Die Studentin Emily Rose stirbt bei einem offiziellen Exorzismus der Katholischen Kirche. Daraufhin wird Pater Richard Moore, der den Exorzismus durchführte, wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Die ehrgeizige Anwältin Erin Bruner übernimmt die Verteidigung des Priesters, der sich weigert, eine Schuld einzugestehen und nur eines möchte: Emily Roses Geschiche erzählen. Stück für Stück rekonstruiert Erin Bruner durch ihre Recherchen, Interviews mit Zeugen und zuletzt mit Hilfe eines Tonbands vom Tag der Teufelsaustreibung die unheimlichen Geschehnisse um Emily Rose und deren Leidensweg durch das Besessensein von Dämonen.
Der Exorzismus von Emily Rose ist ein Gerichtsdrama mit Mystery-Thriller- und Horror-Elementen aus dem Jahr 2005. Regie führte Scott Derrickson, der später u.a. Sinister (2012), Erlöse uns von dem Bösen (2014) und The Gorge (2025) drehte. Zusammen mit Paul Harris Boardman schrieb er auch das Drehbuch. In den Hauptrollen sind Jennifer Carpenter als Emily Rose, Laura Linney als Erin Bruner und Tom Wilkinson als Pater Richard Moore zu sehen. Für die stimmungsvolle Filmmusik zeichnet Christopher Young verantwortlich.
Der Film wurde mit "nach einer wahren Geschichte" beworben und basiert lose auf dem realen Exorzismus der Anneliese Michel aus dem bayerischen Klingenberg am Main, der 1975 und 1976 stattfand und zum Tode der jungen Frau führte. Auch wenn Scott Derrickson die Erwähnung des tatsächlichen Falls vermied und nur davon sprach, dass er davon gelesen habe, bin ich mir relativ sicher, dass sein Werk auf Felicitas D. Goodmans Buch "Anneliese Michel und ihre Dämonen" fußt. Goodman versucht darin, den Fall Anneliese Michel wissenschaftlich und unvoreingenommen zu betrachten. Das Buch beginnt mit den Worten: "Fünfzig Millionen Fernsehzuschauer sind 1978 mit dem "Aschaffenburger Exorzismusprozess" konfrontiert worden, mit einem der erschütterndsten Mädchen-Schicksale der Gegenwart. Auch die Deutsch-Amerikanerin Frau Prof. Dr. F. Goodman, Professorin für Anthropologie an der Denison-Universität in Ohio, las in "Newsweek" von diesem Fall, der sofort ihr kritisches Interesse weckte und sie veranlasste, sich Material kommen zu lassen; sie flog sogar nach Deutschland, um sich an Ort und Stelle zu informieren und mit den Augenzeugen persönlichen Kontakt aufzunehmen." Im Film kommt mit Dr. Adani, gespielt von Shohreh Aghdashloo, auch eine Anthropologin im Zeugenstand der Gerichtsverhandlung vor, die interessanterweise dieselbe Argumentation führt, wie Goodman in ihrem Buch. Anneliese konnte danach nicht von den Dämonen befreit werden, weil die Medikamente, die sie gegen ihre verschiedenen (vermeintlichen?) Krankheiten bekam, Gehirnareale manipulierte, die laut der Anthropologinnen für religiöse Befreiungszustände wichtig sind.
Nach dem bahnbrechenden Erfolg von William Friedkins Der Exorzist (1973) und seiner zwei Fortsetzungen, wurde es zunächst ruhig um das Subgenre. Erst mit der dritten Fortsetzung durch Exorzist: Der Anfang (2004) wurde der Exorzismusfilm nach einer jahrelangen Durststrecke wiederbelebt. Der entscheidende Katalysator für diese Renaissance war allerdings keineswegs der vierte Teil der Der-Exorzist-Reihe, sondern vielmehr Der Exorzismus von Emily Rose, der eine neue Welle von Filmen dieser Art auslöste. Requiem (2006), Der letzte Exorzismus (2010), The Rite - Das Ritual (2011) und The Taking of Deborah Logan (2014) sind nur einige Beispiele, die zu nennen wären. Hans-Christian Schmids Requiem sticht dabei heraus, denn der Film behandelt ebenso Anneliese Michels Fall. Während Requiem ein filmisch gelungenes aber eindimensionales Werk ist - mehr ein Psychosetagebuch aus rein wissenschaftlicher Perspektive - und sich gar nicht erst die Mühe macht, sich auf die Gefühls-und Glaubenswelt aller Beteiligten und des Opfers einzulassen, da regt Der Exorzismus von Emily Rose wie auch schon Felicitas D. Goodmans Buch zum Nachdenken an und verhandelt den Fall angenehm interpretationsoffen und vieldeutig.
Die spannende Mischung aus Gerichtsdrama und Horrorfilm fällt vor allem durch ihre monströsen Besessenheitsszenen und das ganz großartige Spiel von Jennifer Carpenter in der Rolle der Emily Rose auf. Ich liebe Exorzismusfilme; angesiedelt irgendwo zwischen Psychose und Dämonenglaube, faszinierte mich das Thema schon immer. Der Exorzismus von Emily Rose ist für mich einer dieser ewigen Filmfavoriten, die ich immer wieder sehen kann. Und wer einmal die im Internet kursierende Tonbandaufnahme von Anneliese Michels Exorzismus gehört hat, wird das Gefühl nicht los, dass da mehr dahinter ist, als die uns in Sicherheit wiegende Illusion von der wissenschaftlichen Erklärbarkeit der Phänomene Exorzismus und Besessenheit oft weismachen will.
https://www.imdb.com/de/title/tt0404032/ (Öffnet in neuem Fenster)