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Gor (1987)

Der nerdige Physikprofessor Tarl Cabot wird durch einen magischen Ring auf den Planeten Gor transportiert. Die archaische Gegenerde, in der das Recht des Stärkeren herrscht, ist von Barbarentum und Sklaverei geprägt. Dort schließt sich Cabot einer Rebellengruppe an, die gegen den sadistischen Priesterkönig Sarm kämpft, weil der den Leuten ein magisches Artefakt, den "Heimatstein", stahl. Zusammen mit der Kriegerin Talena und einigen anderen kämpft Cabot sich durch die brutale Welt Gor und versucht, den gestohlenen Heimatstein aus Sarms Festung zurückzuholen, der für seine Rückkehr zur Erde unerlässlich ist.

Gor aus dem Jahr 1987 ist ein US-amerikanischer Fantasyfilm von Fritz Kiersch, der für die King-Verfilmung Kinder des Zorns (1984) bekannt ist. Die Hauptrollen übernahmen Urbano Barberini, den ich von Lamberto Bavas Dämonen 2 (1985) kenne, und das Playmate Rebecca Ferratti. Ansonsten sind an bekannteren Gesichtern noch Oliver Reed, Jack Palance und Paul L. Smith zu sehen. Das Drehbuch verfasste Harry Alan Towers (unter dem Namen Peter Welbeck), der das bereits für zahlreiche bekannte Filme, wie Marquis de Sade: Justine (1969), Das Bildnis des Dorian Gray (1970), Nachts, wenn Dracula erwacht (1979) und die Dr.-Fu-Man-Chu-Reihe tat.

Gor ist eine lose Adaption des 1966 erschienenen Romans "Tarnsman of Gor", der 1973 als "Gor - Die Gegenerde" in Deutschland veröffentlicht wurde. Das Buch ist der Anfang einer bis heute 38 Bücher zählenden Romanserie von John Norman, die einen gewissen Einfluss auf die BDSM-Szene hatte. Norman ist bis heute aufgrund seiner Sicht auf männliche Dominanz und weibliche Unterwerfung sehr umstritten. Im Film Gor wurde die ursprüngliche Story jedoch verändert und mit Rebecca Ferrattis Rolle der Talena ein starker weiblicher Charakter eingeführt. So ist das Ganze nicht sexistischer als andere Filme aus dieser Zeit auch.

John Norman ist ein US-amerikanischer Schriftsteller und Philosoph, der in seinen Fantasy- und Science-Fiction-Werken vor allem darauf abzielt, amerikanische Tabus zu brechen und die Themen Sklaverei und Unfreiheit zu bearbeiten. Sein gesamtes Werk reflektiert das Verhältnis von Dominanz und Unterwerfung, die er sehr patriarchal auf Männer und Frauen verteilt. Dabei spielen Zwangssituationen wie Fesselungen, erzwungene Nacktheit, körperliche Züchtigungen und Sex in seinen Beschreibungen eine gewisse Rolle. Im Film sind derlei Darstellungen eher zurückgenommen. Norman sieht in den gesellschaftlichen Konventionen der westlichen Demokratien, die Männer und Frauen gleichstellen wollen, die eigentliche Unfreiheit. Für ihn widerspricht das der wahren Natur von Männern und Frauen. Am Ende seiner Romane stehen daher meistens Zweierbeziehungen, in denen die unterwürfige mit der dominanten Hauptperson glücklich ein gemeinsames Leben beginnt. Dabei werden Männer, selbst wenn sie anfänglich versklavt wurden, am Ende immer zu Herren und Frauen grundsätzlich zu Untergebenen. Laut John Norman können Menschen nur in diesen Rollenzuweisungen glücklich sein.

John Milius Conan der Barbar (1982) löste Anfang der 1980er-Jahre eine Welle von Barbarenfilmen aus, die vor allem aus Italien und den USA stammen. Gor schwimmt auf dieser Welle, auch wenn hier nichts von der Genialität des ersten Conan-Films zu erkennen ist. Die Zeit und vor allem das Publikum schien reif zu sein, die barbarisch angehauchten SM-Fantasien von John Norman auf der Kinoleinwand ertragen zu können. Filmisch ist das Ganze ziemlich trashig, oft sehr dumm und platt. Die Kritik war sich damals einig, dass Gor kein guter Film sei. So wurde der Hauptdarsteller Urban Barberini als "Milchbubi" und "Conan-Verschnitt ohne Stil" bezeichnet.

Ich liebe 80er-Trash und bin bereit, einiges zu verzeihen, von daher finde ich Gor nicht so schlimm, wie es teils zu lesen ist. An den stimmungsvollen Weltaufbau mit den originellen Kreaturen und Kulturen, die die Buchreihe zu bieten hat, kommt der Film natürlich auf keinen Fall heran. Gor ist ein dümmliches Barbarenfilmchen mit vielen nackten Schauwerten und Kampfchoreografien, die an peinliche Schaumstoffwaffengefechte auf LARP-Festivals erinnern, aber ich habe definitiv schon schlechteres gesehen.

https://www.imdb.com/de/title/tt0095241/ (Öffnet in neuem Fenster)
Kategorie Film