell). Das Kauen frischer Blätter (vorsichtig) bringt Geschmackserlebnisse. Über Blitzkräuter (es hilft, sich an alte Pflanzennamen zu erinnern) sprechen.
Schafgarbe (Achillea millefolium): Weiß blühender Wiesenbewohner (auch Tausendblatt). Pflanzenteile (Tee, Sirup) zur Verdauungshilfe.
Anwendung: Schafgarbenblüten sammeln fördert Feinmotorik. Ihren bitteren Geruch können Senioren erleben, was das Gedächtnis für Naturaromen anregt. Kleines Projekt: Schafgarbentee kochen (Material: getrocknete Blüten, Teekanne) und gemeinsam trinken – ideal zur Gruppenentspannung.
Spitzwegerich (Plantago lanceolata): Wegesrand-Pflanze mit langen spitzen Blättern. Enthält schleim- und entzündungshemmende Wirkstoffe. Blätter kann man kleinschneiden und auf Insektenstiche legen.
Anwendung: Das zarte Zerreiben der Blätter zwischen den Fingern (taktile Übung) vermittelt ein angenehmes Gefühl. Ein seniorengerechtes Spiel: „Wer findet den spitzen Wegerich?“ (Wahrnehmungstraining). Spitzwegerich-Blätter probieren (z.B. roh im Salat) sensibilisiert den Geschmackssinn.
Vogelmiere (Stellaria media): Kleines, ganzjährig blühendes Wildkraut mit zarten weißen Blüten. Schmeckt leicht nach Erbsen und Mais. Frisch essbar auf Brot oder als mildes Gemüse; Vogelmieren-Tee lindert Husten.
Anwendung: Vogelmiere in der Hand harken (Fühlprobe) oder auf Butterbrot legen (Essübung). Ihr feines Aroma ermöglicht einfühlsame Sinneswahrnehmung. Als gemeinsame Aufgabe kann man Vogelmiere in einem Kräutergarten aussäen oder ernten.
Wilde Möhre (Daucus carota subsp. carota): Vorläufer unserer Gartenschlange mit weißen Doldenblüten. Beim Zerreiben duften Blätter nach Möhre. Wurzel essbar wie Karotte, Blätter und Samen zum Würzen. Zweijährig (Ernte im 1. Jahr).
Anwendung: Spaziergang: Die Gruppe sucht wuchernde Doldenblütler und bespricht Unterschiede. Das Schneiden von Möhrenstücken (Kochen) trainiert Feinmotorik. Der Karottengeruch stimuliert Gedächtnis für Gemüseanbau.
Scharbockskraut (Ficaria verna): Frühblüher mit gelben Blüten. Reich an Vitamin C, früher bei Skorbut (Scharbock) genutzt. Nicht roh essen (giftig, Bitterstoffe).
Anwendung: Auf dem Frühlingsspaziergang kann das Erkennen der ersten gelben Blüten thematisiert werden. (Dabei erklären, dass es Medizin beinhaltete.) Gemeinsame Betrachtung der Pflanze stimuliert visuelle Wahrnehmung. Als Bastelidee: Herbstliches Pressen nach Verblühen.
Schlüsselblume (Primula veris): Gelbe Hüllblüten im Frühjahr (Hohle Schlüsselblume), duften leicht. Entzündungshemmende Wirkung; früher als Hustenmittel.
Anwendung: Beim Kräuterspaziergang nach Schlüsselblumen suchen – gut für Gleichgewicht (steile Wiese). Einmalige Spritzenblume genau betrachten (unter Vergrößerungsglas) fördert Aufmerksamkeit. Das Hantieren mit den zarten Blüten regt Feinmotorik an.
Wilde Malve (Malva sylvestris): Rosa bis blaue Blüten an wildem Eibischgewächs. Innerlich schleimlösend (bei Husten) und äußerlich als Umschlag.
Anwendung: Die samtige Oberseite der Blätter fühlen, Blutfluss spüren (Sensorik). Gruppen können Malventee zubereiten und langsam kosten – gemeinsames Genießen stärkt Gemeinschaft. Malve-Blüten in ein Duftsäckchen füllen für Geruchs-Workshop.
Mariendistel (Silybum marianum): Große distelartige Pflanze mit weißen Blattadern. Samen traditionell zur Leberunterstützung.
Anwendung: Kleine Samen in Hand geben (Taktik) oder befühlbare Distelblütenkönnen unter Anleitung gesichert werden. Gespräche über erinnerte Heilkunde-Anekdoten (Großmutter kannte Mariendistel) fördern kognitive Aktivierung.
Mädesüß (Filipendula ulmaria): Hochwüchsige Pflanze mit rispigen weißen Blütenständen und süßlichem Duft (früheres Krauseminzparfum). Wird als Tee bei Erkältung genutzt.
Anwendung: Pflückaktion: In nassem Gelände Mädesüß sammeln schult Teamarbeit. Frischen Duft von Mädesüßtee erleben und Erinnerungen an Sommerwiesen wecken. „Kräuterparfum“: Getrocknete Blüten als Duftsäckchen verwenden, um Geruchssinne zu stimulieren.
Mutterkraut (Tanacetum parthenium): Weißer Korbblütenkranz, früher gegen Migräne verwendet. Enthält Parthenolide (muss vorsichtig dosiert werden).
Anwendung: Beim Spaziergang auf Wiesen nach Mutterkraut suchen – Anstoß zum Thema natürliche Schmerzbehandlung der eigenen Lebenszeit. Das Zusammenbauen einer Tinktur (Material: Mutterkraut, Fläschchen, Anrühren) ist für Gruppen oft zu aufwändig, aber ein Betreuer kann die Wirkung am Beispiel zeigen.
Rainfarn (Tanacetum vulgare): Gelbe Doldenblütler, früher gegen Insekten.
Anwendung: Blätter reiben und riechen – intensiver, leicht chemischer Geruch reizt Sinne. SeniorInnen können darüber sprechen, wie früher Mücken verjagt wurden (Erinnerungsarbeit). Rainfarn ans Insektenfutter (Tablett) legen und beobachten: Das Becken spielt motorisch und den Geruchssinn an.
Roter Sonnenhut (Echinacea purpurea): Markante rote Blüten mit kegelförmigem Zentrum. Bekanntes Immunsystem-stärkendes Heilkraut.
Anwendung: Blüte besichtigen (optisch eindrucksvoll). Tee zubereiten (getrocknete Wurzeln oder Kräuter) und gemeinsam kosten – spricht alle Sinne an. Der auffällige Wuchs fördert Blickorientierung und Gespräch über Naturmedikamente.
Schöllkraut (Chelidonium majus): Wilde Pflanze mit gelben Blüten, gelber Milchsaft. Traditionell gegen Warzen (nicht für den internen Gebrauch).
Anwendung: Diskussion über alte Hausmittel: Zum Thema Schnel-löschen (Warzen) erzählen. Ein paar harmlose Tropfen an der Hand auftragen (mit Pflaster bedecken) – die Senioren sehen, wie die Reizung (Gelbfärbung) auf die Haut wirkt (Sinne: Auge, Tastsinn). Therapie-Effekt: Fördert Verständnis für alterativen Pflanzeneinsatz.
Beinwell (Symphytum officinale): Große ausdauernde Pflanze mit haarigen Blättern (Wallwurz). Wurzel und Blätter werden zu Salben bei Prellungen verarbeitet.
Anwendung: Frische Blätter (unter Aufsicht) leicht zerreiben und auf die Haut legen (Beispielsweise am Unterarm – nur 1–2 Minuten). Die wärmende Wirkung kann besprochen werden. Senioren könnten gemeinsam eine Beinwellsalbe (Material: Saubere Kompressen, getrocknete Pflanze) anrühren und auftragen – fördert Feinmotorik und Gemeinschaftserlebnis.
Ringelblume (Calendula officinalis): Kultiviert oder verwildert, orange bis gelbe Blüten; in Salben und Tees bei Haut- und Wundheilung.
Anwendung: Blüten pflücken oder trocknen (Motorik). Kinderliedernachspielen (“Blumen pflücken”) für leichte Bewegung. Ringelblumentee kochen: Senioren dürfen die Blüten in Teebeutel füllen und gießen lassen. Der sanfte Duft beruhigt und regt die Erinnerungsfähigkeit an.
Petersilie (Petroselinum crispum): Gartenklassiker mit krausen Blättern. Reich an Vitaminen.
Anwendung: Gemüse schnibbeln mit Petersilie (Kochen) trainiert Motorik. Der kräftige Kräutergeschmack (erst probieren!) regt die Geschmacksnerven an. Petersilienblätter (zerkaut oder als Tischdekoration) dienen als Anstoß, über traditionelle Suppenrezepte zu sprechen.
Dill (Anethum graveolens): Gelblich blühende, fein gefiederte Blätter und Dolden. Verwendung in Gurken oder Fischgerichten.
Anwendung: Gemeinsames Einlegen einer Gurkenscheibe mit Dill (Material: Essig, Wasser, Dillzweige) zeigt Wirkung von Kräutern in der Küche. Dill-Samen zermahlen (Gewürzmühle) fördert Motorik. Der Geruch weckt Bauernhof- oder Sommerfest-Erinnerungen.
Fenchel (Foeniculum vulgare): Hohe Pflanze mit gelben Dolden und anisähnlichem Aroma. Üblich als Tee bei Husten und Verdauung.
Anwendung: Fenchelsamen kauen (Geschmacks- und Geruchstest) – an frühere Fenchelbonbons oder -tees erinnern. Samen im Mörser zerstoßen (Aktivität: Motorik). Fencheltee schlürfen aktiviert Sinne und Gespräche über entkrampfende Hausmittel.
Liebstöckel (Levisticum officinale): Auch „Maggikraut“ genannt, wegen würzigem Geschmack.
Anwendung: In der Gruppe Suppen anreichern (z.B. Gemüsesuppe) und gemeinsam probieren – stärkt Geschmackserlebnis und Kommunikation. Alternativ frische Blätter reiben und an riechen (Motorik und Geruchsgedächtnis).
Kümmel (Carum carvi): Doldengewächs; aromatische Samen in Brot und Speisen.
Anwendung: Einen Teelöffel Kümmelsamen reichen – an den charakteristischen Duft riechen (Sinnesstimulation). Senioren diskutieren, welche Gerichte früher damit verfeinert wurden. Das Mahlen im Mörser trainiert Feinmotorik und Arme.
Koriander (Coriandrum sativum): Blatt und Saat (Gewürznelkenkraut), typisch in Currys.
Anwendung: Früher nicht in Deutschland heimisch, aber viele Senioren kennen ihn aus altbekannten Rezepten. Frische Blätter in der Hand kauen (leichter Geschmack, Mundgefühl) oder Samen probieren (scharf-erdig). Gespräche über „exotische“ Kindheitserinnerungen (z.B. in Kriegsküchen) regen Gedächtnis an.
Anis (Pimpinella anisum): Sternanis oder gewöhnlicher Anis (Samen) – süßlich-würzig. Als Tee bei Magenbeschwerden.
Anwendung: Samen kauen (Aromagemüse) und nach Geschmack beschreiben. SeniorInnen berichten von Anisbonbons oder Anistee aus ihrer Kindheit. Eine sinnvolle Aktivität: Anistee kochen und trinken (Material: Anissamen, heißes Wasser) zur sensorischen Stimulation.
Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus): Bunte Gartenblume mit pfeffrigem Geschmack (Blätter/Blüten essbar). Reich an Vitamin C.
Anwendung: Blüten sammeln und kosten (Mundgefühl). Das Setzen von Kresse-Samen im Schälchen (Motorik) und Warten aufs Keimen fördert Aufmerksamkeit. Blätter in Salat mixen spricht über Geschmackserlebnisse – alle Sinne sind aktiviert.
Weinraute (Ruta graveolens): Mediterrane Wildpflanze mit starkem, für Viele gewöhnungsbedürftigem Geruch.
Anwendung: Nur in kleinen Dosen verwenden (Essen vermeiden). Duft riechen (Hand zur Nase) – das ungewöhnliche Aroma kann Erinnerungen an alte Klostergärten wecken. Vorsichtig sein: Kleine Gruppenübung über Gefahren von Giftpflanzen.
Salbei (Salvia officinalis): Silbergraues Lippenblütenkraut, Duft intensiv.
Verwendung: Bekannt als Rachenspülung oder bei Halsschmerzen.
Anwendung: Gemeinsames Gurgeln mit Salbeitee fördert Atem-Rhythmus. Der herb-kamillige Geruch in der Hand (Öl) aktiviert Sinneswahrnehmung. Senioren erzählen vielleicht von Uromas Salbeitee.
Waldmeister (Galium odoratum): Waldbodenkraut mit charakteristischem Cumaringeruch (Maibowle-Duft).
Anwendung: Nach dem Sammeln leicht trocknen lassen – dann duftende Vasenfüllung (Weiterverarbeitung). Die Süßnote (Cumarin) lässt Erinnerungen an Maienveranstaltungen hochkommen. (Hinweis: nur geringe Menge verwenden wegen Cumaringefahr bei Überdosierung.)
Wacholder (Juniperus communis) – Gemeiner Wacholderstrauch: Dunkelblaue Beeren mit intensivem Aroma.
Verwendung: In Eintöpfen (Wild) und als Hausmittel (z.B. Tee).
Anwendung: Beeren ertasten und den Holzgeruch einatmen – besonders in der Adventszeit stimmungsvoll. Der Wacholder- oder Fichtenduft regt Wintererinnerungen an. Vorsicht: nicht essen (zu stark).
Ysop (Hyssopus officinalis): Stabminze mit blauvioletten Blüten.
Verwendung: Hustentee, Verdauungslinderung.
Anwendung: Ätherisches Öl oder frische Triebe zum Riechen. Der intensive Duft löst Wachheit aus. Ysop-Tee zubereiten (Material: Ysopblätter) und gemeinsam trinken: eine sanfte Aktivierung der Sinne.
Lavendel (Lavandula angustifolia): Blauviolette Blüten an duftendem Strauch.
Verwendung: Entspannend, in Duftsäckchen oder Tee.
Anwendung: Lavendelblüten in die Hand nehmen und riechen (entspannende Wirkung). Duftsäckchen basteln (Material: Trockenblüten, Stoffbeutel) – fördert Feingefühl und Kreativität. Der blumige Geruch wirkt beruhigend (Aromapflege).
Thymian (Thymus vulgaris): Kleine violette Blüten, stark aromatisch.
Verwendung: Hustenmittel, Küchengewürz.
Anwendung: Thymianzweige in heißes Wasser geben – Aromabenzin zur Inhalation (Sinne). Gemeinsames Zupfen von Nadeln (sichere Grabefolge) stimuliert die Haut- und Motorik. Der würzige Geruch weckt Erinnerungen an Tradition und Kochen.
Majoran (Origanum majorana): „Wintersalbei“, sanfteres Oregano.
Verwendung: Suppengewürz, nervenstärkend.
Anwendung: Senioren riechen und benennen das würzige Aroma. Herstellung einer Kräuterquark-Werkstatt (Material: Speisequark, Majoran, Butter) – Anreicherung mit Majoran fördert Geschmacks- und Bewegungsreize sowie sozialen Austausch beim Kosten.
Oregano (Origanum vulgare): Mediterranes Würzkraut (Oregano), intensiver Geruch.
Verwendung: Pizza, Tomatensauce, antimikrobiell.
Anwendung: Blätter zerreiben (Oreganoöl duftet). Altershütte-Variation: Oregano-Teebeutel füllen und inhalieren. Gruppendiskussion: Wer kennt Oregano aus der Jugend? Fragen fördern das Erinnerungsvermögen.
Basilikum (Ocimum basilicum): König unter den Küchenkräutern. Mediterran-aromatisch, wichtig z.B. in Tomatensaucen oder Pesto.
Anwendung: Basilikumblätter kauen (feiner, süßer Duft) und nennen Geruch. Pesto-Herstellung im Miniformat (Pistazien, Basilikum, Olivenöl) bindet Hände mit Zerkleinern ein und belebt den Geschmack. Erwähnen, dass Basilikum als „gesundes Gewürzkraut“ gilt.
Pfefferminze (Mentha × piperita): Intensiv-minziger Geruch, beruhigt Magen und Nerven.
Anwendung: Einige Blätter zwischen den Fingern reiben und Duft inhalieren – sofortige Sinneanregung.
Praxis: Pfefferminztee aufbrühen; Schlemmerei: Eis mit Minze anreichen (sehr sinnlich). Dementiell Erkrankten hilft das bekannte Bonbonaroma, klare Bilder heraufzubeschwören.
Gartenminze (Mentha spicata): Etwas milder als Pfefferminze; z.B. für Mojito-Geschmack.
Anwendung: Ähnlich wie Pfefferminze nutzen. Varianten: Minzseife herstellen (weiche Seifenbasis mit getrockneter Minze mischen). Beim Schaum-Abwaschen spüren, wie Hände nach Minze duften – sensorisches Erlebnis.
Estragon (Artemisia dracunculus): Sämiger Geschmack, deutsches Dillersatz.
Anwendung: Vergleiche mit frischem Dill anstellen (Sinnesschulung). Samen im Mörser zerdrücken (Anis-ähnlicher Duft). Estragon-Likör (mit Alkoholrest) wie „Küchenlikör“ für Trinkvarianten (Jugenderinnerung an Verdauungslikör).
Wermut (Artemisia absinthium): Starker bitterer Geruch, historisch in Absinth.
Anwendung: Für Senioren kann Wermuttee Bitterwahrnehmung üben – offenbare das Erlebnis (wer kennt Bitter?). Klugscheißer-Effekt: Man erzählt, wie früher Wermut das Getränk Grün machte – Memory-Effekt und Diskussion.
Schnittlauch (Allium schoenoprasum): Zarte Lauchzwiebel in Grün, milder Zwiebelgeschmack.
Anwendung: Likuritate-Quiz: Klein gehackte Schnittlauch- und Zwiebelstückchen zum Riechen (Geruch lesen). Schnittlauch zupfen und die Grashalme betrachten – Feinmotorik. Gemeinsam Kräuterquark anrühren (aus Joghurt, Schnittlauch, Petersilie) – sehr praxisnah, sozial fördernd.
Melisse (Zitronenmelisse, Melissa officinalis): Zitronig-frischer Duft, wirkt beruhigend.
Anwendung: Blätter reiben (Zitronenserenade-Duft) – Einschlafgeschichten starten. Melissentee zubereiten, im milden Geschmack entspannen. Lernspiel: Melissentee „zaubern“ (Tee in Schüssel, Rühren) – sorgt für visuelle und Geschmacksreize.
Zitronenthymian (Thymus citriodorus): Mischung aus Thymian und Zitronenduft.
Anwendung: Riechübung mit frischen oder getrockneten Blättern (Zitrusaroma). Tee oder Honig-Butter mit Zitronenthymian bestreichen – sensorische Verbindung aus Medizin (Husten) und Genuss.
Pimpinelle (Große Bibernelle, Pimpinella major): Alte Doldenblütler-Kräuter, würziger Samen, mild.
Anwendung: Samen riechen (Fenchelig) und Raten – Gedächtnistraining. Blatt kratzen und probieren (Geschmackstest). Im Garten säen und pflegen – Pflegetätigkeiten für Gruppen (Gießen, ernten).
Beifuß (Artemisia vulgaris): Würzig-bitteres Kraut, traditionell in Kümmelöl.
Anwendung: (Vorsicht: leicht allergisierend.) Nur sparsam: Blätter sanft zwischen den Fingern reiben – intensiver Kräutergeruch. Erinnerungsrunde: Früher im Gemüseanbau. Deutliches Aroma weckt Erinnerungen an Feld- oder Wiesendüfte.
Goldrute (Solidago virgaurea): Gelbe Blütenstände, als Tee harn- und entzündungshemmend.
Anwendung: Blütenstände fühlen (sehr fein). Tee kochen, dann langsam schlürfen – stimuliert alle Sinne. Senioren berichten aus Medizin-Erfahrungen (chronisches Rheuma -> Goldrute) im persönlichen Umfeld.
Huflattich (Tussilago farfara): Gelbe Frühlingsblüte, schleimlösend bei Husten.
Anwendung: Frische Blüten fühlen (weich) und betrachten – sensorisch. Huflattich-Tee anrühren (oder Pflaster – Inhaltsstoffexposition erklären) – Aktivierung durch Riechen und Trinken.
Ginkgo (Ginkgo biloba): Evolutionsrelikt, getrocknete Blätter als Gedächtnis-Chip-Wunderkraut.
Anwendung: Eher als Tee; Gruppe brüht Brühe zusammen – Symbol dafür, „alte Erinnerungen zu pflegen“. Kein intensiver Duft – eher Gespräch über Wirkung.
Lindenblüte (Tilia cordata): Duftende gelbliche Blüten, Schlaf- und Nerven-Tee.
Anwendung: Binden von Duftsäckchen aus getrockneten Lindenblüten – bastelndes Rezept. Der Blütenduft lindert Unruhe, ideal vor dem Ruhephase-Kreis.
Johanniskraut (Hypericum perforatum): Gelbes Wildkraut, bekannt gegen „Sommerdepression“.
Anwendung: Während Spaziergangs rotfärbendes Johanniskrautöl anrühren (Blüten im Öl ziehen): Senioren massieren damit Hände sanft – Hautkontakt + Gespräch über Sonnen- und Stimmungsaufhellung.
Klette (Arctium lappa): Wurzel nutzbar, Klettenhaft.
Anwendung: Samen-Kletten sammeln, an Kleidung pappen lassen – Bewegungsspiel (Zettelrallye). Eintopf mit Klette kochen (Frühjahrsgemüse) – Aktivierung via Kochen.
Diese Liste von Kräutern kann im Rahmen von Kräuterwanderungen oder kleinen Gruppenspielen eingesetzt werden, um Sinne und Erinnerungen anzuregen. Oft genügt es, an den Blättern, Blüten oder Samen zu riechen, sie zu ertasten oder zu kosten – jedes Sinneserlebnis ist für Senioren auch ein Gedächtnisreiz. Nicht alle Kräuter sollten roh konsumiert werden; die Betreuungsperson leitet an und gibt Alternativen (z.B. Tee statt Frischkost). Nach dem Sammeln und Kennenlernen können viele Kräuter weiterverarbeitet werden: Kräutertee, Kräuterquark/-butter, Gewürzmischungen oder Duftsäckchen lassen sich leicht herstellen und bieten sinnvolle Bastel- und Kochgelegenheiten. So wird das Kräuter-Wissen direkt erlebbar und nachhaltig verankert.
Ideen zum Thema Kräuterwanderungen
Die folgenden Aktivierungsideen nutzen das Thema Kräuter gezielt für Gruppen- und Einzelangebote in der Seniorenbetreuung. Jede Idee enthält Ziele, benötigtes Material, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, Hinweise zur Zielgruppe sowie praktische Beispiele. Die Aktivitäten fördern sinnliche Wahrnehmung (Geruch, Geschmack, Tastsinn), feinmotorische Bewegung und Gedächtnisfunktionen. Dabei bringen Kräuter sowohl entspannende als auch belebende Effekte. Alle Übungen lassen sich gruppenweit durchführen oder für einen Bewohner angepasst in der Einzelbetreuung anbieten.
Duft- und Geschmacks-Rätsel
Zielsetzung: Anregen der Sinneswahrnehmung, Förderung des Gedächtnisses und sozialer Interaktion durch Riechen und Schmecken von Kräutern. Die Aktivität weckt kulinarische Erinnerungen.
Material: Eine Auswahl an Kräutern und Gewürzen (frisch oder getrocknet) in undurchsichtigen Gläschen oder Dosen (z.B. Basilikum, Pfefferminze, Oregano, Zimt). Löffel oder Wattestäbchen zum Anreichen. Beschreibungsblätter oder Bildkarten mit Kräuternamen zur Auflösung.
Umsetzung (Schritt für Schritt):
Die Teilnehmenden sitzen im Kreis. Zeigen Sie ein erstes Duftglas (z.B. Basilikum) und lassen Sie reihum daran riechen. Wer erkennt das Kraut am Duft? (Für Einzelbetreuung nimmt man die/den Senior:in neben sich.)
Notieren Sie (oder die Gruppe diskutiert), was das Aroma erinnert (z.B. „Tomatensauce“ bei Basilikum, „Pasta“ bei Oregano). Das fördert Erinnerungen an gemeinsame Mahlzeiten.
Fahren Sie mit weiteren Kräutergläsern fort (z.B. Lavendel – Entspannung, Pfefferminze – Frische). Bei Unsicherheit helfen Bild-/Wortkarten als Hinweis.
Variante: Ein Glas mit Wasser auf den Tisch stellen, in das ein kleiner Zweig gehängt wird (z.B. frischer Rosmarin). Nach einer Minute das Aroma schnuppern – Sinneserlebnis (Gruppenvariation).
Zum Abschluss gemeinsam auflösen und krautbezogene Geschichten erzählen (erinnerungserweckende Gesprächsrunde).
Anwendungsbereich: Geeignet für Gruppen- und Einzelbetreuung. Besonders wertvoll für demenziell erkrankte Senioren (weil der Geruch oft Erinnerungen an Kindheit oder Heimat weckt). Auch mobil eingeschränkte Personen profitieren, da keine große Bewegung nötig ist. Die Tätigkeit fördert neben den Sinnen auch die Kommunikationsfähigkeit und kognitive Aktivierung (Erkennung, Benennen).
Praxisbeispiele:
In einem Seniorenheim riechen alle an einem Glas mit getrocknetem Rosmarin. Eine Bewohnerin erinnert sich an das Kochen mit Enkelkindern, als diese „Rosmarin für Pizza“ mitgebracht hatten.
Individuelle Betreuung: Ein demenzkranker Bewohner sitzt mit einer Betreuerin am Tisch. Die Betreuerin reicht ein kleines Säckchen mit Zitronenmelisse – gemeinsam wird darauf gerieben und der Duft geschnuppert. Der Bewohner lächelt und berichtet (laut) von Omas Limonade, die nach ähnlichem Kraut duftete.
Kräuterkochen und -zubereiten
Zielsetzung: Motorische Aktivierung, Förderung des Gemeinschaftsgefühls und Erlebens der Kräuternutzung durch gemeinsames Kochen oder Verarbeiten. Dabei werden Geruchs- und Geschmackssinn angesprochen und die Feinmotorik trainiert.
Material: Frische oder getrocknete Kräuter (je nach Rezept), Schüsseln, Löffel, Teekanne, Schere, Mörser und Stößel, Butter oder Quark, Brot oder Kekse. Rezeptblätter (einfach, groß gedruckt) für Kräutertee oder Kräuterquark. Serviergeschirr und ggf. Herd oder Wasserkocher.
Umsetzung (Schritt für Schritt):
Entscheiden Sie ein einfaches Rezept, z.B. Kräutertee oder Kräuterquark. Beispiel: Für Kräutertee mit Minze und Melisse, für Kräuterquark mit Schnittlauch und Petersilie.
Materialien bereitstellen: Getränkebecher, Teller, Einmalhandschuhe nach Bedarf. Gruppenküchengeräte sicher einrichten.
Jedes Gruppenmitglied übernimmt eine kleine Aufgabe (oder im Einzelgespräch die betreute Person): z.B. Kräuter waschen und zupfen, Quark umrühren, Speckschale mit Kräutern belegen. Schritte nummerieren und bei Bedarf physisch helfen.
Gemeinsam kochen/ anrichten. Während die Kräuter ziehen (Tee) oder der Quark zieht, sprechen alle über Kräuter- und Kocherfahrungen. Erzählen weckt Erinnerungen (Küchentraditionen).
Gemeinsames Verkosten: Kräutertee schlürfen oder Quark aufs Brot streichen. Daraufhin Feedbackrunde: Wie riecht/schmeckt es? Was fällt ein? (Fördert Sprache und Gemeinschaft.)
Anwendungsbereich: Besonders geeignet für Gruppenangebote (gesellschaftliche Aktivität). Für Einzelbetreuung kann ein Betreuer die Schritte vereinfachen: Z.B. bereits geschnittene Kräuter übergeben lassen, nur umrühren oder riechen lassen. Gut für mobil Eingeschränkte, da sitzend ausführbar. Auch Demenzkranke können durch Beteiligung (Sinnesreize, Geräusche des Kochens) positive Erlebnisse haben.
Praxisbeispiele:
Gruppe: Gemeinsame Zubereitung von Kräuterquark: Senioren schneiden mit Plastiklöffel und Teigrolle Petersilie/Schnittlauch. Sie halten über die Schüssel Nase und beschreiben den frischen Duft. Ein Gespräch entsteht über Lieblingsbrötchen in der Jugend.
Einzel: Eine Seniorin wird im Rollstuhl begleitet. Sie rührt alleine (mit Unterstützung) eine Melissentee-Mischung im Becher um. Beim Trinken spürt sie den beruhigenden Effekt. Die Betreuerin erzählt, dass früher Mineralwasser mit Melisse gemocht wurde – ein vertrautes Gefühl entsteht.
Kräuter-Schnitzeljagd (Spaziergang)
Zielsetzung: Körperliche Bewegung und Orientierung fördern; spielerisches Erkennen heimischer Kräuter in der Natur; Teamarbeit und Erfolgserlebnis. Sensorisch stimulierend durch das aktive Suchen und Anfassen von Kräutern.
Material: Leichte Körbchen oder Sammelboxen pro Person, Anleitungskarten mit Bildern oder Namen der zu suchenden Kräuter (z.B. Brennnessel, Bärlauch, Löwenzahn, Vogelmiere). Für einzelne Betreuung: Sammelbuch oder Fotoalbum der Kräuter zur Identifikation. Kleine Hütchen/Lesezeichen an Pflanzen (optional).
Umsetzung (Schritt für Schritt):
Erklären Sie das Spielprinzip: In einer begrenzten Grünfläche (Garten, Park) sollen bestimmte Kräuter gefunden werden. Zeigen Sie Bilder oder Beispielblätter zur Orientierung.
Die Gruppe (oder einzeln im Rollstuhl) erkundet das Gelände. Auf „Fangen und Identifizieren“ zielen: Wer entdeckt zuerst den gelben Löwenzahn? Wer kann an der weichen Brennnessel (Achtung Handschuhe) fühlen, die keine Schmerzen verursacht, da Handschuhe angezogen sind?
Gefundene Kräuter werden sorgsam geerntet (ein bis zwei Blätter oder Blüten) oder fotografiert und ins Körbchen gelegt (Gruppenaktivität). So erleben alle das Greifen und Fühlen live.
Nach der Suche kehrt die Gruppe zusammen: Gefundene Kräuter vergleichen und dabei die Eigenschaften benennen. Das erfolgreiche Finden wird gelobt (Motivation, Stolz).
Anwendungsbereich: Hauptsächlich für Gruppen geeignet (Wettbewerb, gemeinsame Bewegung). Bei Einzelbetreuung kann man kurze, angepasste „Schnitzeljagden“ machen, z.B. mit der Rollstuhlfahrerin ein paar Schritte mit Kräutersamentüte sammeln. Empfehlenswert für mobil Eingeschränkte (in kleinem Gebiet) und Demenzkranke, da Bewegung in frischer Luft, Körperkontakt mit Erde und Pflanzen vielfältige Reize liefert.
Praxisbeispiele:
Gruppe: In einer Parkanlage bekommen die Senioren eine Liste (mit Bildern) der gesuchten Kräuter. Die erste Person, die Pfefferminze findet, zeigt sie allen und erhält Applaus. Dann riechen alle gemeinsam am Blatt – ein herrlicher Duft geht um.
Einzel: Demenziell erkrankter Herr sitzt im Gartenstuhl. Die Pflegekraft bringt ihm eine kleine Schale mit vorbereiteten Petersilienstängeln, die versteckt waren. Beim Ertasten und Riechen beginnt er, leise über das vorherige Gartenjahr zu sprechen – die Sinne setzen Erinnerungen frei.
Tast- und Fühlstation
Zielsetzung: Förderung der taktilen Wahrnehmung und Feinmotorik durch Berühren unterschiedlicher Kräuterstrukturen (weich, stachelig, glatt). Gleichzeitig Gedächtnisaktivierung durch Benennen und Erinnern.
Material: Verschiedene Kräuterbüschel auf Tellern oder Stoffunterlagen (z.B. frische Minzblätter, Lavendelblüten, Rosmarinzweige, trockenes Heu, winzige Nadelblätter von Kiefer/Fichte). Augenbinden oder Stofftücher (für Raterunde mit geschlossenen Augen). Handtücher oder Tücher zum Abwischen.
Umsetzung (Schritt für Schritt):
Setzen Sie die Senioren an Tische. Legen Sie je einen Krautart-Büschel vor jede Person oder in der Tischmitte (je nach Gruppengröße).
Eine Beispielperson (oder der Betreuer) fasst mit verbundenen Augen in ein Duftkörbchen (z.B. Minze) und ertastet es. Die Gruppe rät laut, was es sein könnte („das ist weich, glatt, kühl“ – „Minze“).
Wiederholen Sie das Raten mit anderen Exemplaren: z.B. rauher Rosmarin (stachelig/nadelig), samtige Lavendelblüte (weich, flauschig), leicht klebrige Melisseblätter, harte Kiefernnadeln. Jeder darf einmal ertasten und beschreiben.
Gemeinsames Aufdecken: Nach dem Fühlen werden die Augenbinden abgenommen und die tatsächlich berührten Kräuter betrachtet. Es wird darüber gesprochen, ob Erinnerungen da sind (z.B. an Schlafsackerl mit Lavendel aus Jugend).
Anwendungsbereich: Besonders geeignet für Gruppen, kann aber leicht in der Einzelbetreuung als Gespräch mit dem einzelnen Senior erfolgen. Optimal für Demenzkranke (sensorische Stimulation durch Gewebe und Formgebung) und Mobilitätseingeschränkte (sitzenbleibend durchführbar). Haptisches Erleben fördert Konzentration und Feinmotorik.
Praxisbeispiele:
Gruppe: Eine Seniorin ertastet Rosmarin: „Kratzig, wie kleine Nadel“. Die Gruppe erinnert sich gemeinsam an Festrezepte mit Rosmarin.
Einzel: Ein Pflegebett-Patient liegt entspannt. Der Betreuer reicht ihm einen Beutel mit getrockneter Pfefferminze. Er öffnet ihn (die Hände ertasten die Blätter), riecht und sagt: „Frühstückstee mit Minze!“ – eine Freude und geistige Aktivität.
Kräuter-Bingo oder Quiz
Zielsetzung: Spielerische Wissens- und Merkaktivierung durch Erkennen von Kräutern anhand von Bildern oder Beschreibungen. Fördert kognitive Funktionen und macht Spaß.
Material: Selbst gemachte Bingo-Karten oder Quiz-Blätter mit Kräuterbildern (z.B. je 9 Felder mit Abbildungen der vorher besprochenen Kräuter oder einfache Beschreibungen). Spielchips (oder Stifte zum Ankreuzen). Große Kräuterkarten zum Vorzeigen.
Umsetzung (Schritt für Schritt):
Erklären Sie das Spiel: Jeder bekommt eine Bingokarte mit einer Auswahl heimischer Kräuterbilder. Nacheinander ziehen Sie (oder lassen ziehen) Bildkarten und benennen den abgebildeten Kräuternamen laut.
Sprechen Sie über jedes gezogene Kraut kurz (Herkunft, Verwendung) – damit alle Bescheid wissen. Senioren legen Marker auf ihre Karten, wenn das Kraut dabei ist. Das schnellste Kreuzen (Reihe oder Volles Haus) gewinnt.
Varianten: Riech-Bingo (anstelle Bild riecht ein Spieler an einer verdeckten Probe); Beschreibungs-Quiz (Betreuer beschreibt, z.B. „Kraut mit lila Lippenblüten, frischer Mentholduft“ – Ratende zeigen auf Petersilie o.ä.).
Auflösung und kleines Geschenk (Gewürzmischung oder Handmassagenöl aus Kräutern) für Gewinner. Abschluss mit Lachen und Gespräch über das Gehörte.
Anwendungsbereich: Geeignet für Gruppen (bis ca. 6–10 Personen je Tischgruppe). Für Einzelbetreuung kann eine vereinfachte Quizvariante genutzt werden (ein Betreuer fragt, der Senior antwortet). Eignet sich für kognitiv gesunde Senioren genauso wie leicht Demenzielle – das Regel-Spiel und die visuelle Unterstützung helfen bei der Orientierung. Durch die Konzentration am Spiel wird Aufmerksamkeit und Kurzzeitgedächtnis trainiert.
Praxisbeispiele:
Gruppe: Bingo-Karten mit Bildern von Löwenzahn, Pfefferminze, Basilikum liegen aus. Als „Löwenzahn“ aufgerufen wird, rufen mehrere „Löwenzahn“ und lachen, weil sie die Pusteblume kennen. Die Gruppe spricht über Löwenzahnhonig, der früher im Poesiealbum erwähnt wurde.
Einzel: Ein Senior blättert allein mit einem Betreuer in einem Kräuterbuch. Der Betreuer beschreibt: „Es duftet nach frischer Salatgurke – wer bin ich?“ Der Senior zeigt auf „Borretsch“ im Buch und freut sich über die eigene richtige Antwort.
Kräuterwerkstatt: Basteln und Handarbeit
Zielsetzung: Feinmotorische Aktivierung und kreative Beschäftigung, sensorische Stimulation durch Gerüche und Texturen. Förderung von Erinnerungen an frühere Handarbeiten.
Material: Getrocknete Kräuterblüten (Lavendel, Ringelblume), Aromasäckchen oder kleine Stoffbeutel, Nadeln, Fäden, Nähnadeln (wenn möglich groß, alternativ Nadelkissen). Töpfer- oder Gipsform für Kräuterkissen (für mobil Eingeschränkte ggf. Fingerfarbe und Papier). Trockene Baumwolltücher, evtl. duftende Öle.
Umsetzung (Schritt für Schritt):
Wählen Sie ein Bastelprojekt, z.B. Duftsäckchen: Jeder erhält einen kleinen Beutel und füllt ihn mit einer Kräutermischung (z.B. Lavendel, Pfefferminze, Melisse). Anschließend nähen oder zuknoten.
Während des Bastelns sprechen die Senioren über Stoffe und eigene Nähprojekte von früher (Erinnerung an Handarbeit – kognitive Aktivierung).
Nach Fertigstellung werden die Säcke geschlossen, das Endergebnis wird befühlt und daran gerochen (Geruchssinn). Die fertigen Säckchen können als Sitzkissen-Unterlage oder für den Kleiderschrank verwendet werden (Weiterverarbeitung).
Alternative: Kräuter-Knete/ -Gips-Modelle: getrocknete Blätter in Fingerfarbe oder weichen Gips drücken (Brennen verboten, nur im Sonnenlicht trocknen lassen). Entstehende Texturen erkennen und ertasten.
Anwendungsbereich: Besonders geeignet für Gruppen (gemeinsames Basteln) und für Einzelbetreuung (individuelles Anleiten eines Handarbeitsprojekts). Geeignet für mobil Eingeschränkte (kann auf dem Schoß oder Tisch sitzend erfolgen) und Demenzerkrankte (wohlbekannte Handarbeit kann Orientierung geben). Lehrerisch-therapeutischer Nutzen liegt in Wiederholung alter Tätigkeiten und sensorisch haptischen Erfahrungen.
Praxisbeispiele:
Gruppe: Ältere Frau näht konzentriert an ihrem Duftsäckchen. Die Kombination aus Lavendel und Zitronenmelisse riecht intensiv. Sie erzählt, wie sie als Kind Bettwäsche genäht hat – die Gruppe nickt zustimmend und ergänzt Geschichten.
Einzel: Ein bettlägeriger Herr bekommt fertige Plätzchen mit Kräuterstempeln. Zusammen mit dem Betreuer presst er Minzblätter in weiche Gipsmasse auf einem Tablett – die Handbewegung ist klein, aber er ist sichtlich stolz auf sein Reliefmuster.
Entspannungsübung mit Kräuterduft
Zielsetzung: Beruhigung, Stimmungsaufhellung und Förderung der Achtsamkeit durch gezielte Aromaanwendung. Zugleich Stimulation des Geruchssinns und Erinnerungsarbeit.
Material: Ätherische Öle oder getrocknete Kräuter wie Lavendel, Kamille, Melisse in einem Duftbehälter (z.B. Duftlampe, Diffusor oder einfach Tuch mit Tropfen). Handtücher zum Abstützen der Handgelenke.
Umsetzung (Schritt für Schritt):
Schaffen Sie eine ruhige Atmosphäre (gedämpftes Licht). Ein Betreuer oder eine Pflegekraft nimmt vor der Gruppe oder einzeln (Einzelbetreuung) einen Gegenstand mit intensivem Kräuterduft (z.B. Lavendelöl auf ein Tuch).
Die Seniorinnen/-en schließen die Augen, atmen tief durch die Nase ein und den Duft langsam aus – 3–5 Mal wiederholen. Dabei kann leise Entspannungsmusik spielen. (Sinneserlebnis: Geruch, Atmung, Akustik).
Anschließend reflektieren: Welche Empfindungen hatten die Teilnehmer? Hat der Duft Erinnerungen (z.B. an Bettflaschen mit Lavendel) wachgerufen? Schreiben Sie (oder sprechen Sie) Stichworte mit, um kognitive Aktivierung zu unterstützen.
Variationen: Duftritual-Handbad (Hand in Öl:Kräuterzusatz Wasser tauchen). Leichte Handmassage mit Kräuteröl (Feinmotorik+Taktilität).
Anwendungsbereich: Vor allem für Gruppenmeditationen geeignet, aber auch als Einzelentspannung einsetzbar (z.B. am Bett). Besonders wirksam bei ängstlichen, unruhigen oder demenziell erkrankten Senioren. Der beruhigende Effekt der Düfte (Lavendel, Melisse) erleichtert das Einschlafen und lindert Stress. Außerdem ermöglichen Gerüche, Emotionszustände anzusprechen (Erzählkreis nach dem Atmen).
Praxisbeispiele:
Gruppe: Zum Ende einer Aktivität fragt die Betreuerin: „Wer mag einen kurzen Lavendel-Duftatmung versuchen?“ Die Senioren setzen sich bequem. Beim langsamen Ein- und Ausatmen stellt sich nach wenigen Minuten Ruhe ein; manche schließen die Augen und lächeln. Anschließend erinnern sich einige, beim Kräuterduft ans Gartenfenster ihrer Jugendzeiten gedacht zu haben.
Einzel: Ein unruhiger Bewohner mit Demenz sitzt im Sessel. Die Pflegekraft verteilt einen duftenden Lavendelsäckchen auf seinem Schoß und streicht ihm sanft über die Hände. Der Mann atmet hörbar ein und legt die Hände entspannt in den Schoß. Kurz danach schläft er ein – die Ängste sind für einen Moment gelindert.
Themenrunde „Kräutergeschichten“
Zielsetzung: Kognitive und soziale Aktivierung durch gemeinsames Erzählen und Erinnern an frühere Kräutererfahrungen. Fördert Kommunikation, Gedächtnis und Gemeinschaftsgefühl.
Material: Bilder oder Gegenstände zu bekannten Kräutern (z.B. Lupen, ein Teetopf, Kochlöffel) als Stichwortgeber. Moderationskarten mit einfachen Fragen („An welches Gemüseessen erinnern dich frische Kräuter?“).
Umsetzung (Schritt für Schritt):
Setzen Sie alle im Stuhlkreis zusammen. Beginnen Sie mit einem Einstieg: Zeigen Sie z.B. einen alten Teebecher oder Lavendelbusch im Topf. Sagen Sie: „Wer von Ihnen hat früher gern Kräutertee getrunken?“
Jede Person, die mag, erzählt eine kurze Anekdote (z.B. über Oma, die immer Kamillentee machte, oder den eigenen Kräutergarten). Notieren Sie Stichworte sichtbar, um beim Reden zu unterstützen.
Die Runde läuft reihum; niemand wird gezwungen. Der Moderator kann gezielt fragen („Welche Kräuter hat ihr Garten enthielt?“) oder visuelle Hinweise verwenden (alte Apothekergläser mit Kräutern).
Abschließendes Aktivitätsspiel: Jeder darf ein Kraut auf eine Pinnwand heften und dabei kurz sagen, warum er es mag.
Anwendungsbereich: Vor allem für Gruppenrunden. Besonders geeignet für demenziell beeinträchtigte Senioren (Erinnerungsstimulation) und mobil Eingeschränkte (als sitzende Gesprächsrunde). In Einzelbetreuung kann der Betreuer gezielte Fragen stellen und Zuhören – fördert soziale Interaktion auch mit einer Person.
Praxisbeispiele:
Gruppe: Eine Bewohnerin erzählt, wie sie als Kind in den eigenen Garten schlich, um Salbei für ihren kranken Vater zu pflücken. Andere nicken, erinnern sich an Eltern, Großeltern oder eigene Gärten. Es entsteht ein warmes Gemeinschaftsgefühl.
Einzel: Ein stummer Bewohner wird mit Fotos von Kräutern konfrontiert. Der Betreuer hält ihm liebevoll verschiedene getrocknete Kräuter unter die Nase und spricht. Der Mann reagiert mit einem Lächeln, spricht aber nicht. Doch es entsteht nonverbal eine Berührung durch das gemeinsame Erlebnis – ein Erfolg in der Einzelaktivierung.
Durch diese Aktivierungsideen werden ältere Menschen auf vielfältige Weise in Bewegung, Gespräch und sinnlichem Erleben eingebunden. Die Kombination aus Geruch, Geschmack und motorischer Aktivität schafft eine angenehme, anregende Umgebung. Über das gemeinsame Kochen, Basteln oder Erzählen mit Kräutern wird nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch Wohlbefinden und Freude im Alltag der Senioren gefördert.