In diesem Newsletter möchte ich was Neues ausprobieren. Ich werde ab jetzt auch ein bisschen berichten, was ich sonst so lese. Also über Bücher berichten, die es nicht in den Podcast schaffen. Da können auch mal Enttäuschungen dabei sein. Aber auch ein paar gute Tipps.
Diesmal ist mein Lesebericht direkt eine Sommerempfehlungsliste. Ich hab Romane zusammengestellt, die ich gerade gelesen habe und die ich dir mit in den Urlaub geben würde.
Aber zunächst zu den aktuellen Podcast Folgen:
Die aktuellen Podcast Folgen
(Öffnet in neuem Fenster)Ein Sachbuch, das mit einem Newsletter zu mir geflattert kam. Ich habs dem Buch Club vorgeschlagen und es wurde direkt zugegriffen. Und ich muss sagen, es war das perfekte Buch Club Buch.
“Meistens bekommen wir doch entweder zu hören, dass wir großartige Freundinnen sind oder schreckliche”, sagt Eleanor. “Dabei versuchen wir doch alle einfach nur, ‘hinreichend gute Freund:innen’ füreinander zu sein.” S. 320
Es gab schon vorab so viel Austausch in der Signal Gruppe. Jede von uns hatte Flashbacks zu alten Freundschaften - und dazu haben wir extrem viel gelernt von der Kulturhistorikerin Tiffany Watt Smith. Sie hat die Geschichte der Frauenfreundschaft in der Neuzeit anhand von spannenden Quellen recherchiert. Hör hier mal rein. (Öffnet in neuem Fenster)
Hier findest du direkt einen Link zum Buch (Öffnet in neuem Fenster) (*).
Du interessierst dich für den Buch Club? Alle Infos dazu findest du auf der Website.
(Öffnet in neuem Fenster)Laura Fröhlich sitzt tatsächlich gar nicht so weit von mir entfernt im Umland von Stuttgart - trotzdem haben wir uns digital getroffen. Denn die Mental Load Expertin ist viel beschäftigt - kurz bevor die Podcast Folge mit ihr live ging, war sie sogar in den Tagesthemen!
In ihrem neuen Buch geht es um etwas, das mir allein schon dadurch die Augen geöffnet hat, weil ich einen Namen dafür hatte: emotionale Arbeit. Das ständige Gefühle lesen, einfangen, beruhigen, übersetzen zu müssen…und dafür zu sorgen, dass es allen gut geht. Sie schreibt:
Ich hatte oft den Eindruck, dass sich People Pleasing zunächst anfühlt wie die einfachere und angenehme Lösung. Ich habe mich danach aber verkatert gefühlt und mein “Ja” bereut.
Fröhlich hat einen unglaublich lockeren Ton in ihren Büchern und vermittelt ihre Themen humorvoll und leicht. Dafür bin ich ihr - als feminist killjoy - sehr dankbar. Denn neben all den schweren Themen finde ich es gesamtgesellschaftlich extrem wichtig, irgendwie weiter einen einfachen Einstieg ins Thema Feminismus offen zu halten. Vielleicht ist da das Umland von Stuttgart genau richtig. Hör mal rein - mir hat das Gespräch viel Spaß gemacht.
Hier findest du direkt das Buch (Öffnet in neuem Fenster) (*).
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Meine Sommerlesetipps
Ich bin keine Buchhändlerin und keine Germanistin, keine Linguistin und keine Literaturwissenschaftlerin (nur eine schnöde M.A. Kommunikationswissenschaften - drum schreib ich wohl Newsletter).
Das behalten wir jetzt im Hinterkopf, wenn ich dir von den Büchern erzähle, die ich eben gelesen habe und die ich dir empfehlen will. Vielleicht ist dein Buch für den Sommer dabei. Ich schreib auf jeden Fall zu jedem der Bücher, wie ich es fand und wem ich es empfehle. Über den Link mit dem (*) kannst du die Bücher bestellen. Das ist dann ein Affiliate Link - kostet dich nichts, aber ich bekomme dafür eine kleine Provision. Wenn du lieber den Podcast direkter unterstützen möchtest und im Abspann genannt werden willst, findest du hier meine Steady Pakete:

Medusa in Paradise, Laura Melina Berling
Erinnerst du dich an die Serie “Lost”? Meine Tochter (14) ist gerade voll hooked. Lustigerweise hab ich parallel das Buch von Laura Melina Berling gelesen, das bei Leykam erschienen ist. Noch lustiger ist, dass ich es in der Mutter-Kind-Kur gelesen haben, wo wir ein Haufen Frauen waren - fast wie auf einer Insel.
Ein Flugzeug stürzt ab und auf einer einsamen (tropischen) Insel landen ausschließlich Frauen. Die Autorin entspinnt daraus eine Geschichte rund um die verschiedenen Spielarten von Feminismus. Durchaus humorvoll.
Hey, kein Bodyshaming.
Sagt Siri hektisch.
Was?
Kommt genervt zurück.
Bodyshaming beschreibt, naja, die Abwertung von Personen aufgrund ihrer körperlichen Erscheinung. Also: keine Kommentare über Körper.
Ich bin doch viel dicker als sie.
Darum geht es doch nicht.
Worum denn dann?
Sie soll sich nicht schlecht fühlen wegen ihres Gewichts.
Ich fühle mich doch auch schlecht.
Ja, aber das solltest du nicht.
Hier werden wir eh abnehmen.
Aber das müssen wir doch gar nicht. Wir sind schön, so wie wir sind.
Als würde das hier jemand interessieren. (S. 19)
Mir hat das Buch Spaß gemacht. Es liest sich locker weg, das klassiche Insel-Setting lässt die Lesenden grübeln, ob sie gerettet werden - es bleibt also spannend. Und durch einen interessanten Plot kannst du dich allen Feminismen nähern, als hättest du noch nie was davon gehört.
Ich würd es sehr empfehlen für einen Strandurlaub mit Familie, in dem man kleine feministische Fluchten via Buch braucht.
4/5 Sterne
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Auf allen Vieren, Miranda July
Übersetzung von Stefanie Jacobs
Ein Buch, das die Gemüter spaltet. Ich kann mich noch sehr deutlich erinnern, wie ich gestruggelt habe mit ihrem Buch “Zehn Wahrheiten” (hab ich abgebrochen). Aber das Thema Wechseljahre und Befreiung als Frau haben mich doch sehr neugierig gemacht.
July schreibt disruptiv - ich hab mich geschämt für die Protagonistin, ich hab mit ihr gelitten und den Kopf geschüttelt. Sie wollte sich nicht greifen lassen durch Empathie und Identifikation - und je länger man das Buch liest, desto interessanter wurde das Gefühl. Ich muss mich nicht identifizieren. Ich als Lesenden könnte ja irgendwie mal schauen, wer ich bin. Denn genau das tut die Hauptperson des Buchs. Auch Autorin, Mutter eines nonbinären Kindes (allein das schon eine Wonne zu lesen) und verheiratet mit einem Musikproduzenten.
Mit weit geöffneten Augen lag ich auf meinem Bett; ich zitterte, schaffte es aber nicht unter die Decke. Ich hörte, dass Harris telefonierte; wahrschienlich erzählte er irgendjemandem, was gerade vorgefallen war. Ich stellte mir vor, ich würde jetzt sofort aufstehen, mich zur Haustür rausschleichen und entdecken, dass alle anderen Frauen im Viertel auch gerade das Haus verließen. Wir alle rannten zu ein und derselben Wiese; ohne dass wir explizit darüber gesprochen hatten war klar, dass wir uns dort treffen würden, wenn eines Tages der Kippunkt erreicht war.
Das Buch schmerzt, nervt und bleibt trotzdem interessant und spannend. Ich hab mich gefragt, wohin sie sich da manövriert. Es hallt tatsächlich immer noch nach.
Wem ich das Buch empfehlen möchte? Menschen, die sich für Umbrüche interessieren vielleicht. Auf jeden Falle ist es für Lesende, die auch mal ein paar Seiten am Stück lesen können um in den Fluss zu kommen und die stabile Nerven haben.
4/5 Sterne
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Frauenprobleme, Lina Muzur (Hg.)
Frag deine Freundinnen nach Sprachnachrichten dazu, wie es ihnen gerade geht - Stichwort “Frauenprobleme” und sei gespannt, was alles kommt. Transkribiere, editiere ein bisschen und heraus kommt eine spannende Textsammlung von Frauen, die mitten im Leben stehen. Mit oder ohne Kinder, an unterschiedlichen Orten - räumlich und im übertragenene Sinn.
Nicht alle Geschichten und Berichte haben mich gepackt. Aber ich fand die Idee allein schon großartig und das Format gelungen. Und ja, es sind auch Nachrichten in Podcastlänge dabei.
Ich empfehle das Buch vor allem als Zweitlektüre, weil die Kaptitel nicht aufeinander aufbauen. Man kann immer mal wieder eine Story lesen. Vielleicht, weil der Krimi zu spannend wird oder weil man auf einer S-Bahn Fahrt ein Buch mitnehmen möchte.
4/5 Sterne
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Riot Girl, Susanne Kaiser
DAS ist tatsächlich ein feministischer Krimi. Obalski ermittelt in München und trinkt zu viel Bier. So viel steht fest. Aber was in den Chats der Schulen so vorgeht - das ist dem Ermittler:innenteam lange ein Rätsel. Klar ist, dass sie handeln müssen - denn es wird was passieren wenn sich immer mehr Mädchen zusammenschließen und Aktionen planen. Wie weit werden sie gehen? Was sind die Motive? Und was steckt dahinter?
“Es gibt ein Bekennerschreiben”, donnerst Karajans Stimme durchs Telefon. “‘Das war nur ein Test. Jetzt habt ihr gesehen, wozu wir imstande sind. Die Spitze des Eisbergs siehst so aus. Erfüllt unsere Forderungen, wenn ihr nicht auch noch den Rest sehen wollt. Ermittelt Täter! 8 Tage.’ Ging per Mail an die Staatsanwaltschaft München I. Gleichzeitg sind neue Posts in Klassenchafts aufgetaucht, in denen unsere Forensikerinnen mitlesen: ‘Wir sind viele, wir haben Macht, wir lassen es beben. Smash the Patriarchy! Join us: #IsarChallenge. Ihre Einschätzung, Obalski?” (s. 135)
Ich fand das Buch packend und unterhaltsam. Ein echter Pageturner, wie man so schön sagt. Perfekt für den Urlaub - Krimifeeling aber mit feministischer Message.
4/5 Sterne
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Die Riesinnen, Hannah Häffner
Dunkel und grün und kühl stell ich mir den Wald vor, der die Frauen in diesem Buch umgibt. Stark und mächtig und tatsächlich präsenter als alle Männer ist der Schwarzwald.
Hannah Häffner hat eine kraftvolle Geschichte über drei Generationen Frauen geschrieben, die mit diesem Wald verbunden sind und vielleicht auch dadurch ein bisschen Kraft schöpfen, ihren eigenen Weg zu gehen. Mutig und stur vor allem.
Das Kind kommt auf die Erde geschossen wie Rohrpost, nichts und niemand hält es auf, was es wohl damit sagen will. Die Hebamme fängt es mit den Händen, und nachdem man es darauf untersucht hat, ob es alle zehn Finger und auch keinen Pferdefuß hat, legt man es ihr in den Arm. Es ist ein rothaariges, zartes, knochiges Mädchen, das sie anschaut, als wäre nichts gewesen.
Cora starrt zurück. Das soll es jetzt gewesen sein. Sie weiß nicht, was sie sagen oder tun soll. Was tut man in einem solchen Moment? Sollte sie das nicht wissen?
Sie schaut zur Mutter, die Rotz und Wasser heult.
“Mama, was mach ich denn jetzt?”
Mir hat besonders gut gefallen, wie viel Zeit sich die Autorin für diese Geschichte nimmt, die nie langweilig wird. Über drei Generationen erzählt sie von Widerständen und Zeitgeschichte, von Möglichkeiten und Hoffnungen. Dabei rücken diese Frauen nie aus dem Mittelpunkt - und das fühlt sich wunderbar an.
Ich empfehle das Buch sehr für heiße Ferienorte, weil die kühle des Schwarzwaldes irgendwie ein bisschen aus den Seiten weht.
5/5 Sterne
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Das Tränenhaus, Gabriele Reuter
Ich mag es, dass immer wieder tolle vergessene Bücher aus der Versenkung auftauchen. Dieses hier habe ich sogar zum Geburtstag geschenkt bekommen von meiner wunderbaren Silja, die weiß, was ich gerne lese.
Falls du “Frauenliteratur” von Nicole Seifert (Öffnet in neuem Fenster) (*) gelesen hast, dann ist dir Gabriele Reuter ein Begriff. Sie war so berühmt wie Fontane, hat es aber nicht in den literarischen Kanon geschafft. Mehr dazu bei Nicole Seifert (auch ein großartiges Buch und unbedingt lesenwert - nein Pflichtlektüre!).
In “Das Tränenhaus” geht es um eine unverheiratete Schwangere - und allein das war wohl schon ein großer Skanal 1908, als das Buch erschien. Mich hat die sehr poetische Sprache sofort in ihren Bann gezogen, weil ich so etwas schon lange nicht mehr zu lesen bekommen habe. Und gleichzeitig schafft es Reuter, die Hauptfigur sehr bestimmt und stark einzuführen.
Ich hab es noch nicht fertig gelesen, aber ich empfehle es jetzt schon für alle, die gerne mal wieder wohlgefeilte Sätze lesen wollen und ihr Hintergrundwissen zur Geschichte der Frauenbewegung durch dieses Buch ausweiten wollen.
?/5 Sterne (muss noch fertig lesen)
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Was ich gerade lese:
“Das Tränenhaus” war die perfekte Überleitung zum letzten Teil dieses doch etwas länger gewordenen Newsletters. Nennen wir ihn Sondernewsletter, weil er besondere Sommerlesestipps enthält.
“Das Tränenhaus” will noch fertig gelesen werden, das letzte Kapitel von “A Room of One´s Own” von Virginia Woolf ist noch auf der Leseliste. Denn darüber sprechen wir bald im Buch Club.
Und dann bin ich mittendrin im wirklich fantastischen Buch von Bianca Walther “Die Vorkämpferinnen”. Wie kurzweilig kann ein Sachbuch über die Frauenbewegung geschrieben sein? Bianca Walther so: JA! Absolute Empfehlung, auch wenn ich erst ein Drittel gelesen habe.
Und dann stehen drei dicke Schmöcker auf der Leseliste des Buch Clubs diesen Sommer - da werde ich mich als nächstes draufstürzen. Liest du mit?
(Öffnet in neuem Fenster)Hörtipp
Eigentlich wollte ich den Newsletter schon verschicken, aber ich packe dir noch einen Hörtipp rein. Ich war kein Ultra-Fan von Tic Tac Toe, aber die Songs waren für mich Hits! Das Drumrum habe ich damals nur mit halbem Ohr mitbekommen (ich durfte nur selten eine Bravo kaufen). Aber genau wie beim Buch von Britney Spears sind mir so einige Schuppen von den Augen bzw. Ohren gefallen, als ich diesen Podcast gehört habe. Er wirft einen neuen Blick auf die Geschichte - auf die berühmte Pressekonferenz und das “Rumgezicke” der jungen Frauen damals. Man möchte heulen - es hat viel mit mir gemacht. Vielleicht auch mit dir - hör mal rein. “Reclaim Tic Tac Toe”! (Öffnet in neuem Fenster)
(Öffnet in neuem Fenster)So, damit schließe ich aber dieses Großwerk ab.
Ich freu mich immer von dir zu hören. Brauchst du öfter Buch Tipps oder soll ich ausführlicher darüber schreiben, was mir an den Büchern gefallen hat? Helfen dir die Zitate aus den Büchern überhaupt weiter? Schreib mir doch an dieleserinnenpodcast@gmail.com (Öffnet in neuem Fenster)
Herzliche Grüße
Christina
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