Manchmal genügt ein einziger Satz, um das ganze Ausmaß politischer Ahnungslosigkeit zu entlarven. Friedrich Merz, jetzt selbsternannter Karriere-Coach für Frauen, überrascht nicht, als er auf einer Netzwerkveranstaltung für Frauen erklärt, warum sie beim Netzwerken Nachholbedarf hätten. Willkommen im Jahr 2025, wo Gleichstellung immer noch an männlicher Selbstüberschätzung scheitert.
„Ich kenne das natürlich aus meiner Welt. Wir Männer haben eine bessere Begabung und Befähigung, Netzwerke zu bilden und uns gegenseitig auch zu unterstützen. Aber das kann man ja lernen.“ (Öffnet in neuem Fenster), Merz als Schirmherr (!) der Jahreskonferenz der Initiative Chef:innensache
Herr Merz,
Ihre Tipps sind keine Hilfe, sondern ein Spiegel Ihrer eigenen blinden Flecken. Lassen Sie uns Ihnen – da Sie offenbar ein Faible haben für Ratschläge – erklären, was Sie dabei übersehen und wie Sie Ihre anmaßenden Tipps sinnvoll korrigieren könnten.
Was Frauen ganz sicher nicht brauchen: Schuldzuweisungen und paternalistische Karrieretipps, die auf überholten Geschlechterstereotypen basieren, sowie Falschaussagen über männliche Überlegenheit im Netzwerken, die wissenschaftlich nicht haltbar sind, sondern soziale Prägungen und Machtstrukturen verschleiern.
Was Frauen stattdessen brauchen:
Anerkennung struktureller Barrieren
Frauen werden in Netzwerken oft systematisch ausgeschlossen oder nicht mitgedacht. Das ist kein individuelles Defizit, sondern ein gesellschaftliches Problem.
Politische Maßnahmen gegen Diskriminierung
Klare Quoten, transparente Beförderungsprozesse und konsequente Sanktionierung von Benachteiligung.
Förderung weiblicher Netzwerke
Nicht als „Nachhilfe“, sondern als gleichwertige Räume, die gezielt unterstützt statt belächelt werden.
Vorbildfunktion
Übernehmen Sie Verantwortung und fördern Sie Gleichstellung aktiv, anstatt sie mit Mythen zu blockieren! Immerhin sind Frauen unterrepräsentiert in Ihrem Umfeld und Ihrer Regierung.
Reflexion der eigenen Vorurteile
Wer als Politiker solche Sätze sagt, zeigt, wie wenig er von Unconscious Gender Bias und der Realität weiblicher Karrieren verstanden hat.
„Wir Männer haben eine bessere Begabung...“
Solche Sätze sind keine Beobachtung, sondern ein Ausdruck von Machtbewusstsein, das sich auf Kosten anderer stabilisiert. Frauen brauchen keine weiteren Barrieren, sondern echte Chancengleichheit und Respekt.
Vielleich hätten Sie direkt zu Beginn, nach Ihrem ersten wahren Versprecher, enden sollen:
(Öffnet in neuem Fenster)Bitteschön, gern gescheh’n,
und Willkommen in der Rosa-Hellblau-Falle!
Solange politische Führungskräfte derart unreflektiert und herablassend auftreten, bleibt die Geschlechtergerechtigkeit eine leere Worthülse. Höchste Zeit, dass Sie was ändern!
Almut Schnerring & Sascha Verlan
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