Letzte Woche im Future Fiction Salon: Wir haben mit Storytelling ausprobiert, wie sich Leben in einer Welt mit alternativem Geld anfühlt – und eine Frage hat uns nicht mehr losgelassen.

Rein in die Fülle
Das Thema war Neues Geld – und was passiert, wenn wir uns von der Logik der Knappheit verabschieden. Ich habe Ausschnitte aus meinem Roman gelesen, die durch das Gradido-Modell inspiriert sind (siehe unten).
Der Gradido ist ein schon länger erforschtes Währungssystem, das natürliche Kreisläufe nachahmt.
Die Grundidee: Jedem Menschen wird monatlich ein Grundeinkommen geschöpft.
Ein Drittel davon behält er, der Rest geht an den Staat und an einen Ausgleichsfonds für Umweltschäden —> Steuern und Abgaben erübrigen sich dadurch
Das Grundeinkommen ist nicht bedingungslos, aber die Art und Weise, wie man sich gesellschaftlich einbringen kann, ist frei wählbar
Das Geld verliert im Laufe des Jahres die Hälfte an Wert, es verfällt also —> Horten/Sparen ist nicht mehr möglich
Trotzdem gibt es Anreize, Geld zu sammeln und zu investieren: Kredite, die man von anderen für Investitionen bekommt, verfallen nicht im Wert
Mehr Infos und eigenes Gradido-Konto: gradido.net (Opens in a new window)
Soweit, so gut.
(Opens in a new window)Die Frage, die uns umtrieb:
Wenn alle durch Gradido ausreichend versorgt wären – würden dann trotzdem einige versuchen, ihr Geld durch geheime Parallelwährungen oder „Schatten-Aktienmärkte“ bewusst zu vermehren?
Ist der Drang nach Mehr so tief in uns verankert? Oder würde ein System wie Gradido diese “Gier” stillen, indem es uns ein natürliches Gefühl zurückgibt, genug zu sein und zu haben?

Future Fiction Fenster
In meinem Roman zeigen sich diese Spannungen im Alltag der Figur Min, die sich einen Kostümverleih aufbauen will (hier heißt das Geld “Infoi"):
Reik zupfte ein Blatt aus grüner Seide gerade, das in Mins schwarzen Haarknoten geflochten war. „Habt ihr eure Kredite schon beisammen?”, fragte er sie. “Wenn du willst, kannst du noch mehr von mir haben. Jederzeit.“ (…)
Min lächelte. „Danke, wir sind ausfinanziert. Der Infoikreis wird bald auch noch einen größeren Anteil beisteuern. Fehlen nur noch die Gründungs-Prüfungen. Meine Güte, hätte mir jemand erzählt, wie sehr diese Agenty ins Detail gehen – “
„Was für Prüfungen?“, fragte Kyra.
Min winkte ab.
„Die gibt es noch nicht so lange. Aber sie stressen einfach nur. Ein Agenty vom Infoikreis kommt auf dich zu und prüft, ob das Vorhaben, das du aufbaust, echt ist. Offenbar gab es mehrere Fälle, wo Scheinunternehmen gegründet wurden. Die sollten nur Bargeld-Infois aus Drogen- oder Waffenhandel des Unsichtmarkts in digitale Infois umwandeln. Tja. Und wir müssen jetzt die Konsequenzen ausbaden!”
Mitdiskutieren?
Im nächsten Future Fiction Online Salon diesen Freitag um 18 Uhr vertiefen wir die Frage mit:
Einem Gast aus der Gradido-Community (Praxis-Einblicke!)
Wie immer Raum für eure Lese-Erfahrungen (Bringt eure Perspektiven ein!)
begrenzten Plätzen, für eine vertraute Atmosphäre
für Abomitglieder (Opens in a new window) (jederzeit kündbar) kostenlos, meldet euch unter info@july-arbol.de (Opens in a new window) an und erhaltet den Zugriffslink
bequem online – einfach hier anmelden:
P.S.: Was denkst du – würdest du in einer Welt mit Gradido trotzdem nach „mehr“ streben? Schreib’s mir in die Kommentare!