von Bernd Schwickerath und Christoph Fetzer
In der Kolumne „Best-of-seven“ blicken wir auf die Highlights der Eishockey-Woche.
Thema der Woche: Aufsteiger Dresden am Boden

Eins kann man Matthias Roos nicht vorwerfen: Dass er sich am Mittwochabend gedrückt oder die Verantwortung weitergereicht hätte. Als Roos nach dem desolaten Auftritt seiner Dresdner Eislöwen beim 1:6 gegen die Iserlohn Roosters zum TV-Interview gebeten wurde, stellte er sich geduldig allen Fragen von Magentasport. Und er wich auch nicht aus, sah die Schuld für die missliche Lage nicht zuletzt bei sich selbst.
Eigentlich war der Sportdirektor das Übliche gefragt worden, wenn es bei einem Team nicht läuft: Welche Rolle der Trainer spielt. Was ja in der Regel eine nettere Art zu fragen ist, ob der Coach nicht bald mal gefeuert werden müsste. Aber Roos wollte eben nicht nur über Niklas Sundblad reden. „Wir sind im April Meister geworden in der DEL 2 und sind das Projekt angegangen, in der DEL zu spielen. Jetzt werden uns irgendwo die Grenzen aufgezeigt. Da trägt Niklas genauso wie ich oder auch die Mannschaft die Schuld dran.“
Falsch war das sicher nicht. Erfolg und Misserfolg haben immer mehrere Väter. Die, die auf dem Eis stehen. Die, die aufstellen und die Taktik vorgeben. Und die, die Spieler und Trainer verpflichtet haben. Das Problem ist nur, dass man während einer Saison nicht den ganzen Kader rauswerfen kann. Erst recht nicht, wenn man im November bereits alle elf Importlizenzen vergeben hat. Aber Trainer und Manager, die kann man austauschen.
Die Führungsetage der Sachsen hat am Morgen nach dem Debakel im Kellerduell genau das getan, schmiss Sundblad raus, degradierte Roos. „Wir wollten gemeinsam eine Wende schaffen. Verschiedene Nachjustierungen in den letzten Wochen haben jedoch nicht die Wirkung gezeigt, die wir erhofft hatten“, ließ sich Geschäftsführer Maik Walsdorf in der Mitteilung zitieren. Das Spiel gegen Iserlohn habe „klar aufzeigt und unterstrichen, dass wir handeln müssen“.
Auch das ist nicht falsch. Wobei man auch Argumente dafür finden könnte, warum das längst hätte passieren müssen. Die Tabelle liefert so einige: Nach 23 Spielen haben die Dresdener erst einmal glatt gewonnen, stehen mit gerade mal neun Punkten völlig zurecht auf dem letzten Platz. Sie sind nur deswegen nicht bereits hoffnungslos abgeschlagen, weil die Iserlohner eine fast ebenso unterirdische Saison spielen. Bis Mittwoch hatten auch die Sauerländer erst einmal nach 60 Minuten gewonnen und zuletzt in drei Spielen hintereinander kein Tor geschossen. Gegen so ein Team mit 1:6 unterzugehen und so gut wie keine Gegenwehr zu zeigen, lässt tief blicken.
Nun ist natürlich nicht mal die Hälfte der Saison gespielt, die Eislöwen haben auch nur fünf Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Und dennoch scheint sie nur noch ein Wunder retten zu können. Zumal sie ohne freie Lizenzen eben kaum noch handeln können. Deutsche Spieler, die den Unterschied ausmachen können, sind schwer bis gar nicht zu bekommen. Es sieht danach aus, als würde das Abenteuer DEL nach nur einer Saison wieder enden. Was wohl auch die bislang so leidensfähigen Fans erkannt haben: Am Mittwochabend stellten sie schon im ersten Drittel beim Stand von 0:3 die Unterstützung ein, rollten ihren Fahnen ein und pfiffen.

Vor gut zweieinhalb Monaten war die Laune in Dresden noch ganz anders. Im Frühjahr war erstmals seit Jahrzehnten ein Eishockeyteam aus der sächsischen Hauptstadt in eine erste Liga aufgestiegen. Nun stand es vor seinem DEL-Debüt, und tausende Fans machten sich auf den Weg nach Berlin. Zudem waren die ersten Heimspiele allesamt ausverkauft, auch für das Winter Game waren bereits zehntausende Tickets weg.
Das kam auch bei Gernot Tripcke an, der von einer „Rieseneuphorie“ schwärmte. „Das Einzugsgebiet und die mediale Aufmerksamkeit sind extrem“, sagte der DEL-Chef und freute sich vor allem darüber, „dass dieser schwarze Fleck auf der Landkarte nun bedeckt ist". Abgesehen von den Eisbären Berlin gab es ja lange keinen Ostverein mehr in der DEL. Aber das sollte sich nun dauerhaft ändern. „Wir wollen uns kurz- und mittelfristig in der DEL etablieren“, sagte Geschäftsführer Walsdorf. Das Saisonziel sei also nicht etwa nur den Klassenverbleib, sondern gleich die Playoffs. Immerhin soll der Etat auf rund 8,5 Millionen Euro angewachsen sein. Es gehe um „Platz zehn auf allen Ebenen“, sagte Walsdorf, also finanziell wie sportlich.