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Schwerin baut. Aber für wen eigentlich? | Petermännchen-Fähre außer Betrieb | Stadthaus-Kauf steht in Frage | Entscheidung über kostenfreien Nahverkehr

19. Juni 2026

Guten Tag,

ich habe in dieser Woche wieder gemerkt, dass Schwerin im Sommer eine ganz besondere Stadt ist. Morgens wirkt der Pfaffenteich noch fast verschlafen, mittags sitzen die ersten Menschen mit einem Eis am Schlosspark-Center, und am Abend fragt man sich, warum man eigentlich in den Urlaub fahren sollte, wenn man den Sonnenuntergang auch am Ziegelinnensee genießen kann.

Allerdings hat die Sache einen Haken: Während die einen die Sonne genießen, verbringen andere gefühlt die halbe Woche in Baustellenumleitungen. Wer derzeit mit dem Auto durch Schwerin unterwegs ist, braucht neben einem Navigationsgerät vor allem Geduld. Vielleicht ist das auch der Grund, warum das Stadtradeln in diesen Tagen so viel Zuspruch bekommt.

Apropos Sommer: Die Kultursaison läuft inzwischen auf Hochtouren. Theater, Konzerte, Freilichtveranstaltungen und die Nachwirkungen des Schlossfestes sorgen dafür, dass in der Stadt eigentlich immer etwas los ist. Das ist eine dieser Wochen, in denen Schwerin zeigt, warum viele Besucher von außerhalb überrascht sind, wie lebendig die kleinste Landeshauptstadt Deutschlands sein kann.

Falls Sie das Wochenende draußen verbringen möchten, vergessen Sie nicht ausreichend Wasser und Sonnenschutz. Die Temperaturen steigen weiter und die Wettervorhersagen versprechen beste Bedingungen für Ausflüge an die Seen, einen Spaziergang rund ums Schloss oder einen entspannten Nachmittag im Freibad.

Und nun schauen wir gemeinsam auf die Themen, die Schwerin in dieser Woche bewegt haben.

Heute im KURS-Brief:

  • Schwerin baut. Aber für wen eigentlich?

  • Stadthaus-Kauf wackelt

  • Petermännchen-Fähre außer Betrieb

  • Schwerin möchte Bau-Turbo aushebeln

🟠THEMA DER WOCHE

Schwerin baut. Aber für wen eigentlich?

Die Angst vor der Schrumpfung prägt Schwerins Stadtpolitik bis heute. Doch während neue Wohngebiete geplant werden, verändert sich die Bevölkerung grundlegend. Die Landeshauptstadt steht vor einer Herausforderung, die größer sein könnte als jede Wachstumsdebatte: dem demografischen Wandel.

Schwerin plant neue Wohngebiete, wie beispielsweise das “Warnitzer Feld” (Opens in a new window), diskutiert über Nachverdichtung und sucht Flächen für zusätzlichen Wohnungsbau. Die Stadtentwicklung folgt damit einer Logik, die lange als selbstverständlich galt: Wo gebaut wird, soll auch die Bevölkerung wachsen. Im aktuellen Stadtentwicklungskonzept (Opens in a new window)heißt es, dass die 100.000er-Marke bis 2030 erreicht werden könne. Doch ausgerechnet an dieser Grundannahme entstehen Zweifel.

Die demografischen Daten (Opens in a new window) erzählen eine andere Geschichte. Die Zahl der Geburten reicht seit Jahren nicht aus, um die Zahl der Sterbefälle auszugleichen. Die Einwohnerzahl stabilisiert sich, die Bevölkerung altert. Gerade darin liegt der Widerspruch, der viele aktuelle Debatten der Stadtentwicklung prägt.

Die Angst vor der Schrumpfung

Schwerin gehört auch nicht zu den jungen Städten Deutschlands. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung (Opens in a new window)liegt bei 46,4 Jahren, das Medianalter bei 46,8 Jahren. Auf 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter kommen bereits 48 Einwohner über 65 Jahre.

Zum Vergleich: In den großen deutschen Wachstumsmetropolen liegt das Durchschnittsalter meist zwischen 41 und 42 Jahren. In Frankfurt beträgt es 41,1 Jahre, in München 41,5 und in Hamburg 42,0 Jahre. Schwerin liegt damit deutlich über dem Niveau der großen Zuzugsstädte. Die Landeshauptstadt altert zwar langsamer als viele ländliche Regionen Mecklenburg-Vorpommerns, bewegt sich demografisch aber längst in einer anderen Realität als die wirtschaftlichen Wachstumszentren der Bundesrepublik. Wer die Zukunft der Stadt plant, muss deshalb nicht nur die Zahl der Einwohner im Blick haben, sondern vor allem deren Altersstruktur.

Während die Stadt neue Wohngebiete plant und über zusätzliche Einwohner spricht, verändert sich damit die Altersstruktur kontinuierlich.

Der Widerspruch reicht tiefer. Er berührt eine Grundfrage kommunaler Politik: Plant Schwerin für die Zukunft oder für ein Bild der Zukunft, das längst vergangen ist?

Topic KURS Briefe

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