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“Ich bin völlig erschöpft und weiß nicht, wie ich die nächsten Wochen überstehen soll?”

Bild: Chiara Doveri

Hier auf Steady teile ich anonymisiert einige eurer langen E-Mails und meine ausführlichen, empathischen und recherchierten Antworten. Ich bin kein Coach und keine Psychotherapeutin und würde euch bei entsprechenden Fragen bitten, Fachpersonal zu konsultieren. Wenn es bei euch im Alltag an kleinen Dingen hakt und ihr gern meine Einschätzung hättet, schreibt mir gern an anna [punkt] brachetti [at] posteo [punkt| de.

Liebe Anna,

Wir sind gerade in einer wirklich schwierigen Familiensituation und mein Kopf ist leer (oder zu voll), so dass mir einfach nichts mehr einfällt, was wir noch verändern könnten, um irgendwie die nächsten Wochen gut zu überstehen. Vielleicht fällt dir ja noch irgendetwas ein?

Mein Sohn bricht gerade (und schon seit einer Weile) ständig in Tränen aus. Die Anlässe sind kleinkindtypisch (Mama muss mal die Waschmaschine ausräumen, im Müsli ist zu viel/oder zu wenig Milch, die kleine Schwester ist zu ihm hingekrabbelt und hat seinen Fuß angefasst usw.) Wir versuchen unser Bestes ihn liebevoll durch jeden Gefühlsausbruch hindurchzubegleiten und haben im Hinterkopf, dass es wahrscheinlich immer noch schwer für ihn ist, dass er nicht mehr Einzelkind ist und unsere Aufmerksamkeit teilen muss. Gerade ist auch wieder eine Phase in der er seine kleine Schwester aus dem nichts heraus oder im Vorbeigehen haut und tritt. Ich versuche das vorherzusehen und ihn so eng wie möglich zu begleiten und nicht zu schimpfen, wenn es doch mal passiert. Die kleine Schwester ist wann immer es geht in der Trage auf meinem Rücken, aber sie will sich verständlicherweise bewegen. Für ihr Spielzeug interessiert sie sich natürlich nicht, sondern nur für das Spielzeug ihres Bruders.

Oft bin ich damit beschäftigt, die beiden auf Abstand zu halten, kann deswegen aber nur eingeschränkt mitspielen und währenddessen weinen oft noch beide. Das alles gut zu begleiten ist wirklich unfassbar anstrengend.

Morgens ist der Große in der Kita, für mich Entlastung, aber auch das nächste Problem: er möchte unbedingt zuhause bleiben. Manchmal weint er bei der Übergabe, manchmal nicht. Sobald er drin ist, winkt er noch und spielt er ganz normal dort, lässt sich auch gut von den Erzieherinnen trösten, aber abends fragt er schon, ob am nächsten Tag wieder Kita ist und sagt, er möchte nicht hin. Morgens versucht er alles, um noch etwas länger Zuhause zu bleiben. Wir haben schon ein paar Mal versucht unsere Morgenroutine abzuwandeln, um zu schauen, wie es ihm leichter fällt, aber die Stimmung bleibt gleich. Das tut mir so leid, dass das alles so schwierig für ihn ist!

Das geht seit Februar so, vorher war er wegen des Lockdowns drei Monate zuhause. Seit einer Woche versuche ich den Großen erst etwas später abzuholen, weil ich so wahnsinnig erschöpft bin. Das verschlimmert unsere Nachmittage aber nochmal, dafür sind sie dann kürzer... Wenn es nicht besser wird werde ich wohl versuchen ihn doch lieber nach dem Mittagessen abzuholen.

Ich weiß, ich muss versuchen, auch gut für mich zu sorgen, aber ich weiß nicht wie. Der Tag beginnt um halb sechs, wenn die Kleine wach wird, abends um halb acht schläft der Große (macht keinen Mittagsschlaf mehr), aber dann möchte die Kleine oft noch spielen oder schläft nur in meinem Arm oder bei meinem Mann in der Trage. Gegen 22 Uhr schlafen wir dann meistens zusammen ein (achso und das Baby möchte plötzlich auch noch nachts manchmal spontan ne Stunde wach sein). Meine Schwiegermutter, die uns sonst manchmal unterstützt hat, ist gerade länger im Ausland, meine Eltern wohnen drei Stunden entfernt und fahren jetzt bald in den Urlaub. Jetzt stehen bald drei Wochen Kita-Schließzeit an. Mein Mann versucht ab und zu einen Tag oder wenigstens Nachmittag freizunehmen, aber richtig Urlaub nehmen darf er nicht in dieser Zeit. Unsere Freunde und Paten der Kinder sind leider auch vollzeitbeschäftigt, außerdem kann ich die Kleine wegen des Stillens ja noch nicht lang abgeben (würde sonst versuchen dem Großen mehr Exklusivzeit mit mir freizuschaufeln). Das Wochenende ist übrigens immer ganz ok, wenn jeder von uns sich um ein Kind kümmert, aber das bleibt natürlich trotzdem noch keine Zeit für uns.

Puh, tut mir leid, der Text ist ganz schön lang geworden.

Liebe erschöpfte Grüße

Paula*

Kategorie mentale Gesundheit

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