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It’s me. Hi.

Ganzkörperportrait der Autorin in Schwarz-Weiß.

Bevor wir in weiteren Texten tiefer die Kolumne einsteigen und bevor ich an dieser Stelle und ab sofort in regelmäßigen Abständen meine Erkenntnisse, Gedanken und Beobachtungen der Welt mit dir teile, braucht es, glaube ich, eine Vorstellung. Vielleicht hilft es dir dabei, dir ein Bild davon zu machen, mit wem – und womit – du es hier zu tun haben wirst.

Okay, also, einmal tief durchatmen und dann los.

Ich bin Anne. Ich bin 38 Jahre alt und wohne in meinem Kopf. Also zumindest im übertragenen Sinne. In Echt bin ich gebürtige Saarländerin, die im rheinland-pfälzischen Exil lebt. Aber nur so weit von der Grenze entfernt, dass man fast noch einen Stein rüber werfen könnte. Habe ich früher diese tiefe Verbundenheit, die allen Saarländer*innen nachgesagt wird, milde belächelt, fühle ich sie heute umso mehr. Hier fühle ich mich verwurzelt, mag die Nähe zu Frankreich und seinen kulinarischen Hochgenüssen, die Herzlichkeit, die Offenheit – und die wunderbare Eigenschaft der meisten Saarländer*innen, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen.

Ich bin vielfältig interessiert, wissensdurstig und informationshungrig. Als Kind und Jugendliche war es einer meiner größten Wünsche, „einmal alles zu studieren, was es gibt.“ Schon damals war mir klar, dass es in der Welt so viel zu entdecken, zu lernen und zu wissen gibt – und dass mein Zugang dazu, die Beschäftigung auf theoretischer Ebene sein würde.

Bis heute liebe ich es, Neues zu lernen. Meinen Wunsch aus Kindheitstagen habe ich mir nicht vollständig erfüllen können, aber ich bin mir sicher, dass mein jüngeres Ich zufrieden lächeln würde, wüsste sie, dass ich gerade meinen vierten Studienabschluss1 absolviert habe und den Gedanken, irgendwann auch endlich noch Psychologie zu studieren, noch nicht vollständig ad Acta gelegt habe.

Ich habe einen großen Gerechtigkeitssinn. An manchen Tagen ist es für mich kaum auszuhalten, wie Menschen ihre Privilegien nicht checken und sie nicht dazu einsetzen, für mehr Gerechtigkeit auf der Welt zu sorgen. Ich werde nicht müde, die Verantwortung „(alter) weißer Männer“ für das, was strukturell schief läuft, zu benennen und daran zu arbeiten, dass sich etwas verändert.

Ich bin ein Girls‘ Girl und eine Cheerleaderin für den gegenseitigen Support. Ich glaube fest daran, dass Zuschreibungen wie „Stutenbissigkeit“ und „Zickenkrieg“ eine höllische Ausgeburt des Patriarchats sind und ihm in die Hände spielen. Ich bin Feministin from the Bottom of My Heart – und fordere intersektionale Betrachtung ein.

Wir können Diskriminierungen, Marginalisierungen und die Folgen daraus nur umfänglich verstehen und dagegen angehen, wenn wir die Zusammenhänge verschiedener Diskriminierungsarten und die Einflüsse von Privilegien begreifen. Und wir können nur etwas verändern, wenn wir es gemeinsam tun, gut zuhören und uns nicht übereinander erheben. Solidarität ist wichtiger denn je.

Ja, ich kenne meine Privilegien: Ich bin eine weiße Cis-Frau in einer Hetero-Beziehung mit stabilem Einkommen und akademischem Background, die in einer ländlichen Umgebung wohnt, in der Wohnraum leicht zugänglich und verhältnismäßig günstig ist. Ich habe ein stabiles Supportsystem, kann mir frische Nahrung leisten, habe ein Dach über dem Kopf, bin (wieder) halbwegs mobil und wohne in einem Land mit vergleichsweise okayer Gesundheitsversorgung (nicht, dass es hier nicht auch genügend Anlass zur Kritik gäbe) und der Möglichkeit, meine Meinung frei zu äußern, ohne politische Verfolgung zu befürchten. Und ich möchte, dass insbesondere der letztgenannte Umstand auch so bleibt. Also versuche ich mich im Rahmen meiner Möglichkeiten zu engagieren.

Wo ich einerseits privilegiert as hell bin, bin ich andererseits aber auch marginalisiert und erlebe seit meiner Kindheit im Alltag regelmäßig Diskriminierung, denn: Ich bin auch eine dicke Frau, die aufgrund ihres Körpers gemobbt wurde und bis heute u. a. Medical Gaslighting erfährt. Ich bin eine chronisch kranke Frau, deren körperliche Beschwerden nur allzu häufig nicht Ernst genommen wurden – auch von ihr selbst nicht. Ich bin auch eine spätdiagnostizierte neurodivergente Frau.

All das – und vor allem die Erfahrungen, die daraus resultieren - hängt zusammen. Dass ich von Ärzt*innen nicht immer Ernst genommen wurde, lässt sich (auch) darauf zurückführen, dass ich eine Frau bin und dass dicke Frauen viel zu oft hören, sie sollten „einfach nur abnehmen“, ohne auch nur im Ansatz zu überprüfen, welche Erkrankung(en) zu den geschilderten Symptomen führen könnten. Dass ich als zu sensibel, zu eigen, zu stur gelabelt wurde, lässt sich auf meine Neurodivergenz zurückführen - jedes einzelne Label erscheint vor dem Hintergrund, dass ich eine Frau bin, jedoch noch einmal in einem weiteren, sexistischen Licht und verdient einer tiefergehenden Einordnung.

All diese Aspekte meines Selbst und dessen, wie ich in der Welt bin, prägen meine Wahrnehmung – und damit auch das, was ich wie von mir zeige, z. B. in meinen Texten. Häufig verliere ich mich dabei in Details, versuche alles aufs Kleinste zu analysieren und zu erklären. Genauso häufig bemühe ich mich aber auch um eine Perspektivenvielfalt und versuche, die Welt aus allen möglichen Winkeln zu betrachten.

Noch ein paar random Facts

Ich bin auch: humorvoll, offen und interessiert. Ich bin empathisch und mitfühlend. Genauso sehr bin ich schnell reizüberflutet und oft genug unsicher in der Gegenwart von Menschen. Ich kann Smalltalk, bevorzuge es aber, direkt in den Deep Dive zu gehen. Das macht es mir leichter, eine wirkliche Verbindung aufzubauen.

Ich stecke den Kopf gerne in Bücher. Analytische Sachbücher zu gesellschaftlichen Themen liebe ich dabei ebenso sehr wie leichte Romance. Meine aktuelle Lieblingstrope ist Academia. Sogar in den Bereich Romantasy wage ich mich neuerdings vor, wer hätte das gedacht? (To be honest: Ich bis vor Kurzem jedenfalls nicht.)

Ich halte Gesprächsstille nicht gut aus und habe einen starken Hang zum Oversharen. Zuhause allerdings bevorzuge ich es sehr oft, so wenig wie möglich zu sprechen. Erholung finde ich beim Malen nach Zahlen. Das ist meine Art der Meditation. Die entstandenen Bilder verschenke oder entsorge ich jedoch fast immer.

Post Covid hat mich gelehrt, meine Grenzen zu achten

Ich arbeite hauptberuflich und in Teilzeit in einer öffentlichen Verwaltung. Ca. 1x pro Woche gebe ich als fatfriendly Yogalehrerin eine Yogastunde bei Sophie’s Safe Space (Öffnet in neuem Fenster). Das bedeutet, dass meine Stunden sich an Personen jeder Körperform - und insbesondere dicke Frauen - richten, die sonst in der Yogawelt nicht mitgedacht werden.

Sowohl haupt- als auch nebenberuflich, in meinem Studium und meiner Tätigkeit als systemische Coach und Beraterin lag und liegt ein Schwerpunkt meines Vorgehens auf den Bereichen Sexismus, (Anti-)Diskriminierung und Scham. Ich begleite FLINTA, die Belästigung, Abwertung und Grenzüberschreitungen jeglicher Art erfahren haben - und versuche gleichzeitig, durch Aufklärung und Prävention eine Veränderung herbeizuführen. Gleichzeitig bin ich selbst voller Scham - und glaube, dass wir uns v. a. durch ehrlichen, offenen Austausch ent-schämen können.

Früher hatten meine Wochen nie genug Tage, meine Tage nie genug Stunden. Ich war ständig am machen, hier ein Projekt, da ein neues Vorhaben, immer on the run. Stille konnte ich nicht aushalten, mein Gehirn wollte gefordert werden.

Und dann hat’s mich umgehauen.

Ich bin nach meiner Corona-Erkrankung im Herbst 2022 sehr lange nicht mehr auf die Beine gekommen. Im Winter 2023 kam dann in einer Reha die Diagnose ME/CFS, das hatte sich in den Monaten davor bereits herauskristallisiert. Circa 1,5 Jahre lang war ich überwiegend hausgebunden, habe den Großteil meiner Zeit liegend und unter Schmerzen verbracht. Auf kleinste Anstrengungen (körperlich, mental oder emotional) folgten tage- und wochenlange Crashs.

Wie ein Therapieversuch während dieser heftigen Krankheitsphase dazu brachte, mich tiefergehend mit dem Thema Neurodivergenz zu beschäftigen, dazu schreibe ich in der kommenden Kolumne mehr.

Heute würde ich sagen, ich bin - und ich kann mein Glück kaum fassen - nur noch mild von ME/CFS betroffen. Ich weiß jedoch, wie fragil dieser Zustand ist und wie wichtig es ist, meine Grenzen zu achten. Denn das Heimtückische an der Erkrankung ist: Der Zustand kann sich nach jeder Überlastung dauerhaft verschlechtern. Und das, was ich in den letzten Monaten an Lebensqualität zurückgewonnen habe, möchte ich nicht aufs Spiel setzen.

Was mich mit Dankbarkeit und Demut erfüllt, ist: Ich habe eine Chance bekommen, die andere an ME/CFS Erkrankte nicht erhalten. Und damit geht die Verantwortung einher, auf mich zu achten, meine Grenzen zu respektieren und mein Leben nach meinen Bedürfnissen zu gestalten.

Also habe ich beschlossen, diese Chance zu nutzen und mich aus alten Strukturen zu lösen. Ich habe vor Kurzem meinem Job gekündigt und werde ab Januar 2026 selbstständig arbeiten, als systemische Coach & Beraterin und als Lektorin & Sensitivity Readerin.

Manche werden jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: “Wie kann sie nur? In so unsicheren Zeiten… Und mit ihrer Vorgeschichte…” Auch hier bin ich mir meiner Privilegien und meines Supportsystems sehr bewusst, denn sie ermöglichen es mir, auf mich zu achten und mein Leben so zu gestalten, dass es zu mir passt.

Warum nun “Ann.Eck.Doten”? Und warum jetzt?

Wahrscheinlich muss ich es gar nicht erklären, aber mein Gehirn will immer auf Nummer Sicher gehen, so here we go: Ann.Eck.Doten ist ein Wortspiel aus meinem Namen (Anne), anecken und Anekdoten. Die Wahl meines Namens liegt auf der Hand. Das „Anecken“ bezieht sich darauf, dass ich das Gefühl habe, aufgrund meiner reinen Existenz regelmäßig anzuecken. Gar nicht, weil ich andere vor den Kopf stoße oder auf Stunk aus bin (Gott bewahre, das Gegenteil ist der Fall – bin ich doch die Queen des People Pleasing), sondern weil sich die Gesellschaft so oft an z. B. dicken Körpern, chronischen Erkrankungen, mentaler Gesundheit oder auch Neurodivergenz zu stoßen scheint und mit Beschämung, Herabwürdigung, Barrieren und z. T. offenen Angriffen reagiert. Hier möchte ich näher hinschauen – und u. a. persönliche Anekdoten (!) teilen.

Anekdoten sind dabei i. d. R. pointiert. Ob Pointierung und Oversharing vereinbar sind? Wir werden es sehen. Vor allem aber haben sie keinen literarischen Anspruch und sind persönlicher Natur. That’s exactly my vibe.

Und warum gerade jetzt? Ehrlich gesagt: Ich weiß nicht, ob es darauf eine plausible Antwort gibt oder ob es so etwas wie „den idealen Zeitpunkt“ bei Projekten wie diesem überhaupt gibt. Ich weiß nur, dass mein Leben in den letzten Jahren mich noch einmal mehr gelehrt hat, wie wichtig es ist, die Möglichkeiten, die ich habe, dazu zu nutzen, es so zu gestalten, dass es zu mir, meinen Anforderungen, Herausforderungen und Bedürfnissen passt. Und dass ich schreibend am besten denken, verarbeiten und verstehen kann. Also ist jetzt eben einfach nur genau das: Ein Moment, um anzufangen.

Zum Schluss: Was erwartet dich hier?

Meine Idee ist es, ca. zwei Mal monatlich eine Art Kolumne zu veröffentlichen, die du per Newsletter in dein Mailfach erhältst. Meist werde ich darin eine sehr persönliche Perspektive oder Erfahrung eines Umstands oder einer Situation schildern. Thematisch wird es vor allem um Neurodivergenz, chronische Erkrankung und Body Acceptance gehen. Auch das Thema „Scham“ soll eine zentrale Rolle spielen. Dabei werde ich nicht ohne feministische Perspektiven sowie Blicke auf Privilegien, Diskriminierungsmechanismen und strukturelle Bedingungen auskommen. Manchmal werden meine Texte aber einfach nur “Seelenstripteases”, öffentliche Tagebucheinträge und persönliche Einblicke sein. Oft wird sich wohl das eine mit dem anderen vermischen.

Gerade in den ersten Wochen der Kolumne möchte ich meine Reise zum Entdecken meiner Neurodivergenz schildern und zeigen, welche Rolle meine chronische Erkrankung dabei gespielt hat. Die ersten Texte werden demnach also besonders persönlich werden.

Ich werde mich darum bemühen, aus meinen Erfahrungen und Einordnungen Erkenntnisse über die Gesellschaft, den Umgang mit strukturellen Gegebenheiten und den Umgang miteinander abzuleiten. Und letztlich hoffe ich, dir auf die ein oder andere Weise Anknüpfungspunkte zu liefern - oder Ausgangspunkte für weitere Gespräche. Vielleicht fühlst du dich mit dem, was ich schildere, weniger allein oder mehr gesehen, vielleicht ist es aber auch ein Anreiz, dich mit Menschen in deinem Umfeld zu ihrer Wahrnehmung auszutauschen.

Schön, dass du hier bist. <3

  1. Ich habe Abschlüsse in Philosophie (B. A., Nebenfächer: Germanistik und Musikwissenschaft), Medieninformatik (B. Sc.), Angewandter Informatik (M. Sc.) und Systemischer Beratung (M. A.)

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