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“Mein Kind reagiert nicht auf Schimpfen”

Bild: Chiara Doveri

Hier auf Steady teile ich anonymisiert einige eurer langen E-Mails und meine ausführlichen, einfühlsamen und gleichzeitig pragmatischen Antworten. Ich bin kein Coach und keine Psychotherapeutin und würde euch bei entsprechenden Fragen bitten, Fachpersonal zu konsultieren. Wenn es bei euch im Alltag an kleinen Dingen hakt und ihr gern meine Einschätzung hättet, schreibt mir gern an anna [punkt] brachetti [at] posteo [punkt| de.

Liebe Anna,

Mein Sohn ist 2 Jahre und 10 Monate. Er war ein High Need Baby und ist in gewisser Weise nun ein High Need Kleinkind. Er hört nur auf mich, wenn er Lust dazu hat, was mich - vor allem auch in Gefahrensituationen - zur Verzweiflung treibt. Ich weiß nicht, ob es an seinem Charakter liegt, unserem Erziehungsstil oder fehlenden Aktivitäten und Kontakten. Ich war von Beginn an die überwiegende Zeit mit ihm zu Hause. Mein Mann und ich haben uns größte Mühe gegeben, stets seine Bedürfnisse zu erfüllen und dabei unsere (vielleicht zu oft) hintenan gestellt. Wenn wir draußen sind oder irgendwo zu Besuch ist er meist gut drauf und entspannt. Daheim liegen jedoch unsere Nerven oft blank. Sobald wir etwas wollen oder machen, das er nicht möchte, fängt er wie verrückt an zu kreischen - minutenlang. Mein Mann und ich haben danach regelmäßig Ohrenpfeifen.
Es geht morgens los, weil er nicht ins Bad will. Dann weil wir irgendetwas nicht schnell genug machen, z.B. sein Stuhl zum Tisch schieben oder weil seine Lego Konstruktionen nicht wie gewünscht gelingen. Er möchte Dinge bestimmen, die nur uns betreffen, z.B. was wir essen, anziehen, wie wir auf der Couch sitzen und bekommt auch hier ab und an Wutanfälle, wenn es nicht nach seinem Kopf geht. Aktuell ist es für uns noch schwieriger, weil wir seit sechs Wochen ein Baby haben. Wenn mein Sohn so kreischt, was er mehrmals am Tag macht, wird er nicht nur wach und starr vor Schreck. Ich hab auch Angst um sein Gehör. Mein Mann ist gerade in Elternzeit und wir verbringen abwechselnd und gemeinsam viel Zeit mit ihm. Er war auch nicht in der Kita, da er bisher kein Interesse an anderen Kindern zeigte. Nun frage ich mich manchmal, ob sein Verhalten Langeweile geschuldet ist. Leider gibt es aber aktuell keine Spielgruppen. Kinderturnen, Musikgarten etc. fällt auch aus. Auf Spielplätzen hält er Abstand und beobachtet nur. Andere Familien, die ihre Kinder ebenfalls zu Hause betreuen und mit denen wir uns treffen könnten, kennen wir nicht. Kindergarten geht erst ab September los. Wir gehen viel raus, ich bastel und sing mit ihm, er ist paar mal die Woche bei der Oma. Danach ist er jedoch nicht unbedingt ausgeglichener, sondern manchmal noch anstrengender als zuvor.

Vorgestern wollte er statt zu schlafen spielen und kletterte auf das Absperrgitter, das die Treppe nach unten absperrt. Ich hatte das Baby auf dem Arm und schrie ihn vor Schreck an, er solle runter, da ich Angst hatte, dass er die Treppe runter stürzt. Doch er reagierte nicht, obwohl es mir nie so ernst war und ich ihn noch nie bisher angeschrien habe. Insgesamt ist schimpfen oder rufen komplett wirkungslos. Er ist insgesamt vernünftig, hilft gerne mit, räumt seine Sachen selbständig auf. Sobald ich ihn jedoch um was bitte, macht er das Gegenteil. Es hilft, wenn ich es spielerisch verpacke, was ich oft mache, z.B. beim Zähneputzen etc. Aber ich brauche gerade für Gefahrensituationen einen wirkungsvollen Weg, der sofort funktioniert.

Für Deinen Rat bzw. Deine Einschätzung der Situation bin ich dankbar.

Viele Grüße,
Greta*

Kategorie Neurodivergenz

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