Der geplante Börsengang von SpaceX zählt zu den spannendsten Kapitalmarkt-Ereignissen der letzten Jahre. Viele Anleger hoffen darauf, frühzeitig bei einem Unternehmen einzusteigen, das in den kommenden Jahrzehnten möglicherweise eine ähnliche Bedeutung wie Apple, Amazon oder Tesla entwickeln könnte.
Doch gerade bei besonders gehypten Börsengängen lohnt es sich, die Risiken nüchtern zu betrachten. Wer beim SpaceX IPO zeichnet, sollte sich nicht nur mit den Chancen beschäftigen.
1. Die Bewertung könnte bereits extrem ambitioniert sein
Das größte Risiko bei jedem populären Börsengang ist die Bewertung.
Selbst wenn SpaceX operativ hervorragend aufgestellt ist, bedeutet das nicht automatisch, dass die Aktie ein gutes Investment darstellt. Wenn bereits sämtliche Zukunftsfantasien im Ausgabepreis enthalten sind, kann die Aktie trotz guter Geschäftsentwicklung deutlich fallen.
Die Börsengeschichte ist voll von Unternehmen, die großartige Firmen waren, aber schlechte Investments zum IPO-Preis. Wir sollten also überlegen wie hoch das mögliche Renditepotential, im Verhältnis zum Risiko ist (wie immer). Das fällt gerade bei SpaceX nicht so leicht, da das Unternehmen gewissermaßen einen Markt erst kreiert, den es so vorher noch garnicht gab! So ähnlich wie Union Pacific, die damals die Wege nach Kalifornien erschlossen haben, obwohl es noch gar kein Kalifornien gab! Ein Großteil der Bewertung hängt hier also am “Elon” Faktor und wie sehr man ihm zutraut, das Unternehmen für die Zukunft richtig aufzustellen.
2. Zeichnungsrisiko und mögliche Handelsbeschränkungen
Viele europäische Anleger konzentrieren sich aktuell auf den offiziell kommunizierten Zeichnungspreis.
Allerdings besteht die Möglichkeit, dass Banken und Broker aufgrund hoher Nachfrage Aufschläge verlangen oder die effektiven Kaufpreise über dem ursprünglich kommunizierten Niveau liegen.
Hinzu kommt ein weiteres Risiko: Je nach Abwicklungsstruktur könnten einige Anleger ihre zugeteilten Aktien möglicherweise nicht sofort handeln. Sollte sich der Kurs unmittelbar nach Handelsstart negativ entwickeln, könnten bereits deutliche Buchverluste entstehen, bevor überhaupt verkauft werden kann.
Gerade bei hoch emotionalen IPOs kommt es häufig zu starken Kursschwankungen in den ersten Tagen.
3. Warum wird überhaupt so viel für Privatanleger reserviert?
Ein Punkt, über den erstaunlich wenig gesprochen wird:
Warum wird überhaupt ein größerer Anteil der Aktien an Privatanleger abgegeben?
Normalerweise sind institutionelle Investoren wie Fonds, Versicherungen oder Pensionskassen bereit, große Pakete zu übernehmen. Wenn ein IPO besonders stark auf den Retail-Markt ausgerichtet wird, stellt sich zumindest die Frage, ob professionelle Investoren bei der Bewertung möglicherweise zurückhaltender sind als die öffentliche Wahrnehmung vermuten lässt.
Das muss kein Warnsignal sein sollte aber kritisch hinterfragt werden. Elon Musk betonte allerdings in der Vergangenheit immer wieder, dass er bei einem Börsengang an Privatanleger denken würde.
4. Die ETF-Fantasie könnte bereits eingepreist sein
Viele Anleger argumentieren, dass SpaceX nach einer möglichen Aufnahme in wichtige Indizes automatisch von ETF-Zuflüssen profitieren werde.
Das Problem: Genau dieses Argument kennen mittlerweile praktisch alle Marktteilnehmer.
Wenn Investoren bereits heute auf zukünftige ETF-Käufe spekulieren, können diese erwarteten Mittelzuflüsse bereits vollständig im Kurs enthalten sein. In solchen Fällen führt die tatsächliche Indexaufnahme oft nicht mehr zu den erhofften Kurssteigerungen.
An der Börse wird die Zukunft gehandelt – nicht die Vergangenheit.
5. Die Profitabilität hängt stark von wenigen Geschäftsbereichen ab
SpaceX besitzt mit Starlink ein äußerst erfolgreiches Geschäftsfeld.
Gleichzeitig investiert Elon Musk massiv in neue Zukunftsbereiche rund um künstliche Intelligenz, Rechenzentren und xAI-nahe Projekte. Diese Aktivitäten verschlingen enorme Summen und erwirtschaften bislang nur Verluste
Die zentrale Frage lautet daher:
Kann Starlink dauerhaft genügend Cashflow generieren, um die hohen Investitionen in neue Wachstumsfelder zu finanzieren?
Sollte sich herausstellen, dass KI-Infrastruktur langfristig geringere Renditen erzielt als erwartet, könnte dies die Konzernprofitabilität erheblich belasten.
Fazit
SpaceX bleibt zweifellos eines der faszinierendsten Unternehmen unserer Zeit. Dennoch sollte man vermeiden, sich ausschließlich von der Begeisterung rund um Elon Musk und die Raumfahrtvision leiten zu lassen.
Die größte Gefahr bei spektakulären Börsengängen besteht selten darin, dass das Unternehmen scheitert. Häufig liegt das Risiko vielmehr darin, dass Anleger einen zu hohen Preis für eine großartige Geschichte bezahlen.
Wer beim SpaceX IPO mitmacht, sollte deshalb nicht nur die Chancen sehen, sondern sich bewusst sein, dass selbst Weltklasse-Unternehmen kurzfristig erhebliche Kursverluste produzieren können.
Was ich tue:
Zunächst einmal. Ich werde keine SpaceX aktien zeichnen. Das ist mir schlicht zu unsicher. Ich warte auf den regulären Handelsstart. Ich definiere vorher, wie viel ich insgesamt investieren will. (Die Summe weiss ich noch nicht genau) Und diese Summe werde ich dann auf 3-4 Tranchen aufteilen. So verpasse zwar mögliche Renditen, wenn der Kurs komplett steil geht, andererseits vermeide ich aber so starke Rücksetzer!
Sanfte Grüße,
Kolja