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True Detective / Staffel 1 (2014)

Die Detectives Marty Hart und Rust Cohle bekommen es mit einem ganz speziellen Mordfall zu tun. Junge Frauen und Kinder werden entführt, misshandelt und getötet. Doch immer mehr kristallisiert sich heraus, dass es sich bei dem Täter nicht nur um einen einfachen Serienmörder handelt, sondern dass ein mysteriöser Kult hinter Allem steckt. Dieser Kult betet den mythischen König in Gelb an. Der Fall verändert das Leben der beiden Polizisten grundlegend und verlangt ihnen Unmenschliches ab. Doch im Kampf gegen derlei Mächte können Menschen nur verlieren.

Die erste Staffel True Detective von Nic Pizzolatto aus dem Jahr 2014 ist für mich ohne zu übertreiben eine der besten filmischen Werke aller Zeiten. In den Hauptrollen sehen wir Matthew McConaughey als Rust Cohle und Woody Harrelson als Marty Hart. Matthew McConaughey spielt hier die Rolle seines Lebens. Den Golden Globe und den Emmy hätte er gewinnen müssen. Woody Harrelson verkörpert ebenso grandios den unsympathischen Teil des Ermittlerduos. Ihr Zusammenspiel ist fantastisch. Ein gesellschaftlich angepasster Frauenfeind (Marty Hart) und ein pessimistischer Außenseiter (Rust Cohle) passen eigentlich so gar nicht zusammen, und doch sind sie in tiefer Freundschaft verbunden. Das ist ein legendäres Duo, was in die Filmgeschichte eingegangen ist.

Die erste Staffel ist mehr ein acht Stunden langer Film, denn eine typische Serie. Sie vereint Krimi- und Mystery-Elemente sowie Serienmörder- und kosmischen Horror. Sie ist bissige Gesellschafts- und Religionskritik und enthält eine großartige Philosophie. Die Geschichte ist spannend erzählt und mit einer einmaligen Ästhetik inszeniert. Hinter der Primärhandlung um die Serienmorde und die Lebensumstände von Rust Cohle und Marty Hart schwebt stets eine unheimliche Ebene, die dem kosmischen Horror eines H.P. Lovecrafts entsprungen sein könnte. Allein Rust Cohle hat die intellektuelle Reife, diese Ebene zu erkennen. Das Motiv des Königs in Gelb stammt aus Robert W. Chambers Kurzgeschichtensammlung "Der König in Gelb", einem frühen Werk des kosmischen Horrors.

Für Antonio Lucci, der sich in seinem Buch "True Detective - Eine Philosophie des Negativen" mit der Philosophie der Krimiserie beschäftige, vertritt Rust Cohle einen kosmischen Pessimismus, der an die Geisteshaltung der Gnosis erinnert und von einer tiefen Angst bestimmt wird. Lucci schreibt: "In der gesamten ersten Staffel von True Detective herrscht die Grundstimmung der dunkelsten Gnosis, jener Lehre also, die sowohl Natur als auch die Menschen (als Einzelne und als Kollektivität) als ursprünglich verfehlt betrachtet und somit jegliche irdische Erlösung ausschließt. [...] Aus diesem Grund ist das Leben an sich wertlos, und die Übertragung des gnostischen Credos von True Detective auf das einzelne Individuum wird zwangsläufig auf einen strengen Antinatalismus und eine positive Auffassung des Todes als einzig mögliche Befreiung aus dem "Staub dieses Planeten" hinauslaufen." Serienschöpfer Nic Pizzolatto bezog sich in der Philosophie von True Detective vor allem auf den Horrorautor Thomas Ligotti und auf Peter Wessel Zapffes ultraradikales, antihumanistisches und antinatalistisches Essay "Der letzte Messias" aus dem Jahre 1933.

True Detective ist ein nihilistischer Dampfhammer, ein pessimistisches Gedicht, unendlich kalt und unendlich schön. Philosophischer Horror und kosmische Angst sind für mich noch nie so gelungen in einem Werk vereint worden.

https://www.imdb.com/title/tt2356777/ (Öffnet in neuem Fenster)
Kategorie Serie