Es gibt Momente, in denen kann und will ich nicht schweigen.
Wenn der Bundeskanzler im Bundestag das deutsche Engagement beim Klimaschutz relativiert – und dabei den Eindruck erweckt, der deutsche Anteil von „nur 2 Prozent“ an den globalen Emissionen sei Grund genug, sich zurückzulehnen, dann ist das nicht nur irreführend. Es ist fahrlässig. Wer so argumentiert, hat nicht verstanden, was auf dem Spiel steht: Die Stabilität unserer Lebensgrundlagen und unsere Glaubwürdigkeit als Industrieland.
Ich weiß nicht, welche Aktien Politiker wie Friedrich Merz an LNG-Gas-Konzernen halten – und es geht mich auch nichts an. Aber es irritiert, wie bereitwillig diese Bundesregierung den Ausbau von fossilem Gas, insbesondere von klimaschädlichem LNG, vorantreibt. Haben wir aus der Abhängigkeit von Russland nichts gelernt? Jetzt droht eine neue Abhängigkeit, diesmal von US-Gas. Langfristige LNG-Lieferverträge durch SEFE, EnBW und andere – das ist keine Brücke, sondern ein Irrweg, der unsere Klimaziele und die Energiewende in Gefahr bringt.
Noch unverständlicher ist, wie wenig wir in Deutschland und Europa auf das riesige Potenzial der erneuerbaren Energien setzen – gerade in Zusammenarbeit mit Afrika und dem globalen Süden, wo die Voraussetzungen für Solar- und Windkraft oft ideal sind. Es ist höchste Zeit, ambitioniert und entschlossen in die fossilfreie Zukunft zu investieren.
Apropos erneuerbare Energien:
Solarenergie ist im Juni 2025 erstmals die wichtigste Stromquelle Europas!
Solarenergie: Europas neue Nummer Eins am Strommarkt
Premiere im Juni 2025: Erstmals ist Solarenergie die wichtigste Stromquelle der EU. Laut Analysen des Energiedaten-Thinktanks Ember produzierte Solarstrom im Juni 22,1 % des gesamten EU-Stroms – so viel wie nie zuvor und mehr als jede andere Energiequelle. Damit überholt die Sonne erstmals sowohl Atomkraft (21,8 %) als auch Windkraft (15,8 %). Ein beispielloser Rekord, der europaweit für Schlagzeilen sorgt und den Wandel hin zu einem klimafreundlichen Stromsystem eindrucksvoll dokumentiert.

Gleich 13 EU-Länder stellten im Juni neue Solarrekorde auf. In den Niederlanden kam mehr als 40 % des Stroms von Solaranlagen, Griechenland erreichte 35 %, Frankreich verzeichnete fast 10 % Solarstromanteil – so viel wie nie zuvor. Auch Deutschland, Belgien, Spanien, Italien und viele weitere Länder erreichten historische Höchststände bei der Solarstromerzeugung.
Der Grund für diesen Sprung: In den vergangenen Jahren wurden millionenfach Solarmodule auf Dächern, Feldern und Industriehallen installiert. In Kombination mit idealen Wetterbedingungen – lange, sonnige Tage und hohe Einstrahlung – explodierte die Solarstromproduktion gerade zur Zeit hoher Nachfrage, etwa während der Hitzewellen Ende Juni.
"Europa wird zur Solarkraftzentrale", so der treffende Kommentar des Ember-Analysten Chris Rosslowe.
Die Erfolge der Solarenergie sind direkt messbar: Kohle verzeichnete im Juni 2025 mit 6,1 % Anteil an der EU-Stromerzeugung einen historischen Tiefstand. Deutschland und Polen, lange Kohlehochburgen, erleben beispiellose Rückgänge. Auch der Anteil der gesamten fossilen Stromproduktion (Kohle, Gas, Öl) fiel im Juni auf nur noch 23,6 %. Noch nie war der Weg hin zu einem sauberen, erneuerbaren Strommix so deutlich sichtbar.

Nicht nur die Sonne feiert Rekorde: Auch Windkraft erreichte im Mai und Juni neue Höchststände, mit bis zu 16 % Anteil an der EU-Stromerzeugung. Der Ausbau erneuerbarer Energien trifft dabei auf breite gesellschaftliche Zustimmung: Laut Europäischer Kommission befürworten fast 90 % der Europäer*innen den Ausbau erneuerbarer Energien.

Trotz aller Erfolge bleibt eine Aufgabe: In sonnen- und windarmen Stunden greifen viele Länder noch auf Gas zurück. Die nächste Etappe der Energiewende heißt deshalb: Mehr Batteriespeicher, smartere Stromnetze und gezieltes Lastmanagement.
Fazit:
Solarenergie ist 2025 erstmals die Nummer eins im europäischen Strommix. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrelanger Anstrengungen, politischer Weichenstellungen und enormer Investitionen. Europa zeigt: Der Umstieg auf saubere Energien ist Wirklichkeit – und die Sonne wird zum stärksten Motor der klimafreundlichen Stromzukunft.
Noch ein Wort… zum Klimarealismus
Derzeit verschärft sich der Eindruck, dass die “Klimarealisten”, die in Wahrheit ein fossiles Weiter-so wollen, umso lauter werden, je deutlicher sich die Klimakrise im Alltag vieler Millionen Menschen manifestiert. Was die Strategien dahinter sind, ist hier nachzulesen (Öffnet in neuem Fenster).
Während der spanische Stromausfall unverzüglich gegen die Erneuerbaren instrumentalisiert wurde, hat kaum jemand über den flächendeckenden Stromausfall in Tschechien (Öffnet in neuem Fenster)berichtet. Warum? Weil der Anteil an der erneuerbaren Stromerzeugung in der Tschechischen Republik sehr klein ist.
Die deutsche Diskussion über “Stromüberschüsse” ist regelrecht absurd. Energie bedeutet Wirtschaft. Energie bedeutet Wohlstand. Energie bedeutet die Möglichkeit, in Zukunftsmärkte hineinzugehen - wie etwa Synthetische Biologie und Künstliche Intelligenz. (Und ja, es bedeutet AUCH eine technologische Herausforderung, die aber selbstverständlich locker lösbar ist).
In Wahrheit ist das fossile Imperium in Panik, weil man technologische Disruptionen zwar bremsen, aber nicht aufhalten kann. Das Bremsen geschieht auf Kosten der eigenen Wirtschaftskraft des Landes. Da schließt sich der Kreis wieder zu Merz und Reiche: Mit ihrer Gesternkleber-Politik rauben sie uns faktisch Wohlstand. Von erwarteten Kosten für Emissionszertifikate von 33 Milliarden Euro in 2030 ganz zu schweigen.
In diesem Sinne: Werden wir richtig laut! Ich bleibe am Ball. Versprochen.
Martin Jendrischik