Helene* schreibt mir: "Mein knapp zweijähriger Sohn wirft mit Gegenständen, wenn er gerade nicht unsere volle Aufmerksamkeit hat. Wie kann ich ihm das abgewöhnen?"
Hier auf Steady beantworte ich einige eurer Fragen mit meinem Hintergrund eines Studiums der Neurowissenschaften und kognitiven Psychologie, einer Ausbildung zur Trageberaterin und Babykursleiterin, meinem gesammelten Wissen aus etwa 250 Büchern zum Thema Erziehung und meinen Erfahrungen, die ich in den letzten sieben Jahren als Mutter gesammelt habe. Ich bin keine Psychologin und kein Coach. Wenn euch eine Situation so sehr belastet, dass sie eure Gedanken den ganzen Tag über beeinflusst, möchte ich euch bitten, euch professionelle Hilfe zu suchen. Ich kann euch die innere Arbeit mit eurem Päckchen an Erfahrungen, Verletzungen und Traumata nicht abnehmen. Was ich aber versuchen kann, ist euch ein paar Gedanken und Impulse mitzugeben, die euch vielleicht helfen können, eure eigene Lösung zu finden. Und wenn ihr euch mit dem, was ich schreibe, überhaupt nicht identifizieren können solltet, dann ist auch das ein wichtiges Zeichen. Ich bin keine „Expertin“ und habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Was ich anbieten kann, ist eine (hoffentlich) empathische Antwort aus wissenschaftlichem und persönlichem Hintergrund.
Wer mir auch schreiben möchte, wendet sich bitte an anna.brachetti@posteo.de. Ich bearbeite dienstags und donnerstags eure Briefe. Schreibt bitte auch dazu, ob ich eure Nachricht und meine Antwort darauf anonymisiert (*Namen werden verändert) veröffentlichen kann.
Vielen Dank für das Vertrauen!
Bild: Anne Richard
Liebe Anna,
Mein Sohn ist jetzt 21 Monate alt und wirft in den letzten Wochen sehr oft mit Gegenständen. Oft auch nach mir. Meist resultiert diese Reaktion daraus, dass ich gerade nicht voll konzentriert mit ihm spiele, sondern z.B. auf dem Sofa sitze während er auf dem Boden spielt, oder dass ich mich mit seinem Papa unterhalte, z.B. während des Essens am Tisch.
Am Tisch, wenn er nicht mehr sehr hungrig ist und wir uns (auf Englisch als unsere gemeinsame Sprache - mit unserem Sohn sprechen wir unsere Muttersprachen) unterhalten, wirft er Teller, Becher, Besteck, Essen runter. Hier triggert mich total, dass die Sachen natürlich kaputt gehen (ich mag Plastikgeschirr nicht sehr und schätze den Wert von Dingen) und dass es mir natürlich viel Arbeit macht, das wieder aufzuräumen.
Beim Spielen, wenn ich nicht auf jedes Geschehen reagiere, wirft er erst mit einer Sache nach mir und wenn ich sage, dass ich das nicht möchte und mir das wehtut, wird er richtig wütend (vermutlich auf sich selbst) und wirft mit Holzbausteinen, Autos, Körben nach mir oder wirft Dinge wie die Gitarre oder mein Telefon auf den Boden. Hier triggert mich, dass es natürlich wehtut. Einmal hab ich ein blauen und blutendes Auge davongetragen.
Er ist ein sehr fröhlicher Junge, singt gerne, rennt gerne und liebt Bälle. Er ist total auf mich bezogen, obwohl der Papa auch den ganzen Tag zu Hause ist und aufgrund der aktuellen Situation sogar keine Arbeit mehr hat.
Diese Situation mit dem Runterwerfen nimmt mich total mit, weil ich immer in einer Alarmstellung bin und in letzter Zeit mit am Arm festhalten und auch mal Schimpfen reagiere. Das will ich aber gar nicht.
Ich hoffe, dass du vielleicht eine Idee hast, wie wir solche Situationen entschärfen können.
Liebe Grüße
Helene*